angela merkel 1992_400Halali: Hat Angela Merkel ihre DDR-Biographie geschönt? Die beiden Springer-Journalisten Günther Lachmann ("Welt") und Ralf Georg Reuth ("Bild") behaupten genau das in dem gemeinsamen Buch "Das erste Leben der Angela M." (Piper, 19,90 Euro) - doch Springer setzt hinter die Recherchen der eigenen Redakteure Fragezeichen. Ganz anders Burdas "Focus" - der bringt das Buch und die Vorwürfe der beiden ab Montag als Vorabdruck. Das Ergebnis der Recherchen von Lachmann und Reuth lautet: Angela Merkel sei vor der Wende durchaus politisch aktiv gewesen als "ehrgeizige Reformkommunistin", sie sei im Jahr 1981 an der Akademie der Wissenschaften FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda gewesen. Vermutung der Autoren: "Angela Merkels erstes Leben in der DDR sollte nachträglich mit der Erwartungshaltung der christlich-demokratischen Anhängerschaft in Einklang gebracht werden."

Vier Monate vor der Bundestagswahl berichtet heute Bild.de über die Quintessenz des Buches - aber nur in Frageform: "Stand sie dem System näher als bisher bekannt?". Und die "Welt" setzt hinter die "ehrgeizige Reformkommunistin" ein Fragezeichen. So geht der Vorabdruck an "Focus", dessen Chefredakteur Jörg Quoos war vor Jahresfrist noch Politikchef der "Bild". Focus Online urteilt denn auch etwas mutiger als die Springer-Blätter: "Die Autoren belegen, dass Angela Merkel dem DDR-System näher stand als bislang bekannt sei." Warum der "Focus" mutiger und ausführlicher berichtet als "Bild" und "Welt", darauf darf sich jeder selbst einen Reim machen: Traut "Focus" sich einfach mehr Zuspitzung? Oder hält Friede Springer schützend die Hand über ihre Favoritin Merkel? SPD-Vorstand Ralf Stegner verlangt jedenfalls eine Stellungnahme der Kanzlerin zu den DDR-Vorwürfen. (Foto: Angela Merkel 1992, dpa)
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