Burda plant Datenteam, "deutsches Hulu" und mehr Online-Handel.


Verlag kommt von verlagern: Die News-Sparte von Burda plant mit einem Wachstumsschub dank Siegeln, Streaming und Shopping. Spartenchef Burkhard Graßmann will künftig noch mehr Siegel verteilen und Rankings erstellen, sagt er im "W&V"-Interview. 2017 brachte dieses Neugeschäft die Trendwende. Nach grausigen Zeiten mit jährlich 4 % Umsatzminus ist Burda News vergangenes Jahr gewachsen, freut sich Graßmann. Arzt-Rankings und andere Listen spülen dem Verlag Geld in die Kassen, weil die bewerteten Institutionen Geld bezahlen müssen, wenn sie das Prüfsiegel auf ihre Websites pinnen.

Recherchen wie etwa für die "Focus"-Klinikliste führt Munich Inquire durch – die 2010 ausgegliederte Datenredaktion des "Focus". Graßmann will für den Ausbau der Test-Aktivitäten wieder ein eigenes Datenteam aufbauen. Aus dem Deutschland-Test eine Zeitschrift zu machen, schließt Graßmann aus. Sein Traum ist eine digitale Empfehlungsplattform, über die Verbraucher vom Zahnarzt über den Handwerker bis zum Steuerberater alle Testergebnisse durchsuchen können.

Als Plattform erfolgreich ist auch TV Spielfilm live: Nutzer können über das digitale Angebot der Programmzeitschrift mobil fernsehen gegen Bezahlung. Graßmann spricht von 2,5 Mio registrierten Nutzern und wünscht sich ein deutsches Hulu, "eine neutrale Plattform, bei der alles zusammenläuft und auf der jeder präsent sein will". Drittes neues Wachstumsfeld ist der Vertrieb von Lebensmitteln über die Medienmarken: Burda vertickte über Advertorials bereits 1,9 Mio Flaschen Wein sowie Kaffee. Der Verlag ist laut Graßmann mit einem dritten Online-Lebensmittelhändler in Verhandlungen.

Die Printmarken braucht Graßmann indes weiter, um Seriosität und Glaubwürdigkeit für die Siegel und den Online-Handel auszustrahlen. Aufmerksamkeit für die Titel generiert der Verlag zunehmend abseits des klassischen Marketings, etwa durch Live-Events wie Gentlemen Weekends des "Playboy". Außenwerbung ist Graßmann zu teuer, TV sei in bestimmten Zielgruppen unwirksam und auch der Kiosk locke immer weniger Kunden zum Stöbern. (Foto: Burda, Montage: turi2)
"W&V" 30/2018, S. 10-15 (Paid), wuv.de (Kurzfassung)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Burkhard Graßmann beantwortet den turi2-Fragebogen und verrät u.a., wie er für sich selbst werben würde: