turi2 edition #7: Unterwegsgespräch mit Julia Jäkel.


Julia on tour: Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel spaziert mit Peter Turi für die turi2 edition #7 drei Stunden lang durch Hamburg, u.a. zum Baugrundstück für das neue Verlagshaus. Jäkel spricht dabei über den Wandel der Bürokultur bei G+J, den Wandel der Gesellschaft bei ihren Magazin-Interessen und welche Rolle der Verlag in der digitalen Welt spielen soll. (Foto: Johannes Arlt)

Julia, wer darf dich duzen?
Jeder, der das möchte.

Wir kennen uns seit 1998, du warst damals Trainee bei Gruner + Jahr. Hast du deinen Chef Gerd Schulte- Hillen geduzt?
Undenkbar! Das war eine andere Zeit. Menschen nahmen im Büro eine Rolle ein, man ging viel formeller miteinander um. Kleidung war auch ein Stück Verkleidung. Das ist passé. Das Private und das Berufliche gehen heute stärker ineinander über. Das macht sich auch in den Büros bemerkbar, im Umgang, im Outfit, beim Duzen. So verändert die Digitalisierung auch die Bürokultur.

Das heißt, bei Gruner + Jahr wird jetzt rauf und runter geduzt – wie bei Ikea?
Ich habe mich nicht hingestellt und gesagt: Hey, wir duzen uns jetzt alle. Das fände ich unpassend. Es gibt auch bei Gruner + Jahr Menschen, die gerne siezen, aus gegenseitigem Respekt. Und das ist vollkommen okay so. Wenn der Umgang insgesamt entspannter wird, finde ich das schön. Aber Entspannung
als Ideologie – das führt sich selbst ad absurdum. Wir verordnen auch niemandem Turnschuhe.

Tickt der Nachwuchs, den du heute bei Gruner + Jahr kennenlernst, anders als du früher?
Ja, ganz anders. Mutiger, im positiven Sinne fordernder, erfrischend klar. Und die jungen Kollegen können ja auch selbstbewusst ins Berufsleben starten: Sie sind die Digital Natives, sie spüren und fühlen den digitalen Wandel. Damit bringen sie schon am ersten Tag etwas mit, das sich Ältere erst erarbeiten. Früher kam man als kleines Licht in ein Haus voller Erfahrung und Wissen. Heute hilft altes Wissen nur noch bedingt weiter, das Neue ist ebenso spannend.

Ist der Job an der Spitze von Gruner + Jahr eigentlich das, wovon du als Kind geträumt hast?
Davon kann man nicht träumen. Da jetzt gerade meine eigenen Kinder eingeschult wurden, habe ich mich noch einmal an meinen großen Traum als Erstklässlerin erinnert: Ich wollte Truckerfahrerin werden, mit viel Chrom und auf einer endlosen Straße in Arizona.

Warum wurdest du als Arzttochter aus Wiesbaden nicht Ärztin in Wiesbaden?
Beide Eltern und auch meine Großeltern waren Ärzte. Ich wollte aber einfach nicht dasselbe machen wie die anderen bei uns in der Familie. Heute denke ich manchmal: Was für ein befriedigender Beruf, jedenfalls so, wie ihn meine Eltern ausgeübt haben.

Wie denn?
Als niedergelassene Ärzte in einer überschaubaren Gemeinde, in der man sich ganzheitlich um den Menschen kümmern konnte.

Warum hat der Plan mit dem Truck in Arizona nicht geklappt?
Tja, warum werden die meisten Jungs am Ende doch nicht Feuerwehrmann? Vermutlich, weil die Welt so viele Möglichkeiten bietet. Später wollte ich dann Diplomatin werden, ich malte mir ein aufregendes politisches Leben aus, ordentlich romantisch verklärt.

Bist du als Chefin von Gruner + Jahr nicht auch Diplomatin?
Eher selten. Klarheit und Lust an der Entscheidung sind heute, im großen Medienwandel, wichtiger als immer nur der Ausgleich.
…weiterlesen in der turi2 edition Unterwegs.

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