"Zapp" fragt, ob Zentralredaktionen Meinungsvielfalt schmälern.

Zentralredaktionen: Zeitungsforscher Horst Röper sieht die Vielfalt durch Gemeinschaftsredaktionen schwinden. Lars Haider, Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts", sagt, Reporter großer Redaktion bekämen oft leichter Zugang und seien so weniger abhängig von dpa-Material. Alexander Jungkunz, Chefredakteur der "Nürnberger Nachrichten", ist froh, den Mantel regional produzieren zu können, sieht aber den wirtschaftlichen Zwang anderer Zeitungen.
ndr.de

Studie: 43 % der Deutschen halten Roboterjournalismus für unglaubwürdig.

Roboterjournalismus setzt sich nicht durch, sagen 45 % der Befragten einer Statista-Studie. 49 % stehen dem KI unterstützten Journalismus eher kritisch gegenüber, 28 % lehnen ihn ganz ab. Grund dafür könnte die unzureichende Kennzeichnung automatisierter Nachrichten sein – 91 % wünschen sich hier mehr Transparenz. 39 % der Befragten geben an, die Glaubwürdigkeit nicht einschätzen zu können.
presseportal.com

Renner: "stern" verschiebt Jubiläumsausgabe auf Ersterscheinung des Nazi-"stern".

stern, der heute erstmals vor 70 Jahren erschienen ist, verlegt seine Jubiläumsausgabe aus dem Sommerloch auf den 20. September, schreibt Kai-Hinrich Renner. Damit treffe Gruner + Jahr ausgerechnet das Datum der Ersterscheinung des Nazi-"stern", der 1938 erstmals gedruckt und Henri Nannen 1948 als Vorlage diente. Die Überschneidung der Termine sei ein Zufall, sagt eine G+J-Sprecherin.
abendblatt.de

Meinung: "Bild" exerziert an Özils Rücktritt den Höhepunkt ihrer Kampagne.

Bild arbeitet sich zwei Monate lang an der "Ausbürgerung von Mesut Özil" ab, kritisiert Patrick Bahners. Als Höhepunkt dieser Boulevardkampagne stelle das Springer-Blatt Özil nach seinem Rücktritt aus der Fußball-Nationalmannschaft als Schwächling und Jammerlappen hin. Zur Unterstützung dafür habe "Bild" auf "anerkannte Männlichkeitsexperten wie Mario Basler und Lothar Matthäus" zurückgegriffen.
"FAZ", S. 9 (Paid)

Zitat: Uli Hoeneß teilt gegen Özil und die Medien aus.

"Ihr werdet alle manipuliert von diesen Online-Boys. Seine 35 Mio Follower - die hat er natürlich nicht - kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt".

FC-Bayern-Boss Uli Hoeneß nutzt bei Sport1 den Rücktritt von Mesut Özil, um selbst gegen die Medien auzuteilen. "Ihr fallt alle drauf rein", sagt Hoeneß über Özils Social-Media-Aktivitäten.
sport1.de (2-Min-Audio), wuv.de

"Süddeutsche": MDR beschäftigt den AfD-Liebling Uwe Steimle.

MDR beschäftigt mit dem Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle einen Wutbürger, schreibt Antonie Rietzschel. Steimle arbeitet seit Jahren für den MDR, hält die Öffentlich-Rechtlichen aber für Propagandamedien. Kanzlerin Merkel bezeichnet der AfD-Liebling als Marionette, Deutschland von den USA besetzt – das sagt Steimle im rechten Blatt "Junge Freiheit", der MDR stützt ihn.
"Süddeutsche Zeitung", S. 21 (Paid)

Basta: Eine Ente aus Kroatien.

Kroatien, ein Sommer- Lügenmärchen: Das kroatische Nationalteam spendet seine WM-Prämie an hilfsbedürftige Kinder, schreiben verschiedene Medien und berufen sich auf einen offenen Brief von Teamchef Zlatko Dalia. Herzerwärmend. Aber leider falsch. Der Brief ist Satire von Igor Premuzic, verfasst "aus einem Paralleluniversum". Ein Hinweis hätte sein können, dass der Brief diverse Politiker-Seitenhiebe enthält.
derstandard.at

"Spiegel": Medien hätten Islamist Sami A. durch Berichterstattung beinahe vor Abschiebung bewahrt.

