Meinung: Christian Kern vergisst bei seiner Medienschelte seine eigene Rolle.

Bundeskanzler Christian KernChristian Kern: Die Medienschelte des abgewählten österreichischen Bundeskanzlers ist einseitig, meint Hans-Peter Siebenhaar. Kern habe sich in der Vergangenheit in seiner Gefallsucht auf den Boulevard eingelassen und sich als "Austro-Obama" feiern lassen. Auch für Österreich gelte, dass wer mit dem Boulevard nach oben fährt, mit ihm wieder im Aufzug nach unten fährt. Kern hätte dies wissen müssen. Er hat die Medien für seine Niederlage verantwortlich gemacht und den Boulevard-Medien eine Kampagne gegen ihn vorgeworfen.
handelsblatt.com, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Meinung: Medien sind für Schweigen und Pöbeleien in Debatten mitverantwortlich.

Medien sind mitschuldig, dass in der öffentlichen Diskussion vor allem merkeleskes Schweigen und rechtspopulistische Pöbeleien dominieren, meint Eva Menasse. Zwi­schen den Ex­tre­men Schwei­gen und Pö­beln sei offenbar für niemanden mehr Platz. Menasse wirft Meedia vor, den vom "Spiegel" aus großer Nähe beschriebenen Wahlkampf von Martin Schulz "gei­fernd zum Dolch­stoß um­zu­dich­ten". Anders als vom Branchendienst behauptet, gebe es in der Schulz-Story keinen Satz, der diesen als totalen Loser erscheinen lasse.
"Spiegel" 41/2017, S. 128-129 (Paid), turi2.de (Background)Kommentieren ...

"Spiegel" rät ARD und ZDF zum radikalen Neuanfang.


Anleitung zum Neuanfang: Der "Spiegel" analysiert in seiner elf-seitigen Titelgeschichte Die unheimliche Macht differenziert die Situation der öffentlich-rechtlichen Sender zwischen journalistischem Anspruch und seichter Massenunterhaltung, Legitimationskrise und Rechtfertigungsdruck. Das Autoren-Team, bestehend aus Markus Brauck, Hauke Goos, Isabell Hülsen und Alexander Kühn, fordert die Sender auf, das System komplett zu überdenken: In einem neuen Gesellschaftsvertrag müsste neu definiert werden, was der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Zukunft sein solle und "wo sie tatsächlich unersetzlich sind". Ernsthaft diese Frage zu stellen, hieße jedoch, "Abschied zu nehmen vom gebührenfinanzierten Allerlei". ARD und ZDF sollten all das, was andere besser können, diesen anderen überlassen: "Den Verlagen den Textjournalismus. Dem Privat-TV manche Unterhaltung. Den Streamingdiensten manche Serie."

Die "Spiegel"-Autoren sehen schwindenden Rückhalt für ARD und ZDF bei Publikum und Politik: "Komischerweise hat man derzeit den Eindruck, dass sich nicht die Anstalten von der Politik emanzipieren wollen, sondern, dass es die Parteien sind, die gerade Distanz zu ARD und ZDF suchen". Die Strahlkraft des Fernsehens sei weiter ungemein groß, doch ARD und ZDF machten Programm, so "wie Angela Merkel regiert. Irgendwo zwischen 'Sie kennen uns', 'In der Ruhe liegt die Kraft' und kulturellem Wachkoma". Informationssendungen hätten dann den größten Zuspruch, wenn sie in der Halbzeitpause vom Fußball laufen. Ein Grundproblem sehen die Autoren im derzeitigen System darin, dass "in der DNA der Sender das Bild vom unfertigen, eigentlich unpolitischem Bürger fortwirkt, der mit Trallala-Shows zum Schauen von Nachrichten überredet werden muss".

Selbst kleine Sparanstrengungen würden nur auf politischen Druck hin geschehen: "Es fehlt die Kraft für einen Neuanfang", doch das pure Vertrauen darauf, "dass es immer so weitergeht, dass die Politik immer weiter den schützenden Mantel über ARD und ZDF" hält, dürfte nicht ausreichen.
"Spiegel" 41/2017, S. 10-20 (Paid)5 Kommentare

Zitat: Verlegerin Julia Becker ärgert sich über falsche Berichte ihrer Yellow-Magazine.

