Pressefreiheit in Europa zunehmend eingeschränkt, mahnt Reporter ohne Grenzen.

Pressefreiheit in Europa verschlechtert sich zusehends wegen eines "Klimas der Angst", mahnt Reporter ohne Grenzen. Auf der jährlichen Rangliste fällt Österreich um fünf Plätze auf Rang 16, die USA um drei Plätze auf Rang 48. Deutschland klettert von 15 auf 13, weil sich die Lage für Journalisten in anderen Staaten noch mehr verschlechterte. Reporter ohne Grenzen beobachtet zunehmende verbale Gewalt gegen Journalisten und in diesem Klima eine steigende Anzahl tätlicher Angriffe. In Deutschland waren es mindestens 22, nach 16 Angriffen im Jahr 2017. Die größte Pressefreiheit herrscht in Norwegen, Finnland und Schweden.
spiegel.de, reporter-ohne-grenzen.de (Rangliste), reporter-ohne-grenzen.de (Deutschland)

Zahl des Tages: Jeder 15. Heavy User schließt bei der "Welt" ein Digital-Abo ab.

Zahl des Tages: Jeder 15. Heavy User entscheidet sich bei der "Welt" für ein Digital-Abo, plaudert Chefredakteur Ulf Poschardt im "Horizont"-Interview aus dem Nähkästchen der Tracking-Daten. Zwischen 30 und 60 % der Nutzer landeten "bewusst und direkt" auf den Online-Angeboten der "Welt".
"Horizont" 16/2018, S. 10-11 (Paid)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Strengere Maßstäbe für freie Mitarbeiter": "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt im Gespräch.

Zitat: Mathias Döpfner spricht sich gegen Upload-Filter aus.

"Wir als Journalisten-Haus sind per se gegen den Einsatz von Upload-Filtern, weil sie theoretisch zur Inhaltskontrolle missbraucht werden können."

Springer-Chef Mathias Döpfner, vorab eifriger Befürworter der EU-Urheberrechtsreform, erklärt bei der Springer-Hauptversammlung und nach der finalen Abstimmung in Brüssel, dass er Upload-Filter im Journalismus ablehnt.
per Mail

Paid-Content-Startup Steady erhält Millionen-Investment.

Steady erhält eine Millionen-Investition von Müller Medien und der IBB Beteiligungsgesellschaft. Das Startup aus Berlin liefert 400 Journalisten, Bloggern und Podcastern die Technologie für digitale Abos. Medien wie Krautreporter, "Titanic" und Übermedien verwalten über Steady ihre Mitgliedschafts-Modelle. Müller hält nun rund 15 %, IBB rund 5 % der Anteile – die genaue Höhe des Investments bleibt geheim. Geschäftsführer von Steady sind die einstigen Krautreporter-Gründer Sebastian Esser und Philipp Schwörbel.
steadyhq.com, eigene Infos, turi2.de (Background)

Meinung: Facebook schnürt Journalismus die Luft ab und inszeniert sich als Überlebenshelfer.

Facebook: Für das Geschäft der Tech-Konzerne hat Journalismus keine Relevanz, sagt der Journalist Mathew Ingram im Medienwoche-Interview. Wenn Medien Facebook den Rücken kehrten, büßten sie Reichweite ein. Doch etablierte Marken könnten die Interaktionsrate mit den Nutzern auf deren Online-Portalen als "wertvollere Währung" ausbauen.
medienwoche.ch

Finanzaufsicht zeigt Journalisten wegen Verdachts der Marktmanipulation an.

Wirecard: Die Finanzaufsicht BaFin zeigt rund ein Dutzend Personen an – darunter auch Journalisten der "Financial Times". Sie haben möglicherweise gemeinsame Sache mit Spekulanten gemacht, die auf fallende Wirecard-Kurse setzten. Die "Financial Times" hatte schwere Vorwürfe gegen Wirecard veröffentlicht und später Manipulationen durch ihre Journalisten dementiert. Die Wirecard-Aktie verlor zeitweise massiv an Wert.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Gericht weist Böhmermanns Klage gegen Merkel ab.

Schmähgedicht-Streit: Moderator Jan Böhmermann scheitert mit seiner Klage gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel – das Gericht sieht sie als unzulässig an. Böhmermann möchte der Bundesregierung verbieten, sein Erdogan-Schmähgedicht "bewusst verletzend" zu nennen. Das Kanzleramt will die Formulierung ohnehin nicht wiederholen.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Nutzer verzeihen Fehler, glaubt Manfred Protze vom Presserat.

Medienkritik: Nutzer sind nicht "von vornherein bösgläubig und verzeihen auch Fehler, sagt Manfred Protze vom Presserat im "taz"-Interview. Wichtig sei, dass Medien Fehler nicht unter den Teppich kehren. Zwischen sozialen Medien und journalistischen Formaten zu unterscheiden, gelänge nicht allen Nutzern – u.a. daraus resultiere der Vorwurf der Lügenpresse, weil Medien mitunter "aus ethischen Gründen nicht publizieren".
taz.de

Pressesprecher müssen hauptsächlich zuhören, findet Daniel Neuen.

Pressesprecher werden nicht aussterben, solange sie zeitgemäß arbeiten, glaubt "PR Report"-Chefredakteur Daniel Neuen. Zeitgemäß bedeute, dass sie nicht nur mit Journalisten sprechen, sondern auch mit Influencern, Kunden, Mitarbeitern, NGOs "und wer weiß noch wem". Und dass sie nicht nur sprechen, sondern v.a. zuhören und Beziehungen "bauen, pflegen und reparieren".
newsroom.de

"Spiegel"-Aufklärer Clemens Höges: Relotius-Kommission möchte keinen Zeitdruck.


Wortkarge Aufklärer: Knapp vier Monate nach der Relotius-Affäre treffen sich hunderte Journalisten beim Reporterforum im "Spiegel"-Haus – und sind teils verwundert über die wenigen Antworten. "Spiegel"-Blattmacher Clemens Höges bittet um Geduld und sagt: "Die Kommission möchte sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen". "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann sagt seine Teilnahme am Workshop der Reporter kurzfristig ab – wegen einer Management-Tagung.

Die dreiköpfige Kommission habe viele Gespräche mit Beteiligten geführt und interne Abläufe hinterfragt, erzählt Höges. Ihr Bericht gehe zunächst an Chefredaktion und Geschäftsführung. Auf ungeduldige Fragen von Anwesenden, wann Ergebnisse vorliegen werden, antwortet Höges lediglich: "bald". "Es ist für uns eine große Aufgabe, denn wir stellen absolute Transparenz her", sagt Höges bei der Eröffnung der Veranstaltung (siehe Video). In Zeiten von Fake News gehe es darum, wieder das Vertrauen der Leser zu gewinnen: "Das gilt für den 'Spiegel', aber nicht nur für den 'Spiegel' – obwohl der 'Spiegel' gewissermaßen Ground Zero war." (Foto: Jens Twiehaus)
turi2.tv (2-Min-Video mit Höges)

Clemens Höges zur Relotius-Aufklärung im Video:

"Spiegel": Ecuador hat Assanges Asyl-Widerruf lange vorbereitet.

Ecuador hat den Widerruf des Asyls von WikiLeaks-Gründer Julian Assange lange vorbereitet, schreibt der "Spiegel". Im März 2018 habe das Außenministerium Assange von Internet und Telefon abgeschnitten, im November ein restriktives Umgangs-Protokoll erlassen. Seine Besucher mussten u.a. ihre Social-Media-Accounts an- und ihre elektronischen Geräte abgeben. Assange wollte das Protokoll nicht unterschreiben, damit Verletzungen nicht als Grund für Asyl-Entzug verwendet werden könnten. Ecuadors Präsident Lenin Moreno begründet die Verhaftung damit, dass WikiLeaks Dokumente über einen Korruptionsskandal der Familie des Staatsoberhaupts veröffentlicht habe.
"Spiegel" 16/2019, S. 77 (Vorabmeldung), turi2.de (Background)

PR-Büros von Parteien sind keine Newsrooms, kritisiert Nora Frerichmann.

