Thomas knüwert wieder: Thomas Knüwer, "Handelsblatt"-Reporter, Alphablogger und Fan des SC Preußen Münster, liest den Medien gern medienwirksam die Leviten - zuletzt beim Media Coffee in München. Im Interview mit dem Branchenfernsehen turi2.tv fordert Knüwer von den Journalisten "Demut" vor den Lesern: "Wir Journalisten sind nicht das gottgebene Geschenk an die Menschheit".
Journalisten müssten im Zeitalter von Web 2.0 anerkennen, dass viele Leser in vielen Punkten klüger sein - und versuchen, diese Fachkompetenz zu nutzen. "Das Internet durchbricht Hierarchien", sagt Knüwer, deutsche Verlage seien meist noch zu "hierarchisch, steif und langsam". Journalisten müssten lernen, dass das Internet "kein Publikationsmedium ist, sondern ein Kommunikationsmedium".
Ein guter Weg zur Vernetzung mit den Lesern sei der Kurznachrichten-Dienst Twitter (lexikon2-Eintrag hier). Für Journalisten die Chance, sich gegenüber Lesern wieder ansprechbar zu machen. "Viele Menschen möchten Twitter nicht mehr missen", sagt Knüwer, denn es sei auch ein guter Nachrichtenfilter nach dem Prinzip der Personalisierung. Für Verlage sei aber noch kein Geschäftsmodell erkennbar. Die ganz große Zukunftsprognose will Knüwer dann aber doch nicht wagen: "Ich bin nicht Norbert Bolz, ich rufe keine Megatrends aus."
Für 5:20 Minuten mit dem Medienkritiker Thomas Knüwer einfach ins Video klicken.
turi2.tv, das Branchenfernsehen, zeigt, was Medienmacher bewegt - weitere Beiträge finden Sie hier.
turi2.tv vom Vortag:
Mercedes Riederer, Chefredakteurin Hörfunk beim Bayerischen Rundfunk, sieht das Radio auch als "Begleitmedium fürs Internet" und setzt auf zurückkehrende junge Leute, das Radio via iPhone und "wieder mehr Hintergrund-Infos".
Video-Interview mit Mercedes Riederer, 16.7.2008




















Ach - wie oft twittert Herr Knüwer denn am Tag? Hat er soviel Zeit, den ganzen Tag an irgendeinem Gerät zu hängen und mitzuteilen, wo er gerade ist, in einem Meeting, in einem Interview, in der Kantine, auf dem Klo und irgendwann im Bett? Allein?
Einen Megatrend ruft er hier auch nicht aus, weil Twitter - gemessen am Internettempo - längst ein altes Phänomen ist.
Die Frage ist doch auch - *wer* twittert denn? Gehören die zu den relevanten Gruppen, mit denen sich Geld verdienen lässt? Und schließlich - nein, twittern ist Stress, kostet mich zuviel Privates, ist zuviel Zur-Schau-Stellung, macht mich zum Pausenlos-Öffentlichen, zum Gläsernen, der ich nicht sein will.
Und dann noch diese Aussage: "Journalisten müssten lernen, dass das Internet 'kein Publikationsmedium ist, sondern ein Kommunikationsmedium'. Warum dieses entweder oder? Lassen wir E-Mail mal beseite, sprechen die Zahlen eine anderen Sprache - im Internet wollen sich immer noch mehr Menschen informieren, anstatt zu gaggern, zu twittern, zu chatten.
Das Internet ist *auch* ein Kommunikationsmedium. Und damit haben durchaus viele Journalisten ein Problem, vor allem die altgedienten (eigene Erfahrung).