"Tatort" zeigt Journalisten stets als eitle Fatzkes, kritisiert Karl-Markus Gauß.

Tatort und andere TV-Formate denunzieren oft Journalisten und stellen sie als charakterlose Boulevard-Bösewichte dar, kritisiert Karl-Markus Gauß. In Zeiten, in denen Journalisten "inhaftiert, malträtiert, mit Arbeitsverbot belegt" werden, hält er es für "erbärmlich", auf diese Art den Vorurteilen gegenüber Journalisten Vorschub zu leisten.
sueddeutsche.de

Basta: Vice-Reporter foppt Medien mit Doppelgängern von sich.

Ach wie gut, dass niemand Vice...: Vice-Reporter Oobah Butler hat 2017 mit gefälschten Bewertungen seine Gartenhütte bei Tripadvisor zum besten Restaurant in London gekürt. Medien aus aller Welt wollten seine Geschichte hören, doch Oobah gibt nicht gerne Interviews. Muss ja auch nicht sein, dachte er sich und schickt ins TV, ins Radio und zu einer Preisverleihung einfach Doppelgänger von sich. Gemerkt hat's keiner.
vice.com, youtube.com (13-Min-Video)

"Weser-Kurier" verzichtet auf Sonderbezeichnung für den "Islamischen Staat".

Weser-Kurier nennt die Terrormiliz Islamischer Staat künftig wieder bei ihrem Namen. 2015 hatte sich die Zeitung entschieden, statt dem selbst gewählten Namen IS nur den abwertend gemeinten Begriff "Daesch" zu verwenden. Nun schreibt Chefredakteur Moritz Döbler, "eine Terrormiliz, die an Bedeutung verliert, ständig mit einer erklärungsbedürftigen Namensgebung hervorzuheben", verliere den Sinn. Der Bremer Sonderweg sei am Ende ein "Irrweg" gewesen, gebe aber Anlass, sich über Begriffe Gedanken zu machen.
weser-kurier.de via meedia.de

Gauland: Kulturwissenschaftler erhebt Plagiatsvorwürfe gegen Gastartikel in der "FAZ".

Gauland-GAU: Der Kulturwissenschaftler und Autor Michael Seemann erhebt Plagiatsvorwürfe gegen den umstrittenen Gastartikel von Alexander Gauland in der "FAZ". Der Text beinhalte Sätze, die in einem "Tagesspiegel"-Beitrag nahezu wörtlich identisch erschienen sind. Gauland habe diese in einen falschen Kontext gesetzt. Auch bei einer Hitler-Rede von 1933 soll Gauland sich für seinen Text bedient haben.
t-online.de

Hans Hoff: Ferdinand Dudenhöffer ist der einzig wahre Auto-Experte deutscher Medien.

Journalisten haben den Kontakt zu Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer fett in ihren Adressbüchern, vermutet Hans Hoff. Auf Tagesschau.de tauche er u.a. als Automobil-Experte auf – der Begriff Automobil rieche zwar "etwas angeschimmelt", sei in dem Fall aber irgendwie passend. Mit seiner "angenehm gelassenen, manchmal bis zur Schluffigkeit unaufgeregten Art" mache er stets den Eindruck profunder Kenntnis. Mit dieser eile er mit solch einer Geschwindigkeit zur nächsten medialen Präsenz, dass Batman daneben "wie ein bedauernswerter Rollator-Nutzer" wirke.
dwdl.de

Meinung: Klaus Meier lehnt die verstärkte Berichterstattung über Kriminalität ab.

Medien: Die Forderung von Mathias Döpfner in einer Rede beim BDZV-Kongress, über Straftaten von Asylbewerbern und Flüchtlingen intensiver zu berichten, nährt einen "wesentlichen Teil der Propaganda rechtsnationaler Gruppierungen", urteilt Journalistik-Professor Klaus Meier. Die Forderung bediene die Sensationsgeilheit und gefährde damit das "vertrauensvolle Zusammenleben" sowie den Kern der Demokratie.
meedia.de, turi2.de (Background)

Zitat: US-Sängerin Carrie Underwood erkennt eigene Interviews oft nicht wieder.

