“Tagesschau” zeigt Video aus dem Unglückszug.

Zugunglück Bad Aibling600
Zeigen oder nicht zeigen? Die "Tagesschau" zeigt in ihrer Hauptausgabe am Dienstagabend einen ca. zehnsekündigen Ausschnitt aus einem Handyvideo, das ein Passagier im Inneren des verunglückten Zugs in Bad Aibling aufgenommen hat. Zu sehen sind von dem insgesamt sechsminütigen YouTube-Video allerdings nur einzelne Szenen ohne Ton, die keine Verletzten zeigen. ARD-Aktuell-Chef Kai Gniffke begründet die Entscheidung im "Tagesschau"-Blog als "Kompromiss, der dem journalistischen Informationsauftrag ebenso gerecht wird, wie dem Respekt gegenüber den Opfern – und den Zuschauern".

Nach anfänglicher Einigkeit, das Video nicht zu zeigen und der Überprüfung der Echtheit habe er dennoch entschieden, Ausschnitte in dieser Form zu senden, "so verantwortungsbewusst wie wir können", erklärt Gniffke. Die mehr als 70 Kommentare unter Gniffkes Blogeintrag sprechen eine andere Sprache: Von Sensationsgier, Respektlosigkeit und geringem Informationswert des Videos ist die Rede.

"Bild" macht in ihrer Mittwochsausgabe zwar mit der Schlagzeile "Das Video aus dem Todeszug" auf, zeigt in der Zeitung aber nur ein kleines Bild und beschränkt sich darauf, den Inhalt des Videos zu beschreiben. Auch auf Bild.de gibt es nur einen Screenshot aus dem Video. Die BBC dagegen zeigt das Video ausführlicher, jedoch ebenfalls ohne Ton und Verletzte, verbunden mit einem Interview des Passagiers, der es aufgenommen hat. (Foto: dpa)
blog.tagesschau.de (Gniffke), tagesschau.de (Ausschnitte)12 Kommentare

12 Gedanken zu „“Tagesschau” zeigt Video aus dem Unglückszug.

  1. Ulf J. Froitzheim

    Frank, ich finde es auch traurig, dass die ARD das nötig hat. Das Video wurde nur gezeigt, weil es da war und weil sich dieser Umstand als Scoop verkaufen ließ, der er nicht war. Indem er auf Voyeurismus spekuliert und journalistisch Irrelevantes sendet, macht Gniffke einen schlechten Job, Punkt.

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  2. Alex

    In Zeiten des Internets verstehe ich grundsätzlich nicht warum Leute noch Fernsehen haben.
    Interessiert Sie der Mist auf den privaten so sehr?
    Fernsehen abbestellen, Online Anbieter à la Netflix oder Maxdome holen, Mediatheken nutzen und sich das Programm selber gestalten.
    Dann kann man derartige Berichterstattung aktiv boykotieren, vielleicht ändern sich dann auch mal irgendwann die angebotenen Inhalte.
    Ich denke ich bin über den Vorfall gut informiert ohne auch nur ein Bewegtbild gesehen zu haben.

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  3. Joe Winter

    Da wird über ein paar Sekunden Videobilder eine Ethik-Diskussion geführt, und über den
    journalistischen Informationsauftrag sinniert und wie man diesem gerecht wird, ebenso wie dem Respekt gegenüber den Opfern – und den Zuschauern”. Es ist einfach die Gier nach Sensation- sind wir doch mal einfach ehrlich.

