Mein Homescreen: Elias Kouloures.


Elias Kouloures ist Kreativdirektor für die Wahl-Kampagne der Piratenpartei. Der Homescreen des bekennenden "Organisations-Nazis" ist auf Effizienz getrimmt. Werbetexter Kouloures bemerkt, wie viele Menschen um ihn herum nur noch auf Reize reagieren, statt kreativ zu agieren. Mit klarer Struktur auf dem Handy, versucht er dem Chaos entgegenzuwirken.

turi2 und der Hamburger Wahlbeobachter spicken vor der Bundestagswahl auf die Handys der Kampagnenchefs – nach CDU-Mann Peter Tauber ist Herausforderer Elias Kouloures an der Reihe:

Langweiligster Homescreen ever, weil ich alles auf maximale Geschwindigkeit und Effizienz optimiere. Mein Handy, wie alle digitalen Tools, hat keine Animationen, Effekte oder Blingbling. Alles aus. Ich hab nur einen Ordner: für Dump – das sind Apps, die Apple mich nicht löschen lässt, ich aber nie brauche.

Jeder Screen ist für eine Kategorie von Tätigkeit und darauf sind Apps mit ähnlicher Funktion gruppiert.

Beispiel Homescreen: Ich brauche als Drohnenpilot viele Wetterinfos und den richtigen Sonnenwinkel, um bestmöglich meinen Flug fürs Filmen zu planen. Unten in Daumenreichweite sind alle super-wichtigen Apps wie SMS, WhatsApp und Facebook Messenger. Plus Kalender und Wecker, weil ich Termine super ernst nehme und mir bis zu vier Alarme stelle. Oben wichtig, aber seltener gebraucht: Bank, Wallet, Handy (um mobile Daten nachzubestellen, weil meine aktuell 17 GB selten reichen) und Google Drive, da ich viel mit virtuellen Teams kollaborativ arbeite. Wenn ich weiter wische kommen auf dem …

2. Screen: alle News-Lieferanten, d.h. soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, etc. und Nachrichtenmagazine wie Spiegel, Artsy, Flipboard, usw.
3. Screen: alles rund um Multimedia, z.B. YouTube, Vimeo, Fernseh-App, Nasa-Video, Spiegel.tv, SoundCloud, usw.
4. Screen: alles rund um Reisen, d.h. ÖPNV aus fünf deutschen Großstädten, Bahn, Google Maps, Apple Karten, Wave, Sprachübersetzung, TripAdvisor, Lufthansa, MyTaxi, usw.
5. Screen: Nur Spiele, wobei mein letztes Daddeln mehr als ein Jahr her ist, weil ich bei Leerlauf lieber kreativ etwas ausdenke oder schnell powernappe. Eigentlich könnte ich die Seite komplett löschen, aber dann müsste ich mir eingestehen, dass ich "erwachsen" bin. Schlussfolgerung: Ich bin alt. Schrecklicher Gedanke.
6. Screen: Misc + Testbereich für neue Apps. Leider beweisen die immer wieder, dass fast alles überflüssig ist.

Maximaler Minimalismus ist mir wichtig, weil die meisten Apps nur Zeit kosten. Darum sind fast alle Notifications aus – bis auf drei Apps. Die meisten, und immer weniger, Leute verstehen heutzutage wie man sich effizient und effektiv selbst organisiert. Es ist viel besser, konzentriert eine Tätigkeit von Anfang bis Ende auszuführen, als wie ein Smartjunkie bei jedem Piep aufzuhüpfen und impuls- bzw. reflexartig schnell was zu antworten.

Die meisten reagieren 24/7 und haben dann keine Zeit mehr zum Agieren, weil das Ruhe und Entspannung erfordert, um mit Gedanken tief in eine Aufgabenstellung einzutauchen, vorauszureiten und neu zu denken.

Meine Reaktion auf die immer hilfloser und unorganisierter werdenden Menschen, die einem zunehmend begegnen: Ich werde noch disziplinierter, präziser und organisierter. Könnte auch meinen Spitznamen erklären: Orga-Nazi.

Anfangs schämte ich mich ein Nerd zu sein, aber weil ich nun seit 32 Jahren mit Computern arbeite und seit 26 Jahren online bin, hab ich gelernt, wie man Digitales so konfiguriert, dass es Arbeit abnimmt, im Alltag hilft und derbe produktiv macht, anstatt den Hippocampus mit unnötigen Reizen von wichtigem abzulenken. Das sollte IMHO ein Schulfach in der 1. Klasse sein.

Zuletzt gab CDU-Generalsekretär und -Kampagnenchef Peter Tauber einen Einblick auf seinen Homescreen. Alle bisher erschienenen Beiträge finden Sie unter turi2.de/mein-homescreen.

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