EU-Digitalsteuer: Deutschland und Frankreich wollen Onlinewerbeerlöse mit 3 % besteuern.

Europa EU-Flagge SterneEU-Digitalsteuer: Deutschland und Frankreich einigen sich auf einen Kompromiss und wollen die Onlinewerbeerlöse der Internetgiganten mit einer Umsatzsteuer in Höhe von 3 % besteuern, berichten dpa und AFP übereinstimmend. Die Digitalsteuer soll bis März 2019 beschlossen werden und im Januar 2021 in Kraft treten, sollte es keine Einigung innerhalb der OECD geben.
zeit.de

"Le Monde" klagt gegen Frankreich, um amtliche Dokumente einzusehen.

Le Monde_150x150Le Monde will die französische Regierung juristisch dazu bringen, Dokumente herauszugeben. Die Zeitung gehört zum Investigativ-Netzwerk, das die Panama Papers und kürzlich die Implant Files veröffentlicht hat. Darin geht es um fehlerhafte Implantate. "Le Monde" hat bei der Recherche Infos bei staatlichen Stellen über die Zulassung verschiedener Geräte angefragt. Frankreich verweigert sie und beruft sich auf das im Juli erlassene Gesetz zum Schutz des Geschäftsgeheimnisses. Die unabhängige Instanz, an die sich Bürger in solchen Fällen wenden können, hat die Anfrage der Zeitung ebenfalls abgewiesen. "Le Monde" hat ein Schnellverfahren beantragt.
"FAZ", S. 15 (Paid)

Frankreichs Gesetz gegen Fake News könnte alles schlimmer machen, fürchten Kritiker.

Anti-Fake-News-Gesetz in Frankreich könnte fatale Auswirkungen haben, fürchten Kritiker. In den drei Monaten vor landesweiten Wahlen können Fake News gemeldet werden, Richter müssen sie binnen 48 Stunden prüfen. Weil das nicht immer möglich ist, könnten Falschinfos durch Nicht-Handeln richterlich legitimiert werden. Journalisten kritisieren die zu schwammige Definition von Fake News. Manche vermuten, Präsident Macron könnte das Gesetz gegen die freie Presse verwenden.
"Süddeutsche", S. 23 (Paid), "FAZ", S. 6 (Paid)

Tschechischer Milliardär will sich an "Le Monde" und "Elle" beteiligen.

Le Monde_150x150Le Monde: Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will sich an der Pariser Zeitung beteiligen und verhandelt mit Hauptaktionär Matthieu Pigasse. Kretinsky gehört in Frankreich schon die Zeitschrift "Marianne", er hat außerdem Interesse an "Elle". Seine Medienaktivitäten bündelt er unter dem Dach der Firma Czech Media Invest.
"FAZ", S. 14 (Paid)

BR-Intendant Wilhelm sieht den Staat in der Pflicht, europäische Plattform zu initiieren.

Europäische Medienplattform: BR-Intendant Ulrich Wilhelm sieht den Aufbau einer Plattform, die Funktionen von YouTube, Facebook und Google kombiniert, aber nach europäischen Regeln arbeitet, als staatliche Aufgabe, sagt er im "Handelsblatt"-Interview. So wie das US-Militär einst Brutstätte des Internets war, könnten Deutschland und Frankreich Motor sein, um "mit weniger als 50 Mio Euro" "rasch, ohne große Bürokratie" einen Prototypen zu entwickeln. Die Trägerschaft müsse am Ende in unabhängiger Hand liegen, Rundfunkgebühren sollen nicht fließen.
handelsblatt.com (Paid)

Katjes will Frankreich-Geschäft mit französischer Holding CPK fusionieren.

Katjes verhandelt mit der französischen Holding CPK, Mutter u.a. des Süßwarenanbieters Carambar, über eine Fusion des Geschäfts in Frankreich und Belgien. Katjes International würde ihre französische Tochter Lutti sowie die belgische Continental Sweets Belgium einbringen. Zusammen entstünde in Frankreich ein neues Süßwaren-Schwergewicht.
handelsblatt.com, ch.marketscreener.com

Öffis finanzieren sich in den meisten europäischen Ländern durch Gebühren.

