ADAC-Geschäftsführer Alexander Möller über explodierende Wutbürger.

"Bis heute kein einziger Austritt": Geschäftsführer Alexander Möller, beim ADAC unter anderem für Kommunikation zuständig, wehrt sich gegen eine Kampagne der AfD gegen die neue Werbung des ADAC. Weil der ADAC darin einen – vermutlich deutschen – Gartenzwerg explodieren lässt und plakatiert "Wir sind nicht deutsch", ruft die AfD ihre Anhänger dazu auf, beim ADAC auszutreten (turi2 berichtete) – bisher wohl ohne Erfolg.

Die Wutbürger der AfD haben eine Kampagne gegen die neue Werbung des ADAC gestartet – was haben die falsch verstanden?
Uns geht es ausschließlich darum zu zeigen, dass wir als ADAC viel mehr sind als Allgemein, Deutsch, Automobil und Club. Dazu gehört natürlich ein ordentlicher Schuss Selbstironie. Zum Beispiel damit zu arbeiten, dass wir als deutsche Institution erstmal irritieren, wenn wir unser "Deutsch sein" vermeintlich verneinen, um es im selben Atemzug dann wieder aufzulösen.

Die AfD ruft zum Austritt aus dem ADAC auf – fürchten Sie eine Austrittswelle? Hat die Flut Sie gar schon erreicht?
In den vergangenen beiden Tagen hatten wir natürlich Reaktionen, Mails und Anrufe. Ich kenne bis heute keinen einzigen Austritt. Gleichzeitig funktionieren aber auch die selbstregulierenden Kräfte in Social Media ganz gut.

Sehen Sie Ihrer Werbung eigentlich als das, was Experten "Haltungskommunikation" nennen? Wollen Sie mit Ihrer Werbung auch ein Statement setzen? Oder hat die AfD das falsch verstanden?
Wer da was falsch versteht und wer was falsch verstehen will, um von unserer Bekanntheit zu profitieren, lassen wir mal außen vor. Haltung ist natürlich wichtig, immer und überall. Der ADAC steht als starke deutsche Marke für Offenheit, Toleranz und Diversität. Bei uns arbeiten zum Beispiel Menschen aus 43 Nationen. Zur Wahrheit gehört aber, dass unsere Kampagne keinerlei politischen Hintergrund hat und wir ausschließlich das breite Leistungs-Portfolio unseres Clubs darstellen möchten. Da ist vielen Menschen vieles über den ADAC gar nicht bekannt.

Wird ironische, zugespitzte Werbung schwieriger, wenn das politische Klima aufgeheizt ist? Werden Sie in Zukunft vorsichtiger sein mit Ihrer Werbung?
Was wir daraus lernen, diskutieren wir, wenn wir wirklich wissen, wie die Kampagne angekommen ist. Aktuell sehen wir – ich hab das gesagt – wenige Reaktionen, und die sind offensichtlich jedenfalls zum Teil gesteuert. Der Kontext von Werbung und gesellschaftlicher Situation ist der entscheidende Punkt. Wie gehen wir als Organisationen, als Unternehmen mit einer zunehmend fragileren Grundstimmung um? Das wird uns alle, auch die Medien, in den nächsten Monaten massiv beschäftigen. Gleichzeitig muss Werbung natürlich vereinfachen und zuspitzen, wenn sie aufmerksamkeitsstark und damit erfolgreich sein möchte.