Meinung: Relotius' Auftraggeber kommen bisher zu unhinterfragt weg.

Spiegel: Die bisherige Aufarbeitung des Relotius-Skandals beim "Spiegel" blendet die Rolle von Ullrich Fichtner, dem Print-Chef und künftigem Vize-Chefredakteur, sowie die von Gesellschafts-Ressortleiter Matthias Geyer weitgehend aus, tadelt Ralf Heimann im MDR-Medienblog Altpapier. Relotius mag gelogen und betrogen haben - dafür, dass ein Text erscheint, obwohl ein eigener Reporter erhebliche Zweifel anmeldet, sei er aber nicht verantwortlich.
mdr.de

US-Botschafter verlangt Aufklärung von der "Spiegel"-Chefredaktion.

Relotius: US-Botschafter Richard Grenell fordert von der "Spiegel"-Chefredaktion eine "unabhängige und transparent Untersuchung" im Fall Relotius. Die USA sei besorgt, da es in Teilen der gefälschten Berichterstattung "um US-Politik und bestimmte Teile der amerikanischen Bevölkerung ging". Dirk Kurbjuweit, Vize-Chef des "Spiegel", reagiert mit einem Brief an den Botschafter und einer Entschuldigung "bei allen amerikanischen Bürgern, die durch diese Reportagen beleidigt und verunglimpft wurden".
sueddeutsche.de, spiegel.de

Zitat: Giovanni di Lorenzo erklärt, warum Relotius nie den Nannen-Preis gewonnen hat.

"Diese Geschichten waren von einer Glätte, Perfektion und Detailbesessenheit, dass es einige von uns nicht glauben konnten."

"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo erklärt im Gespräch mit dem "Spiegel", dass es in der Jury des Nannen-Preises Zweifel an den Geschichten von Claas Relotius gegeben hat, weil sie zu perfekt gewesen seien.
"Spiegel" 52/2018, S. 49-51 (Paid)

Weitere Zitate aus dem Interview …

... über die Auswirkungen des Skandals:

"Er ist ein bizarres Weihnachtsgeschenk für all jene, die den Medien ohnehin das Schlimmste unterstellen."

"Dass jetzt an der Wahrhaftigkeit von Berichten gezweifelt wird, für die Leute ihr Leben einsetzen, das ist der eigentliche Schaden."

... über den Text zur Veröffentlichung der Entdeckung von Ullrich Fichtner:

"Was bleibt, ist der Eindruck: In dem Text wird ein Mensch gehängt, noch dazu ein relativ junger. Die Systemfrage, wie das passieren konnte, wird angesprochen, aber nicht in einer besonders aufschlussreichen Form."

... über das System der Dokumentation beim "Spiegel":

"Die "Bild"-Zeitung, schreibt heute, dass Ihre Dokumentation vermerkt, wo etwas nicht belegt werden kann. Das muss doch bei Relotius-Geschichten nur so von Vermerken gewimmelt haben. Das frage ich jetzt als beruflich interessierter Laie: Warum gehen dann nicht irgendwann mal die Alarmglocken an?"

... über das Genre Reportage:

"Mittelmäßige und langweilige Geschichten sind und bleiben eine Zumutung! Andererseits gibt es die eine oder andere Reportage, bei der es mittlerweile so ist wie bei der Überzüchtung von Hunden oder Pferden – zu schön, um noch authentisch zu wirken."

"Hinter vielem steht nun ein Fragezeichen" – "Spiegel" arbeitet den Fall Relotius auf 23 Seiten auf.


Im Spiegel des Sturms: Der "Spiegel" stellt 23 Seiten des neuen Hefts frei ins Netz – und widmet sich ausführlich der Selbstkritik im Fall Relotius. In der Rubrik Hausmitteilung schreiben Susanne Beyer und Dirk Kurbjuweit: Der "Spiegel" müsse sich überlegen, wie er Recherchen noch genauer kontrollieren könne, "auch wenn wir keine totale Überwachung haben wollen". Clemens Hoeges schildert weitere Details: Demnach fälschte Relotius Facebook-Profile, um sich zu entlasten und gestand schließlich nachts in einem Carsharing-Auto im Gespräch mit Kollegin Özlem Gezer.

