Zitat: Springer-Vorstand Andreas Wiele setzt auf Deutungshoheit.

"Ich glaube, dass die klassischen Medien ihr Deutungsmonopol verloren haben. Ihre Deutungshoheit können sie erhalten, wenn sie relevant und unabhängig bleiben."

Andreas Wiele, Springer-Vorstand für Anzeigentitel, sieht im Gespräch mit "New Business" die "Deutungshoheit" weiter bei den klassichen Medien, wenn sie "über die Probleme, Sorgen und Freuden ihrer Leser berichten".
"New Business" 43/2018, S. 38 (Paid)

Zitat: Bayern-Vorstand Rummenigge kündigt härtere Gangart gegen Medien an.

"Wir werden uns das nicht mehr gefallen lassen. Wir werden uns mit dem heutigen Tag diese herabwürdigende, hämische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen."

Karl-Heinz Rummenigge, Boss des FC Bayern, skizziert auf einer denkwürdigen Pressekonferenz mit den Kollegen Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic sein Verständnis von Pressefreiheit.
bild.de

Renner: RTL2 behält vorerst seinen Status als Vollprogramm.

RTL2 hat den drohenden Verlust seines Vollprogramm-Status vorerst abgewendet, schreibt Kai-Hinrich Renner. Die ZAK habe den Fall an einen Fachausschuss überwiesen, weil sie sich nicht einigen konnte. Eine Entscheidung noch in diesem Jahr sei unwahrscheinlich. Joachim Becker, Direktor der hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, spiele auf Zeit – seine Anstalt lizensiert als Aufsichtsbehörde RTL2.
morgenpost.de, turi2.de (Background)

Der Tod von "Spex" ist nicht nur dem Internet zuzuschieben, meint Jan Kedves.

Musikmagazine: Jan Kedves, einst selbst zwei Jahre Chefredakteur der bald eingestellten "Spex", weint ihr nur eine halbherzige Träne nach. Er wundert sich, dass das längst nicht mehr bei der IVW gelistete Heft erst jetzt stirbt. Es liege nur teils an Internet und einbrechendem Anzeigenmarkt – "Spex" habe inhaltlich keine Impulse mehr gesetzt. Das gedruckte Musikmagazin generell hält er nicht für totgeweiht. Auf dem deutschen Markt gibt es neben Springers "Rolling Stone" und "Musikexpress" u.a. ein Berliner Musikmagazin namens "Das Wetter", das sich im Selbstverlag trägt.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Journalisten beschweren sich über "Hart aber fair"-Beitrag.

Hart aber fair bringt freie Journalisten gegen sich auf. Ein Beitrag stellt die Berufsgruppe pauschal unter Verdacht, mit Restaurantrechnungen bei der Steuer zu tricksen. Verdi spricht von einer "nicht zulässigen Tatsachenbehauptung", der DJV von einer "böswilligen Verallgemeinerung". "Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg ist als sein eigener Produzent selber unternehmerisch tätig.
ndr.de

Meinung: Sigmar Gabriel hat sein Holtzbrinck-Honorar gut verhandelt.

Sigmar Gabriel hat sein Honorar bei der Dieter-von-Holtzbrinck-Gruppe gut verhandelt – er verdiene monatlich zwischen 15.001 und 30.000 Euro, beobachtet Anne Fromm. Damit liege er "ein bisschen" über den Sätzen des Tageszeitungstarifvertrags. Ein festangestellter Vollzeit-Redakteur ohne journalistische Qualifikation wie Sigmar Gabriel verdiene in den ersten drei Berufsjahren monatlich 3.139 Euro brutto. Gabriel habe seit Ende Juni zwölf Gastkommentare bei "Tagesspiegel", "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" veröffentlicht.
taz.de

Meinung: Missbrauch des Begriffs "Fake News" schädigt das Vertrauen in den Journalismus.

Fake News und die missbräuchliche Verwendung des Begriffs durch repressive Regime schaden dem Ansehen des Journalismus, beobachtet BBC-Boss Tony Hall. Unbeabsichtigte Fehler von Medien würden fälschlicherweise als Absicht zur Irreführung dargestellt. Hall will dagegen Fact-Checking bei der BBC ausbauen und Journalisten in Schulen schicken, um Schülern beizubringen, Fehler in Nachrichten zu entdecken.
theguardian.com

Hans Hoff: Ferdinand Dudenhöffer ist der einzig wahre Auto-Experte deutscher Medien.