"Es fällt mir schon manchmal schwer, eine Story über mich zu lesen, die auf einem Interview mit mir basiert und in der alle meine Aussagen komplett aus dem Kontext dargestellt werden."

US-Countrystar Carrie Underwood beklagt im Interview mit der "Welt am Sonntag" den zunehmend "schlampigen Umgang mit Zitaten". Besonders nah gehe es ihr, wenn sich Menschen über angeblich Aussagen aufregen, die sie gar nicht gesagt hat.
"Welt am Sonntag", S. 81 (Paid)

Meinung: Jon Caramanica sorgt sich um die Zukunft des Promi-Journalismus.

Prominente kontrollieren den Journalismus über sich selbst, wodurch die Medien ihre Bedeutung als Plattform verlieren, beobachtet Jon Caramanica. Viele Promis würden fast ausschließlich über ihre selbst kontrollierten Social-Kanäle auftreten oder nach unliebsamen Interviews ihre Sicht der Dinge darstellen. Mehr und mehr würden sich Promis zudem von Freunden interviewen lassen. Die durch Freundschaft wahrgenommene Intimität wirke so als Stellvertreter für tatsächliche Einsicht – eine objektive Presse fehle in diesem Prozess.
nytimes.com

Stefan Niggemeier kritisiert "Brandsatz" von Stefan Aust.

Welt: Herausgeber Stefan Aust schreibt einen verantwortungslosen, destruktiven und gefährlichen Brandsatz-Artikel, der Merkel und Flüchtlingen die Schuld an allem gibt, kritisiert Stefan Niggemeier. Der Text "Mutti aller Probleme" sei aufgemacht wie ein Social-Media-Post für Pegida, enthalte falsche Fakten und den Willen zur Verdrehung. Aust rede Rechtsextremismus klein und bediene selbst die Sage, im Merkel-Deutschland dürfe "man nichts mehr sagen".
uebermedien.de

Sat.1 kritisiert Absprachen für "Thügida"-Interview in "Akte".

Sat.1 distanziert sich von einem Beitrag seines Reporter-Magazins Akte 2018. Die Sendung hatte den rechtsextremen "Thügida"-Gründer David Köckert interviewt. Bedingung war ein Live-Stream der Interview-Aufzeichnung bei Facebok. Sat.1 sagt, dem Sender sei keine Absprache bekannt gewesen und er hätte sie auch nicht gebilligt. Die Produktionsfirma Meta Productions begründet die Zustimmung mit dem enormen "öffentlichen Interesse an dieser Figur der rechtsradikalen Szene".
meedia.de, dwdl.de

Verfassungsschutzchef Maaßen zweifelt nicht mehr an Echtheit des Chemnitz-Videos.

Doch echt: Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen relativiert seine Zweifel an der Echtheit eines Videos aus Chemnitz. Das Video sei echt, er bezweifele jedoch, ob es "authentisch" eine Menschenjagd zeige, schreibt er in seinem Bericht an Innenminister Horst Seehofer. Zudem kritisiert Maaßen die schnelle Veröffentlichung in großen Medien als "unseriös".
spiegel.de, sueddeutsche.de

Meinung: Fall Hans-Georg Maaßen ist ein Triumph des Journalismus.

Fall Hans-Georg Maaßen: Klassischer Journalismus hat gegenüber den neuen Medien triumphiert, indem er die Zweifel des Verfassungsschutz-Chefs Maaßen an einem Video aus Chemnitz schnell korrigiert hat, sagt Medienforscher Norbert Bolz. Andererseits gehöre die Vermischung von Meinung und Information zum Selbstverständnis des deutschen Journalismus. Den meisten Journalisten falle es schwer, sich nicht mit einer guten Sache gemein zu machen, kritisiert Bolz.
cicero.de, turi2.de (Background)

Video-Tipp: Walulis kommentiert die Methoden der Klatschpresse.

