Antworten ohne Fragen: Die CDU Niedersachsen tappt ins Fettnäpfchen mit einer peinlichen Sommerloch-Aktion, die CDU-Ministerpräsidenten David McAllister fünf Monate vor der Landtagswahl in ein schlechtes Licht rückt. Am Freitag schickte die Pressestelle an 150 Anzeigenblätter ein druckfertiges Sommerinterview mit McAllister. Das Wohlfühl-Interview ohne jede kritische Fragen diene dazu, "Ihre redaktionelle Arbeit zu unterstützen" und sei samt Fotos kostenlos "zum Abdruck in einer der kommenden Ausgaben Ihrer Zeitung", heißt es in dem Begleitschreiben. Ein PR-Schuss, der jedoch nach hinten losging: DJV-Sprecher Hendrik Zörner beklagt den "plumpen Versuch, die Anzeigenblätter in den CDU-Wahlkampf einzuspannen" und der Politikchef der "Nordwest-Zeitung" Christoph Kiefer spottet über einen Ministerpräsidenten "frei Haus zum Nulltarif". CDU-Sprecher Torben Stephan wirft sich schützenden vor seinen Chef: "Das geht alles auf meine Kappe", sagte er Spiegel Online. Er selbst habe die Idee für den besonderen Service gehabt und dabei nur an die Anzeigenblätter gedacht, die "gerade in der Sommerzeit personell oft schlecht besetzt" seien. Außerdem könne McAllister nicht allen rund 150 Zeitungen ein Interview geben, so Stephan. Das vermeintliche Interview habe er aus vorhandenen Aussagen des Ministerpräsidenten zusammengesetzt, McAllister habe von dem Angebot nichts gewusst und auch keine Freigabe für das Interview gegeben, beteuert Pressesprecher Stephan. Das Portal "CelleHeute", das das vermeintliche Interview zeitweise veröffentlicht hatte, rechtfertigt sich, "solche und ähnliche Textvorlagen, auch von der feixenden Opposition", seien "gang und gäbe".
spiegel.de, sueddeutsche.de, abendblatt.de, taz.de, medienwatch.org, nwzonline.de, taz.de (Kommentar), celleheute.de
-
- Dienstag, 14. Aug, 2012 @ 09.36:51
-
- Dienstag, 14. Aug, 2012 @ 10.49:39
Ich sehe da auch nichts Verwerfliches. In Anzeigenblättern - ebenso wie in der ach so freien Presse (Print und AV gleichermaßen) ist das noch harmlos.



















Ich bin gewiß kein CDU-Fan - aber ich möchte nicht wissen, wie oft andere Parteien Ähnliches gemacht haben. Daß Anzeigenblätter meist dankbare Abnehmer für alles sind, was druckreif ist und nichts kostet, ist nicht nur in Presseabteilungen von Unternehmen bekannt...