Heute2.0: Samstag, 22. April 2006, 21.45 Uhr:

holtzbrinck stefan vonVerleger2.0: Stefan von Holtzbrinck, Inhaber und Chef der Verlagsgruppe Holtzbrinck ("Zeit", "Handelsblatt", "Wirtschaftswoche", "Tagesspiegel"), macht Hubert Burda den Anspruch als Deutschlands innovativster Verleger streitig. Während wir auf Burdas Leserblogs warten und warten, hat von Holtzbrinck ein hoch interessantes Projekt zu Wasser gelassen: Die Blogplattform "Germanblogs", ein "Blognetzwerk für Qualitätsblogging", so das Selbstverständnis.

Charmante Idee dahinter: Blogger, die sich aufgerufen fühlen, bearbeiten gemeinsam mit anderen Blogger in einem der jetzt schon 18 Blogs Themen wie "Satire", "TV", "Reise", "Kino", "Politik" oder "Glauben" - mit Unterstützung eines großen Verlags - und sogar gegen Honorar. Mit ein bisschen Trommelwirbel durch die verlagseigenen Blätter dürfte das Projekt schnell abheben. Punkt 6 der 10 wichtigsten Fragen wird schon mal überzeugend beantwortet:

Warum sollte ich bei germanblogs mitmachen?
Mit Ihrem Engagement helfen Sie, eines der größten Blog-Netzwerke mit aufzubauen. Ihr Name wirbt für Ihre Kompetenz, Ihr Unternehmen oder Ihre Leidenschaft. Sie können sich mit Fachleuten aus Deutschland und der ganzen Welt unterhalten.

Hintergründe des Projekts beschreibt exklusiv im "kressreport" der Autor und Blogger Alexander Hüsing - deshalb sei hier nicht zuviel verraten. Schaut Euch die Seiten halt mal an, vielleicht kann Alexander, der Gründer der legendären Spaß-Seite butterbrot.de hier ja mitdiskutieren.+++

Unternehmerblog. Hausfrauen, Studenten, freie Journalisten und Alt-Blogger bitte mal kurz wegschauen: Das "manager magazin" hat auf seiner Website einen Unternehmerblog gestartet. Andreas Odefey von der Beteiligungsfirma BPE stellt Management-Fragen - möglichst aus der Praxis. Und die lieben User sollen die Fragen lösen. Erstes Thema, bei Familie Turi auch nicht unbekannt: Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich.

Bisher fühlt sich's, finde ich, noch mehr an wie ein Forum. Chefredakteur Andreas Nölting wird ums am Montag gegen 11.30 Uhr sicher darüber Auskunft geben können, wie's gemeint ist, wenn wir unser Blog-Interview vom Donnerstag fortsetzen.+++

Print gewinnt, und online rennt: Ein prima Werbeklima sorgte laut Nielsen Media Research im ersten Quartal 2006 für 123 Millionen Euro Werbeumsatz für Online-Medien - rund 43 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. In Prozent gerechnet ein sattes Plus von 53,4 Prozent. Online ist damit die am schnellsten wachsende Mediengattung in Deutschland, erreicht mittlerweile rund 3 Prozent des Gesamtwerbevolumens.

Allerdings kommt der Zuwachs auf sehr niedrigem Niveau. Zum Vergleich: Die Publikumszeitschriften stiegen "nur" um 9 Prozent, in absoluten Zahlen aber um 80 Millionen, also fast doppelt so stark. Und 950 Millionen Euro für die Zeitschriften sind immer noch fast achtmal soviel wie die Online-Ausgaben. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland, wie in den USA, die Weblogs vom Online-Werbeboom profitieren werden. In den USA stiegen die Web-Werbeausgaben übrigens "nur" um 30 Prozent - in absoluten Zahlen: von 9,6 auf 12,5 Milliarden Dollar. Das sind inzwischen 4,7 Prozent der Gesamtausgaben im US-amerikanischen Werbemarkt.+++

