Blattkritik: Peter Huth, Chefredakteur "B.Z." über "Geo Wissen Gesundheit".

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Peter Huth, Chefredakteur "B.Z.", hat das neue "Geo Wissen Gesundheit" gelesen: Er, der Urzeitkrebs, findet’s "edel – und langweilig".

 

Ach, dieses Geräusch, dieser Geruch! Knisterndes Zellophan, the smell of Yps. Jetzt aber, 40 Jahre später, packe ich die erste Ausgabe von G+J’s Geo Wissen Gesundheit aus. Das Gimmick für mich Urzeitkrebs: "60 Übungen für einen starken Rücken" auf DVD. Ich selbst betrachte das gelassen, mein Rücken hält. Vielleicht aber nicht mehr, wenn ich das Heft nach Haus getragen habe: ziegelschwere 196 Seiten.

 

Wie illustriert man ein Cover zum Thema? Da kennt der Magazin-Journalismus nur eine Antwort: Die unbekleidete Dame, durch ernsten Seitenblick von jeder vordergründigen Erotik freigestarrt. Die Schlagzeilen steht, klar, auf dem "Rücken". Da sieht ganz edel aus – und langweilig.

 
Innen ist im Hochglanzteil mehr los: Dynamische Produktion von Menschen, die ihre Wirbelsäule durch Bewegung retten, durch Tanzen, Biken, Schwimmen, Yoga. Das sind alles starke 55-Plusser, sie sind die erste von drei ausschließlich im Heft abgebildeten Menschengruppen. Die anderen sind auf ihre Muckis reduzierte Schwarz-Weiß-Köper und von Haut befreite Sehnenstrang-Zeichnungsfiguren, die mir schon als Kind Angst gemacht haben. Kurz: Es liegt, klar, am Thema, aber optisch ist das sehr redundant.

Geo Wissen Gesundheit innen

Und doch muss man Claus Peter Simon, der das Heft konzipiert hat, loben: Die Texte sind gut geschrieben, ohne Chi-Chi, sie sind informativ, das Thema wird so umfassend bearbeitet wie wohl sonst nur in einem Sachbuch (hat ja auch einen ähnlichen Preis: 16,50 Euro) – einem medizinischen, wohlgemerkt. Jeder Leser entscheidet selbst, wie tief er eintaucht.
 

Was ich vermisse, sind neben all der harten Erklärungs- und Anleitungskost für den Rücken ein paar Inseln für den Kopf. A bisserl was Leichtes, ein Essay, eine Kunstgeschichte. Charme statt Schmerz. Ging ja mit Darm auch ganz gut.

 

In der Vorwoche schrieb Geo Wissen-Chefredakteur Michael Schaper eine Blattkritik über das deutsche "People". Der Reigen geht am nächsten Sonntag weiter.