Deutschlandfunk: MDR-Sportjournalisten werden zu Sportveranstaltern.

Sportjournalismus: MDR-Journalisten René Kindermann und Torsten Püschel werden von Sportjournalisten zu Sportveranstaltern, berichtet Medienjournalist Daniel Bouhs. Kindermann und Püschel organisieren einen Skilanglauf-Weltcup in Dresden mit. Der MDR weiß von dem Engagement Bescheid und sieht keinen Grund, die beiden von Projekten abzuziehen.
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Niggemeier: "stern" glaubt, in die Köpfe von Menschen schauen zu können.

stern verbreitet in seinen Berichten über Angela Merkel seit Jahren falsche Spekulationen und Schwurbeljournalismus, kritisiert Stefan Niggemeier. Das Magazin glaube, in die Zukunft und in die Köpfe fremder Menschen schauen zu können. Als Beispiel nennt der Medienjournalist die Behauptung von Hans-Ulrich Jörges von 2013, Merkel werde schon 2016 abtreten und wolle nicht zur Bundestagswahl 2017 antreten.
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"Bild" wehrt sich mit Vorab-Bericht gegen Boris Beckers Gegendarstellung.


Im Fahrstuhl nach oben: Das Foto zeigt Boris Becker 2012 bei der Präsentation des "Bild"-Buches. Derzeit ist er auf die Zeitung nicht gut zu sprechen. (Foto: Jens Kalaene / dpa / Picture Alliance)

Matchball vor dem Showdown: "Bild" geht mit einer Sonderseite gegen Boris Becker in die Offensive. Der Ex-Tennisstar erwirkt eine Gegendarstellung auf dem Titel der morgigen Samstagsausgabe. Schon einen Tag vorher erklärt "Bild" in der Ausgabe von Freitag, dass Beckers Rechtsmittel mit der Realität wenig zu tun habe. Medienanwalt Matthias Prinz, Sohn von Ex-"Bild"-Chefredakteur Günter Prinz, eilt "Bild" per Interview zu Hilfe.

Im Streit zwischen Becker und "Bild" geht es um die Schlagzeile: "Boris verpfändet auch das Haus seiner Mutter". Becker stellt hierzu fest: "Ich habe das Haus meiner Mutter nicht verpfändet." "Bild" steht jedoch zu der Formulierung und beschreibt, das Haus habe als Sicherheit für ein Darlehen gedient. Nur weil ein Eintrag im Grundbuch fehlte, ist der Begriff "verpfändet" juristisch nicht wasserdicht. Anwalt Prinz bestätigt "Bild" auf stichworthafte Nachfrage, dass eine Gegendarstellung nichts über die Wahrheit einer Berichterstattung aussagt.
"Bild", S. 3, bild.de (Text), bild.de (Interview Prinz)Kommentieren ...

Zitat: Hans Hoff kritisiert die hohe Anzahl der Sendernennungen im Radio.

"Ich höre Radio Fuzzlibutz, weil die so oft ihren Namen sagen und weil die so tolle Gewinnspiele machen, bei denen ich etwas gewinnen kann, wenn ich ihren Namen sage."

Hans Hoff macht den Selbsttest und ist überrascht, wie oft Radiosender ihren eigenen Namen erwähnen. Er vermutet dahinter die Angst vor dem Vergessenwerden bei der nächsten Radioquoten-Umfrage.
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Medien ignorieren die AfD inzwischen, beobachtet Mats Schönauer.

Medien lassen sich kaum noch von Provokationen der AfD ködern, nicht mal "mit Hakenkreuz und Hitler", beobachtet Mats Schönauer. Über Alice Weidels erste Bundestagsrede habe z.B. kaum ein Medium berichtet. Er findet zwar gut, dass die breite mediale Verstärkung der Partei abflacht, plädiert aber für "unaufgeregtes, einordnendes Hinschauen".
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"Bild" sollte SS-Ingenieur keine Bühne bieten, findet Moritz Tschermak.

bildlogoBild zitiert beim Zitat des Tages Raketeningenieur Wernher von Braun, der sich u.a. im KZ Buchenwald Häftlinge für seine Raketenproduktion ausgesucht und Karriere bei der SS gemacht hat, kritisiert Moritz Tschermak. Die Zeitung könne nicht die Leistungen von Brauns hervorheben, ohne seine Mitwisserschaft an NS-Verbrechen zu thematisieren.
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Zitat: Tim Mälzer hält von den meisten Gastro-Kritikern gar nichts.