Medienkritik: Die Medien-Berichte gegen Sami A. hätten ihn beinahe vor der Abschiebung bewahrt, geht aus dem Beschluss des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen hervor, den der "Spiegel" vorliegen hat. Das Gericht argumentiert darin, die "teilweise sensationslüsternen" Berichte erhöhten die Foltergefahr für den Islamisten.
"Spiegel" 30/2018, S. 14 (Vorabmeldung)

Gericht verurteilt Rheinneckarblog wegen Fake News zu 9.000 Euro Strafe.

Rheinneckarblog muss 9.000 Euro Strafe zahlen, urteilt das Amtsgericht Mannheim. Im März hatte das Lokalblog bewusst die Fake News verbreitet, es gebe in Mannheim einen Anschlag mit 136 Toten, 50 Angreifer würden für ein "Blutbad apokalyptischen Ausmaßes" sorgen. Die Geschichte war frei erfunden. Betreiber Hardy Prothmann will die Strafe anfechten.
horizont.net, turi2.de (Background)

"GEZ" will nicht aus den Köpfen raus, schreibt Boris Rosenkranz.

GEZ ist auch fünf Jahre nach der Umbenennung in Beitragsservice noch im Standardwortschaft vieler Redaktionen, schreibt Boris Rosenkranz. Nicht nur bei "Bild" und Focus Online war in dieser Woche vom "GEZ-Urteil" zu lesen. Der Kampfbegriff "Zwangsbeitrag" findet sich auch in den Archiven von "Tagesspiegel" oder "FAZ". Kündigungsdienste im Internet bieten sogar an, sich gegen Gebühr um die Abmeldung zu kümmern.
uebermedien.de, turi2.de (Background)

Immer mehr Wissenschaftler publizieren in obskuren Zeitschriften.

Nichtwissenschaft: Mehr als 5.000 deutsche Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren für pseudowissenschaftliche Zeitschriften geschrieben, ergibt eine Recherche von NDR, WDR, "Süddeutscher Zeitung" und weiteren Medien. Gegen Bezahlung dürfen sie in wissenschaftlich anmutenden Magazinen publizieren, ihre Beiträge werden meist nicht inhaltlich geprüft. So verbreiten sich zweifelhafte Studien und Halbwahrheiten. Viele Behörden zitieren unwissentlich solche Studien, die aus fragwürdigen Quellen stammen. Einige der Wissenschaftler haben erst durch die Recherchen erfahren, dass die Verlage mit den Heften v.a. Geld machen wollen.
sueddeutsche.de

Lese-Tipp: Trash-TV vereint Narzissmus und Voyeurismus, schreibt Jochen Siemens.

Lese-Tipp: Beim Trash-TV sind der Narzissmus der Darsteller und der Voyeurismus des Publikums so nah wie kaum woanders, schreibt Jochen Siemens. "Dschungelcamp", "Bachelor", "Big Brother" oder "Topmodel" sind günstig zu produzieren und ertragreich am Werbemarkt. Weit mehr als 100 Kandidaten und Teilnehmer braucht das Privatfernsehen pro Jahr, die in den Shows "meist nicht viel mehr als Psycho-Topfschlagen spielen, aus ihrem oft langweiligen Leben erzählen oder über andere lästern". Die Kandidatenfahnder der TV-Sender suchen ihren Nachschub verstärkt auch in sozialen Netzen.
"stern" 30/2018, S. 66-71, blendle.com (Paid)

Journalisten lassen sich vor den Politiker-Karren spannen, kritisiert Harald Staun.

