Blattkritik: Peter Turi über "Geo Epoche".

Historytelling vom Feinsten: Peter Turi über sein Lieblingsblatt Geo Epoche. Das zeigt, so Turi, wie kaum ein zweites Magazin die Stärke und Unersetzlichkeit von Print.

* Dieser Beitrag erschien Ende Dezember 2017 in der VDZ-Zeitschrift Print & More, Ausgabe 4/2017. Peter Turi, 56, ist Gründer des Fachdienstes turi2.de – und neuerdings VDZ-Mitglied.

Wer die Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen – hat einmal ein kluger Mann gesagt. Ich würde es ein bisschen anders ausdrucken: Wer sich Gedanken macht, wohin wir gehen, sollte wissen, woher wir kommen. Um die großen Linien, die Brüche und Konstanten in unserem Dasein als Gesellschafts-Tier zu erkennen, hilft es zu wissen, wie andere Menschen in anderen Zeiten gedacht und gelebt haben. Der schönste und beste Zugang zur Vergangenheit heißt für mich "Geo Epoche". Nie war es einfacher und unterhaltsamer, der eigenen, kurz getakteten Lebens-Perspektive Weite und Tiefe hinzuzufügen.

Wundervolle Bilder, spannende Rekonstruktionen und kluge Texte – die Art, wie das Redaktionsteam von "Geo Epoche" um Chefredakteur Michael Schaper sechsmal im Jahr Geschichten aus der Geschichte erzählt, ist für mich Magazinjournalimus par excellence. Quasi Historytelling vom Feinsten. Wenn das neue "Geo Epoche" in der Post liegt, ruht bei mir für ein paar Stunden die Arbeit und ändert sich das Wochenend-Programm. Fast kein Heft, in das ich nicht tief eintauche. Egal, ob "Die Hanse" als "Europas heimliche Großmacht 1150-1600" beschrieben wird oder der "Mythos Babylon" als "Geburt der Zivilisation 3330-500 v. Chr." ausgeleuchtet.

Die allerliebsten Hefte sind mir Themen der Zeitgeschichte, Themen, die nah an unser heutiges Leben reichen. "Der Traum vom Fliegen" beschreibt von Leonardo da Vinci bis zur Mondlandung, wie ein Menschheitstraum wahr wird. Von diesem Heft habe ich jede einzelne Zeile gelesen – obwohl ich alles andere als ein Vielflieger bin und unter Höhenangst leide. Dieses Heft hat mich, obwohl ich vom Heimatflughafen Sofa nie abgehoben habe, mit auf eine große Reise genommen.

Vor allem der Umgang mit Bildern macht "Geo Epoche" so herausragend: Die Fotos, Stiche, Illustrationen sind sorgfältig ausgewählt, sie bekommen ihren Platz, sie können atmen. Der Leser wird erst mit faszinierenden Fotos eingefangen, dann mit wunderbaren Texte gefesselt. Geschichte wird als Geschichte von Menschen erzählt. Menschen interessieren sich für Menschen – Schaper und sein Team informieren unterhaltsam und unterhalten informationsreich. Mehr kann man von gedrucktem Journalismus nicht erwarten.

Ein Gespräch mit Schaper hat mir sehr dabei geholfen, das Konzept meiner eigenen Magazinreihe turi2 edition zu entwickeln. Schaper sagte: "Wir denken das Heft fast wie ein Buch." Zeitlos, tief schürfend. "Geo Epoche" zeigt wie kaum ein zweites Magazin die Stärke und Unersetzlichkeit von Print. Die App fürs iPad habe ich getestet – ich kann damit nichts anfangen. Ohne Haptik geht die Hälfte der Freude verloren. Seitdem gilt bei mir die Regel: Alles, was ich gedruckt lesen kann, lese ich gedruckt.

Denn was ich gedruckt und gebunden besitze, das kann ich überall hin mitnehmen, wo Elekronik keinen Zugang hat (vom Schlafzimmer bis zum Strand). Und ich kann es aufheben: ins Regal stellen, verleihen, ja sogar vererben. Denn dereinst, nach meiner Zeit, wird ein Heft von "Geo Epoche" von 2017 immer noch Auskunft geben über eine Epoche und ihre Menschen. Und über die Art, wie das "Geo Epoche"-Team am Anfang des 21. Jahrhunderts das Thema gesehen und beschrieben hat.

Alle bisher erschienen Blattkritiken finden Sie unter turi2.de/blattkritik.