"Die personifizierten Restaurantkritiker halte ich für die größten Vollidioten."

TV-Koch Tim Mälzer empfindet nur für den Gastronomie-Kritiker "Guide Michelin" Respekt. Die meisten Kritiker seien überschätzt, sagt Mälzer im Interview mit "Bilanz".
"Bilanz" 10/2017, S. 94-99 (Paid)

Weiteres Zitat aus dem Interview über seine Medienpräsenz:
"Ich funktioniere im Marketingkonzert sehr gut. Und das hilft mir vielleicht, die ein oder andere Qualitätsdelle auszugleichen, wenn's nur ums reine Kochen geht."Kommentieren ...

Meinung: Investigativ-Journalismus vernachlässigt Recherchen zu sexueller Nötigung.

Investigativ-Journalisten in Deutschland vernachlässigen das Thema Sexismus und Machtmissbrauch, ärgert sich Dagmar Engel, Chefin des Hauptstadtstudios der Deutschen Welle. Während US-Medien nach dem Weinstein-Skandal in vielen Berichten konkrete Fälle sexueller Nötigung bekannt machten, sei es hierzulande mit dem investigativen Journalismus bei diesem Thema nicht weit her. Engel spekuliert, die Fälle lägen "vielleicht zu nah".
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)1 Kommentar

Stefan Raue: BDZV-Präsident Döpf­ner hat journalistisches Terrain verlassen.

Ma­thi­as Döpf­ner und die anderen Vertreter der Kritik am "Staatsrundfunk" verlassen den journalistischen Boden und sind selbst Partei, meint Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue in einem Gastbeitrag im "Spiegel". Wo­chen­lang sei kaum ein Tag ohne An­grif­fe un­ter der Gür­tel­li­nie vergangen. Der "klein­geis­ti­ge Krieg" helfe aber niemandem, nötig seien Kom­pro­misse. Die wirkliche Gefahr für die Verlage seien Google, Facebook und Co. Raue schreibt, auch die Öffent­lich-Recht­li­chen hätten im Umgang mit Print-Kollegen "Sün­den" begangen.
"Spiegel", 46/2017, S. 84-85 (Paid)1 Kommentar

Landgericht Hamburg erlässt Einstweilige Verfügung gegen Artikel der "FAZ".

FAZ: Der NDR erwirkt vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen die Tageszeitung. Stein des Anstoßes sind die Besucherzahlen des Oktoberfestes: Die AfD hatte auf Facebook geschrieben, dort herrsche "gähnende Leere", was der ARD Faktenfinder widerlegte. "FAZ"-Autor Rainer Meyer schrieb daraufhin, die "Tagesschau" verbreite "echte Fake News".
faktenfinder.tagesschau.de1 Kommentar

"Men’s Health" löscht nach Sexismus-Vorwürfen Artikel von seiner Website.

Sexismus-Debatte: "Men’s Health" löscht nach Kritik in den sozialen Medien mehrere Artikel von seiner Website. #Aufschrei-Initiatorin Anne Wizorek und andere Frauen haben u.a. einen Artikel kritisiert, in dem Frauen als "Mädchenpaket" bezeichnet werden, sowie einen Ratgeber-Beitrag, der Männern vorschlägt, fremden Frauen nachzustellen.
twitter.comKommentieren ...

Bildblog rechnet die Aufreger-Asylbewerber-Zahl der "Bild" nach und korrigiert sie.

Bildblog rechnet die gestrige "Bild"-Titelgeschichte nach, derzufolge 30.000 abgelehnte Asylbewerber abgetaucht sind. Die Zahlen, die "Bild"-Autorin Larissa Krüger als Berechnungsgrundlage nutzt, taugen dafür nicht, bestätigt das Statistische Bundesamt dem Deutschlandfunk. U.a., weil 51 % der von Krüger in die Rechnung einbezogenen Personen keine abgelehnten Asylbewerber sind, sondern z.B. Urlauber ohne Visa. Moritz Tschermak kommt bei seiner Rechnung auf maximal 3057 Personen.
bildblog.de, deutschlandfunk.de (Statement Statistisches Bundesamt)Kommentieren ...

