Twitter-Deutschlandchefin Jolanta Baboulidis will "keine Reichweite um jeden Preis".


Qualität statt Quan-Tweet-ät: Twitter will den Ruf der Politiker- und Journalisten-Blase loswerden und Hass-Botschaften ersticken, bevor es zum Knall kommt. Im "Horizont"-Interview sagt Twitters neue Deutschlandchefin Jolanta Baboulidis: "Wir wollen keine Reichweite um jeden Preis, sondern die Qualität der Gespräche verbessern." Mit Machine-Learning-Tools setze Twitter darauf, problematische Accounts zu identifizieren und zu löschen, bevor andere Nutzer sie melden müssen. Für Werbekunden sieht Baboulidis Twitter als Ergänzung zu TV-Kampagnen, da viele Nutzer Twitter als Second-Screen verwenddetenen, wie etwa aktuell beim RTL-Dschungelcamp.

Twitter-Nutzern gehe es nicht um Selbstinszenierung wie bei Instagram, sonder darum, Neues zu entdecken, sagt Baboulidis, daher seien sie offen für Werbebotschaften. Der Eindruck, dass überhaupt nur Politiker und Journalisten das Netzwerk nutzen trüge und zeige "nicht das ganze Twitter-Universum", zu dem auch Meinungsmacher aus Beauty, Gaming oder Kunst gehörten.

Baboulidis agiert als Deutschland­chefin aus Dublin, will ins Deutschland­geschäft aber "wieder mehr Dynamik reinbringen" und avisiert neue Mitarbeiter, Kunden und Partnerschaften. Derzeit arbeiten für Twitter in Co-Working-Spaces in Hamburg und Berlin neun Mitarbeiter in Deutschland. Seine eigenen Büros in Hamburg und Berlin hatte Twitter 2018 still und leise geschlossen.
"Horizont" 4/2019, S. 14/15 (Paid)