turi2-Urteil-ZoomerZoomer.de könnte das Newsportal der nächsten Generation werden, wenn es noch ein paar Schwächen ablegt und eine intelligente Verknüpfung mit StudiVZ hinbekommt.

Idee:
gesichert. allebookmarks2schwarzDas Grundkonzept überzeugt: eine Nachrichtensite für die Generation StudiVZ, also die 14- bis 35-jährigen, jungen, webaffinen Deutschen. Die Marktlücke dürfte da sein: Denn alle wichtigen Newsportale im deutschen Web - von spiegel.de über focus.de bis faz.net, welt.de und sueddeutsche.de - setzen auf die Generation um die 40, klassische Ressortaufteilung und traditionelles Verständnis von Journalismus (vielleicht mit Ausnahme von bild.de): Wir Schlauen da oben, Ihr Dummen da unten. Zoomer.de will das anders machen. Es vereint die klassische Nachrichtenproduktion einer 40-Mann-Redaktion mit dem Mitmach-Elementen des Web 2.0. Leser können die Platzierung und Größe von Artikeln durch ihre Wertung mitbestimmen. Intelligente Leserkommentare können auf eine höhere Ebene gehoben werden und selbst zur Nachricht werden. Alles ist sehr optisch orientiert, erinnert mehr an YouTube.com als an spiegel.de.

Umsetzung:
Wer alles anders machen will als die anderen, wird auch manches falsch machen, bevor er einen besseren Weg findet. Vieles an Zoomer.de ist gewöhnungsbedürftig, manches nur anders, aber nicht besser. Gut gefällt die optische Fokussierung auf wenige, prominent platzierte Themen und die forcierte Integration von Leser-Wissen und Nutzer-Engagement. Der verstärkte Einsatz von Videos ist zeitgemäß, auch wenn man dem Beinahe-Topmodel Fiona bei ihrem Fußball-Kommentar ein besseres Licht und ein etwas weniger hektisches Sprechen gönnen würde. zoomer3Die blau-grünen Punktwertungen an jedem Artikel sind in etwa so hilfreich und durchschaubar wie einst die Länder-Punkte bei "Tutti-Frutti" - aber das wurde ja auch trotzdem geguckt. Nicht ohne weiteres verständlich ist auch die Rubrizierung und Präsentation weiterer Nachrichten unter "Nachrichten-Zoom" und "Netz-Zoom". Ob man sich von der alten Nachrichten-Nase Ulrich Wickert (unpassenderweise der Anchorman des jungen Newsportals) duzen lassen will, ist zumindest eine offene Frage. Die Probleme mit abstürzenden Firefox-Browsern müssten in den Griff zu kriegen sein.

Chancen:
Falls es die Marktlücke wirklich gibt und junge Menschen sich nicht vielleicht doch bei spiegel.de oder bild.de ins Web-Newsbusiness einfädeln, hat Zoomer eine gute Chance, sie zu füllen. Nicht unbedingt, weil Zoomer jetzt schon das perfekte Angebot für die erste web-sozialisierte Generation ist, sondern weil es Holtzbrincks zuzutrauen ist, hartnäckig genug daran zu arbeiten, es zu werden. Entscheidend dürfte sein, dass Holtzbrinck mit StudiVZ und SchülerVZ schon heute den Draht zur jungen Generation hat. gesichert. allebookmarks2schwarzJetzt kommt alles darauf an, ob es gelingt, die Generation StudiVZ zu Zoomer, dem NachrichtenVZ, zu locken.