Hoeges entlastet in seinem Text die hausinterne Dokumentation unter Leitung von André Geicke. Sie könne sehr vieles überprüfen über Datenbanken und Archive. "Vorsätzlicher Betrug ist im System nicht vorgesehen", schreibt Hoeges jedoch. Relotius betrüge genauso gut, wie er schreibe.

Auf vier Seiten dokumentiert das Heft zahlreiche Reaktionen – Zuspruch und auch Kritik an der Art und Weise, wie der "Spiegel" den Skandal öffentlich machte. "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo äußert sich als "Spiegel"- und Journalismus-Kritiker auf drei weiteren Seiten. Reporter Juan Moreno beschreibt erneut, wie ihm der Schwindel aufgefallen ist. Er sei inzwischen überzeugt, dass seine Leistung Zufall war und ein Vorteil, dass er Relotius persönlich nicht kannte.
spiegel.de (23-Seiten-PDF aus "Spiegel" 52/2018)

"Wir müssen uns relativ nackig machen" – "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal.

Zitat: Ex-"Bild"-Mann Georg Streiter warnt vor fanatischem Julian Reichelt.

"Ich habe arge Probleme mit dem fanatischen Kurs, den der aktuelle Chefredakteur fährt. Er lässt seinem persönlichen Hass auf den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin und die Institutionen dieses Landes freien Lauf."

Georg Streiter, Ex-Regierungssprecher und Berater, geht mit seinem Ex-Arbeitgeber "Bild" hart ins Gericht. Streiter beschreibt, wie unter Julian Reichelt Menschen verbal hingerichtet und Fehler vertuscht würden.
facebook.com via twitter.com

Cordt Schnibben denkt über Änderungen beim Reporterpreis nach.

Fall Relotius: Der Reporterpreis könnte im Kampf gegen "betrügerisch veranlagte Journalisten" nur noch einmal an jeden Journalisten verliehen werden, überlegt der Gründer des Reporter-Forums Cordt Schnibben im "FAZ"-Interview. Es sei zwar die Aufgabe der Redaktionen, Reportagen zu prüfen – gerade Auslandsreportagen sollen nun aber für den Reporterpreis noch einmal unter die Lupe genommen werden. Den Dokumentaren beim "Spiegel" könnte man kaum etwas vorwerfen, wenn sie für einen Fakt keinen Beleg finden, "dann sagt der Reporter: Das habe ich selbst erlebt, und ich übernehme die Verantwortung".
"FAZ", S. 15 (Paid)

Hör-Tipp: Journalistik-Professor Michael Haller sieht den Fall Relotius als Betrug am Leser.

Hör-Tipp: Journalistik-Professor Michael Haller, Autor des Standardwerkes "Die Reportage", ordnet im Interview mit Detektor.fm den Fall Relotius ein. Die Reportage schildere die Erlebnisse des Reporters für die Verständlichkeit zwar in einem erzählenden Ton, die erfundenen Orte und Personen in den Texten von Claas Relotius hätten jedoch nichts mehr mit der Gestaltungsfreiheit des Reporters zu tun: "Das wäre in einem Bericht so gelogen wie in einer Reportage." An dem Format der Reportage müsse sich nichts ändern, das Problem liege in den Redaktionen, die das Format "immer weiter hoch poliert" haben. Es würden perfekte Texte verlangt – "so perfekt, wie es in der Wirklichkeit einfach nicht zugeht".
detektor.fm (9-Min-Audio)

Zitat: Juan Moreno ist beim "Spiegel" gegen solide Wände gerannt.

"'Spiegel'-Qualitätswände. Solide Wände."

"Spiegel"-Reporter Juan Moreno, der intern gegen Claas Relotius recherchiert hat, hat zwischenzeitlich auch an sich gezweifelt, weil ihm niemand glauben wollte, sagt er im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".
sueddeutsche.de

Weitere Zitate aus dem Interview:

"Die Geschichte von Relotius endete mit einem Schuss, den die Grenzer abfeuerten. Diesen Schluss bekam ich aber erst im zweiten Textentwurf. Wenn ich dabei bin, wie da jemand potenziell auf Mexikaner ballert, dann erwähne ich das definitiv nicht in meinem zweiten Textentwurf. Das ist wahrscheinlich eher mein Einstieg."