Kohtes1Gute Zeile: "PR profitiert immer. Wenn's der Wirtschaft schlecht geht, profitiert sie von den Krisen, wenn's ihr gut geht, profitiert sie vom Überfluss."
Paul J. Kohtes, Agenturgründer und Buchautor ("Dein Job ist es, frei zu sein. Zen und die Kunst des Managements"), im aktuellen "kressreport".+++

Danzer Herwig 300x363Lieblink: Wie es aussieht, wenn Handwerker im Blog selbst Hand anlegt, zeigt eindrucksvoll das Nachhaltigkeit.Blog, das der Unterkrumbacher Tischler Herwig Danzer ("Die Möbelmacher") so prall aus dem Leben gehobelt hat, dass man den frischen Spänen praktisch beim Fallen zuriechen kann. Wir klopfen auf Holz, dass es dem Herwig bald noch mehr Kunden in die Werkstatt treibt.+++

Fieslink: Gift und Galle spritzt mal wieder Rainer Meyer, alias Don Alphonso, ein eigentlich nicht unbegabter, aber leider schlecht erzogener Buch- und Blog-Autor. Sein Opfer ist Patrick Gruban, der die verdienstvolle Initiative "Zündfunk retten" ergriffen hat, mit einiger Resonanz in deutschen Blogs. Meyer wirft Gruban vor, die Aktion nicht selbstlos gestartet zu haben, sondern aus Eigeninteresse als gelegentlicher oder doch irgendwie dem Zündfunk verbundener Mitarbeiter.

Was erschrocken macht, ist Meyers Wortwahl (und dass keiner seiner Leser widerspricht):
Zündfunk = "selbstbeweihräuchernde Hirnfickveranstaltung",
Initiative = "Kommentarspam", "Sautreiben", "Saujagd", "das selbstverliebte Ringelschwanztreiben"
Unterstützer: "Mediencretins", "inzestuöse Kamarilla"
Gefährdet sieht Meyer weniger den "Zündfunk", als die "Integrität der Blogosphäre". Von der redet Meyer in etwa so glaubwürdig wie Berti Vogts vom kreativen Angriffsfußball.+++

schweiz-spotGucken: Was machen all die Frauen eigentlich während der Fußball-WM, wenn die Männer nur Augen haben für das runde Leder? Sie lassen sich in der Schweiz auf der Alm von schönen Männern mit sprechenden Händen verwöhnen. Das schlägt zumindest die Schweiz-Touristik in ihrem neuen Werbespot vor. Mädels, unbedingt anschauen, die Männer sind wirklich sehenswert. Jungs, bitte anschauen, die weiblichen Milchdrüsen im Bild sind wirklich beeindruckend.;) Dieser lustige Werbespot erreicht uns wieder einmal via "w&v", der führenden Marketingfachzeitschrift in Europa, deren Webangebot komplett öffentlich ist. Für Fans von Werbespots praktisch ein Muss.+++

visdpZitate2.0: "Man kann mit einem Magazin nicht die Gesellschaft verändern. Sie muss schon vorher davon träumen."
Florian Illies, "Monopol", in einer ausführlichen und schärfstens zu empfehlenden Titelgeschichte von "V.i.s.d.P" über das Gründen und Verlegen von unabhängigen Zeitschriften wie "Dummy", "11 Freunde", "Mare" und "Brand eins". "Mach Dein Ding" bringt ganz gut rüber, was die Selbst-Verleger antreibt: die Begeisterung für die Sache, nicht der Wunsch nach dem großen Geld.+++

PS: Wer heute kochen will oder muss, dem empfehlen wir Falafel mit Dip.

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heute2.0 von gestern.

Meine Quellen:
Websites: kress.de, horizont.net, wuv.de, pr-journal.de, spiegel.de, FTD, Handelsblatt, netzeitung.de, google.de/alerts, heise.de, golem.de, de.internet.com, medienhandbuch.de, trueffeljaeger.com.

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