Zeitung ohne Redaktion: Die WAZ-Mediengruppe verwirklicht in Dortmund einen alten Controller-Traum - eine Zeitung mit sechsstelliger Auflage und keinem einzigen Redakteur. Die WAZ-Gruppe schließt die gesamte Redaktion der defizitären "Westfälischen Rundschau" mit 120 Redakteurinnen und Redakteuren wegen "anhaltenden Anzeigen- und Auflagenrückgangs". Der Mantel kommt weiter aus dem Newsroom in Essen, ihre Lokalteile bezieht die "WR" künftig zum Teil von der konzerneigenen "Westfalenpost", in Dortmund sogar von den konkurrierenden "Ruhr Nachrichten" des Konkurrenzverlags Lensing-Wolff. Zwei weitere, kleinere Konkurrenten befüllen künftig die Lokalteile - statt der von Manfred Braun ausgerufenen "Lokal-Offensive" also eine Totalkapitulation in der Region. Den Titel "WR" an sich will die WAZ-Gruppe erhalten, viel mehr als eine entkernte Fassade wird davon aber nicht bleiben. Erbost über die redaktionelle Vollamputation sind nicht nur die Gewerkschaften ("Kahlschlag"), sondern auch die Genossen der SPD. Deren Unternehmensbereich DDVG hält 13,1 Prozent am Verlag der "WR" und fühlt sich übergangen. Die Entscheidung ist "gegen und ohne uns gefallen", die SPD sei mit der "seelenlosen Redaktionsklempnerei" nicht einverstanden, klagt SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks. Die Brüskierung der SPD dürfte auch damit zusammenhängen, dass der SPD-nahe Brost-Klan seine Anteile vor Jahresfrist an die konservative Funke-Erbin Petra Grotkamp verkauft hat. Die sollen jetzt rund 170 Mio Euro Bankschulden drücken, die Kosten der Zeitungsgruppe müssen deshalb mit aller Gewalt um 20 Prozent sinken. Geschäftsführer Christian Nienhaus behauptet, die Fortführung der "WR" ohne eigene Redaktion diene der "Medienvielfalt". Das Blatt habe in den letzten fünf Jahren 50 Mio Euro Miese gemacht. (Foto: Björn Czieslik)
kress.de, wuv.de, meedia.de, medienmoral-nrw.de, presseportal.de (ddvg), newsroom.de, meedia.de (Nienhaus)
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50 Millionen Verlust und noch nie Geld verdient - was bilden sich eigentlich Leute ein, die "Weiter so!" rufen und wohl ernsthaft meinen, sie könnten Wunschzettel schreiben und Santa Claus bringt's dann? Jedes Geschäft, ob Zeitung oder Wiener-Würstchen-Fabrik, muß bei solchen Zahlen zugemacht werden, und zwar ganz und sofort. Wenn die WR immer weniger gekauft wird, hat sie auch publizistisch kein Existenzrecht mehr. Es fehlt auch nichts, denn die bisher teuer von Totholz-Medien gedruckte Information ist nicht verschwunden, sie ist jetzt halt im Internet, obendrein viel billiger. Dass dem Gesellschafter SPD/DDVG ausser Dagegensein nichts einfällt, zeigt: Es sind Parteibuch-Maulhelden auf Dummenfang, was die SPD anpackt, geht schief. Vielleicht spendet Steinbrück ein Vortragshonorar?