turi2 edition #7: Internet-Ministerin Dorothee Bär im Porträt.


Zwischen Hass und Herzchen: Flugtaxi-Vordenkerin und Digital-Ministerin Dorothee Bär wird im Netz oft kritisiert. Für die turi2 edition 7 erzählt sie Anne-Nikolin Hagemann, warum sie sich dort trotzdem zu Hause fühlt, für eine Politikerin so erstaunlich viel Privates preisgibt und findet, dass Wähler genau darauf Anspruch haben. (Foto: Johannes Arlt)

Pink scheidet die Geister. Wärmer als Blau, kühler als Rot, mindestens so auffällig wie gelb. Pink stinks, sagen die einen. Pretty in Pink die anderen. Süchtig nach Pink, sagt das Instagram-Profil von Dorothee Bär. Es ist zehn Uhr morgens. Dorothee Bär leuchtet in pinker Bluse durchs Bahnsteig-Grau. Sie filmt den einfahrenden Zug mit dem Smartphone. Als die Türen aufgehen, lässt sie alle – wirklich alle – vor und steigt als letzte ein. "Beim Einsteigen", wird sie später sagen, "erkennt man oft erst den wahren Menschen." Sie hat erlebt, wie Anzugträger die Ellbogen auspacken, sich zwischen sie und ihre Kinder drängen.

Diese Strecke, Bamberg – Berlin: Bär ist sie oft gefahren seit 2002, ihrer ersten Legislaturperiode im Bundestag. Als sie noch gut fünf Stunden unterwegs war mit Kinderwagen und Maxi-Cosi ihrer Ältesten, war das "ein Gfreck. Übersetzbar aus dem Fränkischen vielleicht am ehesten mit "unnötig viel Mühe". Seit sie nur drei Stunden braucht, fährt sie öfter. Zeit zum Arbeiten, Telefonieren, Posten. Morgen wird sie sich via Twitter ärgern, dass sie trotz Reservierung auf dem Boden sitzen muss. Die meisten werden antworten, dass sie sich ja wohl als letzte beschweren dürfe. In der vorigen Bundesregierung war Bär Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium.

Heute hat es geklappt mit der Reservierung, erste Klasse, Fensterplatz. Sie postet noch schnell den einfahrenden Zug auf Instagram. Seit zwei Tagen ist Dorothee Bär zurück aus dem Familienurlaub an der Nordsee. Das weiß man, ohne ein Wort mit ihr gewechselt zu haben: ein Foto mit Bikini und Sonnenuntergang am Urlaubsanfang, eines mit Sommerkleid und Meerbrise am Ende. Später wird sie noch ein Sehnsuchts- Strandbild aus dem Kabinettsalltag posten, mit Hashtag-Zitat der Band Die Ärzte: #dieseeineliebe. Für die meisten Politiker wäre das erstaunlich privat. Bär sagt entschuldigend, urlaubsbedingt habe sie ihre Follower gerade ein bisschen vernachlässigt.
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Bayern-Berlin-Express: Flugtaxi-Vordenkerin Dorothee Bär pendelt mit der Bahn zwischen der Hauptstadt und Frrrangen. Die turi2 edition #7 passt sie am Berliner Hauptbahnhof ab. Im Video-Fragebogen berichtet die Instagram-affine Staatsministerin für Digitalisierung, dass sie "für alle Fälle gewappnet" meist mit Bikini und dicker Jacke reist. Im Gepäck auch: der Traum von Reisen nach Myanmar, Kuba und Neuseeland.
turi2.tv (2-Min-Video bei YouTube)