"taz"-Chef Ruch präsentiert Pläne für Ende der Tageszeitung im Jahr 2022.

Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch ist sich sicher: Auch ohne täglich Print muss niemand vom Dach des neuen "taz"-Hauses (im Hintergrund) springen. (Foto: Jens Twiehaus)

taz ohne Totholz: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch legt Zahlen für ein mögliches Ende der täglichen, gedruckten "taz" zum 1. Januar 2022 vor. Sein heute vor Journalisten gezeigtes Szenario umfasst eine Print-Ausgabe am Wochenende sowie digitale Abo-Produkte in Form von App und E-Paper. Weil Druck- und Vertriebskosten entfallen und das freiwillige Online-Abo wächst, geht Ruch von stabilen Umsätzen und möglicherweise gar steigenden Erträgen aus.

Ruch hatte schon 2011 ein Ende der gedruckten Tageszeitung in zehn Jahren prognostiziert ("Szenario 2021") und jüngst vor Mitgliedern der Genossenschaft einen Print-Abschied auf Raten angedeutet. Jetzt legt er Zahlen vor, um Mitarbeitern die Angst zu nehmen. Demnach würde die "taz" rund 1,8 Mio Euro Druckkosten, 3,5 Mio Euro für Vertrieb und 1,1 Mio Euro Speditionskosten sparen. Die fehlenden fast 16 Mio Euro aus Print-Abos und 1,1 Mio Euro aus Print-Einzelverkauf müssten aber von steigenden digitalen Umsätzen ausgeglichen werden.

Mindestens 84.000 Kunden müssten für digitale "taz"-Produkte zahlen. Schon jetzt seien es 62.000, die Zielmarke bis 2022 also "realistisch", sagt Ruch. Es gebe ein Leben nach der gedruckten Tageszeitung. "Wir werden nicht in Schönheit sterben." Diese Zuversicht soll auch der Berliner Neubau der "taz" ausstrahlen. Redaktion und Verlag ziehen im Oktober ein. Der neue Newsroom ist crossmedial ausgerichtet. In einem Media-Raum will die "taz" Podcasts und Videos produzieren.
turi2 vor Ort im Berliner "taz"-Neubau

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