Berufe mit Zukunft von A-Z: X wie Xing-Digital-Kommunikatorin – Lisa Nölting.


Veteranin unter 30: Lisa Nölting, Partner Relationship Managerin beim Karriere-Netzwerk Xing, organisiert die jährlich stattfindende Konferenz New Work Experience mit, verhandelt mit Sponsoren und kümmert sich um Kontakte zu Influencern. Für die turi2 edition #8 erklärt sie Markus Trantow, wie sie sich ihren Job "selbst zusammengeschneidert" hat.

Das Porträt über Lisa Nölting finden Sie auch in unserem kostenlosen Blätter-PDF zur "turi2 edition #8" auf Seite 188.

Lisa Nölting erinnert sich noch gut an den ersten Januar-Sonntag 2017: Damals erlebt sie ihre Feuertaufe als Social-Media-Managerin. Roland Tichy, zu der Zeit Herausgeber des Xing-Magazins "Klartext", hatte auf seiner privaten Meinungsseite "Tichys Einblick" den Text eines Gastautors über "gestörte grün-linke Gutmenschen" veröffentlicht – der Sturm der Entrüstung trifft auch Xing als Tichys Arbeitgeber: Zahlreiche Nutzer machen ihrem Ärger bei Twitter und Facebook lautstark Luft und Nölting hütet die Social-Media-Kanäle von Xing.

Bis drei Uhr in der Früh moderiert sie den Zorn und die Entrüstung. "Ich habe mir ein dickes Fell zugelegt", sagt die 27-Jährige heute. Die Causa Tichy ist auf Anekdoten-Größe zusammengeschrumpft. Schon tags darauf tritt der umstrittene Publizist von seinem Xing-Posten zurück. Grundsätzlich ist der Ton auf den sozialen Kanälen von Xing und in der hauseigenen, rund 30.000 Stimmen starken Community freundlich und professionell. Eine Art Insel der Glückseligen für Social-Media-Manager. Klar gibt es auch mal Ärger, sagt Nölting. Dabei drehe es sich aber meist um technische Probleme. Hass und Hetze sind die Ausnahme.

Seit fünf Jahren arbeitet Lisa Nölting für Xing – eine halbe Ewigkeit für den ersten Job in der Medienbranche. Zuvor studiert sie PR- und Kommunikationsmanagement an der Macromedia-Hochschule in Hamburg. Auch Journalismus ist nach dem Abi eine Idee, immerhin war Nöltings Vater Andreas lange beim "Spiegel" und hat später fürs "manager magazin" die Online-Redaktion aufgebaut. Doch 2008 ist keine gute Zeit für Journalisten: Die Wirtschaft taumelt in die Finanzkrise und viele Medienunternehmen bauen ab statt auf.

Dann also PR. Nölting lernt während des Studiums die Branche von unten kennen: Die passionierte Läuferin schult als Brand-Coach Schuhverkäufer und läuft selbst für eine PR-Aktion als riesiger Schuhkarton verkleidet durch die Fußgänger-Zone. Später jobbt sie bei Media Solutions von Gruner + Jahr und probiert sich im Brand-Marketing bei FischerAppelt aus. Bei Xing absolviert sie ein Praktikum und bleibt hängen. Sie kann sich locker fünf weitere Jahre beim einzigen Sozialen Netzwerk Made in Germany vorstellen, sagt Nölting. Was hat Xing, was andere Arbeitgeber nicht haben? Vielleicht ist es die Startup-Stimmung, die noch immer durch die Gänge der Großraum-Büros in der Hamburger Dammtorstraße weht, obwohl Xing längst ein Konzern mit 1.600 Mitarbeitern ist.

"Ich habe mir meinen Job im Laufe der Jahre selbst zusammengeschneidert", schwärmt Nölting. Social Media ist nur noch ein kleiner Teil davon. Inzwischen organisiert sie die jährlich stattfindende Konferenz New Work Experience von Xing mit, die jedes Jahr 1.800 Teilnehmer in die Hamburger Elbphilharmonie bringt, verhandelt mit Sponsoren und kümmert sich um Kontakte zu Influencern.

Die Diskussion darüber, wie Unternehmen künftig arbeiten, Mitarbeiter führen und motivieren, also New Work, hat Xing sich seit ein paar Jahren auf die Fahnen geschrieben. Nölting selbst arbeitet nur selten von Zuhause oder unterwegs. Dafür kommt sie einfach zu gerne ins Büro und freut sich auf den Austausch mit den Kollegen. Ihr Team aus Digital-Kommunikatoren hat Nölting den Spitznamen "Allzweckwaffe" verpasst. "Viele Berufseinsteiger haben Angst, etwas zu verpassen, ich glaube, deswegen wechseln sie so oft ihre Jobs", sagt die Xing-Veteranin. In ihrem Job habe sie diese Angst nicht. "Hier ist kein Tag wie der andere."

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