Instant Articles: Kapituliert Spiegel Online vor Facebook, Herr Harms?

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Spiegel Online und "Bild" publizieren ganze Artikel bei Facebook, zur Belohnung gibt’s Werbegeld von Facebook, Nutzerdaten und offenbar auch weitgehende Freiheit. (Foto: Spiegel Online)

Florian Harms, Chefredakteur von Spiegel Online, ist das Selbstmord aus Angst vor dem Tode?

Nein.

Mark Zuckerberg wird so zum Megaverleger: Er bestimmt künftig, wo’s langgeht. Ist das die Kapitulation deutscher Verlag vor der Macht des Silicon Valley?

Nein.

Verkauft Spiegel Online für ein bisschen Werbegeld seine Seele?

Nein. Es geht darum: Die Gewohnheiten, wie Menschen Medien nutzen und wo sie aktuelle Informationen suchen, verändern sich rasant und grundlegend. Facebook erreicht in Deutschland täglich rund 19 Mio Nutzer, die wollen wir mit unseren erstklassigen journalistischen Inhalten bestmöglich erreichen. Wenn Facebook nun an neuen, eleganteren Präsentationsformen für Medienartikel arbeitet, nehmen wir gern an diesem Test teil und sammeln so wertvolle Erfahrungen, getreu dem Prinzip "Trial and error". Wer solche Experimente ungeprüft ablehnt, verspielt eine Chance, sein Angebot weiterzuentwickeln.

Ausschlaggebend ist: Wir entscheiden erstens, welche Artikel wir als "Instant Articles" zur Verfügung stellen. Wir bringen zweitens unsere Werbung und unsere Zählpixel mit. Und wir können drittens die Kooperation jederzeit beenden, falls wir feststellen, dass sie uns und unseren Nutzern eher schadet als nutzt. Außerdem ist diese Kooperation nur eines von vielen redaktionellen Themen, an denen wir gerade arbeiten. Es reicht heutzutage einfach nicht mehr, sich nur auf die eigenen Plattformen zu konzentrieren, selbst wenn diese, wie in unserem Fall, sehr stark sind.

Facebook hat in der Vergangenheit immer wieder Inhalte gelöscht, die es als unangemessen empfand. Wie gehen Sie mit den Beschränkungen um, die Facebook seinen Nutzern auferlegt? Findet bei Bildern und Videos eine Selbstzensur statt?

Die Regeln, die den Newsfeed von Facebook betreffen, haben sich nicht geändert. Auf die publizistischen Inhalte auf Artikelebene nimmt Facebook keinen Einfluss – dort bestimmt nur die Redaktion Inhalt und Form. Etwas anderes käme für uns auch nicht in Frage.