Berufe mit Zukunft: F wie Fernsehchefin – Susanne Aigner-Drews.


Plattformagnostische Powerfrau: Susanne Aigner-Drews kümmert sich als Chefin von Discovery Networks Deutschland um die Sender Eurosport 1 und 2, Dmax und TLC. Für die turi2 edition #8 erzählt sie Tatjana Kerschbaumer über die Zukunftsstrategie, Zuschauer-Daten und warum sie selbst – ganz entgegen der Gender-Planung – am liebsten Dmax schaut.

Das Porträt über Fernsehchefin Susanne Aigner-Drews finden Sie auch in unserem frei zugänglichen E-Paper zur "turi2 edition #8" auf Seite 158.

Ein unerfolgreicher Tag beginnt bei Susanne Aigner-Drews hektisch. "Wenn ich mich morgens hetzen muss und nicht in Ruhe in der Zeitung blättern kann…" – kein guter Start für die Chefin von Discovery Networks Deutschland. Ob der Tag doch noch passabel wird? "Ich frage mich nicht täglich: War ich erfolgreich oder nicht?" Wobei es natürlich Tage gibt, an denen Aigner-Drews‘ Erfolge klar messbar werden. "Zahlen sind immer ausschlaggebend. Habe ich die Zahlen geschafft oder nicht?" Die Zahlen passen seit 2006, so lange arbeitet die 49-Jährige schon für Discovery.

Discovery Networks Deutschland kennt man als Zuschauer eher unter den Namen der dazugehörigen Sender: Eurosport 1 und 2, Dmax und TLC. Die Eurosport-Kanäle bringen – klar – Sport, Dmax inszeniert sich mit Thunfischfänger- und Schrottplatz-Dokus als Kanal für harte Kerle, TLC bedient die Damenwelt mit Hochzeits-, Traumhaus- und True-Crime-Sendungen. Die energische Aigner-Drews, die in ihrem Büro im Münchner Lehel nur ein Stehpult hat, kümmert sich um das alles und noch viel mehr: Programm, Distribution, Finance. "Als Geschäftsführerin bin ich für alle Geschäftsbereiche zuständig. Wie soll ich da zu allem was erzählen?"

Sie probiert es dann doch. Bei Eurosport bemüht sie sich darum, regelmäßig die großen Sportevents zu übertragen – die Bundesliga, Olympia. Das bedeutet Verhandlungen, Rangeln mit der Konkurrenz wie Sky und den Öffentlich-Rechtlichen. Bei Dmax achtet Aigner-Drews darauf, dass die "harten Kerle" ihrer Shows authentisch sind: "Wir leben von unseren Protagonisten. Unsere männlichen Zuschauer haben ein Bedürfnis nach Eskapismus, nach Abenteuer und Fernweh, aber sie wollen Normalos sehen. Die Protagonisten dürfen nicht zu reich oder schön sein; nicht wirken wie Superstars." Bei TLC könnten laut Aigner-Drews noch mehr Frauen einschalten – derzeit hat der Sender 60 bis 70 Prozent weibliche Zuschauer. Sie selbst schaut aber – ganz entgegen dervGender-Planung – am liebsten Dmax. "Oder Wintersport auf Eurosport".

Den Sport hat Aigner-Drews im Blut, immerhin arbeitete die studierte Kommunikationswissenschaftlerin insgesamt sieben Jahre als einzige Frau im Management des Deutschen Sportfernsehens. Zusätzlich hat sie drei Jahre Geschäftsführer-Erfahrung bei der Karlsruher Agentur Media Plan im Kreuz. Dann kam der Anruf von Discovery. Aufregend war das damals, genau das Richtige für jemanden, der für die USA schwärmt und immer in Bewegung bleibt. Discovery war 2006 noch komplett auf Pay-TV ausgerichtet; als erster Free-TV-Sender ging Dmax an den Start. "Wir sind vielleicht nicht der größte Player im deutschen Markt, aber weltweit gehören wir zu den ganz Großen", sagt Aigner-Drews. Zum Erfolg in Deutschland tragen 180 Festangestellte bei – und die Tatsache, dass die Chefin manchmal Entscheidungen schlucken muss. "Wenn eine weltweite Entscheidung fällt, sind wir ein Teil des Ganzen und involviert".

Was auch hilft beim Erfolg: "Wir kennen unsere Zuschauer recht gut“, sagt Aigner-Drews. Wenn die Dmax-schauenden Herren sich für Thunfischfänger interessieren, mögen sie auch "Goldrausch in Alaska". Natürlich: "Vieles ist ein Erfolg, manchmal klappt es nicht. Auf das ganze Jahr gesehen ist Dmax unser erfolgreichster Sender. Bei Einzelevents liegt manchmal Eurosport im Hinblick auf die Marktanteile vorn."

Läuft also bei Discovery. Und bei Aigner-Drews selbst – wie steht es da um den Erfolgshunger? "Ich brauche die Herausforderung und Spaß an der Arbeit, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man mir den Vorsitz eines DAX-Konzerns anbieten würde, würde ich mir das sicher überlegen. Aber hier ist noch genug zu tun."

Die Zukunft hat die Senderchefin schon angepackt – unter anderem mit der Plattform 7TV, ein Joint Venture zwischen ProSiebenSat.1 und Discovery. Sie soll sich zum Gegenangebot für Netflix und Amazon entwickeln. Derzeit können mobile User dort ihre Lieblingsformate von Kabel eins, Sat.1 Gold, TLC und vielen weiteren sehen; ein Pfund gegen Netflix und Co wäre aber wohl nur mit großer Kultserien-Power zu schaffen. Dinge, die Aigner-Drews im Auge behalten muss. Senderchefin ist kein linearer Job mehr: "Wir sind ja auch plattform-agnostisch. Wir sind einfach bei möglichst vielen."

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