Video-Tipp: Philipp Walulis analysiert launig die Methoden der Klatschpresse. Der immer gleiche Trick: "Ein popliges Ereignis durch die paranoid-pessimistische Brille betrachten und dann Vollgas auf die Sensationsgier". Promis würden unfreiwillig zu Protagonisten in "Fortsetzungsromanen", notfalls würden Probleme einfach angedichtet.
youtube.com (10-Min-Video)



Aus dem Archiv von turi2.tv:
Funke-Verlegerin Julia Becker zeigt klare Kante gegen Klatsch-Lügen.
turi2.tv (5-Min-Verlegerin)

Klatschblatt-Verleger Kai Rose von Klambt: Sind Sie der Vater der Fake News?
turi2.tv (4-Min-Video)

Angela Meier-Jakobsen macht "Closer" und "InTouch" mit Fakten und Fantasie.
turi2.tv (4-Min-Video)

Meinung: Schwarzers "Emma" sammelt Applaus von rechts.

Emma, feministische Frauenzeitschrift von Alice Schwarzer, findet immer mehr Freunde in der rechten Szene, beobachtet Meredith Haaf. Die Redaktion befeuere den Trend: Eine Reporterin zitiert Frauen aus Chemnitz, die sagen, ihr Leben sei wegen männlicher Flüchtlinge "gefährlicher geworden". Eine Einordnung mit Blick in die Kriminalstatistik fehlt. Schwarzer selbst nennt den Islamismus regelmäßig "eine politische Gefahr im Weltmaßstab".
sueddeutsche.de

Zitat: Journalisten sprechen eine andere Sprache als viele Ostdeutsche, sagt Christian Hirte.

"Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Politiker und Journalisten in einer anderen Welt leben als die Mehrheit der Menschen draußen."

Christian Hirte, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, sieht bei den Medien im Osten ein Sendeproblem. Journalisten seien weitgehend akademisiert, der Osten aber weniger als der Bundesdurchschnitt.
"Welt", S. 6 (Paid)

Basta: Fake-Bericht warnt vor deutschen Mainstream-Medien.

Fakealarm: Bei Facebook kursiert ein angeblich ausländischer Zeitungsbericht, laut dem die "Auslandspresse" vor den deutschen Mainstream-Medien warnt. Der Verband "European Press Watch" zeige sich besorgt und wolle Deutschland im Credibility-Ranking um einen Punkt abstufen. Allerdings gibt es weder den Verband, noch das Ranking. Zudem ist der Beitrag auf Deutsch verfasst. Aber auf solche Details können die Verbreiter von Fake-News ja nicht auch noch achten.
flurfunk-dresden.de

"Zapp" fragt, ob Zentralredaktionen Meinungsvielfalt schmälern.

Zentralredaktionen: Zeitungsforscher Horst Röper sieht die Vielfalt durch Gemeinschaftsredaktionen schwinden. Lars Haider, Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts", sagt, Reporter großer Redaktion bekämen oft leichter Zugang und seien so weniger abhängig von dpa-Material. Alexander Jungkunz, Chefredakteur der "Nürnberger Nachrichten", ist froh, den Mantel regional produzieren zu können, sieht aber den wirtschaftlichen Zwang anderer Zeitungen.
ndr.de

Studie: 43 % der Deutschen halten Roboterjournalismus für unglaubwürdig.