"Ich habe der Redaktion Fragen formuliert, die maximal starke Indizien enthielten. Darauf hat Relotius eine Erwiderung geschrieben, mehrere Seiten. Diese Erwiderung habe ich erst Wochen später zu sehen bekommen, am Ende. Sie war brillant."

"Aber so wütend ich war, dass ich da gegen Wände gerannt bin: Wäre mir das als Chef auch passiert? Vielleicht."

Ziesemer: Chefredaktionen wollen schöne Texte statt harter Recherche.

Causa Relotius zeigt, dass Chefredakteure heute mehr Wert auf schöne Texte als auf harte Recherche legen, kritisiert Bernd Ziesemer. Eine kleine Gruppe von Qualitätsmedien schanze sich gegenseitig die Journalistenpreise zu, um sich ihr eigenes Tun zu bestätigen. Ziesemer regt einen Namenswechsel für den Egon-Erwin-Kisch-Preis an – der Namensgeber habe es bei seinen Reportagen aus der Sowjetunion mit der Wahrheit auch nicht so genau genommen und die Gräuel des Kommunismus ausgeblendet.
meedia.de

Claas Relotius gibt seine Reporterpreise zurück.

Claas Relotius hat sich per SMS beim Reporter-Forum gemeldet, sich entschuldigt und seine vier Reporterpreise zurückgegeben, schreibt die Jury. Den vierten hatte er erst im Dezember erhalten, für seine Reportage "Ein Kinderspiel" über einen syrischen Jungen, der glaubt, durch einen Streich Mitauslöser des Bürgerkriegs zu sein. Bereits gestern hatten die Verantwortlichen des Peter-Scholl-Latour-Preises Relotius seine Auszeichnung aberkannt.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

"Wir müssen uns relativ nackig machen" – "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal.

BGH-Urteil: Kommunale Amtsblätter dürfen nicht wie Zeitungen berichten.


Ausge-presst: Der Bundesgerichtshof entscheidet, dass Amtsblätter nicht wie Zeitungen berichten dürfen. Für kostenlos verteilte Gemeinde-Blätter gebe es klare Grenzen: Kommunen dürfen amtliche Mitteilungen veröffentlichen und über Vorhaben berichten. "Pressemäßig" über das Leben in der Gemeinde berichten, zum Beispiel über Kultur und Sport, hingegen nicht.

Die "Südwest Presse" aus Ulm, die in der Region eine Tageszeitung und ein kostenloses Anzeigenblatt vertreibt, hatte gegen das "Stadtblatt" aus Crailsheim geklagt. Dieses enthält bisher einen amtlichen, einen redaktionellen und einen Anzeigenteil. Das Urteil ist für die gesamte Branche von Bedeutung, weil viele Kommunen in ihren Heften nicht nur Sachinformationen verbreiten.
welt.de, deutschlandfunk.de, wbs-law.de

Zitat: Der größte Feind der Pressefreiheit hat sich in der Redaktion eingenistet.

"Die neue Spiegel-Affäre 2018 sagt vor allem aus, dass der größte Feind der Pressefreiheit heute nicht mehr – wie 1962 bei der alten Spiegel-Äffare – außen sitzt, sondern sich vielmehr ganz tief mittendrin eingenistet hat."

"Handelsblatt"-Autor Hans-Jürgen Jakobs nennt den "Spiegel"-Fälscher Claas Relotius in seinem "Morning Briefing" den "Karl May dieser Tage".
handelsblatt.com

Journalisten leiden unter Diskreditierungen seitens Regierungen, glaubt Ines Pohl.

Journalisten sind weltweit auch deshalb in Gefahr, weil Regierungen wie Russland, die Türkei und die USA sie diskreditierten und dadurch die Wertschätzung generell sinke, glaubt Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle. Es sei wichtig, Präsenz zu zeigen und die journalistische Arbeit besser zu erklären.
deutschlandfunk.de

Aus dem turi2.tv-Archiv: "Ich finde Perspektiv-Wechsel gut." Chefredakteurin Ines Pohl über ihr erstes Jahr bei der Deutschen Welle.