Öffentlich-Rechtliche finanzieren sich in Europa meist mit einem ähnlichen Modell wie in Deutschland. Die Rundfunkanstalt SRG in der Schweiz setzt überwiegend auf Gebühren, in Österreich variieren sie für den ORF je nach Wohnort. Dänemark erhebt eine Rundfunkgebühr pro Haushalt, will sie aber 2022 abschaffen und ersetzt sie durch Änderungen des persönlichen Steuer-Freibetrags. In Großbritannien zahlt jeder Haushalt einen Festbetrag für die BBC, die Niederlande finanzieren den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus Steuermitteln.
digitalfernsehen.de

PSA will Teil des Opel-Entwicklungszentrums verkaufen, schreibt "Le Monde".

PSA Peugeot Citroën prüft einen Teilverkauf des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim mit seinen mehr als 7.000 Ingenieuren, schreibt "Le Monde". PSA und Opel haben demnach Entwicklungsdienstleister aufgefordert, Übernahmeangebote vorzulegen. Mögliche Käufer seien die französischen Firmen Altran, Akka und Segula und der deutsche Dienstleister Bertrandt. "Le Monde" beruft sich auf ein auf Mai datiertes Dokument und einen Informanten aus dem PSA-Umfeld.
handelsblatt.com (Paid), faz.net, lemonde.fr

"Zeit" und Zeit Online starten internationalen Aufruf an Whistleblower.


Whistleblower-Werbung: Die "Zeit" und Zeit Online richten einen internationalen Aufruf an Whistleblower aus IT-Unternehmen. Neben dem Hamburger Medienhaus beteiligen sich außerdem die französische Internet-Zeitung Mediapart, der britische Daily Telegraph, das US-Portal The Intercept sowie die britische Internet-Zeitung WikiTribune. Der Aufruf der Medienhäuser richtet sich an Mitarbeiter, die hinter den Kulissen von IT-Unternehmen arbeiten und u.a. im Umgang mit Daten oder der Zusammenarbeit mit Geheimdiensten Missstände entdecken.

Der Kontakt zu den Redaktionen erfolgt über verschlüsselte Telefonnummern, E-Mail-Postfächer oder den anonymen digitalen Briefkasten von Zeit Online. Gemeinsam erreichen die beteiligten Medien ein globales Publikum mit mehr als 46 Mio Lesern in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch).

Für die Absicherung der Whistleblower arbeiten die Medien mit The Signals Network zusammen. In der gemeinnützige US-Stiftung kümmern sich die Whistleblower Antoine Deltour und John Kiriakou zusammen mit Menschenrechtsnawalt Ben Wizner um den Schutz der Whistleblower, um Anwälte, psychologische Betreuung bis hin zu einer sicheren Unterbringung im Ernstfall.
"Zeit" 26/2018, S. 27 (Paid), zeit.de, thesignalsnetwork.org

Frankreichs Öffentlich-Rechtliche stehen vor einer grundlegenden Reform.

Frankreich steht vor einem Big Bang im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, schreibt Jürg Altwegg. Mindestens ein TV-Sender fällt weg, die Finanzierung ändert sich grundlegend. Für das System steht künftig weniger Geld zur Verfügung. Vor allem der Wegfall "exzessiver Hierarchisierung und Bürokratisierung" könne Geld sparen. Entfallen soll auch die Dominanz alter, weißer Männer in Führungspositionen.
faz.net

TV-Sender in Frankreich gründen gemeinsame Streaming-Plattform.

Frankreich: Die beiden Privatsender TF1 und M6 starten gemeinsam mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen des Landes die Online-Plattform Salto. Auf Salto wollen die Partner sowohl Nachrichteformate als auch Sportsendungen und französische und amerikanische Filme und Serien anbieten und so gegen internationale Streaminganbieter wie Netflix und Amazon bestehen. Gebühren und einen Starttermin nennen die Sender noch nicht.
digitalfernsehen.de

Opposition und Journalisten kritisieren Gesetzesentwurf gegen Fake News in Frankreich.

Frankreich streitet über ein Gesetz gegen Fake News im Wahlkampf. Die Regierung plant Regeln, mit denen Kandidaten unter anderem Suchmaschinen dazu zwingen können, Falschinformationen nicht zu verbreiten. Die Opposition und Journalistenvereinigungen kritisieren den Eingriff in die Meinungsfreiheit und befürchten einseitige Informationskontrolle.
heise.de

Zahl des Tages: TV-Sender France 3 soll sechs Stunden Regionalfenster zeigen.