Roboterjournalismus setzt sich nicht durch, sagen 45 % der Befragten einer Statista-Studie. 49 % stehen dem KI unterstützten Journalismus eher kritisch gegenüber, 28 % lehnen ihn ganz ab. Grund dafür könnte die unzureichende Kennzeichnung automatisierter Nachrichten sein – 91 % wünschen sich hier mehr Transparenz. 39 % der Befragten geben an, die Glaubwürdigkeit nicht einschätzen zu können.
presseportal.com

Renner: "stern" verschiebt Jubiläumsausgabe auf Ersterscheinung des Nazi-"stern".

stern, der heute erstmals vor 70 Jahren erschienen ist, verlegt seine Jubiläumsausgabe aus dem Sommerloch auf den 20. September, schreibt Kai-Hinrich Renner. Damit treffe Gruner + Jahr ausgerechnet das Datum der Ersterscheinung des Nazi-"stern", der 1938 erstmals gedruckt und Henri Nannen 1948 als Vorlage diente. Die Überschneidung der Termine sei ein Zufall, sagt eine G+J-Sprecherin.
abendblatt.de

Meinung: "Bild" exerziert an Özils Rücktritt den Höhepunkt ihrer Kampagne.

Bild arbeitet sich zwei Monate lang an der "Ausbürgerung von Mesut Özil" ab, kritisiert Patrick Bahners. Als Höhepunkt dieser Boulevardkampagne stelle das Springer-Blatt Özil nach seinem Rücktritt aus der Fußball-Nationalmannschaft als Schwächling und Jammerlappen hin. Zur Unterstützung dafür habe "Bild" auf "anerkannte Männlichkeitsexperten wie Mario Basler und Lothar Matthäus" zurückgegriffen.
"FAZ", S. 9 (Paid)

Zitat: Uli Hoeneß teilt gegen Özil und die Medien aus.

"Ihr werdet alle manipuliert von diesen Online-Boys. Seine 35 Mio Follower - die hat er natürlich nicht - kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt".

FC-Bayern-Boss Uli Hoeneß nutzt bei Sport1 den Rücktritt von Mesut Özil, um selbst gegen die Medien auzuteilen. "Ihr fallt alle drauf rein", sagt Hoeneß über Özils Social-Media-Aktivitäten.
sport1.de (2-Min-Audio), wuv.de

"Süddeutsche": MDR beschäftigt den AfD-Liebling Uwe Steimle.

MDR beschäftigt mit dem Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle einen Wutbürger, schreibt Antonie Rietzschel. Steimle arbeitet seit Jahren für den MDR, hält die Öffentlich-Rechtlichen aber für Propagandamedien. Kanzlerin Merkel bezeichnet der AfD-Liebling als Marionette, Deutschland von den USA besetzt – das sagt Steimle im rechten Blatt "Junge Freiheit", der MDR stützt ihn.
"Süddeutsche Zeitung", S. 21 (Paid)

Basta: Eine Ente aus Kroatien.

Kroatien, ein Sommer- Lügenmärchen: Das kroatische Nationalteam spendet seine WM-Prämie an hilfsbedürftige Kinder, schreiben verschiedene Medien und berufen sich auf einen offenen Brief von Teamchef Zlatko Dalia. Herzerwärmend. Aber leider falsch. Der Brief ist Satire von Igor Premuzic, verfasst "aus einem Paralleluniversum". Ein Hinweis hätte sein können, dass der Brief diverse Politiker-Seitenhiebe enthält.
derstandard.at

"Spiegel": Medien hätten Islamist Sami A. durch Berichterstattung beinahe vor Abschiebung bewahrt.

Medienkritik: Die Medien-Berichte gegen Sami A. hätten ihn beinahe vor der Abschiebung bewahrt, geht aus dem Beschluss des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen hervor, den der "Spiegel" vorliegen hat. Das Gericht argumentiert darin, die "teilweise sensationslüsternen" Berichte erhöhten die Foltergefahr für den Islamisten.
"Spiegel" 30/2018, S. 14 (Vorabmeldung)

Gericht verurteilt Rheinneckarblog wegen Fake News zu 9.000 Euro Strafe.