Politikjournalismus ist nur zu 30 % weiblich – ebenso wie der Bundestag, kritisiert Anja Maier.

Politikjournalismus bildet die im Parlament vorgefundene Realität ab, auch hier liegt der Anteil von Frauen nur bei 30 %, kritisiert Anja Maier. Da Frauen in Redaktionen eine kritische Masse erreicht hätten, falle den Entscheidern nicht mehr auf, dass Parität noch nicht erreicht sei. Das Gefühl "Wir haben doch jetzt Frauen" scheine ihnen zu genügen.
taz.de

Zitat: Oliver Schröm hält Anstiftungs-Vorwurf für "Bullshit".

"Ich lasse mich nicht von der Hamburger Staatsanwaltschaft abschrecken. Ich mache einfach weiter meinen Job."

Correctiv-Chefredakteur Oliver Schröm lässt sich nicht einschüchtern bei seinen Cum-Ex-Recherchen – auch wenn Banken ihn beschatten lassen und die Justiz wegen angeblicher Anstiftung zum Verrat von Geschäftsgeheimnissen ermittelt.
stern.de, turi2.de (Background)

Ippens regionaler Nachrichten-Verbund will ohne Clickbaiting wachsen, schreibt Henning Kornfeld.

Ippen wächst "im Stillen" zum reichweitenstärksten Netzwerk regionaler Nachrichten-Webseiten, schreibt Henning Kornfeld. 40 Journalisten beliefern rund 50 werbefinanzierte Webseiten. Newsroom-Leiter Markus Knall (Foto) wolle mit Clickbaiting nichts zu tun haben. Aber dank Boulevard-Themen erreiche der Nachrichten-Verbund auch jüngere Zielgruppen, die ansonsten keine "Bindung zu Print-Titeln" hätten.
"Journalist" 12/2018 (Paid), turi2.de (Background)

"New York Times" macht dem Printmarkt Mut, beobachtet Sebastian Moll.

New York TimesNew York Times, die seit kurzem mehr als 4 Mio Abonnenten hat, lässt den Printmarkt aufatmen, beobachtet Sebastian Moll. Profitabler Journalismus sei auch im Digitalzeitalter möglich – für Redaktionen, die ihren Abonnentenstamm mit Qualitätsjournalismus versorgen, flankiert von Newslettern, Chatbots und Co, und Gratisleser aussperren.
"Horizont" 49/2018, S. 13 (Paid)

Studie: US-Bürger informieren sich hauptsächlich im Fernsehen.

Fernsehen ist für 44 % der US-Amerikaner die Hauptinformationsquelle, ergibt eine Studie des Pew Research Centers. Gedruckte Zeitungen belegen mit nur 7 % den letzten Platz hinter sozialen Netzwerken mit 10 %, dem Radio mit 14 % sowie Informationsportalen mit 24 %. Zeitungen sind bei Älteren beliebter, insgesamt gaben nur 16 % der Befragten an, häufig eine Zeitung zu lesen, 2013 waren es noch 27 %.
derstandard.at

Zitat: "Tagesschau"-Chefredakteur Kai Gniffke findet Migrationspakt-Berichterstattung unvoreingenommen.

"Die Nachrichtenangebote von ARD-aktuell haben die Aufgabe, die unterschiedlichen Positionen im gesellschaftlichen Diskurs angemessen abzubilden."

"Tageschau"-Chefredakteur Kai Gniffke verteidigt im Interview mit der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit die Berichterstattung über den UN-Migrationspakt als "unvoreingenommen".
jungefreiheit.de

"Le Monde" klagt gegen Frankreich, um amtliche Dokumente einzusehen.