Lese-Tipp: Michael Kraske fragt Journalisten, wie sie in Zukunft über die AfD berichten wollen.

Lese-Tipp: Michael Kraske geht für die Titelgeschichte des "Journalist" der Frage nach, welchen Anteil die Medien am Rechtsruck der deutschen Gesellschaft haben und wie sie künftig über die AfD berichten sollten. Medienwissenschaftler Bernd Gäbler, "Spiegel"-Redakteurin Melanie Amann und ZDF-Moderatorin Maybrit Illner sagen, die Berichterstattung sei notwendig, müsse aber sachlicher und souveräner werden. Provozierten Aufregern der Partei begegneten Journalisten am besten mit intensiver Recherche.
journalist-magazin.deKommentieren ...

"Staatspresse-Debatte": Stefan Niggemeier bezichtigt Mathias Döpfner der Lüge.

Mathias Döpfner hat ARD und ZDF sehr wohl als "gebührenfinanzierte Staats-Presse" bezeichnet, schreibt Stefan Niggemeier. Der BDZV verbreitete laut Niggemeier in seiner Entgegnung auf die Erklärung der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse daher einer Lüge, wenn er schreibe, Döpfner habe den Ausdruck nur in einem Konjunktiv-Szenario verwendet. Die Wiedergabe Döpfners sei daher auch nicht böswillig.
uebermedien.de, turi2.de (Background)2 Kommentare

Öffentlich-rechtliche Redakteure wehren sich in offenem Brief gegen Staatsfunk-Vorwürfe.

Journalisten: Die öffentlich-rechtlichen Redakteure von ARD, ZDF und Deutschlandfunk wenden sich in einem offenen Brief an ihre "lieben Kollegen in den Zeitungsredaktionen" und antworten auf deren Staatsfunk-Vorwürfe. Sie wünschen sich mehr Zusammenhalt "als Vermittler von profund recherchierten Informationen" und werfen den Kollegen vor, den Journalismus zu beschädigen. BDZV-Präsident Mathias Döpfner schreibt zurück: Er hält den Streit für ein "Missverständnis" und will gern persönlich und öffentlich mit den Redakteuren sprechen.
blog.agra-rundfunk.de, bdzv.de (Döpfner)Kommentieren ...

Bildblog: "Bild"-Autor Erik Trümper erfindet Zitate von CDU-Mann Michael Kretschmer.

Bildblog: "Bild"-Autor Autor Erik Trümper legt Michael Kretschmer, Generalsekretär des Sächsischen CDU-Landesverbandes, zwei Zitate über gepiercte Autofahrer und Sichtschneisen in Naturschutzgebieten in den Mund, die Kretschmer nicht gesagt hat. Bild.de und "Bild Leipzig" machen daraus mittelgroße Aufreger, die u.a. Focus Online, Vice und Netzpolitik.org ungeprüft abschreiben.
bildblog.deKommentieren ...

Sascha Lobo verteidigt Medien gegen Lügenpresse-Vorwurf.

Lügenpresse: Sascha Lobo fragt sich in seinem Spiegel-Online-Podcast, weshalb Nutzer den Medien immer weniger vertrauen. Seine Lösung: Journalisten sollten transparenter arbeiten und ihre Arbeitsweise damit auch erklären. Denn die Nutzer erfahren selten, "ob Journalisten Parteimitglieder sind und was ihre eigenen Interessen sein mögen." Ändern müssten sich die Medienhäuser auf jeden Fall, meint Lobo.
spiegel.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: fragebogen2 mit Sascha Lobo.

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Meinung: Christian Kern vergisst bei seiner Medienschelte seine eigene Rolle.

Bundeskanzler Christian KernChristian Kern: Die Medienschelte des abgewählten österreichischen Bundeskanzlers ist einseitig, meint Hans-Peter Siebenhaar. Kern habe sich in der Vergangenheit in seiner Gefallsucht auf den Boulevard eingelassen und sich als "Austro-Obama" feiern lassen. Auch für Österreich gelte, dass wer mit dem Boulevard nach oben fährt, mit ihm wieder im Aufzug nach unten fährt. Kern hätte dies wissen müssen. Er hat die Medien für seine Niederlage verantwortlich gemacht und den Boulevard-Medien eine Kampagne gegen ihn vorgeworfen.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Meinung: Medien sind für Schweigen und Pöbeleien in Debatten mitverantwortlich.

