Heute2.0: Donnerstag, 13. Juli 2006, 16.15 Uhr:

Diekmann Kai 200x387Korrigier Dir Deine Meinung: Die Fehler der „Bild“-Zeitung werden künftig nicht mehr nur im Internet unter www.bildblog.de korrigiert, sondern auch in der gedruckten „Bild“ selbst. Diese Entscheidung gab der Springer-Verlag am Donnerstag bekannt. Chefredakteur Kai Diekmann korrigiert damit eine Entscheidung, die er Anfang 2001 bei seinem Amtsantritt getroffen hatte: Vorgänger Udo Röbel hatte eine Korrekturspalte 1998 eingeführt – und Diekmann hatte sie eingestellt. Wohl nach dem Motto: Das brauchen wir nicht. Brauchen sie wohl, denn wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht.

Ab Freitag, 14. Juli 2006, hat „Bild“ also wieder eine eigene Korrekturspalte. Und zwar auf Seite 2, wann immer die Redaktion eine Korrektur für nötig hält. Verlagssprecher Tobias Fröhlich freut sich, dass Fehler künftig da korrigiert werden, wo sie entstanden sind und nicht, so Fröhlich zu turi2, bei „dieser kleinen, elitären Runde mit homöopathischer Größenordnung“. Vorbei seien jetzt die Zeiten, wo Leser die Fehler von „Bild“ an „Bildblog.de“ melden, weil sie denken, so Fröhlich, „das sei unsere Zweitseite“. Künftig können Fehler direkt an leserbriefe @bild.de gemailt werden. Übrigens: Bei „Bild Online“ wird weiterhin korrigiert, sobald Fehler auffallen. Die Korrekturspalte ist nur für das Printprodukt.

röbel udoÜbrigens: Gemessen an der Anzahl der selbst recherchierten Geschichten hat „Bild“ eine ganz normale Fehlerquote – „nicht mehr und nicht weniger als andere Medien“, urteilt Diekmanns Vorgänger Udo Röbel im Gespräch mit turi2. Dabei ist Röbel sicher kein Fan von Diekmann, für den er seinen Chefsessel räumen musste: „Die orientieren sich zu sehr nach unten.“ In den „Niederungen der Gesellschaft“ sei aber keine Auflage mehr zu gewinnen. Die Korrekturspalte begrüßt Röbel sehr: „Ich finde es wunderbar. Journalisten sind auch nur Menschen. Und wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Es zeugt von Größe, wenn man Fehler zugibt.“ Röbel erinnert sich an eine gute Resonanz auf Korrekturen: Als er einmal fett die Schlagzeile „Sorry, Til!“ formulierte, weil er das Scheitern von Til Schweigers Ehe vor der Zeit verkündet hatte, sei die Auflage sogar um fünf Prozent gestiegen, erinnert sich Röbel.

Den „Bildblog“ liest ex-Cheffe Röbel übrigens regelmäßig – ist aber kein wirklicher Fan davon. „Manches ist wirklich ein Alarmzeichen, wenn zum Beispiel in einer Bildunterschrift ein BMW als Mercedes bezeichnet wird“, sagt Röbel. Aber: „Mittlerweile ergehen die sich in Kleinigkeiten, wo jeder normale Mensch sagt: ‚So what!’+++

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Webwatcher aus der Kasernenstraße: Das "Handelsblatt" startet eine neue Kolumne unter der Adresse www.handelsblatt.com/webwatcher. Als "Webwatcher" will ein Redaktionsteam um Hans Schürmann jeden Montag "Nutzertrends, neue Sites und Geschäftsmodelle sowie Werbestrategien" vorstellen. Die Rubrik erscheint wöchentlich gedruckt im "Handelsblatt" und wird in einem Blog diskutiert, der auch unter der Adresse webwatcher.blogg.de erreichbar sein wird.+++

Zitat des Tages: "Nur noch ein Drittel (32 Prozent) der unter 30-Jährigen liest in Westdeutschland eine Regionalzeitung. 1990 war es mehr als die Hälfte (56 Prozent)." w&v vom 13. Juli 2006 über die aktuelle AWA Allensbacher Werbeträger-Analyse.+++

Zahl des Tages: 15.600.000.000 Dollar, in Worten: 15,6 Milliarden Dollar ist der Fonds, den Blackstone Capital Partner V aufgelegt hat - der größte Private-Equity-Fonds der Welt. Die "FTD" vom 13. Juli 2006 berichtet. Danach herrscht in der Branche "Anlagennotstand" - insgesamt stehen den Heuschrecken weltweit 1,3 Billionen (1.300 Milliarden) zur Anlage zur Verfügung. Wenn das Johann Nestroy ("Die Phönizier haben das Geld erfunden - aber warum nur so wenig?") noch erlebt hätte.+++

Lesen:
Stiften gehen: Was die Milliardäre des digitalen Zeitalters wie Bill Gates und Hasso Plattner so mit ihrem Geld machen, welchen guten Zweck sie wie unterstützen - das beschreiben Götz Hamann und Uwe Jean Heuser in der aktuellen "Zeit". Ihr These: "Der hiesige Kapitalismus ist angelsächsischer geworden. Er erzeugt mehr Extreme als früher, auch größere Vermögen – und die Frage, was die Gewinner zurückgeben können."+++

Eine Nation von Bloggern lebt hinter der Chinesischen Mauer - die "FAZ" berichtet über die unvorstellbare Zahl von rund 37 Millionen Blogs in China.+++

Klicken: Die Liste der weltweit angesehensten High-Tech-Firmen liefert auch in diesem Jahr "Wired". Ergebnis anno 2006: Google hat Apple überholt, ist jetzt Nummer 1. SAP schafft's als einziges deutsches Unternehmen auf Platz 10.+++

baumGucken: Nix für Leute mit Höhenangst - diese Baum-fällt-und-Baumfäller-auch-Aktion auf MyVideo.de.+++

tucholsky 36x48Tages-Tucho:
"Wer hätte sich nicht schon über die Post geärgert! Über ihren Bummelbetrieb, über ihre Verständnislosigkeit für die Bedürfnisse des modernen Verkehrs, über ihre Paragraphenstieseligkeit und über ihre Tarife, die in so gar keinem Verhältnis zu ihren Leistungen stehen."
(aus: "Heil, Kaiser, Dir -!", 1925)

Was fehlt: darf der geschätzte, aktive Nutzer unten als Kommentar anfügen.+++

Meine Quellen: Websites: kress.de, horizont.net, wuv.de, spiegel.de, FTD, Handelsblatt, netzeitung.de, google.de/alerts, video.google.de, medienhandbuch.de.+++

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Zum Schluss bitte drei Zentimeter tiefer gehen, auf x Kommentare. Die Kommentare lesen oder einen eigenen abgeben.+++

heute2.0 vom Vortag.+++