PR, die auch so heißt: Bei Parteien sind Newsrooms aktuell ein Hype, sie geben sich damit "gern einen journalistischen, unabhängigen Anstrich", kritisiert Journalistin Nora Frerichmann im "Altpapier" des MDR. Auch vom Storytelling im Politik-PR-Bereich, z.B. im Verkehrsministerium, hält sie wenig. Ministerien sollten Fakten statt Geschichten liefern.
mdr.de

Britisches Medien-Startup Tortoise will Slow Journalism etablieren.

Medien-Startup Tortoise versucht sich an "Slow Journalism". Nachrichten befeuern laut den Gründern Katie Vanneck-SmithJames Hardings und Matthew Barzun die allgemeine Unruhe. Digitaldetoxende Nutzer seien für Demokratien aber auch Gift. Per Crowdfunding haben sie 625.000 Euro zusammenbekommen und arbeiten mit acht Investoren, das Geld reicht so für zunächst drei Jahre. Langfristig soll sich ihr Schildkrötenmodus-Journalismus durch Mitgliedschaften finanzieren.
deutschlandfunk.de

Spiegel Online startet das Journalismus-Projekt "Globale Gesellschaft".

spiegel online_spon_logo_150Spiegel Online lässt eigens abgestellte Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten der globalisierten Welt und gesellschaftspolitische Herausforderungen berichten. Das Projekt heißt "Globale Gesellschaft". Geplant sind Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts. Die Projektleitung übernimmt Lena Greiner, sie steuert das Team von Hamburg aus. Die Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt das Projekt drei Jahre, sie unterstützt schon ähnliche Projekte bei "The Guardian" und "El Pais".
dwdl.de

Bloomberg-Chef John Micklethwait sieht ein "Comeback des Bezahlens".

Bloomberg war besser auf die Umbrüche im Journalismus vorbereitet, weil es schon immer Bezahlinhalte für Firmenkunden angeboten hat, sagt Chefredakteur John Micklethwait im Interview mit der "Welt". Er sieht ein "Comeback des Bezahlens für Informationen", erkennt aber dennoch Schwierigkeiten, etwa für Lokalzeitungen. Google und Facebook beunruhigten Micklethwait nicht. Da sie keine Informationen erstellen würden, seien sie keine Medienunternehmen, würden Anbieter wie Bloomberg aber gleichwohl herausfordern.
"Welt", S. 21 (Paid)

Meinung: Apple News Plus ist kein großer Wurf.

Apple wird mit seiner News-Flatrate den Journalismus "weder retten noch ruinieren", kommentiert Marcus Schuler im Deutschlandfunk. Die ersten zwei Wochen hätten gezeigt, dass die App kein großer Wurf sei und bisweilen anstrengend in der Bedienung. Mittelfristig könnte sich das Angebot am ehesten für Magazine lohnen, die so ein Schaufenster für neue Leser erhalten.
deutschlandfunk.de

Meinung: Fake News verdeutlichen den Wert des unabhängigen Journalismus.

Fake News verbreiten sich zuletzt stärker, verdeutlichen Menschen aber den Wert von unabhängigem Journalismus, sagt Klaus Meier, Professor für Journalistik, im Interview mit der "Schwäbischen Zeitung". Journalisten sollten künftig transparenter Quellen offenlegen und Lesern erklären, warum bestimmte Themen redaktionell stärker gewichtet werden.
schwaebische.de

Firmen-Podcasts lohnen sich für Journalisten, sagt Radiomacher Philipp Eins.

Corporate Podcasts mausern sich zum Refugium für freie Radio-Profis. Content Marketing wächst, klassischer Journalismus nicht mehr, analysiert Journalist Philipp Eins nüchtern. Er arbeitet parallel für Deutschlandfunk Kultur und u.a. die Pharma-Industrie – und trennt zwischen PR und Journalismus, indem er nicht über seine Unternehmens-Kunden berichtet.
youtube.com (5-Min-Video)

Zitat: Joachim Huber sieht Geschlechterparität im Medienrat der MABB nicht erreichbar.

"Im Sinne der Parität könnte eine Frau ausscheiden und ein Mann nachrücken – Gleichstand drei zu drei. Aber wie sieht das aus, wenn Frauen für Männer Platz machen müssen?"

