turi2 edition3: Zu Besuch bei Adels-Papst Peter Viktor Kulig.

kuligSeit 47 Jahren ist Peter Viktor Kulig durchgängig Chef von Adels- und Frauenmagazinen. Er war schon Löwen füttern mit dem äthiopischen Kaiser, überreichte Sophia Loren den Bambi und traf den Schah von Persien. Heute ist die Arbeit nicht mehr ganz so glamourös. Die turi2 edition3 hat ihn besucht.

Manchmal macht sich Peter Viktor Kulig einen Spaß, wenn er eine seiner Leserinnen in Baden-Baden auf der Straße trifft. Wenn die Dame ihm begeistert erzählt, sie habe beim Friseur den neuesten Königshaus-Klatsch in „Adel aktuell“ oder „Frau mit Herz“ verschlungen, nickt Kulig verständig: Ja, mit der Prinzessin habe er gestern erst telefoniert. Hat er meist gar nicht. Heute bekommt man Prinzessinnen nicht mehr so einfach ans Telefon. Früher war das anders: Da war Kulig noch Löwen füttern mit Haile Selassie, dem äthiopischen Kaiser. Traf den Schah von Persien. Überreichte Sophia Loren den Bambi. Aus der goldenen Zeit des Magazin-Journalismus hat Kulig, Jahrgang 1941, so viel Edelmetall mitgenommen wie kaum jemand sonst. Mit gerade einmal 27 Jahren wurde er 1969 Chefredakteur der „freundin“ in München, seit 47 Jahren ist er ununterbrochen im Geschäft. Momentan verantwortet Kulig bei Klambt die beiden Wochenblätter „7 Tage“ und „Frau mit Herz“ sowie die Monatsmagazine „Adel aktuell“ und „Adel heute“.

Kulig ist ein sportlicher Mann, gebräunt von Sonne auf Tennisplätzen und Fußballfeldern. So war er vermutlich schon 1962, als er eigentlich Arbeiterpfarrer in Mannheim werden wollte. Nach einer Industriekaufmannslehre bei Siemens hatte er das Abitur nachgeholt, um in Kiel evangelische Theologie zu studieren. Aber volontiert hatte er eben auch: bei der „Allgemeinen Zeitung“ in Mannheim. Und so kam es, dass der sport- und religionsbegeisterte Kulig
ein Tennisturnier in Speyer spielte, bei dem er direkt vom Ascheplatz weg verpflichtet wurde. Die „Speyrer Tagespost“ suchte einen Sportredakteur – und er hielt ein Schwätzchen mit Verlagsleiter Gottfried Haesner, dem Großonkel des heutigen Klambt-Verlegers Lars Rose. Das Theologiestudium trat Kulig nie an. Dabei ist er sich sicher, er wäre „auch ein guter Pfarrer geworden“.
queen
Wer Peter Viktor Kulig heute in seinem Büro in Baden-Baden besucht, findet dort allerdings kein Kruzifix an der Wand, sondern eine kleine Plastikfigur der Queen auf dem Schreibtisch. Die Queen trägt Pink und kann sogar winken, eine kleine Solarzelle an der Seite liefert den Strom für die hoheitliche Handbewegung. An der Wand hängen die ausgedruckten Miniatur-Seitenpläne für alle vier Magazine, die Kulig leitet. Und weil sich die Seiten durchaus ähnlich sehen, kann es schon mal vorkommen, dass seine Sekretärin den Gesundheitsreport von „Frau mit Herz“ auf den Seitenplan von „7 Tage“ heftet. Passiert aber selten, Kulig macht das ohnehin am liebsten selbst, Schere und Kleber stets parat: „Unser Grafiker hat gesagt, machen Sie das doch alles am Bildschirm!“ Belustigtes Schnauben. Alte Schule, den Überblick behält man besser auf Papier.

"Meine Redakteursjahre bei der 'Bunten' waren die goldensten"

Die alte Schule begann in Speyer, wo Kulig von 1962 bis 1966 als Redakteur für die „Tagespost“ und „7 Tage“ arbeitete. Dann bewarb er sich auf eine Stelle bei Burda in Offenburg und hörte – nichts. Etwas beleidigt rief er an und monierte, er habe nicht einmal eine Absage erhalten. Prompt bekam er ein Gespräch bei einem Personalverantwortlichen, der aufgrund einer vorangegangenen Weinprobe den Termin nicht mehr ganz nüchtern wahrnehmen konnte. „Wo wollen Sie hin, zur ‚Bunten‘?“ Kulig hatte sich zwar auf eine ganz andere Stelle beworben, nickte aber begeistert. „Meine Redakteursjahre bei der ‚Bunten‘ 1966 bis 1969 waren vielleicht die goldensten“, sagt er heute.

Gut, unter Verleger Franz Burda zu arbeiten – den Kulig bis heute „den alten Senator“ nennt –, war herausfordernd. Kulig hatte zwar einen Dialektbonus: „Endlich einer, mit dem ich Kurpfälzisch schwätze kann!“, freute sich Burda. Aber der Senator stand – obwohl Verleger – ständig auf der Redaktionsmatte. „Es gab zwar Chefredakteure“, Kulig zuckt mit den Achseln, „aber der Oberchefredakteur war er.“ Was Burda nicht gefiel, kam nicht ins Blatt. Andererseits, sagt Kulig, „hatte er einen unglaublichen Riecher für Magazine und Themen“. Vom alten Senator habe er Dinge gelernt, die ihm bis heute nützen. Zum Beispiel „wie man Leser ansprechen muss“. …Weiterlesen in der turi2 edition3 (Paid)