"Dass Yellow Unterhaltung ist und immer auch etwas Spekulatives dazu gehört, ist selbstverständlich. Die Informationen dürfen nur nicht aus der Luft gegriffen sein, sondern müssen auf gründlicher Recherche beruhen."

Julia Becker, ab 2018 Funke-Verlegerin, ärgert sich, wenn Geschichten der Klatsch-Blätter von Funke an den Haaren herbeigezogen sind. Becker will über falsche Berichte diskutieren und den Redaktionen klarmachen, was untragbar ist, sagt sie im Interview mit "Kress Pro".
kress.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Bernhard Pörksen will ARD und ZDF den AfD-Erfolg nicht ankreiden.

AfD-Erfolg ist nicht auf die starke Präsenz in ARD und ZDF zurückzuführen, meint Medien-Professor Bernhard Pörksen. Populisten seien in der vernetzten Welt nicht mehr aufs Fernsehen angewiesen, seine Bedeutung schwinde. Kritik am TV lenke von den Versäumnissen der politischen Mitte ab, argumentiert Pörksen.
diepresse.com, turi2.de (Gegenmeinung)Kommentieren ...

David Schraven reagiert auf Studie über Correctiv.


Corrigiert: David Schraven, Gründer des gemeinnützigen Recherchebüros Correctiv, reagiert auf eine Studie von Medienwissenschaftler Volker Lilienthal, der die Redaktion im Sommer 2016 bei ihrer Arbeit beobachtet hat. Lilienthals Fazit: Überarbeitet, unkoordiniert und finanziell am Limit. Die Förderung der Brost-Stiftung falle geringer aus als bisher und sei an eine Überprüfung der Faktencheck-Aufgaben von Correctiv für Facebook geknüpft. Lilienthal habe "auf Basis von alten Informationen die falschen Schlüsse" gezogen, erwidert Schraven im Interview mit Meedia. Ein klärendes Gespräch mit Lilienthal vor Veröffentlichung der Studie konnte Correctiv "aufgrund von Zeitdruck" nicht wahrnehmen. Die Förderung sei keine jährlich fixe. "Es wäre sehr schön, wenn sich Lilienthal in diesem Punkt korrigiert. Das würde ihm keinen Zacken aus der Krone brechen", sagt Schraven.

Insgesamt ist der Correctiv-Chef Lilienthal aber "sehr dankbar, dass er seine Studie gemacht hat". Von der Transparenz, einen Medienwissenschaftler die Redaktion über dreieinhalb Monate begleiten zu lassen, hat sich Schraven versprochen, "Schwachstellen gerade in unserer Organisationsstruktur" zu erkennen und daraus zu lernen. Die Schwächen seien vor allem auf "Projektitis" zurückzuführen, weil die Redaktion mit zu vielen Einzelprojekten Kräfte bindet, die für andere Aufgaben fehlen. Correctiv konnte einige der Projektfinanzierungen bereits in feste Finanzierungen umwandeln und will kleinere Projekte, die zu viel Koordinierungsaufwand bedeuten, künftig lieber bleiben lassen.
meedia.de (Interview Schraven), nomos-elibrary.de (Studie Lilienthal)Kommentieren ...

BuzzFeed News: Medien sind mitschuldig am Erfolg der AfD.


Bad News are good News: BuzzFeed News versucht sich an einer wissenschaftlich fundierten Antwort auf die Frage, ob die Medien schuld am Aufstieg und Wahlerfolg der AfD sind. Die Studie des News-Portals mit dem Lehrstuhl für Political Data Science an der Hochschule für Politik in München sieht einen Zusammenhang zwischen dem Umfang der Berichterstattung und steigenden Umfragewerten. Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung lasse die Studie aber nicht zu, sagen die Forscher. Studien-Leiter Professor Simon Hegelich sagt, "hätten die Medien mehrere Wochen lang gar nicht über die AfD berichtet, wären die Umfragewerte fünf Punkte niedriger." Allerdings wären die Journalisten mit einem Todschweigen der Partei, "ihrem Auftrag sicherlich nicht nachgekommen".

Laut der Studie funktioniert für die AfD das Prinzip "Bad News are good News". Selbst wenn die Berichterstattung über die Partei kritisch oder negativ ist, steigen ihre Umfragewerte. Bei den etablierten Parteien wirken sich Negativ-Schlagzeilen dagegen eher als sinkende Umfragewerte aus. Als Konsequenz aus der Studie findet Hegelich es wichtig, "dass Journalistinnen und Journalisten sich ihrer Verantwortung bei der Berichterstattung bewusst sind".

Für die Untersuchung haben die Forscher die Häufigkeit der Nennung der "AfD" in der "Zeit" und bei Zeit Online in den Jahren 2015 und 2016 ausgewertet. Außerdem haben die Wissenschaftler die Suchanfragen bei Google und bei Google News nach der AfD und ihren prominenten Politikern von 2015 bis kurz vor der Wahl gezählt. Diese Daten haben die Studienmacher mit den Umfragewerten der großen Institute in Deutschland verglichen und bei allen Kurven steigende Tendenzen ausgemacht, auch wenn die Umfragen einzelne Spitzen in der Berichterstattung nicht abbilden. (Foto: dpa, BuzzFeed; Montage: turi2)
buzzfeed.com, politicaldatascience.blogspot.de (komplette Studie)Kommentieren ...

Meinung: Ulrike Simon findet Streit zwischen Verlagen und ARD und ZDF unerträglich.

Verlage vs. ARD und ZDF: Im Streit zwischen Verleger-Lobby und den Öffentlich-Rechtlichen bleiben Wahrheit und Anstand auf der Strecke, schreibt Ulrike Simon. Der Umgangston sei für jemanden, dem etwas an gutem Journalismus liege, "nur schwer erträglich". Mit ihrem Debattenstil schaden beide Seiten sich nur selbst.
daily.spiegel.deKommentieren ...

Rainald Becker: Es ist nicht unsere Aufgabe, eine Partei groß oder klein zu machen.

AfD-Berichterstattung: ARD und ZDF haben nicht die Aufgabe, eine Partei groß oder klein zu machen, meint ARD-Chefredakteur Rainald Becker. Da im vergangenen Wahlkampf die Themen der AfD im Fokus standen, habe die ARD darüber berichtet. Die AfD brauche die Öffentlich-Rechtlichen nicht, sagt Becker in den "Tagesthemen", denn bei der Meinungsbildung der AfD-Anhänger spielten ARD und ZDF nur eine "untergeordnete Rolle".
daserste.de (30-Min-Video, ab Min 9:40)

Korrektur: In einer früheren Fassung hieß es, Rainald Becker plädiere dafür, neutral über Wahlkämpfe zu berichten. Das geht aus dem O-Ton jedoch nicht explizit hervor.Kommentieren ...

SPÖ-Bundeskanzler streicht "Österreich" Anzeigen und Interviews.

Österreich: Bundeskanzler Christian Kern boykottiert die Mediengruppe Österreich. Der SPÖ-Politiker will dem Gratis-Boulevardblatt Österreich sowie dem Sender OE24.tv bis zur Parlamentswahl in drei Wochen keine Interviews mehr geben und streicht alle Inserate und Werbespots der SPÖ. Kern fühlt sich von "Österreich" verleumdet und wittert eine Kampagne gegen seine Person, schreibt er bei Facebook.
dwdl.de, newsroom.de, facebook.comKommentieren ...

Lese-Tipp: Stefan Niggemeier analysiert die Moderation der "Berliner Runde".

Lese-Tipp: Stefan Niggemeier seziert die Fragen von ZDF-Chefredakteur Peter Frey und ARD-Chefredakteur Rainald Becker an AfD-Spitzenmann Jörg Meuthen in der "Berliner Runde". Der Medienjournalist zeigt, dass die Moderatoren viele Varianten derselben Frage an Meuthen richten. An einer Stelle reagiere Becker empört, statt Meuthens Aussage nüchtern zu widerlegen. Dies helfe gar nicht. Ein Problem sei der "Überehrgeiz der Interviewer", die die AfD nicht nur befragen, sondern vorführen oder bloßstellen wollten, kritisiert Niggemeier.
uebermedien.deKommentieren ...

Zitat: Georg Diez macht ARD und ZDF für den AfD-Erfolg mitverantwortlich.

"Die Plasbergs dieser Welt haben den Einzug der AfD ins Parlament mitzuverantworten, weil sie so früh den reaktionären Kräften eine Bühne geboten haben."

