Blattkritik: Thomas Vašek, Chefredakteur "Hohe Luft" über "manager magazin".

Blattkritik Manager Magazin Thomas Vašek 600
Thomas Vašek, Chefredakteur des Philosophie-Magazins Hohe Luft, liest für turi2 das manager magazin und quält sich bei der Lektüre überhaupt nicht. Allerdings wünscht er dem perfekt auf die kaufkräftige Zielgruppe abgestimmten Magazin ein paar mehr Überraschungen.

Der Chefredakteur von einer Philosophie-Zeitschrift macht Blattkritik beim "manager magazin"! Das hat sich jemand was dabei gedacht. Da erwartet man sich doch die geballte Ladung Kapitalismus-Kritik: Diogenes in der Tonne gegen Topmanagement. Nein, Leute, da mach ich nicht mit.

Was mir am "manager magazin" gefällt: Von einem Manager-Magazin erwartet man sich ein Magazin für Manager, so viel ist klar. Hintergründiges aus den Führungsetagen, packende Wirtschaftskrimis, Porträts von Unternehmensbossen. Dazu ein bisschen Geldanlage, ein bisschen Lifestyle für Topverdiener, alles wohldosiert fürs enge Zeitbudget der Klientel. Viel besser kann man ein Heft nicht auf seine Zielgruppe abstimmen. "mm" kommt straightforward daher, hochprofessionell und edel gemacht, gut sitzend und schnörkellos wie ein Business-Anzug. Inhaltlich dominiert nüchterne Sachlichkeit, die Geschichten wirken auf mich solide recherchiert, der Business-Speak hält sich wohltuend in Grenzen. Man merkt: Ein No-Bullshit-Heft. Gefällt mir.

Die Titelstory (Piëchs Comeback): Soso, der Patriarch zieht also wieder die Strippen in Wolfsburg! Eine gut recherchierte, interessante Insidergeschichte, von der man allerdings denken könnte, sie schon das eine oder andere Mal gelesen zu haben. Man erfährt viel von den Konflikten in der VW-Führung, aber leider etwas wenig über den Mann selbst. Gewünscht hätte ich mir eine Art Psychogramm des Konzerns nach dem Abgasskandal.

Was ich mir sonst noch wünschen würde: Bei aller soliden Geradlinigkeit, die ich unbedingt beibehalten würde, vielleicht doch mal ein paar Überraschungen, die den Leser auch in intellektueller Hinsicht fordern. Vielleicht mal große, kontroverse Interviews, die wirklich in die Tiefe gehen. Oder provozierende Essays. Kluge und originelle Leute, auch und gerade im Management- und Beratungsbereich, gibt es genug.

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Die Blattkritik erscheint jeden Sonntag bei turi2.de und folgt dem Prinzip des Reigens.

In der Vorwoche hat Steffen Klusmann, Chefredakteur “manager magazin”, das Magazin “Business Punk” kritisiert.

Alle Blattkritiken: 11 Freunde, art, auto motor und sport, B.Z., Bild der Wissenschaft, Capital, chrismon, Cicero, Clap, c’t, Donna, Dummy, Emotion, Enorm, Euro am Sonntag, Fit for Fun , Gala, Geo Wissen Gesundheit, Horizont, Kicker, Kontext Wochenzeitung, L’Officiel Hommes, manager magazin, Merian, National Geographic, People, Playboy, ramp, Séparée, Sneaker Freaker, Spektrum der Wissenschaft, SZ am Wochenende, t3n, taz.de, Tichys Einblick, Titanic, Vice, Walden, Women’s Health, Yps, Zeit-Magazin.

Ein Gedanke zu „Blattkritik: Thomas Vašek, Chefredakteur "Hohe Luft" über "manager magazin".

  1. Dr.Ulrich Brötzmann

    Die Einschätzung von Herrn Vasek gefällt mir gut. Auch der Hinweis auf tiefergehende und kritischere Analysen sind zutreffend und entsprechen meinen Erwartungen. Die Wahl zum Manager des Jahres in früheren Jahren waren öfters totale Fehlgriffe und haben mir das Heft für lange Zeit verkrault.

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