Zahl des Tages: Künftig sechs statt bisher zwei Stunden soll der Sender France 3 pro Tag Regionalfenster ausstrahlen, sagt Frankreichs Kulturministerin Françoise Nyssen. France 3 ist der am zweitmeisten geschaute öffentlich-rechtliche Sender des Landes. Die Öffentlich-Rechtlichen sollen außerdem mehr Geld für digitale Angebote ausgeben, dafür aber an anderen Stellen sparen.
"FAZ", S. 13 (Paid)

Frankreich: Präsident Macron verteidigt Nachrichtenmagazin-Titelseite.

Frankreich Präsident Emmanuel Macron verteidigt ein Cover des Nachrichtenmagazins "Le Point", das unter der Überschrift "Der Diktator" den türkischen Präsidenten Erdogan zeigt. Erdogan-Anhänger hatten einen Kiosk genötigt, Plakate des Covers zu entfernen. Das sei ein Skandal, schreibt Macron bei Twitter, und: Pressefreiheit sei unbezahlbar.
spiegel.de, twitter.com (Macron)

"Charlie Hebdo" zeigt Muslima als Affen.

Charlie Hebdo sorgt in Frankreich für Aufregung, weil die Satire-Zeitschrift eine Muslima auf dem Cover als Affen darstellt. Gemeint ist die Chefin der Studentenunion UNEF an der Pariser Elite-Uni Sorbonne, die ihren Hijab in der Öffentlichkeit trägt. Joachim Huber vergleicht den Fall mit der Netanjahu-Karikatur, für die Dieter Hanitz bei der "Süddeutschen" gehen musste, und fragt sich, was gewonnen ist, "wenn Politic Correctness gegen Political Directness eingetauscht wird, wenn Instinkte gefüttert werden statt Intellekt bedient".
tagesspiegel.de, turi2.de (Background Hanitzsch)

Studie vergleicht Umgang mit Klicks in französischer und US-amerikanischer Redaktion.

Journalismus: Für eine vergleichende Studie hat eine Soziologin den Umgang der Onlineredaktionen mit Klickzahlen einer US-amerikanischen und einer französischen Zeitung untersucht. Die leitenden Redakteure der US-amerikanischen Zeitung passen ihre Pu­bli­ka­ti­ons­strate­gie an die Zahlen an. Das Ma­nage­ment der französischen steht den Zahlen ambivalenter gegenüber und lei­tet aus ihnen kaum kon­kre­te Ent­schei­dun­gen ab. Bei den Redakteuren ist es umgekehrt: Die US-amerikanischen be­schäf­ti­gen sich kaum mit den Klickzahlen, die fran­zö­si­schen stän­dig. Das kann daran liegen, dass in den USA Wirtschaftliches und Redaktionelles strikt getrennt sind, in Europa weniger.
"FAS", S. 62 (Paid), journals.uchicago.edu (Studie)

RTL Group bilanziert in Q1 gute Werbekonjunktur, ungünstige Wechselkurse.

RTL Group profitiert von steigenden Werbeumsätzen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Ungünstige Wechselkurse sorgen dafür, dass der Umsatz im 1. Quartal trotzdem nur um 11 Mio Euro auf 1,416 Mrd Euro steigt. Der Digitalumsatz wächst um 6,7 % auf 190 Mio Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der Mediengruppe RTL in Deutschland steigt um 1,2 % auf 169 Mio Euro.
per Mail

SR-Intendant Kleist fordert europäische Kooperation nicht nur beim Flugzeugbau.

"Wenn Deutsche und Franzosen in der Lage, sind zusammen Großraum-Passagier-Flugzeuge zu bauen, warum sollen wir es dann nicht auch schaffen, eine gemeinsame Kommunikationsinfrastruktur zu stemmen."

Thomas Kleist, Intendant des Saarländischen Rundfunks, unterstützt die Idee einer europäischen Digital-Plattform als Gegenstück zu Google, Apple, Amazon und Facebook.
sr.de

Groupe M6 legt im 1. Quartal beim Umsatz zu, macht aber weniger Gewinn.