"Spiegel"-Kolumnist Georg Diez kritisiert öffentlich-rechtliche Talkshows, die immer wieder AfD-Vertreter eingeladen haben. Damit sei eine Stimmung erzeugt worden, in der Stumpfsinn und Hass als Stimme im Bundestag normal erscheinen.
spiegel.deKommentieren ...

Springer bringt keine AfD- und Linke-Anzeigen, hilft der AfD aber dennoch.

bildlogoSpringer nimmt nicht von jedem Geld: AfD und Linke dürfen keine Wahl-Anzeigen in "Bild" oder "Welt" platzieren. Mats Schönauer meint, "Bild" habe aber auch redaktionell genug Stimmung im Sinne der AfD gemacht. Die Redaktion setze für Klicks bei Flüchtlings-Themen auf "irreführende Darstellungen, überskandalisierte Kleinigkeiten, Übertreibungen oder schlichtweg Lügen", die am Ende der AfD in den Bundestag helfen.
uebermedien.de (Anzeigen), uebermedien.de (Schönauer)Kommentieren ...

Meinung: Journalismus muss den Blickwinkel der Leser stärker erweitern.

Journalismus braucht eine größere Rückkopplung mit der Gesellschaft und der Lebenswirklichkeit der Bürger, meint Ulrik Haagerup, Gründer des Constructive Institutes für konstruktiven Journalismus. Journalisten müssten Geschichten erzählen, die den Blickwinkel der Leser und Zuschauer erweitern. Menschen wendeten sich von den Medien ab, weil sie die Nachrichten zu deprimierend fänden, sagt Haagerup im Interview mit kress.de. Für Leser sei es fesselnder, mögliche Lösungen zu diskutieren als wieder einmal zu lesen, was alles schief läuft.
kress.deKommentieren ...

Meinung: Blinde Flecken sind für Medien ein ernsteres Problem als Fake News.

Blinde Flecken sind für Medien ein größeres Problem als Fake News, meint Michael Hanfeld. Falschinformationen blieben vor allem in den sozialen Medien. Wer aber eine nüchterne Debatte über die Zunahme schwerer Gewalt- und Sexualverbrechen durch Flüchtlinge führen wolle, werde von Aktivisten und auch Journalisten in die rechte Ecke gestellt. Ein Herumeiern bei gesellschaftlichen Problemen nutze nur der AfD.
"FAZ", S. 14 (Paid)Kommentieren ...

Meinung: "Bild" verdreht Aussage von Peter Altmaier.

bildlogoBild lockt Kanzleramtsminister Peter Altermaier in die Falle und schlachtet das Ergebnis aus, kritisiert Stefan Niggemeier. Im Politik-Talk "Lilly Live" hatte Altmaier die Aussage "Es ist besser, AfD zu wählen, als nicht zu wählen" mit "Nein" beantwortet. "Bild" macht daraus einen "Riesenwirbel" und erweckt den Eindruck Altmaier finde Nicht-Wählen besser, als die AfD zu wählen. Agenturen, andere Medien und Politiker springen auf den Empörungszug auf, dass Altmaier auch gesagt hat "Ich plädiere übrigens nicht fürs Nicht-Wählen", fällt dabei oft unter den Tisch.
uebermedien.deKommentieren ...

Meinung: Zeitungskongress hinterlässt bei Ulrike Simon Widersprüchlichkeiten.

Zeitungskongress wirkt auf Ulrike Simon sehr ambivalent: Einerseits singt BDZV-Präsident Mathias Döpfner ein Loblied auf die Pressefreiheit, andererseits lädt der Verband Bundestrainer Jogi Löw zum PR-Gespräch mit seinem eigenen Pressesprecher ein. Auch das Ergebnis einer vorgestellten Allensbach-Studie scheint widersprüchlich: Die Mehrheit der Bevölkerung halte sich zwar für gut informiert, das Überangebot an Informationen sorge aber zugleich dafür, dass viele sich nur noch "nach Bedarf" informierten und 15 Minuten am Tag für ausreichend hielten.
horizont.netKommentieren ...

Zitat: Martin Schulz beobachtet besondere Regeln im Hauptstadt-Journalismus.

"Es gibt be­stimm­te Re­ak­tio­nen, die darf man in Berlin nicht zei­gen, etwa, dass man sich ver­letzt fühlt. Tut man es doch, kriegt man im bes­ten Fall einen mit­lei­di­gen Ar­ti­kel nach dem Mot­to: Lie­ber Kerl, aber er ist dem Ding nicht ge­wach­sen."