Journalisten haben den Kontakt zu Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer fett in ihren Adressbüchern, vermutet Hans Hoff. Auf Tagesschau.de tauche er u.a. als Automobil-Experte auf – der Begriff Automobil rieche zwar "etwas angeschimmelt", sei in dem Fall aber irgendwie passend. Mit seiner "angenehm gelassenen, manchmal bis zur Schluffigkeit unaufgeregten Art" mache er stets den Eindruck profunder Kenntnis. Mit dieser eile er mit solch einer Geschwindigkeit zur nächsten medialen Präsenz, dass Batman daneben "wie ein bedauernswerter Rollator-Nutzer" wirke.
dwdl.de

Freischreiber starten Internetseite über Journalisten-Einkommen.

Freischreiber wollen mit der neuen Internetseite wasjournalistenverdienen.de Transparenz in die Einkommen von Journalisten bringen. Journalisten können anonym ihre Honorare oder Gehälter eintragen, die Seite veröffentlicht nur Mittelwerte. Die Freischreiber haben das Tool zusammen mit den Journalisten Michel Penke und Haluka Maier-Borst entwickelt. 2017 hatten die Freischreiber einen ähnlichen Tumblr-Blog über Journalisten-Honorare aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Ab 2019 soll jährlich ein Freischreiber-Report über Gehälter und Honorare deutschsprachiger Medien erscheinen.
wasjournalistenverdienen.de, wasjournalistenverdienen.de (Report), turi2 - eigene Infos

Studie: Ein Drittel der 21- bis 24-Jährigen liest den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung.

Journalismus: Den Wirtschaftsteil in Tageszeitungen lesen ein Viertel der 14- bis 20-Jährigen zwei- bis dreimal die Woche, ergibt eine Sonderauswertung der Jugendstudie des Bundesverbandes deutscher Banken. Bei den 21- bis 24-Jährigen ist es ein Drittel. Die Lektüre habe deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsbildung junger Menschen. So können z.B. 83 % der befragten Vielleser den Begriff Rendite erklären, bei den Wenig- oder Nichtlesern sind es nur 37 %.
"FAZ", S. 19 (Paid)

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wünscht sich Selbstkritik beim ZDF.

Journalistenschelte: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kritisiert das ZDF und vermisst nach den Vorfall rund um ein "Frontal 21"-Team in Dresden eine "selbstkritische Reflexion". Gerade überregionale Medien würden zudem zu pauschal über die Stimmung in Sachsen und die Arbeit der Polizei berichten.
"Journalist" 10/2018, S. 14 (Paid), journalist-magazin.de, turi2.de (Background)

Herausgeber des italienischen "L’Espresso" wollen Internetseite des Magazins schließen.

L'Espresso, italienische Wochenzeitschrift, steht nach dem Willen der herausgebenden Gedi-Gruppe vor der Schließung ihrer Internetseite. Zusätzlich habe das Management der gesamten Redaktion einen neuen "Solidaritäts-Vertrag" vorgelegt, der die Kürzung der Journalistengehälter um 30 % vorsieht. Die Angestellten lehnen kategorisch ab und drohen mit Streik und "anderen Formen des Kampfes".
espresso.repubblica.it (italienisch)

Zitat: Dirk Benninghoff zweifelt an Finanzjournalist und Kommunist Lucas Zeise.

"Wieso arbeitet ein Kommunist ausgerechnet bei einer Zeitung, die marktliberal ist? Das ist so, als ob ein Fußballhasser über die Bundesliga berichten würde."
Dirk Benninghoff, heute FischerAppelt-Chefredakteur, wundert sich über seinen ehemaligen "FTD"-Kollegen Lucas Zeise, der als Kommunist Karriere im Finanzjournalismus machte.
"Brand eins" (Paid)

Meinung: Klaus Meier lehnt die verstärkte Berichterstattung über Kriminalität ab.

Medien: Die Forderung von Mathias Döpfner in einer Rede beim BDZV-Kongress, über Straftaten von Asylbewerbern und Flüchtlingen intensiver zu berichten, nährt einen "wesentlichen Teil der Propaganda rechtsnationaler Gruppierungen", urteilt Journalistik-Professor Klaus Meier. Die Forderung bediene die Sensationsgeilheit und gefährde damit das "vertrauensvolle Zusammenleben" sowie den Kern der Demokratie.
meedia.de, turi2.de (Background)

Meinung: "Welt am Sonntag"-Autorin Jennifer Wilton auf den Spuren des Journalismus.

