“kress pro” könnte noch einen Zacken ausgeruhter sein.

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kress, krass professionell: Der “kress-report” ist wieder auferstanden – als “kress pro”(fessional). Markus Wiegand stellt ihn heute vor, es sei ein “Neuanfang voller Hoffnung, aber ohne Maßlosigkeit”, schreibt der neue Chefredakteur. Das Heft, es erscheint nur noch zehnmal pro Jahr, soll einen “ausgeruhten Blick auf die Branche” liefern. Der Verkaufserfolg bei den Anzeigen ist gut: 26 Anzeigenseiten enthält “kress pro”, davon 7 mit Eigenanzeigen.

Der Zeitungsdesigner Javier Errea hat die Optik beigesteuert, rund und klar zugleich. Ein großes Foto dominiert bewährt den Titel, Benjamin Ruth von “Vice” steht mit der Souveränität des Branchenpioniers in seinem Newsroom und wirbt für das sechsseitige Interview mit sich. Daneben teasert die Titelseite drei weitere Geschichten .

Gleich zu Beginn scheint die Mannschaft aber wieder der Mut zum Verzicht auf Kurzgebratenes verlassen zu haben, schon auf Seite 8, direkt nach dem Inhaltsverzeichnis, folgt eine halbe Seite mit Twitterperlen. Nur ein Stück weiter, auf Seite 12, eine Wasserstandsmeldung mit den beliebtesten Köpfen auf kress.de – der allzeit meistverlinkte Online-Chef Bülend Ürük landet, Überraschung, auf Platz 1. Glückwunsch!

Die Rubrik Intro folgt und bringt auf zwei Seiten kleinteilige Statistik. Nach dem Interview mit dem Chefredakteur der deutschen “Vice”, der Titelgeschichte des Heftes, folgt eine weitere Ladung Zahlen. Dann fragt “kress” die im Titel beschworenen Professionals, nämlich die Marketer, wie sie heutzutage arbeiten. Da kommen Werkstattberichte raus, die einigen Schauwert haben.

Die Fallstudien von Seite 39 bis Seite 64 bilden so etwas wie den Kern des Heftes. Sie sind im besten Fall interessante Blicke in die Schaufenster der anderen, im schlechtesten Fall ein aufgewärmtes Gericht, das man so anderswo schon vor Monaten gegessen hat, wie im Falle der Geschichte über die New York Times.

Was folgt, ist ein streckenweise spannender Dauerlauf zur letzten Seite. Henning Kornfeld breitet auf zwei Seiten Zweifel an der Neon-Rettungsstrategie von Chefredakteurin Nicole Zepter aus. Lutz Meier skizziert auf vier Seiten die Probleme der Verlage mit scheinselbständigen Mitarbeitern. In einem neunseitigen Big-Data-Special erklärt Andreas Schwabe von Blackwood Seven, warum Algorithmen die besseren Media-Spender sind. Vier Seiten voller Personalwechsel, die teilweise schon eine Weile vor sich hin oxidieren, lassen wieder mal kurz an der geplanten, ausgeruhten Sichtweise zweifeln.

Dann versucht Peter Hogenkamp, die Probleme einer attraktiven Preisgestaltung (bei Blendle) für ein Wegwerfprodukt (Zeitungsartikel) zu ergründen. Am Ende bleibt Ratlosigkeit, was aber ziemlich sicher weder an Hogenkamp noch an Blendle liegt. Stephan Ruß-Mohl liefert auf zwei Seiten kurze, gut lesbare Exegesen von fünf aktuellen Studien – das ist eine gute Idee und ein schöner Service für die Praktiker.

Auf zwei Seiten Essay argumentiert Peter Plaikner, die “Medienmarktforschung” brauche “endlich mehr Gemeinsamkeiten”. Bülend Ürük liefert anschließend zwei Seiten einer ungewohnt flockig lesbaren Personalien-Kolumne. Als Rausschmeißer gibt’s das klassische Magazindessert, die Rubrik “Was macht eigentlich…”, Marcus Schuster interviewt hier den Probono-Redaktionsleiter Jürgen Ohls.

Fazit: Über weite Strecken lesenswert, fast zeitgemäß, mit dem nötigen Stück Luft nach oben. Wunsch: bitte weniger Pseudoaktuelles.
kress pro 1/2016, kress.de

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