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz stellt im Hauptstadt-Journalismus einen Druck fest, sich an bestimmte Regeln anzupassen. Man dürfe in all den Re­geln nicht ver­lo­ren gehen, sagt er im Interview mit dem "Spiegel".
"Spiegel" 38/2017, S. 22-25 (Paid)Kommentieren ...

Presserat rügt "Bild"-Fahndung nach G20-Gewalttätern.

Presserat missbilligt den Aufruf von "Bild", G20-Gewalttäter an die Polizei zu melden. Es gehöre "nicht zur Aufgabe der Presse", ohne Ersuchen der Staatsanwaltschaft selbständig nach Bürgern zu fahnden, urteilt der Presserat. Die "FAZ" erhält eine Rüge für einen Kommentar über die Ehe für alle. Weitere Rügen gibt es u.a. für das "Traunsteiner Tagblatt" und die Magdeburger "Volksstimme" wegen verschwiegener Doppelfunktion eines Autors. Focus Online und "Freizeit Heute" rügt der Presserat für Schleichwerbung.
meedia.de, presserat.deKommentieren ...

Meinung: Silke Burmester ärgert sich über rückständiges Frauenbild in Frauenmagazinen.

Frauenzeitschriften vermitteln ein rückständiges Frauenbild, ärgert sich Silke Burmester. Die Magazine stellten Frauen oft als "bedürftige, fast orientierungslose Menge" dar, "die dringend schöne Ermunterungsgeschichten braucht". Nur wenige Magazine vermitteln den Eindruck, "dass es ihnen ernst sein könnte, mit dem, was sie ihrer Zielgruppe anbieten."
sueddeutsche.deKommentieren ...

RBB verpasst Moderator Jörg Thadeusz einen Warnschuss nach CDU-Auftritt.

RBB missbilligt einen Auftritt von Moderator Jörg Thadeusz für die CDU. Dies sei ihm "in aller Deutlichkeit" übermittelt worden. Thadeusz interviewt derzeit Politiker in seiner RBB-Sendung "Fahrbereitschaft", Samstag ließ er sich von der CDU für ein Merkel-Interview einspannen. In Twitter-Diskussionen wollte Thadeusz seinen Fehler nicht einsehen, dokumentiert Stefan Niggemeier.
uebermedien.deKommentieren ...

Jutta Ditfurth kritisiert Skripte und Einklatscher bei Talk-Shows.

Jutta Ditfurth kritisiert die deutschen TV-Talkshows heftig. Die Talkshows hätten so detaillierte Skripte, dass sie ihre Sendungen "wohl vermutlich ohne Gäste machen" könnten. Bei Maybrit Illner säßen Redakteure im Publikum, um das Klatschen anzufeuern. Markus Lanz unterhalte das Publikum vor der Sendung mit einem Animateur, der während des Talks als Einklatscher wirke, sagt die Publizistin, wegen der Wolfgang Bosbach eine "Maischberger"-Sendung verlassen hatte.
"FAS", S. 51 (Paid), turi2.de (Background)Kommentieren ...

Meinung: Politische Talkshows haben Reformbedarf.

Talkshows: Hans Hütt arbeitet sich an der Dramaturgie der politischen Talkshow ab. Faktenchecks seien naiv, da es selten wirklich um die Zahl gehe. Wolfgang Bosbach übertöne wortreich sinnvollere Diskurse. AfDler mit Zitaten ihrer Kollegen zu konfrontieren, sei vergebene Mühe - lieber sollten Moderatoren sie nach von ihnen übergangenen Politikfeldern fragen. Es fehle einigen Moderatoren an Distanz und Exaktheit in ihrem Rollenverständnis.
sueddeutsche.deKommentieren ...

Das ARD-Radiofestival ist schön, gefährdet aber die Vielfalt, findet Stefan Fischer.

ARD-Radiofestival, bei dem im Sommer WDR 3, NDR Kultur, SWR 2, HR 2, SR 2, Bremen 2, MDR Kultur und Kulturradio RBB neun Wochen lang abends dasselbe senden, könnte keiner der Kultursender allein stemmen, andererseits widerspricht es dem Prinzip des Föderalismus und gefährdet die Vielfalt, schreibt Stefan Fischer. Diese Unterschiedlichkeit sei schließlich die Existenzberechtigung für neun ARD-Landesrundfunkanstalten mit jeweils mehreren Radioprogrammen.
sueddeutsche.deKommentieren ...