Medien sind mitschuldig, dass in der öffentlichen Diskussion vor allem merkeleskes Schweigen und rechtspopulistische Pöbeleien dominieren, meint Eva Menasse. Zwi­schen den Ex­tre­men Schwei­gen und Pö­beln sei offenbar für niemanden mehr Platz. Menasse wirft Meedia vor, den vom "Spiegel" aus großer Nähe beschriebenen Wahlkampf von Martin Schulz "gei­fernd zum Dolch­stoß um­zu­dich­ten". Anders als vom Branchendienst behauptet, gebe es in der Schulz-Story keinen Satz, der diesen als totalen Loser erscheinen lasse.
"Spiegel" 41/2017, S. 128-129 (Paid), turi2.de (Background)Kommentieren ...

"Spiegel" rät ARD und ZDF zum radikalen Neuanfang.


Anleitung zum Neuanfang: Der "Spiegel" analysiert in seiner elf-seitigen Titelgeschichte Die unheimliche Macht differenziert die Situation der öffentlich-rechtlichen Sender zwischen journalistischem Anspruch und seichter Massenunterhaltung, Legitimationskrise und Rechtfertigungsdruck. Das Autoren-Team, bestehend aus Markus Brauck, Hauke Goos, Isabell Hülsen und Alexander Kühn, fordert die Sender auf, das System komplett zu überdenken: In einem neuen Gesellschaftsvertrag müsste neu definiert werden, was der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Zukunft sein solle und "wo sie tatsächlich unersetzlich sind". Ernsthaft diese Frage zu stellen, hieße jedoch, "Abschied zu nehmen vom gebührenfinanzierten Allerlei". ARD und ZDF sollten all das, was andere besser können, diesen anderen überlassen: "Den Verlagen den Textjournalismus. Dem Privat-TV manche Unterhaltung. Den Streamingdiensten manche Serie."

Die "Spiegel"-Autoren sehen schwindenden Rückhalt für ARD und ZDF bei Publikum und Politik: "Komischerweise hat man derzeit den Eindruck, dass sich nicht die Anstalten von der Politik emanzipieren wollen, sondern, dass es die Parteien sind, die gerade Distanz zu ARD und ZDF suchen". Die Strahlkraft des Fernsehens sei weiter ungemein groß, doch ARD und ZDF machten Programm, so "wie Angela Merkel regiert. Irgendwo zwischen 'Sie kennen uns', 'In der Ruhe liegt die Kraft' und kulturellem Wachkoma". Informationssendungen hätten dann den größten Zuspruch, wenn sie in der Halbzeitpause vom Fußball laufen. Ein Grundproblem sehen die Autoren im derzeitigen System darin, dass "in der DNA der Sender das Bild vom unfertigen, eigentlich unpolitischem Bürger fortwirkt, der mit Trallala-Shows zum Schauen von Nachrichten überredet werden muss".

Selbst kleine Sparanstrengungen würden nur auf politischen Druck hin geschehen: "Es fehlt die Kraft für einen Neuanfang", doch das pure Vertrauen darauf, "dass es immer so weitergeht, dass die Politik immer weiter den schützenden Mantel über ARD und ZDF" hält, dürfte nicht ausreichen.
"Spiegel" 41/2017, S. 10-20 (Paid)5 Kommentare

Zitat: Verlegerin Julia Becker ärgert sich über falsche Berichte ihrer Yellow-Magazine.

"Dass Yellow Unterhaltung ist und immer auch etwas Spekulatives dazu gehört, ist selbstverständlich. Die Informationen dürfen nur nicht aus der Luft gegriffen sein, sondern müssen auf gründlicher Recherche beruhen."

Julia Becker, ab 2018 Funke-Verlegerin, ärgert sich, wenn Geschichten der Klatsch-Blätter von Funke an den Haaren herbeigezogen sind. Becker will über falsche Berichte diskutieren und den Redaktionen klarmachen, was untragbar ist, sagt sie im Interview mit "Kress Pro".
kress.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Bernhard Pörksen will ARD und ZDF den AfD-Erfolg nicht ankreiden.