Le Monde_150x150Le Monde will die französische Regierung juristisch dazu bringen, Dokumente herauszugeben. Die Zeitung gehört zum Investigativ-Netzwerk, das die Panama Papers und kürzlich die Implant Files veröffentlicht hat. Darin geht es um fehlerhafte Implantate. "Le Monde" hat bei der Recherche Infos bei staatlichen Stellen über die Zulassung verschiedener Geräte angefragt. Frankreich verweigert sie und beruft sich auf das im Juli erlassene Gesetz zum Schutz des Geschäftsgeheimnisses. Die unabhängige Instanz, an die sich Bürger in solchen Fällen wenden können, hat die Anfrage der Zeitung ebenfalls abgewiesen. "Le Monde" hat ein Schnellverfahren beantragt.
"FAZ", S. 15 (Paid)

Öffentlich-Rechtliche müssen Zuhörern zuhören, meint Jan Weyrauch.

Radio: Öffentlich-Rechtliche Sender laufen Gefahr, redaktionsblind vor sich hin zu senden, glaubt Jan Weyrauch, Programmdirektor von Radio Bremen. Der Sender entwickelt deshalb ein digitales Panel nach niederländischem Vorbild: Dort beantworten wöchentlich 50.000 Teilnehmer Umfragen, um die Lücke zwischen Journalisten-Wahrnehmung und Bürger-Meinung zu schließen.
zeit.de (Paid)

"Süddeutsche", NDR und WDR veröffentlichen Recherche zu Implantaten.


Geschäfte mit der Gesundheit: Der Recherche-Verbund von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" veröffentlicht mit den "Implant Files" die nächste, große Recherche. Die internationale Zusammenarbeit von rund 60 Medien beleuchtet Schäden, die unzureichend geprüfte Implantate und Medizinprodukte verursachen. Gemeinsam mit dem International Consortium for Investigative Journalists haben mehr als 250 Journalisten aus 36 Ländern über zwei Jahre an der Veröffentlichung gearbeitet.

Die Recherche angestoßen hat die niederländische Journalistin Jet Schouten. Bei einer Recherche vor vier Jahren hatte sie sich als Herstellerin von Medizinprodukten ausgegeben. Ein herkömmliches Mandarinennetz verkaufte sie in einer Broschüre als Vaginalnetz, das bei Beckenbodenbeschwerden helfen sollte. Von drei Prüfstellen erhielt sie die Aussicht auf eine Zulassung als Medizinprodukt

Im Unterschied zu den Panama sowie Paradise Papers basiert die Recherche nicht auf Leaks. Die Ergebnisse basieren auf der Untersuchung des Markts von Medizinprodukten sowie Interviews mit Patienten und Ärzten "von Mumbai bis München, von Mostar bis Mexiko-Stadt".
icij.de, sueddeutsche.de, sueddeutsche.de (über die Recherche), ndr.de

Deutsche PR-Firma will Berichterstattung positiv für Saudi-Arabien beeinflusst haben.

Saudi-Arabien zahlt monatlich einen sechsstelligen Betrag an die deutsche PR-Firma WMP Eurocom, die sich damit brüstet, die Berichterstattung mehrerer Journalisten in Sinne des Landes beeinflusst zu haben. Das berichtet die "Bild am Sonntag" und zitiert aus einem Strategiepapier der Firma aus dem Sommer 2017. Die genannten Redaktionen bestreiten gegenüber der "BamS" Einflussnahme auf die Berichterstattung. WMP Eurocom wirbt ferner mit vermeintlich guten Kontakten in die Politik und Wirtschaft.
"Bild am Sonntag", S. 4 (Paid)

Meinung: Junge Journalisten sind besser, als Kritiker ihnen vorwerfen.

Junge Journalisten sind oft besser als ihr Ruf, schreibt Ulrike Simon (Foto) bei Spiegel Online. In ihrer Kolumne beklagt sie sich über ältere Branchen-Vertreter, die sagen, dass dem Nachwuchs das Zeug fehle, um mit der AfD journalistisch umzugehen. Jonah Lemm, 22, zeige mit seiner Recherche zur AfD und Identitären und seiner Ausrichtung auf demokratische Grundwerte, dass dies aber nicht der Fall sei.
spiegel.de (Paid)

Zitat: Dominik Wichmann fremdelt mit der Moral-Keule seiner Ex-Chefin Julia Jäkel.

"Ich halte die Idee, es gebe quasi eine moralische Verpflichtung, in Qualitätsmedien zu schalten, für falsch. Ich halte grundsätzlich nicht viel von einer Verquickung von Macht und Moral."

