turi2 edition6: DLD-Chefin Steffi Czerny im Porträt.


Steffi Czerny vernetzt auf dem DLD Vordenker und Kreative aus aller Welt. Dabei will die Konferenz wesentlich mehr sein, als nur ein Digital-Treffen. Tatjana Kerschbaumer hat Czerny und den DLD für die "turi2 edition" zum Thema "Netze" porträtiert. Foto: Frank Bauer

Über den Köpfen von Hubert Burda und Philipp Welte hängt ein unbekanntes Flugobjekt, das sich bei näherem Hinsehen als "Volocopter" entpuppt. Ein elektrisch betriebener Senkrechtstarter, den die Deutschen in Zukunft ohne Hubschrauberlizenz fliegen sollen. Zukunft. Urbanes Leben. Neue Mobilität. Darum geht es heute auf dem DLD in der alten Bayerischen Staatsbank, ausgeschrieben: Digital- Life-Design, eine der einflussreichsten Digitalkonferenzen der Welt. Als Steffi Czerny, die Gründerin der Konferenz, mit leichter Verspätung einschwebt, tut sie das allerdings nicht im Volocopter. Sondern auf knallroten Schuhen, kombiniert mit knallroter Strumpfhose. Einmal schnell an möglichst vielen Plätzen der vollen Reihen vorbei, Händeschütteln, "schön, dass Sie gekommen sind", "great to see you" – Czernys Augen strahlen hinter ihrer Hornbrille. Dann im Eiltempo ab nach vorne, auf die Bühne. Der DLD will eröffnet sein.

Alles im Blick: Czerny begrüßt, stellt vor, schiebt zusammen – und ist selbst ganz schnell verschwunden, wenn die Gespräche beim DLD laufen. Foto: Frank Bauer

Wenige Wochen zuvor sitzt Czerny, die von sich selbst sagt, sie sei "keine Gesellschaftsnudel", in Gesellschaft von Familie und Freunden am schweren Esstisch ihres Hauses in Wildbad Kreuth am Tegernsee. "Great to see you" und digitale Innovationen sind weit weg, stattdessen ist gerade die traditionelle Leonhardifahrt vorbei, bei der Bauern und Reiter den Heiligen Leonhard um Segen für ihre reich geschmückten Pferde bitten. Zeit, unter sich zu bleiben: Die Bauern und ihre schwarz gewandeten Schalkfrauen rücken beim Wirt noch auf ein, zwei Obstler zusammen. Ein paar hundert Meter Luftlinie weiter lehnt sich Czerny an ihre Stubenwand. Ein kleiner Holzofen neben dem Tisch bullert, statt Schnaps steht eine angebrochene Rotweinflasche auf dem Tisch, Tee- und Kaffeetassen. "Morgen geht‘s wieder ins G‘schirr", sagt Steffi Czerny. Soll heißen: Morgen muss sie wieder nach München zu Burda, unter dessen Dach der DLD stattfindet. Eine Community managen. Netzwerken. Alles vorbereiten, Volocopter inklusive.

Czerny sucht als Digital-Sherpa auf der ganzen Welt nach Vordenkern

Spricht man Czerny auf ihre Digitalkonferenz an, findet sie, das Wort passe nur bedingt. "Mir ist es wichtig, dass wir auch immer Kunst, Architektur und Musik dabei haben. Eine Band, die für Stimmung sorgt", sagt sie. Klar, Daten halten die Welt zusammen – aber Czerny und ihr DLD möchten dann doch mehr sein als ein Treffen, das sich nur um Algorithmen dreht. Trendsetter, Ideengeber, sogar Kuppler: Zwischen Laptop und Lunch haben sich zum Beispiel Soundcloud-Gründer Eric Wahlforss und seine jetzige Frau kennen gelernt. Auch DLD-Babies soll es schon geben.

Czernys Digital-Karriere begann am Tegernseer Wallberg

Begonnen hat alles beim Skifahren, eine Geschichte, die Steffi Czerny schon gefühlt jedem Wirtschaftsmagazin erzählen musste. In einer Gondel am Tegernseer Wallberg lernte sie 1995 Hubert Burda kennen, der damals schon glaubte: "Das mit dem Internet wird vielleicht mal was." Der Verleger sah seine digitalen Ambitionen eher als eine Expedition – und meinte: "Ich brauche jemanden, der gerne bergsteigt." Czerny verstand am Anfang nicht allzu viel von dieser neuen, recht rätselhaften Domäne Internet – aber bergsteigen kann sie. Die internationalen Gäste, die sie manchmal nach Kreuth einlädt, scheucht sie auf so manchen Gipfel. Ihre Bergschuhe lässt sie sich ganz rustikal in einem kleinen Geschäft in der Tegernseer Bahnhofstraße machen.

Frontfrau: Czerny beobachtet die Hauptbühne des DLD. Foto: Frank Bauer

Seit Hubert Burda sie als obersten Digital-Sherpa verpflichtet hat, sucht Czerny auf der ganzen Welt nach spannenden Menschen, die sie zusammenbringen kann. Das Silicon Valley ist Anlaufstelle Nummer eins, aber auch Israel und China hat sie immer im Blick. "Wir hatten ja ganz früh zum Beispiel Ai Weiwei bei uns", erinnert sie sich – die Kunstszene interessiert sie auch persönlich, denn sie schrieb lange für die Zeitschrift "Architektur und Wohnen". Czerny sieht Künstler aber gleichzeitig als „Seismograph“ für Themen, die wichtig werden könnten.
Ihr anderer Trick… weiterlesen in der turi2 edition Vernetzung.

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