Politik-Journalismus der letzten Wochen erinnert Harald Staun an zweifelhafte Sportberichterstattung. Er kritisiert, dass viele Medien der Aufmerksamkeits-Hascherei der CSU eine Bühne gegeben und sie als "Kampf um die Kanzlerschaft" beschrieben hätten. Gegen boulevardähnliche Berichterstattung und flapsigen Ton habe er nichts, wenn sie dazu beitrügen, Menschen für Politik zu interessieren. Er vermisst aber neben der Darstellung der "persönlichen Animositäten" die Erklärung des Kontexts und kritisiert, dass Journalisten oftmals Framing betrieben.
"FAS", S. 49 (Paid)

Meinung: Journalisten haben als Frühwarnsystem für Flüchtlingskrise versagt.

Journalisten halten sich für eine Avantgarde, laufen bei Themen im Ausland aber oft hinterher, kritisiert "Zeit"-Redakteur Michael Thumann. Die Medien hätten als Frühwarnsystem für Flüchtlingsströme in Afrika versagt. Hätten Medien schon vor Jahren stärker über Bürgerkriege und soziale Not in Afrika berichtet, wäre Deutschland nicht so überrascht gewesen. Bestimmte Welt-Regionen seien chronisch unterrepräsentiert, kritisieren Experten für Auslands-Berichterstattung. Andreas Cichowicz, Fernseh-Chefredakteur des NDR, widerspricht der Kritik. Schon vor der Flüchtlingskrise hätten der ARD-"Weltspiegel" und andere Formate über Fluchtursachen berichtet.
deutschlandfunk.de (5-Min-Audio), twitter.com (Cichowicz)

BuzzFeed-Chefredakteur Ben Smith sieht die Plattform nicht als Anti-Trump-Medium.

BuzzFeed sei nicht gegen Trump, sondern für Millenials, sagt Chefredakteur Ben Smith der dpa. Trump hatte BuzzFeed verklagt, weil das Portal ein Dossier des britischen Geheimdienstexperten Christopher Steele veröffentlichte. Andere Medien hatten es abgelehnt, es wirft Trumps Wahlkampfteam Kontakte zur russischen Regierung vor. Smith verteidigt die Veröffentlichung.
derstandard.de, turi2.de (Background)

Kai Gniffke würde Seehofers Beinahe-Rücktritt wieder so kommentieren.

Medienkritik: Kai Gniffke sagt im "Zeit"-Interview, er würde den angeblichen Rücktritt Seehofers wieder so kommentieren – vielleicht mit einem Satz à la "Da ist noch nichts sicher". Er ziehe aus der Kritik die Lehre, bei hochkochenden Themen "noch stärker zu berücksichtigen, dass der Konjunktiv überhört werden kann". Gniffke glaubt, die Diskussion sei "in gewissem Maße eine medieninterne".
zeit.de (Paid)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Tagesschau"-Chef Kai Gniffke will nicht unbedingt der Schnellste sein.

Meinung: Politik-Telenovela verdrängt wichtige Themen und erschöpft die Bürger.

Tagesthemen-Berichterstattung über den Asylstreit der Union animiere dazu, in die nächste Kirche zu gehen, um Kerzen für die Journalisten anzuzünden, meint Cornelius Pollmer. Wenn die Koalitionskrise zur Telenovela werde, würden relevante Themen durch Eitelkeiten und Zerwürfnisse verdrängt. Langfristig könnten die lückenlosen Echtzeitberichte bei den Bürgern nur maximale Erschöpfung auslösen.
sueddeutsche.de

Studie: Medien beeinflussen die Urteilsfindung der deutschen Justiz.

Berichterstattung in den Medien beeinflusst die Urteilsfindung von Staatsanwälten und Richtern, zeigt eine Studie der Universität Mainz in Zusammenarbeit mit Consilium Rechtskommunikation. Nur 71 % der Justizprofis sieht überhaupt keinen Einfluss auf die Höhe der verhängten Strafe. Knapp die Hälfte der 580 Befragten verfolgt die Berichterstattung über ihre eigenen Verfahren besonders intensiv.
"Spiegel" 26/2018, S. 12 (Paid)

Klick-Tipp: Vice zeigt, wie die Bundesregierung in sozialen Medien influenced.

