zapp_bodo-150Bodo Zapp, Chefredakteur der zur WAZ-Gruppe gehörenden "Westfalenpost", über die "optimierte Zusammenarbeit" der Regionalzeitungen, die von vielen Mitarbeitern als möglicher Sparkurs gefürchtet wird.

Die WAZ-Gruppe will sparen. Kommt deshalb nach dem Einheits-Webportal DerWesten.de auch bald die Einheitszeitung?

Zapp: Selbstverständlich nicht! Dieser Gedanke ist fernab jeder Realität und jeder Planung. Im Übrigen ist auch "Der Westen" kein Einheits-Webportal, wie Sie das nennen. Zusätzlich zu dem attraktiven gemeinsamen Portal haben die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", die "Neue Ruhr"/"Neue Rheinzeitung", die "Westfälische Rundschau" und die "Westfalenpost" jeweils einen eigenen Auftritt. Auch Ihre Eingangs-Behauptung, die WAZ-Gruppe will sparen, ist nicht korrekt. Die Redaktionen überlegen, wie sie im härter werdenden Wettbewerb die Qualität weiter steigern können und ob sie auch für die Zukunft richtig aufgestellt sind. Wenn dabei durch sinnvolle Zusammenarbeit in einzelnen Bereichen Kosten senkende Synergieeffekte auftreten sollten, ist dies als Stärkung der wirtschaftlichen Basis der nach wie vor gesunden Zeitungen ein positiver Nebeneffekt.

Ihre Mitarbeiter fürchten sich vor dem großen Einheitsmantel. Was sagen Sie ihnen?

Zapp: Fürchtet Euch nicht! Die Unabhängigkeit der einzelnen Redaktionen ist und bleibt garantiert. Die unterschiedlichen Profile und die Entscheidungshoheit der jeweiligen Chefredaktion werden von der Gruppengeschäftsführung ausdrücklich gewünscht und gefördert.

Zitat Bodo ZappIn Brüssel und Berlin bündeln Sie Ihre Tätigkeiten in Korrespondentenbüros. Das macht wirtschaftlich Sinn. Gefährdet es aber nicht die Vielfalt in den WAZ-Blättern?

Zapp: Das Brüsseler Büro der WAZ-Mediengruppe ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie eine Bündelung der Kräfte zu erheblicher Qualitätssteigerung führen kann. Gemeinsam sind wir stark - hier stimmt dieser Satz uneingeschränkt. Mehr Redakteure am Ort des Geschehens können mehr Berichte, Interviews und Hintergründe anbieten als ein einzelner Korrespondent. Die Entscheidung darüber, was im Blatt gedruckt wird, liegt bei den Redaktionen. Grundsätzlich könnte dieser Ansatz zu einem optimierten Angebot für die Leser auch auf Berlin zutreffen, aber da sind wir noch im Stadium der Überlegungen. Beschlossen ist absolut nichts. Unabdingbare Voraussetzung einer Zusammenarbeit, also der Erweiterung des Textangebots, wäre auf jeden Fall die Beibehaltung der Entscheidungs- und Meinungsfreiheit jedes Titels. Darin sehe ich keine Gefährdung der Vielfalt, weil selbstverständlich nichts über nur einen politischen Kamm geschoren würde. Im Gegenteil: Die Vielfalt der Information würde ausgebaut.

Sie verkaufen die Sparmaßnahmen als "Kooperationsmodell". Wird es auch Stellenstreichungen geben?

waz-gruppe_logo-150Zapp: Betriebsbedingte Kündigungen gibt es in den Redaktionen der WAZ-Gruppe nicht. Wichtig ist jedoch die Klarstellung, dass es sich bei möglicher Zusammenarbeit in Teilbereichen nicht um Sparmaßnahmen handelt, sondern um Wege zur weiteren Qualitätssteigerung. Bei dem personellen und finanziellen Aufwand für unser Brüsseler Büro an eine Sparaktion zu denken, wäre auch abwegig.

Welche Maßnahmen sind noch geplant?

Zapp: Wie in anderen gut geführten Häusern wird auch bei der WAZ-Gruppe der Blick nach vorne gerichtet. Es liegt im Interesse aller Mitarbeiter, dass der Verlag gemeinsam mit den Redaktionsleitungen über Wege zur Sicherung einer guten Zukunft diskutiert. Eine gesicherte wirtschaftliche Basis ist Grundlage für journalistische Freiheit, die bei der "WAZ" groß geschrieben wird. Dass die stärkere Nutzung der Möglichkeiten eines breit aufgestellten Medienkonzerns mit seinen inhaltlichen Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen bei den Überlegungen eine Rolle spielt, ist naheliegend und richtig. Ich will aber noch einmal betonen: Vorrang hat die Stärkung der redaktionellen Qualität, bei der die verbesserte Zusammenarbeit ein solider Baustein sein kann.