AfD-Erfolg ist nicht auf die starke Präsenz in ARD und ZDF zurückzuführen, meint Medien-Professor Bernhard Pörksen. Populisten seien in der vernetzten Welt nicht mehr aufs Fernsehen angewiesen, seine Bedeutung schwinde. Kritik am TV lenke von den Versäumnissen der politischen Mitte ab, argumentiert Pörksen.
diepresse.com, turi2.de (Gegenmeinung)Kommentieren ...

David Schraven reagiert auf Studie über Correctiv.


Corrigiert: David Schraven, Gründer des gemeinnützigen Recherchebüros Correctiv, reagiert auf eine Studie von Medienwissenschaftler Volker Lilienthal, der die Redaktion im Sommer 2016 bei ihrer Arbeit beobachtet hat. Lilienthals Fazit: Überarbeitet, unkoordiniert und finanziell am Limit. Die Förderung der Brost-Stiftung falle geringer aus als bisher und sei an eine Überprüfung der Faktencheck-Aufgaben von Correctiv für Facebook geknüpft. Lilienthal habe "auf Basis von alten Informationen die falschen Schlüsse" gezogen, erwidert Schraven im Interview mit Meedia. Ein klärendes Gespräch mit Lilienthal vor Veröffentlichung der Studie konnte Correctiv "aufgrund von Zeitdruck" nicht wahrnehmen. Die Förderung sei keine jährlich fixe. "Es wäre sehr schön, wenn sich Lilienthal in diesem Punkt korrigiert. Das würde ihm keinen Zacken aus der Krone brechen", sagt Schraven.

Insgesamt ist der Correctiv-Chef Lilienthal aber "sehr dankbar, dass er seine Studie gemacht hat". Von der Transparenz, einen Medienwissenschaftler die Redaktion über dreieinhalb Monate begleiten zu lassen, hat sich Schraven versprochen, "Schwachstellen gerade in unserer Organisationsstruktur" zu erkennen und daraus zu lernen. Die Schwächen seien vor allem auf "Projektitis" zurückzuführen, weil die Redaktion mit zu vielen Einzelprojekten Kräfte bindet, die für andere Aufgaben fehlen. Correctiv konnte einige der Projektfinanzierungen bereits in feste Finanzierungen umwandeln und will kleinere Projekte, die zu viel Koordinierungsaufwand bedeuten, künftig lieber bleiben lassen.
meedia.de (Interview Schraven), nomos-elibrary.de (Studie Lilienthal)Kommentieren ...

BuzzFeed News: Medien sind mitschuldig am Erfolg der AfD.


Bad News are good News: BuzzFeed News versucht sich an einer wissenschaftlich fundierten Antwort auf die Frage, ob die Medien schuld am Aufstieg und Wahlerfolg der AfD sind. Die Studie des News-Portals mit dem Lehrstuhl für Political Data Science an der Hochschule für Politik in München sieht einen Zusammenhang zwischen dem Umfang der Berichterstattung und steigenden Umfragewerten. Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung lasse die Studie aber nicht zu, sagen die Forscher. Studien-Leiter Professor Simon Hegelich sagt, "hätten die Medien mehrere Wochen lang gar nicht über die AfD berichtet, wären die Umfragewerte fünf Punkte niedriger." Allerdings wären die Journalisten mit einem Todschweigen der Partei, "ihrem Auftrag sicherlich nicht nachgekommen".

Laut der Studie funktioniert für die AfD das Prinzip "Bad News are good News". Selbst wenn die Berichterstattung über die Partei kritisch oder negativ ist, steigen ihre Umfragewerte. Bei den etablierten Parteien wirken sich Negativ-Schlagzeilen dagegen eher als sinkende Umfragewerte aus. Als Konsequenz aus der Studie findet Hegelich es wichtig, "dass Journalistinnen und Journalisten sich ihrer Verantwortung bei der Berichterstattung bewusst sind".