Klick-Tipp: Die Bundesregierung hat 2017 rund 5 Mio Euro in Social-Media-Kampagnen investiert, recherchiert das Vice-Portal Motherboard. Die Ausgaben flossen in Banner und Influencer-Kampagnen. Aus manchen YouTube-Videos und Instagram-Posts werde kaum ersichtlich, dass der Staat sie finanziere, kritisieren Anna Biselli und Sebastian Meineck. Besonders aktiv ist die Bundeswehr: Sie gab zusätzlich 1,7 Mio und noch einmal 2 Mio Euro für Webvideo-Serien aus – diese Produktionskosten sind noch nicht in den 5 Mio Euro enthalten.
motherboard.vice.com

Zitat: Oliver Kalkofe langweilt die TV-Berichterstattung von der Fußball-WM.

"Statt etwas zu ändern, gibt es Rechtfertigungen, warum die eigene Langeweile eigentlich ganz toll ist."

Fernseh-Kritiker Oliver Kalkofe nervt der Rechtfertigungsdrang der Öffentlich-Rechtlichen, der oft in Anbiederung ende, "die irrwitzig viel Geld kostet". Er schlägt vor, bei zukünftigen Weltmeisterschaften in Innovationen zu investieren.
tagesspiegel.de

Kritik: "Zeit" wirbt mit Medienkunde-Broschüren, die Facebook und Co zahlen.

Werbung: Richard Gutjahr kritisiert, dass die "Zeit" Broschüren und Arbeitsblätter zum "verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet" an Schulen verschickt und sich das Material u.a. von Google und Facebook finanzieren lässt. Die Content-Tochter Tempus Corporate hat bei Gutjahr angefragt, ob einer seiner "Zeit"-Artikel für ein Arbeitsblatt zum Thema Hatespeech verwendet werden darf. Er wundert sich, dass die "Zeit" sich für getarnte Werbung – an deutschen Schulen verboten – als Kooperationspartner hergibt. In der Broschüre Medienkunde zählt Gutjahr ein halbes Dutzend Werbeanzeigen zu Verlags-Produkten und kommerziellen Bildungsprogrammen.
gutjahr.biz

Fußball-Kommentatoren benehmen sich wie Marktschreier, kritisiert Jürgen Roth.

Fußball-Berichterstattung mutiert zum distanzlosen "Gefolgschafts-Journalismus", kritisiert Schriftsteller Jürgen Roth. Er untersucht seit 20 Jahren die Sprache rund um den Ballsport – und attestiert ihr, "nur noch Marktschreierei im Dienst der nationalen Sache" zu sein. Früher hätten Kommentatoren "das Spiel atmen lassen."
sueddeutsche.de

Meinung: Sandra Maischberger hält eine Talkshow-Pause nicht für nötig.

Sandra Maischberger widerspricht in der "Zeit" der Forderung nach einer Pause für Talkshows. Auch die Kritik, Sendungen wie ihre in der ARD hätten die AfD erst groß gemacht, weist sie zurück. Fernsehleute litten zwar gelegentlich an Selbstüberschätzung, das Phänomen betreffe aber einen Großteil Europas und schwele lange im Internet, bevor es an die Öffentlichkeit gelange.
"Zeit" 25/2018, S. 10 (Vorabmeldung)

Presserat: Netanjahu-Karikatur ist von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Süddeutsche Zeitung: Die Netanjahu-Karikatur von Dieter Hanitzsch überschreitet die Grenze zur Diskriminierung von Juden nicht und ist von der Meinungsfreiheit gedeckt, entscheidet der Presserat mehrheitlich. Die Zeichnung zeigt Israels Premier Benjamin Netanjahu im Kleid der ESC-Gewinnerin. Er hält eine Rakete in der Hand, Ohren und Nase sind überzeichnet. Nach Antisemitismus-Vorwürfen hatte sich die "Süddeutsche Zeitung" von Karikaturist Hanitzsch getrennt.
dwdl.de, turi2.de (Karikatur), turi2.de (Hanitzsch)

Meinung: "Bild" dient sich unter Julian Reichelt dem AfD-Lager an.

