Christoph Keese: "Ich versuche, immer in der Zukunft zu leben."


Mit Passion und Paranoia: Christoph Keese ist der digitale Vordenker im Springer-Konzern – und beschreibt im Gespräch mit Peter Turi, dass ihn paranoide Annahmen leiten. "Immer darüber nachdenken, was passieren könnte", lautet sein Rat für erfolgreiche Digitalisierung. Nicht nur erneuern, sondern auch sich selbst zerstören. In der turi2.tv-Aufzeichnung von der Launchparty zur turi2 edition5 sagt Keese: "Ich versuche, unabhängig vom Lebensalter, in der Zukunft zu leben."

Keese wechselte 2008 aus dem aktiven Journalismus auf die Verlagsseite. Schon damals ist Paranoia sein Antrieb: Die Plattform-Ökonomie entsteht und erfasst das Mediengeschäft. "Plattformen sind heute die Gewinner der Digitalisierung", sagt Keese vor rund 100 Gästen in der Zentrale von Landau Media. Noch nie sei so viel Geld mit Musik gemacht worden wie heute. Doch noch nie hatten Musiker und Musikverlage so wenig Anteil. Plattformen schöpfen das Geld ab. Und das gilt auch für den Journalismus.

Seit seiner Zeit im Silicon Valley, hat Keese den Springer-Konzern konsequent auf den digitalen Weg gebracht. Dabei hat der langjährige Leitartikel-Schreiber seine Demut nicht verloren: Keese blickt mit Bewunderung auf Verleger wie Springer, Nannen, Bucerius und Augstein. Auch in deren Tradition kämpft Keese weiter für faire politische Regeln im Sinne der Verlage, auch das umstrittene Leistungsschutzrecht sieht er langfristig als Erfolg.
turi2.tv (5-Min-Interview auf YouTube)

Teil 2 der Höhepunkte: Christoph Keese erklärt Disruption.

Die Lust an der Zerstörung: Christoph Keese ist nicht nur kreativer Digitaler, sondern auch ein mitreißender Redner. Bei der Launchparty zur turi2 edition5 erklärt Springer-Mann Keese in fünf Minuten die Kunst der Disruption. Keese selbst gibt zu, gerne darüber nachzudenken, wie Geschäftsmodelle im Digitalen kaputt gemacht werden können. Ihn treibt der Drang zum Optimieren, denn er sagt: "Das Gefühl des Genervtseins ist die disruptive Energie."

An einem Beispiel erklärt Keese, wie sich der Disruptor, also zum Beispiel ein Startup, in eine bestehende Kundenbeziehung setzt und sich eine Leistung zu Eigen macht. Er schaut nach Ineffizienzen und baut aus dem Bedürfnis nach etwas Besserem ein "ganz schmales Produkt". Speziell dabei ist: Der Disruptor optimiert die Vertragsbedingungen des neu entstandenen Geschäfts nicht für sich, sondern für die Kunden. Sie stehen im Mittelpunkt und vertrauen fortan dem neuen Spieler auf dem Feld, der es simpler und billiger macht.
turi2.tv (5-Min-Video bei YouTube)

Der komplette 47-Min-Talk:

Ein langes, gedrucktes Interview von Peter Turi mit Christoph Keese finden Leser der turi2 edition The Digital Me:

Text: Jens Twiehaus

Ein Gedanke zu „Christoph Keese: "Ich versuche, immer in der Zukunft zu leben."

  1. SH

    Disclosure: Christoph Keese hat bei Springer kein einziges digitales Produkt gestartet oder gemanagt. Als Chefredakteur der Welt stand für ihn die Zeitung vorn, nicht die Website – den Grundstein für den digitalen Erfolg hat Jan-Eric Peters gelegt.
    Keese kann fesselnd schreiben, erzählen, argumentieren. Und er war mal im Silicon Valley. Dass er wesentlich gewesen wäre für die Digitalisierung von Axel Springer ist eine übertriebene Zuschreibung.

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