Hans Hoff bezweifelt, dass gerügte ARD-Talkshows besser werden.

Medienkritik: Die vom Rundfunkrat des WDR gerügten Polittalksendungen der ARD laufen unverändert, beobachtet Hans Hoff. Frank Plasberg und Sandra Maischberger wurden bereits 2012 und 2015 und nun erneut dafür kritisiert, in ihren Talkshows bei Politikthemen reißerisch zuzuspitzen, die Gästeauswahl sei auch zu einseitig. Hoff glaubt nicht, dass sich in Zukunft etwas ändert.
Süddeutsche Zeitung, S. 12 (Paid)Kommentieren ...

Drogenbeauftragte vermisst Interesse der Games-Branche am Schutz vor Spielsucht.

Spiele-Messe Gamescom erntet Kritik von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler. Die Games-Branche unternehme zu wenig zum Schutz Jugendlicher vor Spielsucht, sagt Mortler. Sie sehe "kein sonderliches Interesse" der Hersteller, junge Spieler besser vor Suchtgefahren zu schützen. Bis Samstag haben 350.000 Besucher die Gamescom in Köln besucht, so viele wie nie zuvor.
horizont.netKommentieren ...

"stern"-Chef Christian Krug steht zum Nazi-Trump-Titel.

stern verteidigt das "Sein Kampf"-Cover, das US-Präsident Trump beim Hitlergruß zeigt. Chefredakteur Christian Krug sieht die Geste als Gruß Richtung Charlottesville. Mit den dortigen Demonstranten habe sich Trump gemein gemacht. Das Cover zeige Trump nicht als Hitler, sondern als Nazi.
meedia.de, turi2.de ("FAZ"-Kritik), turi2.de (Zentralrat-Kritik)Kommentieren ...

Zitat: Josef Schuster kritisiert "stern"-Cover als Verharmlosung der Nazis.

"Präsident Trump aber mit Hitlergruß und dem Untertitel 'Sein Kampf' abzubilden, verharmlost das eliminatorische Wirken der Nationalsozialisten und relativiert Hitlers ideologische Propagandaschrift 'Mein Kampf'."

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, fordert den "stern" auf, von Effekthaschereien wie dem Cover, das Donald Trump in Hitler-Pose zeigt, die Finger zu lassen.
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Meinung: "stern" hat aus gefälschten Hitler-Tagebüchern nichts gelernt.

stern hat aus der Pleite mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern nichts gelernt, meint Michael Hanfeld. Das Cover mit Trump, der den Hitler-Gruß macht, und dem Slogan "Sein Kampf" sorge zwar für maximale Aufmerksamkeit, könne dem Magazin aber auch den Preis für die stumpfsinnigste Titelei des Jahres einbringen. Mit dem Bild sei der "stern" nicht weit entfernt von den Darstellungen Angela Merkels in NS-Kluft, die nationalistische Blätter im Ausland veröffentlichen.
faz.net, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Meinung: Medien machen den Terrorismus erst wirklich gefährlich.

Medien machen mit ihren vielen Berichten über Terror-Anschläge den in Deutschland relativ ungefährlichen Terrorismus gefährlich, meint "Zeit"-Autor Bastian Berbner. Dies sei ein riesiger Erfolg für die Terroristen. Die Berichterstattung gebäre neuen Terrorismus. Da Medien andererseits Informationen nicht unterdrücken könnten, sei der einzige Weg zu weniger Terror-Berichten, dass die Leser abstumpfen und sich für die Taten weniger interessieren.
"Zeit", 35/2017, S. 13 (Paid)Kommentieren ...

Anna Hunger fragt die Branche, was sie vom Verteilen des "Deutschland-Kuriers" hält.