Bild titelt unter Sturmschütze Chefredakteur Julian Reichelt häufiger über Asyl-Missbrauch und Flüchtlinge, beobachtet Moritz Tschermak. Seit dem 21. April kreischt es 21 mal "Flüchtlings-Randale" oder "Asyl-Chaos" von Seite 1. Mit der Berichterstattung über den mutmaßlichen Mörder der 14-jährigen Susanna texte "Bild" im Stil eines AfD-Tweets oder Beatrix-von-Storch-Posts, kritisiert Tschermak.
bildblog.de

Video-Tipp: "Zapp" beleuchtet einen von den Medien erfundenen Gewaltexzess.

Video-Tipp: Nach einem Protest vor dem Privathaus eines Polizisten in Hitzacker steigen Onlinemedien in die Berichterstattung ein, ohne selbst zu recherchieren und erfinden einen Gewaltexzess, kritisiert "Zapp". Die meisten Beiträge werden mit Symbolbildern versehen, die offenbar von den Krawallen um den G20-Gipfel in Hamburg stammen. Teilweise sogar, ohne die Bilder als Symbolbilder zu kennzeichnen.
ndr.de (7-Min-Video)

Zitat: Klaus Brinkbäumer sieht den "Spiegel" anders als so mancher Leser.

"Unser Selbstbild besagt, dass der 'Spiegel' von 2018 keine von alten Herren dominierte Firma mehr sei, sondern Spiegelbild einer modernen Gesellschaft."

"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hört sich bei einer Leserkonferenz die Meinungen der Leser an, die den "Spiegel" entgegen seinem Selbstverständnis zuweilen "übermoralisch, selbstgerecht und allzu männlich" finden.
"Spiegel" 23/2018, S. 72-73 (Paid)

"Evening Standard" soll Google und Uber positive Berichte verkauft haben.

Google und Uber sollen der britischen Tageszeitung "Evening Standard" 0,5 Mio Pfund für positive Berichterstattung gezahlt haben. James Cusick, Ex-Korrespondent der Zeitung, berichtet auf dem Portal Opendemocracy.net davon. Die Firmen sollten demnach das Zeitungsprojekt "London 2020" unterstützen und dafür neben Advertorials positive Kommentare und eine Berichterstattung bekommen, "die man mit Geld nicht kaufen kann". Fragwürdig bei der Einbindung von Uber ist auch, dass George Osborne, Chefredakteur des "Evening Standard", hohe Anteile am Taxischreck hält. Ein Verlags-Manager von ESI Media dementiert die Vorwürfe. Google und Uber äußern sich ebenfalls nicht.
golem.de, opendemocracy.net (Bericht)

Verfassungsgericht: Möglichkeit zur Stellungnahme schützt nicht vor Gegendarstellung.

Gegendarstellungen sind auch möglich, wenn die Redaktion dem Betroffenen die Möglichkeit zur Stellungnahme einräumt, der diese aber nicht nutzt, urteilt das Bundesverfassungsgericht. Konkret ging es um einen "Spiegel"-Bericht von 2013, der Thomas Gottschalk Schleichwerbung in "Wetten, dass..?" vorwirft. Gottschalks Anwalt hatte den Vorwürfen zwar widersprochen, aber verboten, ihn daraus zu zitieren. Später setzte Gottschalk eine Gegendarstellung durch. Der Spiegel-Verlag betont den Unterschied zwischen unterlassener Stellungnahme und dem Verbot einer erfolgten Äußerung.
horizont.net

"TV Movie" erfindet ein Exklusiv-Interview mit zwei "Tatort"-Darstellern.

TV Movie enthält in der aktuellen Ausgabe ein dreiseitiges Exklusiv-Interview mit den Schauspielern Jan Josef Liefers und Axel Prahl – das Gespräch hat aber so nie stattgefunden, recherchiert DWDL. Eine Redakteurin hat den Text aus früheren Interviews, Äußerungen von Veranstaltungen und einer ARD-Pressemitteilung zusammengestückelt. Das Management der beiden Schauspieler bestätigt, dass kein Interview stattgefunden hat.
dwdl.de

Meinung: ZDF berichtet sexistisch und rassistisch über Meghan Markle.

