lexikon2: Dementi.

lexikon2_400Ein Dementi (vom französischen "démentir" = widersprechen) ist laut Wikipedia "eine Ableugnung, ein Widerruf oder eine Richtigstellung von persönlichen, öffentlichen oder amtlichen Meldungen". Die hohe Kunst der PR besteht darin, Dinge unwahr erscheinen zu lassen, die eigentlich wahr sind. Der Journalist oder Blogger sollte den Wahrheitsgehalt eines Dementis einschätzen können. Denn das Dementi von heute ist die Meldung von morgen. Greift der Pressesprecher zur Formulierung "Markt-Gerüchte kommentieren wir nicht", heißt das so viel wie: "Der Bericht stimmt, wir dürfen es aber noch nicht offiziell machen." Ein hartes und glaubwürdiges Dementi geht ungefähr so: "Wir dementieren: Herr X steht definitiv nicht vor der Entlassung. Im Gegenteil: Wir haben gerade seinen Vertrag verlängert."

 

Dazwischen liegt ein weites Feld. Schreibt beispielsweise eine Verlagssprecherin eines Hamburger Nachrichtenmagazins, ein Bericht über die bevorstehende Ablösung eines Chefredakteurs sei "Spekulation", es hätten "keine Gespräche über eine Ablösung stattgefunden", dann kann das heißen: Die Spekulation ist im Kern richtig, die Gespräche drehten sich aber nicht um eine Ablösung, sondern um eine Beurlaubung. Merke: Pressesprecher können sehr spitzfindig sein in ihrem Bemühen, eine wahre Meldung unwahr erscheinen zu lassen. Ganz offen gelogen wird selten, kommt aber vor: Gruner + Jahr-Sprecher Claus-Peter Schrack hat es im Fall der Ablösung von "stern"-Chefredakteur Dominik Wichmann im August 2014 geschafft, seine Glaubwürdigkeit bei Journalisten mit einer glatten Lüge im Handumdrehen zu ruinieren. Petra Schwegler kommentierte deshalb auf wuv.de: "Der Redakteur glaubt dem Dementi immer weniger. Es ist zum verlogenen kleinen Ding verkommen."
wikipedia.de, turi2.de (Beispiel Nachrichtenmagazin), wuv.de (Fall Wichmann)

 

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