Für die Untersuchung haben die Forscher die Häufigkeit der Nennung der "AfD" in der "Zeit" und bei Zeit Online in den Jahren 2015 und 2016 ausgewertet. Außerdem haben die Wissenschaftler die Suchanfragen bei Google und bei Google News nach der AfD und ihren prominenten Politikern von 2015 bis kurz vor der Wahl gezählt. Diese Daten haben die Studienmacher mit den Umfragewerten der großen Institute in Deutschland verglichen und bei allen Kurven steigende Tendenzen ausgemacht, auch wenn die Umfragen einzelne Spitzen in der Berichterstattung nicht abbilden. (Foto: dpa, BuzzFeed; Montage: turi2)
buzzfeed.com, politicaldatascience.blogspot.de (komplette Studie)Kommentieren ...

Meinung: Ulrike Simon findet Streit zwischen Verlagen und ARD und ZDF unerträglich.

Verlage vs. ARD und ZDF: Im Streit zwischen Verleger-Lobby und den Öffentlich-Rechtlichen bleiben Wahrheit und Anstand auf der Strecke, schreibt Ulrike Simon. Der Umgangston sei für jemanden, dem etwas an gutem Journalismus liege, "nur schwer erträglich". Mit ihrem Debattenstil schaden beide Seiten sich nur selbst.
daily.spiegel.deKommentieren ...

Rainald Becker: Es ist nicht unsere Aufgabe, eine Partei groß oder klein zu machen.

AfD-Berichterstattung: ARD und ZDF haben nicht die Aufgabe, eine Partei groß oder klein zu machen, meint ARD-Chefredakteur Rainald Becker. Da im vergangenen Wahlkampf die Themen der AfD im Fokus standen, habe die ARD darüber berichtet. Die AfD brauche die Öffentlich-Rechtlichen nicht, sagt Becker in den "Tagesthemen", denn bei der Meinungsbildung der AfD-Anhänger spielten ARD und ZDF nur eine "untergeordnete Rolle".
daserste.de (30-Min-Video, ab Min 9:40)

Korrektur: In einer früheren Fassung hieß es, Rainald Becker plädiere dafür, neutral über Wahlkämpfe zu berichten. Das geht aus dem O-Ton jedoch nicht explizit hervor.Kommentieren ...

SPÖ-Bundeskanzler streicht "Österreich" Anzeigen und Interviews.

Österreich: Bundeskanzler Christian Kern boykottiert die Mediengruppe Österreich. Der SPÖ-Politiker will dem Gratis-Boulevardblatt Österreich sowie dem Sender OE24.tv bis zur Parlamentswahl in drei Wochen keine Interviews mehr geben und streicht alle Inserate und Werbespots der SPÖ. Kern fühlt sich von "Österreich" verleumdet und wittert eine Kampagne gegen seine Person, schreibt er bei Facebook.
dwdl.de, newsroom.de, facebook.comKommentieren ...

Lese-Tipp: Stefan Niggemeier analysiert die Moderation der "Berliner Runde".

Lese-Tipp: Stefan Niggemeier seziert die Fragen von ZDF-Chefredakteur Peter Frey und ARD-Chefredakteur Rainald Becker an AfD-Spitzenmann Jörg Meuthen in der "Berliner Runde". Der Medienjournalist zeigt, dass die Moderatoren viele Varianten derselben Frage an Meuthen richten. An einer Stelle reagiere Becker empört, statt Meuthens Aussage nüchtern zu widerlegen. Dies helfe gar nicht. Ein Problem sei der "Überehrgeiz der Interviewer", die die AfD nicht nur befragen, sondern vorführen oder bloßstellen wollten, kritisiert Niggemeier.
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Zitat: Georg Diez macht ARD und ZDF für den AfD-Erfolg mitverantwortlich.

"Die Plasbergs dieser Welt haben den Einzug der AfD ins Parlament mitzuverantworten, weil sie so früh den reaktionären Kräften eine Bühne geboten haben."

"Spiegel"-Kolumnist Georg Diez kritisiert öffentlich-rechtliche Talkshows, die immer wieder AfD-Vertreter eingeladen haben. Damit sei eine Stimmung erzeugt worden, in der Stumpfsinn und Hass als Stimme im Bundestag normal erscheinen.
spiegel.deKommentieren ...