    Wenn mich irgendetwas an der gestrigen Berichterstattung genervt hat, war es die penetrante Sensationsberichterstattung- verpackt in das „Mäntelchen der Unschuld begründet mit dem journalistischen Informationsauftrag“. Was hat in der NEWS über einen tragischen, schlimmer Unfall mit Toten und vielen Verletzten, mit unsagbar schweren Einsatzbedingungen der Rettungskräfte usw. mit minutenlangen ARCHIV-Bilder inkl. Kommentaren der katastrophalsten Zugunglücke Deutschlands der letzten 20 Jahre, von Eschede bis heute zu tun.??? Gleichzeitig wird diese Nachricht als „Teaser“ für die weiteren Sondersendungen benutzt, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. In diesen Sondersendungen werden weiter LIVE-Schaltungen zum Unglücksort eingespielt. und danach wieder ein paar spektakuläre Bilder aus den „Top10“ von Zugkatastrophen der Vergangenheit präsentiert…. das ist meines Erachtens respektlos gegenüber den Toten, den vielen Verletzten, betroffenen Angehörigen und Helfer, sowie in der Region lebenden Bevölkerung, allgemein den Zuschauer.

    Das aktuelle Zugunglück selbst ist schlimm genug. Es braucht kein Mensch zusätzliche „Horrormeldungen aus den Archiven“ die nichts bewirken außer den Schockzustand der Zuschauer oben zu halten und ist letztendlich Angstmache & Panikmache.

    Das ist meines Erachtens die wirkliche äußerst fragwürdige Sensationsgier und Quotengeilheit der Sender. Es war ein Schock für die ganze Bevölkerung, besonders für die Betroffen.

    Ps.: 1. Es betrifft alle Sender, man konnte gestern Abend durch die Programme „zappen“ es war kein Entrinnen möglich. .
    Ps.: 2. diese Kritik bezieht sich nicht nur auf die gestrige News- Berichterstattung, sondern es ist seit ein paar Jahren ein zunehmendes „abartiges“ Phänomen der Nachrichtenbranche.

    Nix für ungut. Joe Winter, 10.2.2016 München

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  4. khkaul

    Frank Kemper, Ihnen scheint es an der Zeit auch nicht zu mangeln. Ansonsten wäre uns ein solch dummer und menschenverachtender Kommentar ja erspart geblieben.

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  5. Micha

    Was legitimiert eigentlich ‘Medienmacher’ dazu, solche Videos dem Volk vorzuenthalten? Es ist ja sicher nicht so, dass irgendjemand in den Redaktionen aus Pietät das Video nicht angeschaut hätte…

    Wichtigtuer!

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  6. Lothar Röhrl

    Den Handyfilmer anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung. Die Geldstrafe kann er sich leider jetzt wohl leisten!

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  7. Bernd K.

    An die Filmer:Schämt Euch, Euer Charakter ist wirklich schlecht.Wie kann man aus solch einem Unfall noch Kapital schlagen wollen.Ihr gehört genau in die gleiche “Schublade” wie die Handyfilmer von Autounfällen.Versetzt Euch doch mal in die Lage, wenn Ihr Schwerverletzt um Hilfe schreien würdet und dann steht so einer wie Ihr vor Euch und filmt das noch mit seinem Handy.Erbärmlich und charakterlos und einfach widerlich. Kann man nicht stolz drauf sein!

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  8. Harry

    Gab es vor Ort nichts besseres zu tun, als mit dem Handy zu filmen?
    Da dachte der junge Mann doch wohl ein bisschen Geld machen zu können.
    Schein ja auch geklappt zu haben. Was zahlen denn die Medien so für “unterlassene Hilfeleistung”?

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  9. Wunderknabe

    Gerade nochmal reingeschaut – sieht man doch wirklich nichts außer wackeligen Aufnahmen. Respektlosigkeit kann ich da wirklich nicht erkennen. Und was es den Opfern bringen soll, solche Bilder nicht zu zeigen auch nicht. Dann müsste man sich auch über die Luftaufnahmen vom Unglückszug beschweren…

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  10. Frank Kemper

    Gniffke bashen, das ist doch eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen der Leser des Tagesschau-Blogs. Haben ja genug Zeit, so auf Hartz 4;-)

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    1. Kabuki

      Gniffke muss man bashen, so wie der die Tagesschau verhunzt hat! Der Niveauverfall der Tagesschau wird mit jeder Ausgabe schlimmer!

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