Medienmarken haben auch künftig eine Relevanz, schreibt Jennifer Wilton. Die "Welt am Sonntag"-Autorin fragt sich, was Journalismus ausmache und begibt sich auf Spurensuche bei ihrem Opa, einst selbst "Welt"-Reporter. "Schreiben, was ist" gelte heute genauso wie zur "Spiegel"-Gründungszeit.
"Die Welt am Sonntag", S. 18/19 (Paid)

Zitat: US-Sängerin Carrie Underwood erkennt eigene Interviews oft nicht wieder.

"Es fällt mir schon manchmal schwer, eine Story über mich zu lesen, die auf einem Interview mit mir basiert und in der alle meine Aussagen komplett aus dem Kontext dargestellt werden."

US-Countrystar Carrie Underwood beklagt im Interview mit der "Welt am Sonntag" den zunehmend "schlampigen Umgang mit Zitaten". Besonders nah gehe es ihr, wenn sich Menschen über angeblich Aussagen aufregen, die sie gar nicht gesagt hat.
"Welt am Sonntag", S. 81 (Paid)

Meinung: Jon Caramanica sorgt sich um die Zukunft des Promi-Journalismus.

Prominente kontrollieren den Journalismus über sich selbst, wodurch die Medien ihre Bedeutung als Plattform verlieren, beobachtet Jon Caramanica. Viele Promis würden fast ausschließlich über ihre selbst kontrollierten Social-Kanäle auftreten oder nach unliebsamen Interviews ihre Sicht der Dinge darstellen. Mehr und mehr würden sich Promis zudem von Freunden interviewen lassen. Die durch Freundschaft wahrgenommene Intimität wirke so als Stellvertreter für tatsächliche Einsicht – eine objektive Presse fehle in diesem Prozess.
nytimes.com

Studie: Zahl der Angriffe gegen Journalisten steigt seit drei Jahren erstmals wieder.


Pegida-Demo im Oktober 2015 in Dresden. (Foto: Bernd Settnik/ dpa)

Jagd auf Journalisten: Die Zahl der tätlichen Übergriffe auf Journalisten in Deutschland nähert sich dem Hoch von 2015. Bis Mitte September zählt das European Center for Press & Media Freedom 22 körperliche Angriffe auf 28 Journalisten. Damit steigt die Zahl erstmals seit drei Jahren wieder: 2016 registrierten die Forscher 19 Übergriffe, 2017 waren es nur fünf.

Ein besonders düsteres Bild zeichnen die Forscher in ihrer Studie "Feindbild 'Lügenpresse'" für die Pressefreiheit im Osten Deutschlands. Mit 13 Fällen wurde mehr als die Hälfte in Sachsen registriert. Neun Angriffe mit elf Opfern davon ereigneten sich um die Geschehnisse in Chemnitz am 1. September. Lediglich zwei der 27 Übergriffe aus den Jahren 2017 und 2018 haben nicht im Umfeld rechter oder rechtsextremer Demonstrationen oder Veranstaltungen stattgefunden. Am gefährlichsten sei die Arbeit dabei für Journalisten mit Foto- oder Video-Kameras, die in 24 der 27 Fälle zwischen 2017 und September 2018 betroffen waren.

Die Forscher gehen jedoch von einer weitaus größeren Dunkelziffer aus. Die Zahlen der Studie weichen teilweise stark von der Erhebung des Bundeskriminalamts ab, das für 2018 bislang nur sechs politisch motivierte Angriffe auf Journalisten verzeichnet, jedoch auch die Demonstrationen aus Chemnitz noch nicht ausgewertet hat. Das BKA greife für seine Erhebung auf den kriminalpolizeilichen Meldedienst, nicht die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik zurück.
ecpmf.eu (Zusammenfassung Studie), ecpmf.eu (komplette Studie als PDF), mdr.de,

Lese-Tipp: "stern" feiert mit großem Geburtstagsrückblick.

Lese-Tipp: Der "stern" zeigt in der Jubiläumsausgabe seine größten und längst verblassten Erfolge. Claus Lutterbeck erzählt Anekdoten über das wahnsinnige Genie Henri Nannen. Jan Rosenkranz erfährt am Bahnhof Zoo, welche Auswirkungen die Geschichte von Christiane F. bis heute hat. Judith Liere setzt sich kritisch mit den obligatorischen Titel-Titten auseinander.
"stern" 39/2018

Aus dem Archiv von turi2.tv: "stern"-Chef Christian Krug über die Lehren aus den "Hitler-Tagebüchern".

