Mein Homescreen: David Schraven.


Investigativ-Journalist und Correctiv-Chef David Schraven bewältigt mit seinem Homescreen Alltagstücken: Er kämpft sich durch das Verkehrschaos im Ruhrgebiet und kanalisiert die tägliche Info-Flut. Nur gegen den Anrufbeantworter und seine "Kippensucht" ist noch keine App programmiert worden. (Foto: Ivo Mayr/Correctiv)

Der Homescreen ist für mich die Werkzeugkiste, die ich jeden Tag dutzendfach anfasse, öffne und wieder schließe. Die Apps auf meinem Homescreen definieren meinen Alltag.

Da sind zunächst die Mobilitäts-Apps. Für Correctiv bin ich andauernd unterwegs. Zudem komm ich aus dem Ruhrgebiet. Der Nahverkehr ist bei uns eine Katastrophe – mit Städten wie Berlin nicht zu vergleichen – deswegen habe ich eine TomTom-App (Android) drauf. Mit Schrecken erinnere ich mich an früher, als ich gleich sechs Falkpläne im Auto gestapelt hatte. Heute habe ich eine App. Ich experimentiere aber gerade auch mit der Google-Maps-Navigation (Android). Je nachdem wie sich TomTom entwickelt, kann Maps eine Alternative werden. Wichtig ist es aber für mich auch, dass die Navigation offline funktioniert. Ich bin häufig im Ausland. Da ist TomTom im Moment noch vorne. Ich habe die TomTom Europa App drauf, und finde überall meinen Weg. Wenn Maps hier nachzieht, könnte das der Löschbefehl für TomTom werden.

Direkt daneben sind meine Bahn-Apps und die sehr nützliche AllSubway-App. Mit letzterer habe ich jeden Fahrplan der Welt auf dem Telefon. Ich brauch natürlich nicht alle. Aber es hilft, Hamburg, Zürich, Berlin und London griffbereit zu haben.

Für den Spaß habe ich einen Ordner mit Musik. Aber meist höre ich bei Spotify (Android) Podcasts oder Playlists. Außerdem habe ich TuneIn Pro (Android) drauf. Mit der Radio-App kann ich überall meine Lieblingssender hören. Das ist sehr praktisch. Wellenradio benutze ich eigentlich gar nicht mehr. Ich habe überall, wo ich wohne, mittlerweile BlueTooth-Geräte und die Jukebox in der Tasche.

Social-Media-Apps halte ich getrennt nach Produktivität und Konsum. In der Crowd arbeite ich, in Twitter und Facebook setze ich Dinge ab, die mir durch den Kopf gehen.

Kommen wir zur Kommunikation: Es gibt zu viele Kanäle, über die Leute mit mir Kontakt suchen. Ich bemühe mich, E-Mails zu beantworten. Damit ich nicht wahnsinnig werde, habe ich den Alarm für E-Mails ausgeschaltet. Sonst würde ich sehen, dass ich etwa 300 unbeantwortete E-Mails habe. Die Kontrolle über meine Voicemail habe ich verloren. Ich höre sie nicht mehr ab. Ich weiß aber auch nicht, wie ich sie ausstelle. Deswegen stehen da 140 nicht beantwortete Anrufe. Meist versuche ich, zurückzurufen. Manchmal klappt das aber nicht.

Dann gibt es Leute, die wollen über Messenger Dienste mit mir Kontakt halten. Das ist fast fruchtlos. Es ist zuviel. Ich habe die Alarme dafür ausgeschaltet. Nur wenige Menschen können mich darüber erreichen.

Wenn ich ständig für alle erreichbar wäre, könnte ich nicht mehr arbeiten. Ein Dilemma für mich, aus dem ich noch keinen Ausweg gefunden habe.

Interessant ist vielleicht noch die RauchfreiPro App. Ich kämpfe gegen die Kippensucht. Verliere aber regelmäßig. Die App erinnert mich daran, den Kampf wieder aufzunehmen.

Ich habe zwei Browser mit einem Klick zur Hand. Safari aber nur, weil der Browser als Standard automatisch aufgeht, wenn man irgendwo auf einen Link klickt. Eigentlich nutze ich nur den Firefox-Quantum (Android), der richtig, richtig gut ist. Wer ihn nicht installiert hat, sollte es unbedingt tun.

Um in Zeitungen rumzustöbern, nutze ich Blendle (Android). Für Verschlüsselungen iPGMail.

Zuletzt die vielleicht praktischste App: Der Taschenrechner. Ich bin Geschäftsführer. Deswegen nutze ich andauernd den Taschenrechner. Vieles kann ich im Kopf rechnen, aber eben nicht alles. Und diese kleine App hilft mir regelmäßig beim Geschäftemachen.

Zuletzt zeigte Michaël Jarjour, Product Manager bei der "NZZ", seinen Homescreen. Alle bisher erschienenen Beiträge finden Sie unter turi2.de/mein-homescreen.