Kommentar von Peter Turi: Hinter Gabor Steingart tut sich ein Abgrund auf.

Der Himmel über Düsseldorf verdüstert sich: Junior-Verleger Gabor Steingart verlässt die Handelsblatt Media Group, Senior-Verleger Dieter von Holtzbrinck hat jetzt ein Problem. Ein Kommentar von turi2-Gründer Peter Turi. (Foto: Michael Englert für turi2.de/edition2)

Was wird aus dem Handelsblatt ohne Gabor Steingart? Die beste Idee, sagte Gabor Steingart mir vor nicht mal einem Jahr, die er selbst nie gehabt habe, sei die Idee seines Verlegers Dieter von Holtzbrinck, gewesen, ihn auf die Verlagsseite des "Handelsblatts" zu holen. Heute steht fest: Dieter von Holtzbrinck hat diese Idee jetzt bereut und die Notbremse gezogen. Und steht beim "Handelsblatt" vor einem Scherbenhaufen.

Warum nur ist es zu dieser Trennung gekommen? Die Verbindung schien so gut zu passen: Hier der zurückhaltende, liberale Verleger, der seine Journalisten machen lässt, dort der unternehmungslustige Journalist, der sichtbar Spaß am Verlegen gefunden hat. Als ausgeschlossen darf dabei gelten, dass allein der Ärger Dieter von Holtzbrincks über einen scharfen Kommentar von Steingart gegen SPD-Minus-Mann Martin Schulz die plötzliche Trennung bewirkt hat. DvH gilt als liberal und besonnen.

Die Ursachen dürften tiefer liegen, womöglich in der Persönlichkeit von Steingart. Der ist unfassbar schnell im Denken, Sprechen, Schreiben und Handeln, dazu bis zum Anschlag selbstbewusst. Womöglich hat er die Rolle als Junior-Verleger anders, also weiter und freier definiert, als es dem Senior-Verleger recht war.

Insider, die nicht als Freunde von Steingart gelten, sehen noch einen anderen Grund: "Die Zahlen sind's." Das Erschrecken über die Geschäftszahlen für 2017 sei groß gewesen in der DvH-Holding in Stuttgart. Das Feuerwerk an Konferenzen, Preisen und Events habe das Erodieren des Stammgeschäfts im Vertriebs- und Anzeigenmarkt nicht mehr übertönen können. Steingarts geringes Interesse an der wirtschaftlichen Seite des Verlagsgeschäfts habe die Stuttgarter genervt.

So oder so: Hinter Gabor Steingart tut sich in Düsseldorf ein Abgrund auf - ein Nachfolger ist weit und breit nicht in Sicht. So wenig wie ein neues Konzept. Steingart hat die publizistische Linie und das Führungspersonal ganz auf sich und sein Konzept Live-Journalismus ausgerichtet. Es ist die Frage, was und wer bleibt von der Ära Steingart.

Background-Infos von turi2 zu Gabor Steingart:

Gabor Steingart spricht im September 2016 im 7-Seiten-Interview mit der turi2.de/edition4 über Innovation und darüber, wie er das "Handelsblatt" umgebaut hat. Der Artikel ist vollständig und kostenlos lesbar im E-Paper auf turi2.de/epaper/4, dazu unten bei Gehe zu Seite 44 eingeben.


Gabor Steingart führt turi2.tv durch die neue Firmenzentrale in Düsseldorf-Pempelfort



Gabor Steingart im 40-Minuten-Gespräch mit Peter Turi für turi2.tv zum Thema "Innovation".

Ein Gedanke zu „Kommentar von Peter Turi: Hinter Gabor Steingart tut sich ein Abgrund auf.

  1. Hannelore Petrovsky

    Der Beruf eines Journalisten wird in diesen unruhigen Zeiten zu einem Schlittschuhlauf.Wir Leser finden unsere Gedanken und Empfindungen wieder in einem offenen und ehrlichen Journalismus und können solche Altionen nicht gut heißen, sie passen nicht zu einer Demokratie.

Schreibe einen Kommentar