Joachim Huber, Ressortleiter Medien beim "Tagesspiegel", kritisiert den Plan, den Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg aufzustocken – Geschlechterparität werde dank des zusätzlichen Vorsitzenden sowieso nicht erlangt.
tagesspiegel.de

Meinung: Schweizer Supermarkt-Duopol könnte kritische Berichterstattung ausbremsen.

SCHWEIZ_FLAGGE_150Schweiz: Die Supermärkte Migros und Coop dominieren den Lebensmitteleinzelhandel und gehören zu den wichtigsten Werbekunden der Printmedien, schreibt Isabel Pfaff. Das Schweizer Supermarkt-Duopol erreicht einen Marktanteil von mehr als 70 % - in Deutschland kommen Edeka und Rewe zusammen auf nur 40 %. Eine kritische Berichterstattung sei angesichts der Dominanz im Schweizer Werbemarkt gefährdet.
"Süddeutsche Zeitung", S. 27

Grimberg: Funke spart als Nächstes im Lokalen.

Funke streicht und zentralisiert in der lokalen Berichterstattung, berichtet Steffen Grimberg. In den Ruhrgebiet-Lokalausgaben fällt je eine individuelle Seite weg, stattdessen gibt es eine für alle produzierte Ruhrgebiet-Seite. Der Lokalsport soll nicht mehr vor Ort, sondern an einem Desk in Essen produziert werden. Auch die Leserbriefe sollen zentral betreut werden. Funke bestätigt die Pläne und ergänzt, dass die "NRZ" bereits einen Lokalsportdesk hat, der nun auch für die "WAZ" diskutiert werde. Der Verlag könnte laut Betriebsrat in NRW bis zu 300 Stellen streichen, auch viele Geschäftsstellen sollen schließen.
kress.de, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv (01/2019): "User First": Chefredakteur Andreas Tyrock zeigt die neue "WAZ"-Redaktion in Essen.

ARD weist Kritik an Israel-Berichterstattung zurück.

ARD: "Tagesschau"-Chefredakteur Kai Gniffke weist die Kritik von Andrea Kiewel zur Israel-Berichterstattung zurück. Die "Tagesschau" habe "selbstverständlich darauf hingewiesen", dass der israelische Angriff eine Reaktion auf einen Hamas-Angriff war. Der Hinweis kam am Ende des Beitrages. Die Reihenfolge der geschilderten Ereignisse erwecke einen falschen Eindruck, kritisiert die ZDF-Moderatorin zuvor in einem Gastbeitrag für die "Jüdische Allgemeine".
stern.de, facebook.com (Gniffke-Reaktion), juedische-allgemeine.de (Kiewel-Gastbeitrag)

Presserat erklärt "Focus Money" die Bedeutung von Anführungszeichen, schreibt Stefan Niggemeier.

Presserat muss "Focus Money" die Bedeutung von Anführungszeichen erklären, schreibt Stefan Niggemeier über die vergangene Woche ausgesprochene Rüge gegen das Titelseiten-Zitat von Alan Greenspan. Chefredakteur Frank Pöpsel räumt ein, dass der Ex-US-Notenbankchef den Satz "Wer Verstand hat, kauft Gold" nicht wörtlich gesagt hat. Das Zitat sei komprimiert, aber inhaltlich durch Aussagen von Greenspan gedeckt. Ein "durchschnittlich verständiger Leser" müsse die Überschrift in Anführungszeichen "zwingend als wörtliches Zitat auffassen", kontert der Presserat.
uebermedien.de, presserat.de (Rüge)

Studie: Aprilscherze können helfen, Fake News zu identifizieren.

Aprilscherze erlauben Forschern der Lancaster University, besser nach Fake News zu filtern, schreibt Laura Hazard Owen. Aus einem Korpus von 500 Scherzen aus 14 Jahren bauten sie einen Algorithmus, der andere Aprilscherze mit 75 % Akkuratesse und Fake News mit mindestens 65 % erkennt. Die Ähnlichkeiten: Sie sind u.a. kürzer, leichter lesbar und nutzen öfter die erste Person Singular.
niemanlab.org