ZDF logo_150Journalismus: Die Berichterstattung über die Royal Wedding strotzt beim ZDF vor rassistischen und sexistischen Stereotypen über Meghan Markle, kritisiert Frederik Schindler. Das Kommentatoren-Team thematisiert die Hautfarbe der Braut ständig und lässt sexistische Sprüche. Die Deutsche Welle fragt bei dem Sender nach, eine Entschuldigung kommt vom ZDF aber nicht.
taz.de

Zitat: Dieter Hanitzsch ist von seinem Rauswurf bei der "Süddeutschen" überrascht.

"Es ist nicht üblich, dass eine Zeitung wegen einer Zeichnung einen Karikaturisten rausschmeißt. Man kann ihn schimpfen, ihm eine Abmahnung geben. Aber Knall auf Fall rausschmeißen ist nicht die feine Art."

Karikaturist Dieter Hanitzsch sieht seinen Rauswurf bei der "Süddeutschen Zeitung" im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland als "Überreaktion".
haz.de, turi2.de (Background)

"Süddeutsche Zeitung" trennt sich von Karikaturist Dieter Hanitzsch.

Süddeutsche Zeitung trennt sich nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit von Karikaturist Dieter Hanitzsch. Grund ist eine Karikatur von Hanitzsch, die manche als antisemitisch empfunden haben. Die "Süddeutsche" hat sich nach öffentlicher Kritik entschuldigt, Hanitzsch sieht keinen Grund für eine Entschuldigung.
tagesschau.de, taz.de, haz.de (Reaktion Hanitzsch) turi2.de (Background)

Studie: Männer dominieren die Nachrichten in Europa.

Journalismus: Frauen sind in europäischen Nachrichten unterrepräsentiert, zeigt eine Studie des Europäischen Journalismus Observatoriums. In Autorenzeilen dominieren Männer mit 41 %, Frauen machen nur 23 % aus. Auch bei Fotos (43 % Männer, 15 % Frauen), Artikellängen sowie Fotogrößen in Zeitungen herrscht ein erhebliches Ungleichgewicht. Die Studie hat je zwei Zeitungen und digitale Nachrichtenportale in elf Ländern Europas, darunter u.a. Deutschland und Großbritannien, untersucht.
niemanlab.org

Meinung: Weite Teile der Premiere von "Live nach neun" beim WDR wirken beliebig.

Live nach neun, vom WDR produziertes Vormittagsmagazin, wirkt über weite Teile der Sendung beliebig, kritisiert Alexander Krei. Nach der Premiere erschließe sich ihm nicht, weshalb es die Sendung "angesichts des erfolgreichen ZDF-Magazins" Volle Kanne im Gegenprogramm brauche. Die Gespräche zwischen den beiden Moderatoren Isabel Varell, 56, und Tim Schreder, 27, wirkten "bisweilen arg angestrengt" – trotz der gut herausgearbeiteten "unterschiedlichen Ansichten verschiedener Generationen".
dwdl.de, turi2.de (Background)

Stefan Niggemeier findet "Reconquista Internet" mäßig gelungen.

Hör-Tipp: Jan Böhmermann will mit "Reconquista Internet" Netz-Hass mit Liebe bekämpfen, schafft das aber nur teilweise, findet Stefan Niggemeier. Auf den Twitter-Listen, die Böhmermann verbreitet, fänden sich z.B. neben Troll-Accounts auch konservative Profile, die einfach ihre Meinung verbreiten. Jemanden öffentlich als "rechten Troll" zu verunglimpfen, hat für Niggemeier wenig mit dem Verbreiten von Liebe zu tun. Dass Kritiker sich darüber empören, dass das ZDF an der Aktion indirekt beteiligt ist, findet Niggemeier verständlich, auch wenn die Anstalt ihm als freiem Mitarbeiter solche Aktionen nicht verbieten könne.
radioeins.de (5-Min-Audio)