Werbe-Verantwortung: Anna Hunger fragt die Branche, ob die Südwestdeutsche Medienholding verantwortungslos handelt, wenn sie im "Stuttgarter Wochenende" den rechten "Deutschland-Kurier" als Beilage mitverteilt. Der DJV findet die Angelegenheit irritierend, Madsack äußert sich nur schwammig, Schwäbisch Media stellt sich gegen das Hetzblatt. Der BDZV will sich in wirtschaftliche Belange der Verlage nicht einmischen. DuMont distanziert sich, auch, weil die Postille dem "Berliner Kurier" optisch arg ähnelt. Der Presserat hält den "Deutschland-Kurier" eher für "ein Vereinsblatt".
kontextwochenzeitung.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Meinung: Medien sollten ihre Rolle bei den Rufmord-Vorwürfen hinterfragen.

Rufmord-Vorwürfe: Die Medien nehmen den Fall des angeblichen Maschmeyer-Whistleblowers Stefan Schabirosky nicht als Anlass zur Selbstkritik, kritisiert Uwe Vorkötter. Mit Interviews und Vorabdrucken von Schabiroskys Buch bereiteten die Journalisten dem "charakterlosen Rufmörder" heute wieder die Bühne. Fassungslos macht Vorkötter, dass Journalisten und PR-Leute offenbar nichts aus früheren PR- und Medienaffären gelernt haben.
horizont.net, turi2.de (Background)Kommentieren ...

"Handelsblatt" interviewt Maschmeyer-Rufschädiger Stefan Schabirosky.

Handelsblatt interviewt Stefan Schabirosky, der angeblich eine groß angelegte Schmutzkampagne gegen Carsten Maschmeyer gefahren und vom Konkurrenzunternehmen DVAG bezahlt bekommen hat. Schabirosky sagt, mit seinem Enthüllungsbuch wolle er reinen Tisch machen, Maschmeyer bezahle ihn nicht dafür. Er habe sich an Maschmeyer gewandt, um sein Gewissen zu erleichtern und in der Hoffnung, Maschmeyer verklage die DVAG. Die meisten Insiderinformationen, die Schabirosky hatte, seien gar nicht dramatisch, aber leicht aufzubauschen gewesen. Die Journalisten hätten irgendwann nicht mehr richtig geprüft, was er ihnen anbot. 2014 und 2015 habe er versucht, sich erst dem "stern" und dann dem NDR zu offenbaren, beide Medien seien aber nicht darauf eingegangen. Maschmeyer und er hätten sich inzwischen ausgesprochen.
"Handelsblatt", S. 28 (Paid)Kommentieren ...

Thomas Tuma findet, Journalisten sollten Schabiroskys Enthüllungen als Anlass zur Selbstreflexion sehen.

Medienkritik: Der Fall Maschmeyer-Schabirosky sollte Journalisten Anlass zur Selbstreflexion geben, findet Thomas Tuma. Schabiroskys Enthüllungen zeigten, wie einfach es sei, anonyme Anzeigen einzureichen – und wie daraus oft harte Storys würden. In Zeiten von Fake News und PR-Schattenmännern brauche es mehr denn je "unabhängige Einordner" und sorgfältige Journalisten.
"Handelsblatt", S. 22 (Paid)Kommentieren ...

Alf Frommer findet es kleingeistig, Leo Fischer vom "Zeit Magazin"-Twitteraccount abzuziehen.

Satire: Leo Fischer (Foto) hat dem "Zeit Magazin"-Twitteraccount gut getan, findet Alf Frommer. Er bedauert den schnellen Abbruch der Übernahme. Der Satiriker habe den Magazinmachern und -lesern, die sich weltoffen und tolerant finden, den Spiegel vorgehalten. Frommer wundert sich, dass beim "Zeit Magazin" niemand mit diesem Ausmaß Satire gerechnet hat. Wahre Satiriker dürften sich nicht zurückhalten, nur weil sie vermeintlich auf der "gleichen Seite" stehen wie die, gegen die sich ihre Satire richtet.
kress.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Zitat: Chelsea Manning kritisiert US-Zeitungen für Desinteresse an ihrem Material.

"2010 bin ich quer durch Washington D.C. geturnt, um die 'Washington Post' zur Veröffentlichung dieses Materials zu bringen, und dann bin ich zur 'New York Times' gegangen."

Whistleblowerin Chelsea Manning kritisiert im Interview mit der "Vogue", die "Washington Post" und die "New York Times" hätten kein Interesse an ihren geheimen Dokumenten gezeigt. Deshalb sei sie mit ihrem Material zu Wikileaks gegangen.
sueddeutsche.deKommentieren ...