Frankreich: Groupe M6 steigert ihren Umsatz im 1. Quartal 2018 um 11 % auf 359,2 Mio Euro. Die Werbeeinnahmen des französischen Medienunternehmens, dessen größter Anteilseigner die Bertelsmann-Tochter RTL Group ist, wachsen um 20 %. Das operative Ergebnis sinkt hingegen von 47,1 auf 44,6 Mio Euro. Ein Grund sind Verluste des Fußballvereins FC Girondins de Bordeaux, der zur Groupe M6 gehört.
new-business.de, capital.fr

Lagardere verkauft französische Zeitschriften, osteuropäische Radios nach Tschechien.

Lagardere verkauft einen Großteil seiner französischen Magazine an Czech Media Invest. Der Firma gehört bereits das einstige Tschechien-Geschäft von Ringier Axel Springer. Zum Paket zählen u.a. "Elle" inklusive des französischsprachigen Online-Geschäfts der Marke und "France Dimanche". Auch Lagarderes Radiogeschäft in Tschechien, Polen, der Slowakei und Rumänien gehört dazu. Lagardere behält die internationalen Markenrechte an "Elle" und damit das Lizenzgeschäft, sowie "Paris Match" und "Le Journal du Dimanche".
new-business.de, handelsblatt.com, radio.cz

Fabrice Fries wird neuer Präsident der Nachrichtenagentur AFP.

Agence France-Presse: Die französische Nachrichtenagentur, u.a. Mutter der deutschen Sportnews-Agentur SID, hat einen neuen Chef. Der Verwaltungsrat wählt Fabrice Fries, 58, mit 13 von 18 Stimmen. Der ehemalige Chef der PR-Agentur Publicis Consultants übernimmt den Job von Emmanuel Hoog, 55. Hoog, der die AFP acht Jahre lang leitete, hat seine Kandidatur erst am Mittwoch mangels Unterstützung der französischen Regierung zurückgezogen. Die AFP hat 2.400 Mitarbeiter in 150 Ländern.
persoenlich.com, deutschlandfunkkultur.de, liberation.fr, francesoir.fr

Paris verklagt Airbnb und Wimdu.

Paris zieht gegen Airbnb und Wimdu vor Gericht, weil die Plattformen die Regeln der Stadt nicht einhalten. Private Vermieter brauchen seit Dezember 2017 eine Registriernummer, bisher haben aber nur 16 % der Anzeigen diese Nummer angegeben. Paris will Airbnb und Wimdu per Eilverfahren verpflichten, Anzeigen ohne die Nummer offline zu nehmen. Die Anbieter sagen, sie seien überrascht, weil sie Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt hätten und die Umsetzung der Vorgabe eine gewisse Zeit erfordere.
handelsblatt.com

Marcus Wolter wird Chef und Gesellschafter von Banijay Germany.

Banijay Germany, Deutschlandtochter des französischen Medienkonzerns, macht Marcus Wolter zum Chef und Gesellschafter. Wolter war bis Ende 2017 Nordeuropa-Chef bei Endemol Shine. Ab August verantwortet er alle Geschäftsfelder, auch die Produktionsfirmen Brainpool und Banijay Productions Germany. Wolter arbeitete von 1998 bis 2002 schon einmal für Brainpool und hat u.a. mit Stefan Raab "TV Total" erfunden.
dwdl.de, turi2.de (Background)

Französischer Buchclub France Loisirs entlässt ein Viertel seiner Mitarbeiter.

Frankreich: France Loisirs, größter Buchclub des Landes, entlässt 450 seiner 1.800 Mitarbeiter. 36 der 200 Filialen müssen schließen, berichtet der Branchendienst Livres Hebdo. Diese "Notfallmaßnahme" solle die Verhandlungen mit einem potenziellen Investoren am Laufen halten. 1970 haben Bertelsmann und der Verlag Presses de la Cité den Buchclub gegründet, seit 2011 gehört France Loisirs zur Vertriebsholding Actissia.
boersenblatt.net, livreshebdo.fr

Zitat: Macron glaubt, Google und Co geraten bald unter Regulierungs-Druck.

"Zu einem bestimmten Zeitpunkt – aber ich denke, das wird ein amerikanisches Problem und kein europäisches – zu einem bestimmten Zeitpunkt könnten deine Regierung und deine Leute sagen 'Wacht auf. Sie sind zu groß'. Nicht nur zu groß zum Scheitern, sondern zu groß, um regiert zu werden."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron glaubt, Google und Facebook müssen sich mit ihrer monopolartigen Situation auseinandersetzen.
faz.net via wired.com