Rheinneckarblog muss 9.000 Euro Strafe zahlen, urteilt das Amtsgericht Mannheim. Im März hatte das Lokalblog bewusst die Fake News verbreitet, es gebe in Mannheim einen Anschlag mit 136 Toten, 50 Angreifer würden für ein "Blutbad apokalyptischen Ausmaßes" sorgen. Die Geschichte war frei erfunden. Betreiber Hardy Prothmann will die Strafe anfechten.
horizont.net, turi2.de (Background)

"GEZ" will nicht aus den Köpfen raus, schreibt Boris Rosenkranz.

GEZ ist auch fünf Jahre nach der Umbenennung in Beitragsservice noch im Standardwortschaft vieler Redaktionen, schreibt Boris Rosenkranz. Nicht nur bei "Bild" und Focus Online war in dieser Woche vom "GEZ-Urteil" zu lesen. Der Kampfbegriff "Zwangsbeitrag" findet sich auch in den Archiven von "Tagesspiegel" oder "FAZ". Kündigungsdienste im Internet bieten sogar an, sich gegen Gebühr um die Abmeldung zu kümmern.
uebermedien.de, turi2.de (Background)

Immer mehr Wissenschaftler publizieren in obskuren Zeitschriften.

Nichtwissenschaft: Mehr als 5.000 deutsche Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren für pseudowissenschaftliche Zeitschriften geschrieben, ergibt eine Recherche von NDR, WDR, "Süddeutscher Zeitung" und weiteren Medien. Gegen Bezahlung dürfen sie in wissenschaftlich anmutenden Magazinen publizieren, ihre Beiträge werden meist nicht inhaltlich geprüft. So verbreiten sich zweifelhafte Studien und Halbwahrheiten. Viele Behörden zitieren unwissentlich solche Studien, die aus fragwürdigen Quellen stammen. Einige der Wissenschaftler haben erst durch die Recherchen erfahren, dass die Verlage mit den Heften v.a. Geld machen wollen.
sueddeutsche.de

Lese-Tipp: Trash-TV vereint Narzissmus und Voyeurismus, schreibt Jochen Siemens.

Lese-Tipp: Beim Trash-TV sind der Narzissmus der Darsteller und der Voyeurismus des Publikums so nah wie kaum woanders, schreibt Jochen Siemens. "Dschungelcamp", "Bachelor", "Big Brother" oder "Topmodel" sind günstig zu produzieren und ertragreich am Werbemarkt. Weit mehr als 100 Kandidaten und Teilnehmer braucht das Privatfernsehen pro Jahr, die in den Shows "meist nicht viel mehr als Psycho-Topfschlagen spielen, aus ihrem oft langweiligen Leben erzählen oder über andere lästern". Die Kandidatenfahnder der TV-Sender suchen ihren Nachschub verstärkt auch in sozialen Netzen.
"stern" 30/2018, S. 66-71, blendle.com (Paid)

Journalisten lassen sich vor den Politiker-Karren spannen, kritisiert Harald Staun.

Politik-Journalismus der letzten Wochen erinnert Harald Staun an zweifelhafte Sportberichterstattung. Er kritisiert, dass viele Medien der Aufmerksamkeits-Hascherei der CSU eine Bühne gegeben und sie als "Kampf um die Kanzlerschaft" beschrieben hätten. Gegen boulevardähnliche Berichterstattung und flapsigen Ton habe er nichts, wenn sie dazu beitrügen, Menschen für Politik zu interessieren. Er vermisst aber neben der Darstellung der "persönlichen Animositäten" die Erklärung des Kontexts und kritisiert, dass Journalisten oftmals Framing betrieben.
"FAS", S. 49 (Paid)

Meinung: Journalisten haben als Frühwarnsystem für Flüchtlingskrise versagt.

