Funke-Geschäftsführung_400Wer hat eigentlich die Macht in Deutschlands mächtigster Regionalzeitungsgruppe? Einen Tag nach Bekanntwerden des Döpfner-Deals meldet sich die Funke-Gruppe (vormals WAZ-Gruppe) zu Wort: Durch Schaffung einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) habe man sich Konzernstrukturen gegeben, die "transparent, zeitgemäß und zukunftsfähig" sind, teilt Geschäftsführer Thomas Ziegler (im Foto in der Mitte) mit. Der Finanz-Chef kommt zuletzt öfter zu Wort als die Verlagsexperten Christian Nienhaus und Manfred Braun - kein Wunder bei einem Unternehmen mit Schulden in Milliardenhöhe. Über das Geschäftsführungs-Trio Nienhaus, Braun und Ziegler wacht jetzt neu ein Aufsichtsrat. In dem sitzen zehn Mitglieder, darunter als neutraler Oberaufseher Martin Kall, 52, zuletzt Chef der Schweizer Mediengruppe Tamedia. Eigentliches Machtzentrum dürfte Petra Grotkamp sein, die 66,6 Prozent der Anteile hält. Die beiden Stämme Holtkamp und Schubries mit ihren jeweils 16,6 Prozent sitzen ebenfalls im Aufsichtsrat, Klaus Schubries sogar als Vize von Kall.

Aber hält Petra Grotkamp, von der es nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag gibt, tatsächlich die Macht in Händen? Als treibenden Kraft galt lange ihr Mann Günther Grotkamp. Da der aber schon 86 ist (sie knapp 70), fällt der Blick auf die nächste Generation, Petra Grotkamps Kinder, die Enkel von Verlagsgründer Jakob Funke: Julia Becker, über die bisher wenig bekannt ist, rückt wie ihr Bruder Niklas Jakob Wilcke in den Aufsichtsrat sowie in den Gesellschafterausschuss. Wilcke wird intern seit zwei Jahren als "neuer starker Mann" gehandelt. Wer ihn googelt, findet ihn als Teilhaber der Essener Anwaltskanzlei Helf Pesch Wilcke. Von der Kanzlei-Homepage blickt Wilcke ernst mit modischem Bart und ebensolchen Koteletten. Ansonsten weiß Google noch, dass Wilcke auf Springreitturnieren auf "Cleverboy" antritt und in Jobbörsen gelegentlich eine Pferdepflegerin sucht. Die UniCredit-Bank übrigens dürfte wissen, wer in der KG-Struktur letztlich das Sagen hat - sie beschaffte die benötigten 660 Mio Euro für den großen Kauf. Wer übrigens nach Infos über die Gesellschafter sucht, wird von funke-mediengruppe.de auf waz-mediengruppe.de umgeleitet - wo er allerdings ebenso wenig findet.
waz-mediengruppe.de, meedia.de, zeit.de, helfpeschwilcke.de (Kanzlei), ftd.de (Background Petra Grotkamp)

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