"Allegra" weckt nostalgische Gefühle bei "Neon"-Leserinnen.

Oh, du Fröhliche: "Allegra", eine gedruckte Mischung aus Innerlichkeit und Nostalgie aus Springers Mediahouse, erlebt ihre eigene Wiederauferstehung - wie passend - zu Ostern und will alle zwei Monate am Kiosk Leserinnen mit nostalgischen Gefühlen 5 Euro aus der Brieftasche ziehen. Peter Turi hat die Erstausgabe gelesen - hat aber Sprechverbot und lässt deshalb seine Tochter zu Wort kommen.

Wenn der Postmann zweimal klingt am Ostersamstag, kurz nach 8 Uhr am Morgen, und auf dem gelben Umschlag karmesinrot EILIGE UND WICHTIGE SENDUNG steht, dann unterbreche ich natürlich gern meinen Morgenschlaf und eile zur Lektüre. Schließlich ist "journalistischer Tiefgang mit lässig-schlauer Unterhaltung" versprochen. Und viel Nostalgie: Das Titelbild ist wieder - wie einst im Mai - schwarz-weiß, auch das Stilelement Handschrift kommt wieder zum Einsatz.

"Wie man herausfindet, was man wirklich will", verspricht die Titelstory, dazu "erstaunliche Einblicke in die Blogger-Branche" - und mich beschleicht der Verdacht, dass hier "Neon" mit "Emotion" gemixt und mit einem Schuss Nostalgie und einer Prise Slow Media à la "Flow" abgeschmeckt wurden. Ein handschriftliches Editorial mit gemalten Herzchen erinnert daran, wie schön das Leben vor der Erfindung des Internet war. Das Interview mit der "Dekanin einer Cannabis-Uni" signalisiert der Leserin: Eigentlich sollten wir erwachsen sein, aber warum denn schon mit 35?

Meine Tochter, 21, kriegt das Magazin in die Finger. Sie findet es "echt krass", wie neonesk einige Rubriken aussehen, analysiert messerscharf: "Das ist ein Magazin für 30- bis 40-jährige Frauen, die nicht wissen, wo's lang geht und sich gern wie 25 fühlen würden." Bäähm, das sitzt.

Ich hab' mir dann noch eigene Gedanken gemacht, aber leider darf ich die vor dem 31. März 2016 nicht veröffentlichen - Sperrfrist, Sie verstehen? Ich schreibe hier also nur allgemein Bekanntes: Dass das Monatsmagazin "Allegra" von 1995 an mit dem Gründungschef Andreas Petzold seinen Leserinnen Freude bereitete, den Controllern bei Springer aber zunehmend Verdruss, so dass 2004 Schluss war. Dass nach einer einmaligen Revival-Nummer im Jahr 2014 jetzt sechs Ausgaben für 2016 versprochen sind. Dass Michaela Mielke, Ex-Cheffe von "Jolie" und "Cover", Herausgeberin ist und Mareen Linnartz (Ex-"Neon") die Redaktion leitet. Dass die Auflage zwischen 100.000 und 120.000 Stück liegen soll.
per Eilzustellung, blog.allegra.de, abo.allegra.de, turi2.de (Background)

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