Dominik Wichmann, Ex-"stern"-Chef und Co-Gründer der Looping Group, widerspricht der Idee einer Corporate Media Responsibility von Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel. Er halte es auch für falsch, alles Gedruckte als Qualitätsjournalismus zu bezeichnen.
"Horizont" 47/2018, S. 18-19 (Paid)

Weitere Zitate aus dem Interview ...

... über seine heutige Rolle, die er in der Werbung verortet:
"Ich würde mich als geschäftsführender Gesellschafter der Looping Group niemals als Journalist bezeichnen! Problematisch wird die Sache erst dann, wenn man diese Trennung zu vertuschen versucht."

... über koscheren Journalismus:
"Wenn eine Frauenzeitschrift fünf Handtaschen empfiehlt und jede dieser Handtaschen von einem Anzeigenkunden stammt, stört das niemanden. Wenn eine Bloggerin das Gleiche tut, ist es Werbung. Den Unterschied muss man mir erst noch erklären. Ebenso inakzeptabel ist es, dass die Einflussnahmen der Anzeigenabteilungen auf die Redaktionen immer mehr zunehmen."

... über seine Rolle als Manager:
"Als Unternehmer bringst du deine eigene Haut ins Spiel, das ist wie Duschen ohne Regenmantel. Machen ist das interessantere Wollen."

... über die Arbeit für Mercedes und andere Kunden:
"Im Grunde sind wir eine Mischung aus Agentur, Verlag und Strategieberatung. Das zentrale Leistungsversprechen von Looping besteht darin, Marken zu Sendern ihrer Botschaft zu machen. (...) Die Looping Group steht für eine hoch qualitative Content-Produktion, die aufsetzt auf der Analyse von Daten und später entsprechend gezielt verbreitet werden kann."

... über seinen kränkenden Rauswurf beim "stern":
"Die Annahme, dass die Auflage der großen Publikumszeitschriften in den nächsten Jahren mit dem Wechsel zu neuen Chefredakteuren plötzlich wieder steigen könnte, ist geradezu lächerlich falsch."

Frankreichs Gesetz gegen Fake News könnte alles schlimmer machen, fürchten Kritiker.

Anti-Fake-News-Gesetz in Frankreich könnte fatale Auswirkungen haben, fürchten Kritiker. In den drei Monaten vor landesweiten Wahlen können Fake News gemeldet werden, Richter müssen sie binnen 48 Stunden prüfen. Weil das nicht immer möglich ist, könnten Falschinfos durch Nicht-Handeln richterlich legitimiert werden. Journalisten kritisieren die zu schwammige Definition von Fake News. Manche vermuten, Präsident Macron könnte das Gesetz gegen die freie Presse verwenden.
"Süddeutsche", S. 23 (Paid), "FAZ", S. 6 (Paid)

Saudische Medien stellen Kronprinz Mohammed im Fall Khashoggi als Opfer dar.

Khashoggi-Mord: Saudi-arabische Medien passen ihre Berichterstattung im Fall Khashoggi jeweils den Bedürfnissen von Kronprinz Mohammed bin Salman an, beobachtet Christoph Sydow anhand der Berichterstattung in "Okaz", einer der meistgelesenen Zeitungen des Landes. Dabei werde nicht Kashoggi, sondern der Kronprinz als Opfer inszeniert – hinter den Verschwörungen stünden "wahlweise Katar, die Türkei, Iran, die Muslimbrüder, Israel oder Homosexuelle".
spiegel.de

Meinung: Es gibt kein postfaktisches Zeitalter.

Postfaktisches Zeitalter sei ein unpassender Begriff, sagt Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen im Gespräch mit der "Eßlinger Zeitung". Ein Blick auf die Propaganda der Vergangenheit zeige, dass es nie ein faktisches Zeitalter gegeben habe. Pörksen stelle jedoch fest, dass Desinformation mächtiger werde und der Informationsüberfluss dazu führe, dass Menschen auf das zurückgreifen, was sie ohnehin glaubten. Guter Journalismus werde daher wichtiger.
esslinger-zeitung.de