Journalisten halten sich für eine Avantgarde, laufen bei Themen im Ausland aber oft hinterher, kritisiert "Zeit"-Redakteur Michael Thumann. Die Medien hätten als Frühwarnsystem für Flüchtlingsströme in Afrika versagt. Hätten Medien schon vor Jahren stärker über Bürgerkriege und soziale Not in Afrika berichtet, wäre Deutschland nicht so überrascht gewesen. Bestimmte Welt-Regionen seien chronisch unterrepräsentiert, kritisieren Experten für Auslands-Berichterstattung. Andreas Cichowicz, Fernseh-Chefredakteur des NDR, widerspricht der Kritik. Schon vor der Flüchtlingskrise hätten der ARD-"Weltspiegel" und andere Formate über Fluchtursachen berichtet.
deutschlandfunk.de (5-Min-Audio), twitter.com (Cichowicz)

BuzzFeed-Chefredakteur Ben Smith sieht die Plattform nicht als Anti-Trump-Medium.

BuzzFeed sei nicht gegen Trump, sondern für Millenials, sagt Chefredakteur Ben Smith der dpa. Trump hatte BuzzFeed verklagt, weil das Portal ein Dossier des britischen Geheimdienstexperten Christopher Steele veröffentlichte. Andere Medien hatten es abgelehnt, es wirft Trumps Wahlkampfteam Kontakte zur russischen Regierung vor. Smith verteidigt die Veröffentlichung.
derstandard.de, turi2.de (Background)

Kai Gniffke würde Seehofers Beinahe-Rücktritt wieder so kommentieren.

Medienkritik: Kai Gniffke sagt im "Zeit"-Interview, er würde den angeblichen Rücktritt Seehofers wieder so kommentieren – vielleicht mit einem Satz à la "Da ist noch nichts sicher". Er ziehe aus der Kritik die Lehre, bei hochkochenden Themen "noch stärker zu berücksichtigen, dass der Konjunktiv überhört werden kann". Gniffke glaubt, die Diskussion sei "in gewissem Maße eine medieninterne".
zeit.de (Paid)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Tagesschau"-Chef Kai Gniffke will nicht unbedingt der Schnellste sein.

Meinung: Politik-Telenovela verdrängt wichtige Themen und erschöpft die Bürger.

Tagesthemen-Berichterstattung über den Asylstreit der Union animiere dazu, in die nächste Kirche zu gehen, um Kerzen für die Journalisten anzuzünden, meint Cornelius Pollmer. Wenn die Koalitionskrise zur Telenovela werde, würden relevante Themen durch Eitelkeiten und Zerwürfnisse verdrängt. Langfristig könnten die lückenlosen Echtzeitberichte bei den Bürgern nur maximale Erschöpfung auslösen.
sueddeutsche.de

Studie: Medien beeinflussen die Urteilsfindung der deutschen Justiz.

Berichterstattung in den Medien beeinflusst die Urteilsfindung von Staatsanwälten und Richtern, zeigt eine Studie der Universität Mainz in Zusammenarbeit mit Consilium Rechtskommunikation. Nur 71 % der Justizprofis sieht überhaupt keinen Einfluss auf die Höhe der verhängten Strafe. Knapp die Hälfte der 580 Befragten verfolgt die Berichterstattung über ihre eigenen Verfahren besonders intensiv.
"Spiegel" 26/2018, S. 12 (Paid)

Klick-Tipp: Vice zeigt, wie die Bundesregierung in sozialen Medien influenced.

Klick-Tipp: Die Bundesregierung hat 2017 rund 5 Mio Euro in Social-Media-Kampagnen investiert, recherchiert das Vice-Portal Motherboard. Die Ausgaben flossen in Banner und Influencer-Kampagnen. Aus manchen YouTube-Videos und Instagram-Posts werde kaum ersichtlich, dass der Staat sie finanziere, kritisieren Anna Biselli und Sebastian Meineck. Besonders aktiv ist die Bundeswehr: Sie gab zusätzlich 1,7 Mio und noch einmal 2 Mio Euro für Webvideo-Serien aus – diese Produktionskosten sind noch nicht in den 5 Mio Euro enthalten.
motherboard.vice.com