Springer bringt keine AfD- und Linke-Anzeigen, hilft der AfD aber dennoch.

bildlogoSpringer nimmt nicht von jedem Geld: AfD und Linke dürfen keine Wahl-Anzeigen in "Bild" oder "Welt" platzieren. Mats Schönauer meint, "Bild" habe aber auch redaktionell genug Stimmung im Sinne der AfD gemacht. Die Redaktion setze für Klicks bei Flüchtlings-Themen auf "irreführende Darstellungen, überskandalisierte Kleinigkeiten, Übertreibungen oder schlichtweg Lügen", die am Ende der AfD in den Bundestag helfen.
uebermedien.de (Anzeigen), uebermedien.de (Schönauer)Kommentieren ...

Meinung: Journalismus muss den Blickwinkel der Leser stärker erweitern.

Journalismus braucht eine größere Rückkopplung mit der Gesellschaft und der Lebenswirklichkeit der Bürger, meint Ulrik Haagerup, Gründer des Constructive Institutes für konstruktiven Journalismus. Journalisten müssten Geschichten erzählen, die den Blickwinkel der Leser und Zuschauer erweitern. Menschen wendeten sich von den Medien ab, weil sie die Nachrichten zu deprimierend fänden, sagt Haagerup im Interview mit kress.de. Für Leser sei es fesselnder, mögliche Lösungen zu diskutieren als wieder einmal zu lesen, was alles schief läuft.
kress.deKommentieren ...

Meinung: Blinde Flecken sind für Medien ein ernsteres Problem als Fake News.

Blinde Flecken sind für Medien ein größeres Problem als Fake News, meint Michael Hanfeld. Falschinformationen blieben vor allem in den sozialen Medien. Wer aber eine nüchterne Debatte über die Zunahme schwerer Gewalt- und Sexualverbrechen durch Flüchtlinge führen wolle, werde von Aktivisten und auch Journalisten in die rechte Ecke gestellt. Ein Herumeiern bei gesellschaftlichen Problemen nutze nur der AfD.
"FAZ", S. 14 (Paid)Kommentieren ...

Meinung: "Bild" verdreht Aussage von Peter Altmaier.

bildlogoBild lockt Kanzleramtsminister Peter Altermaier in die Falle und schlachtet das Ergebnis aus, kritisiert Stefan Niggemeier. Im Politik-Talk "Lilly Live" hatte Altmaier die Aussage "Es ist besser, AfD zu wählen, als nicht zu wählen" mit "Nein" beantwortet. "Bild" macht daraus einen "Riesenwirbel" und erweckt den Eindruck Altmaier finde Nicht-Wählen besser, als die AfD zu wählen. Agenturen, andere Medien und Politiker springen auf den Empörungszug auf, dass Altmaier auch gesagt hat "Ich plädiere übrigens nicht fürs Nicht-Wählen", fällt dabei oft unter den Tisch.
uebermedien.deKommentieren ...

Meinung: Zeitungskongress hinterlässt bei Ulrike Simon Widersprüchlichkeiten.

Zeitungskongress wirkt auf Ulrike Simon sehr ambivalent: Einerseits singt BDZV-Präsident Mathias Döpfner ein Loblied auf die Pressefreiheit, andererseits lädt der Verband Bundestrainer Jogi Löw zum PR-Gespräch mit seinem eigenen Pressesprecher ein. Auch das Ergebnis einer vorgestellten Allensbach-Studie scheint widersprüchlich: Die Mehrheit der Bevölkerung halte sich zwar für gut informiert, das Überangebot an Informationen sorge aber zugleich dafür, dass viele sich nur noch "nach Bedarf" informierten und 15 Minuten am Tag für ausreichend hielten.
horizont.netKommentieren ...

Zitat: Martin Schulz beobachtet besondere Regeln im Hauptstadt-Journalismus.

"Es gibt be­stimm­te Re­ak­tio­nen, die darf man in Berlin nicht zei­gen, etwa, dass man sich ver­letzt fühlt. Tut man es doch, kriegt man im bes­ten Fall einen mit­lei­di­gen Ar­ti­kel nach dem Mot­to: Lie­ber Kerl, aber er ist dem Ding nicht ge­wach­sen."

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz stellt im Hauptstadt-Journalismus einen Druck fest, sich an bestimmte Regeln anzupassen. Man dürfe in all den Re­geln nicht ver­lo­ren gehen, sagt er im Interview mit dem "Spiegel".
"Spiegel" 38/2017, S. 22-25 (Paid)Kommentieren ...