Zitat: DJV-Chef Frank Überall erklärt dem Nachfolger von Hans-Georg Maaßen die Aufgabe von Journalisten.

"Journalisten und Medien sind weder die Propagandisten von Pegida noch von der Antifa, sondern unparteiische Beobachter mit der Pflicht, zur Berichterstattung nah am Geschehen zu sein."

DJV-Chef Frank Überall begrüßt die Abberufung von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Statt die Pressefreiheit zu schützen, habe Maaßen massiv Stimmung gegen die Medien gemacht.
djv.de, faz.net (Background)

"taz"-Chef Ruch präsentiert Pläne für Ende der Tageszeitung im Jahr 2022.

Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch ist sich sicher: Auch ohne täglich Print muss niemand vom Dach des neuen "taz"-Hauses (im Hintergrund) springen. (Foto: Jens Twiehaus)

taz ohne Totholz: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch legt Zahlen für ein mögliches Ende der täglichen, gedruckten "taz" zum 1. Januar 2022 vor. Sein heute vor Journalisten gezeigtes Szenario umfasst eine Print-Ausgabe am Wochenende sowie digitale Abo-Produkte in Form von App und E-Paper. Weil Druck- und Vertriebskosten entfallen und das freiwillige Online-Abo wächst, geht Ruch von stabilen Umsätzen und möglicherweise gar steigenden Erträgen aus.

Ruch hatte schon 2011 ein Ende der gedruckten Tageszeitung in zehn Jahren prognostiziert ("Szenario 2021") und jüngst vor Mitgliedern der Genossenschaft einen Print-Abschied auf Raten angedeutet. Jetzt legt er Zahlen vor, um Mitarbeitern die Angst zu nehmen. Demnach würde die "taz" rund 1,8 Mio Euro Druckkosten, 3,5 Mio Euro für Vertrieb und 1,1 Mio Euro Speditionskosten sparen. Die fehlenden fast 16 Mio Euro aus Print-Abos und 1,1 Mio Euro aus Print-Einzelverkauf müssten aber von steigenden digitalen Umsätzen ausgeglichen werden.

Mindestens 84.000 Kunden müssten für digitale "taz"-Produkte zahlen. Schon jetzt seien es 62.000, die Zielmarke bis 2022 also "realistisch", sagt Ruch. Es gebe ein Leben nach der gedruckten Tageszeitung. "Wir werden nicht in Schönheit sterben." Diese Zuversicht soll auch der Berliner Neubau der "taz" ausstrahlen. Redaktion und Verlag ziehen im Oktober ein. Der neue Newsroom ist crossmedial ausgerichtet. In einem Media-Raum will die "taz" Podcasts und Videos produzieren.
turi2 vor Ort im Berliner "taz"-Neubau

Eindrücke von heute aus dem "taz"-Neubau gibt es in den turi2-Stories bei Instagram und Facebook.


"Mit dem Skandal umgehen": "stern"-Chef Christian Krug über die Lehren aus den "Hitler-Tagebüchern".


Ein Weckruf für den "stern": Das Magazin "stern" zeigt Samstag zum ersten Mal die gefälschten Hitler-Tagebücher – rund 1.000 Gäste haben sich die Fälschungen angeschaut. Chefredakteur Christian Krug will 35 Jahre nach dem Skandal "gelassener" und "humorvoll" mit dem Schandfleck umgehen, sagt er im Video-Interview von turi2.tv.

Krug will aus dem Skandal Lehren für heute ableiten: "Es gibt PR-Abteilungen und Regierungsstellen, die uns jeden Tag Fake News verkaufen wollen." Der "stern" habe jahrelang recherchiert, welche Mechanismen damals versagt hätten und etwa die Dokumentation neu aufgestellt. "Damals war den Leuten nicht nach Gelassenheit", sagt Krug und erklärt damit die späte Öffnung des Tresors.
turi2.tv (4-Min-Video)

Meinung: Der "Taz" könnte ihre gute Lage gefährlich werden.

taz droht in ihrem neuen Verlagshaus die Gefahr, "dick und gemütlich" zu werden, schreiben Isabell Hülsen und Alexander Kühn. Ihre prekäre finanzielle Lage habe bisher immer den Anspruch glaubhaft gemacht, anders zu sein als andere Zeitungen. Manche "taz"-Redakteure fragten sich, ob die Zeitung mit ihrem Engagement für Minderheiten, Homosexuelle und Frauen klassisch linke Themen wie Armut und Chancengleichheit aus dem Blick verliere.
"Spiegel" 38/2018, S. 76-79 (Paid)