Blattkritik: Steffen Klusmann, Chefredakteur "manager magazin", über "Business Punk".

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Steffen Klusmann liest für turi2 "Business Punk" und freut sich über klare Positionierung und überraschende Stücke. Die Titelgeschichte ist dem Chefredakteur des manager magazins aber etwas zu unentschieden. Von seiner "alten Gang" wünscht er sich noch mehr "Rotzigkeit" in den Thesen.

Eine Blattkritik von "Business Punk" – da bin ich natürlich befangen. Idee und Konzept für das Heft sind damals im Agenda-Ressort der FTD entwickelt worden – von zwei Kollegen, die danach die deutsche Ausgabe von "Wired" aufgebaut haben. Aber auch die Nach-Gründergeneration, die "Business Punk" heute macht, rekrutiert sich aus ehemaligen FTDlern, also alles die alte Gang.

Was mir an "Business Punk" gefällt: Die Marke ist glasklar positioniert, das Heft ohne viel Schnickschnack entlang seinem Claim "work hard, play hard" in zwei Teile gegliedert. Das Layout (laut, aber stylish) wurde behutsam weiterentwickelt und macht Lust auf die Geschichten (nur die Schrift dürfte ein wenig größer sein, wenn ich das als fast 50-Jähriger mal anmerken darf, aber wahrscheinlich sollen Leute wie ich das Heft gar nicht mehr lesen, verwässert nur die Zielgruppe). Viele der kleinen Formate wie der Schulhoftipp oder die Ja-Nein-Frage (Darf man Vorgesetzten Komplimente machen?) sind sehr gelungen. Und ich entdecke immer wieder überraschende Stücke – in diesem Heft das Porträt von Selfmade-Records-Boss Elvir Omerbegovic (bei dem als Erfolgsnachweis allerdings eine Gewinn- oder wenigstens Umsatzzahl nicht geschadet hätte) sowie die Geschichte über Tim Cannon, der die Menschheit zu Cyborgs machen will und bei sich selbst schon mal anfängt – mit allen möglichen Implantaten. Fieses Stück mit starken Bildern.

Die Titelstory (Hate sells) hat mich neugierig gemacht, auch Ruths Editorial, dass es nicht selten die Todsünden sind, die dem Kapitalismus seine Triebkraft verleihen. Das Dossier zu den 7 Todsünden sieht optisch stark aus, die sieben Geschichten halten allerdings nicht so recht, was vorne versprochen wird. Sie sind zu unentschieden: der hochmütige Wire-Gründer hat’s verzockt, aber noch nicht so ganz; die TV-Serien-Völlerei kann zum Problem für die Sender werden, vielleicht aber auch nicht; dass Ex-Investmentbanker und @GSElevator-Orakel John Lefevre Habgier nicht mehr so gut findet (außer bei sich selbst), ist nur so mittelmäßig überraschend; und ob Wollust jetzt eher gut oder schlecht fürs Geschäft ist, wird auch nicht so recht klar. American Apparel-Gründer Dov Charney (der Wollust-Case) hat es mit seinem Sex-Drive weit gebracht und dann doch alles ruiniert. Die jeweiligen Beispielfälle für die Todsünden sind nicht schlecht gewählt, aber zu ausgewogen durcherzählt, der Erkenntnisgewinn ist nicht groß genug. "Business Punk" muss radikal sein, da darf ein wenig mehr Rotzigkeit ruhig sein. Nicht in der Sprache (das wirkt sonst schnell anbiedernd und gewollt), aber in der Thesenstärke.

Was ich mir sonst noch wünschen würde: Wieder öfter mal einen Bigshot aus der Szene (die Liga Branson, Mateschitz, Ellison, Kalanick). Diese Typen machen "Business Punk" neben all den Gründergeschichten auch aus.

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Die Blattkritik erscheint jeden Sonntag bei turi2.de und folgt dem Prinzip des Reigens.

In der Vorwoche hat Ruth Fend, Redaktionsleiterin der "Business Punk", das Magazin "Dummy" kritisiert.

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