Philipp Welte Burda Peter Würtenberger Springer Online-Werbung GedankenblaseKontra für Welte: Eine Woche nach dem viel diskutierten Interview, in dem Burda-Vorstand Philipp Welte die Werbefinanzierung von Online-Journalismus für gescheitert erklärt hat, legt "Horizont" nach und lässt Springers Vermarktungschef Peter Würtenberger reagieren. Dieser äußert sein "Bedauern" darüber, dass "einer der großen Player der Branche" die Chancen der Online-Werbung "so pessimistisch und falsch einschätzt". Würtenberger ist davon überzeugt, dass "für klassische Medienhäuser in der Digitalisierung sehr viel mehr Chancen als Risiken liegen" und zeigt sich zuversichtlich, dass die Online-Umsätze der Inhalte-Anbieter "perspektivisch auf 500 Mio bis eine Milliarde Euro wachsen können". Sich aus dem Digital-Geschäft zu verabschieden, "wäre doch Wahnsinn". Heute machen Springers Online-Einnahmen zehn Prozent der Werbeeinahmen aus. "Wer in seinem Segment nicht zu den Top 3 gehört, hat es schwer", gesteht Würtenberger ein, verweist aber darauf, dass sich "journalistische Content-Sites sehr viel besser kapitalisieren lassen als reine Community-Sites". Gerade Verlage wären "äußerst schlecht beraten, diesen Trumpf nicht auszuspielen", kommentiert Würtenberger Weltes Pläne, inhaltliche Angebote stark herunterzufahren. In einem offenen Brief konkretisiert Philipp Welte unterdessen seine Ansichten: Nur wenige Angebote wie die von "Spiegel", "Bild" oder "Chip" hätten es geschafft, "wirkliche Destination-Sites zu werden, auf denen auch klassische Display-Formate nachweislich wirken", so Welte. Die große Mehrheit der journalistischen Angebote im Netz führe jedoch einen "heroischen Kampf zwischen inhaltlichem Anspruch und wirtschaftlicher Realität, deren wichtigstes Merkmal signifikante Erlösschwäche ist". Der digitale Markt sei für Verlage zwar "ein hochinteressanter", der aber "komplett anders funktioniert als unser traditionelles Geschäft". Da Burda mit seiner Tomorrow Focus AG ein "First Mover auf dem digitalen Spielfeld" sei, könne der Konzern "strategisch wesentlich differenzierter agieren" und seine "verlagsnahen Online-Aktivitäten jenseits der publizistischen Hoffnungen ökonomisch nüchtern analysieren", so Welte.
"Horizont", S. 18 (Würtenberger) und S. 20 (Welte), turi2.de (Background)

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