Zeitungen

12 Thesen zur Zukunft der Verlage - eine melancholische Prognose

1. Das etablierte Printgeschäft wird den Zeitschriften- und Zeitungs-Verlagen in den nächsten zehn Jahren um die Ohren fliegen. Wer jetzt nicht den Einstiegs in die digitalen Media-Communities schafft, verspielt seine Zukunft.

2. Derzeit tut sich für kurze Zeit ein Window of Opportunity auf, in dem die schrumpfenden Printhäuser ihre verblieben Restauflagen nutzen können, um digitale Communities aufzubauen. In fünf Jahren wird es zu spät sein.

3. Die nachwachsende Generation, die erste, die mit dem Internet aufwächst, hat sich längst von Zeitungen und Zeitschriften verabschiedet. Nur das Buch geht gestärkt aus dem Digitalisierungshurrikan hervor, weil es das kontemplative Gegenstück ist zum digitalen Medienrauschen.

4. Der erfolgreichste Verlag der Welt und gefährlichste Gegner aller deutschen Verlage heißt Google. Google rüstet die bisherigen Mediennutzer mit allem aus, was sie brauchen, um selbst Verleger zu werden. Ein Journalist oder ein Schreiber zu sein, ist in Zukunft kein priviligierter Beruf, sondern eine Fähigkeit wie Autofahren.

5. Die Globalisierungsfalle der Medien heißt Digitalisierung. Was für die Software-Branche die Inder sind und für Hardware die Chinesen, sind für die Medien die Blogger. Sie setzen als Billiglöhner die Verlage unter brutalen Kostendruck.

6. Die Verlagsburgen des 20. Jahrhundert werden geschleift. Der tendenzielle Fall der Profitraten wird die Verlage aus ihren teuren Prestigebauten in den Innenstädten vertreiben. Die Verlage werden durch Heuschrecken zur Kosteneffizienz gezwungen.

7. Allein originärer, glaubwürdiger Content ist King. Alle bloßen Dienstleistungs- und Transportfunktionen, die Verlage heute noch ausüben z.B. bei Handelsregister-Anzeigen, werden pulverisiert. Kleinanzeigen sind unrettbar an das kostenlose Internet verloren. Als letztes sterben die Todesanzeigen.

8. Printmedia wird zum Low-Margin-Geschäft. Eine völlig neue Erfahrung für die Verlagsbranche, die zwestellige Umsatzrenditen gewohnt war. Die McKinseys werden bei den meisten Verlagen die Macht übernehmen.

9. Paid Content ist bullshit. Bezahl-Inhalte werden im Internet im größeren Umfang niemals funktionieren. Es wird immer einen Herausforderer geben, der ähnliche Inhalt werbefinanziert anbietet.

10. Druck-, Vertriebs- und Portokosten verschwinden im Internet völlig, Produktionskosten sinken auf ein Minimum – die Anzeigenabteilung wird in der Lage sein, die Kosten der Kreation reinzuholen.

11. Medienkompetente Computerkids chatten mit Hingabe und werden sich ihre Medien selbst machen. Der Honoratioren-Blickwinkel der etablierten Verlage ist megaout.

12. Blogger werden sich an Alphabloggern orientieren und digitale Netzwerke gründen, wenn die etablierten Verlagen ihr Window of Opportunity versäumen.

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