Junge Zielgruppen: "FAZ" setzt auf Social, "Zeit" auf Podcasts.

Lese-Tipp: Große Verlage versuchen mit unterschiedlichen Strategien, junge Zielgruppen im Netz zu gewinnen, beobachtet Henrik Rampe. FAZ-Chef Thomas Lindner setzt auf Social Media und verzichtet auf ein Jugendportal, weil die "FAZ" nicht hippes Jugendmagazin spielen will. Zeit-Online-Chef Christian Röpke hat elf Podcasts im Portfolio, die nicht direkt Abos generieren, aber die Marke bilden sollen.
horizont.net

Mats Hummels startet mit seinem Bruder einen Podcast.

Podcast: Mats Hummels und sein Bruder Jonas starten "Alleine ist schwer". Alle zwei Wochen sprechen der Ex-Fußball-Nationalspieler, der kommende Saison wieder für Borussia Dortmund spielt, und sein Bruder, der nach seinem Karriereende als Experte für Dazn tätig ist, über verschiedene Sportthemen. Die erste, rund einstündige Folge ist seit heute online.
welt.de, open.spotify.com (Podcast bei Spotify), podcasts.apple.com (Podcast bei iTunes)

Hör-Tipp: Aktionismus im Internet agiert schneller als die Politik.

Hör-Tipp: Virale Spendenaktionen wie für die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete (Foto) kompensieren "politische Leerstellen", sagt der Soziologe Dirk Baecker im Gespräch mit Deutschlandfunk. Massenmedien seien schon immer dafür geeignet, Bewegungen loszutreten. Multimedialität verstärke die emotionale Ergriffenheit. Die Politik unterschätze Influencer.
deutschlandfunkkultur.de (11-Min-Audio), deutschlandfunkkultur.de (Artikel), turi2.de (Background)

SevenOne Ad Factory löst OMR bei Winterscheidt-Podcast ab.

Alle Wege führen nach Ruhm, Podcast von Joko Winterscheidt und Paul Ripke und einer der reichweitenstärksten Deutschlands, wechselt den Vermarkter: Statt OMR darf nun SevenOne Ad Factory ans Steuer. Die P7S1-Tochter will unter dem Kürzel AWFNR ein eigenes Podcast-Label mit weiteren Reihen starten. Bisher betreibt sie rund 20 Podcasts, die v.a. TV-Sendungen wie "Galileo" und "Germany's Next Topmodel" flankieren.
horizont.net

RTL verfilmt "Faking Hitler" vom "stern" und überträgt Herz-OP live.

Mediengruppe RTL macht aus dem "stern"-Podcast Faking Hitler eine TV-Serie. Die Hitler-Tagebücher-Story ist die erste fiktionale Kooperation für die Content Alliance der Bertelsmann-Unternehmen. RTL baut zudem auf Live-Events im TV: Der Sender will eine Herz-OP live übertragen und Ostern 2020 "Die Passion" als Musikshow.
horizont.net, kommunikation.mediengruppe-rtl.de

Zahl des Tages: US-Umsatz mit Podcast-Werbung soll bis 2021 auf 1 Mrd Dollar steigen.

Zahl des Tages: Auf rund 1 Mrd Dollar soll der Werbeumsatz mit Podcasts bis 2021 in den USA steigen, errechnet Guggenheim. Aktuell lägen die Umsätze noch nicht einmal halb so hoch, seien jedoch im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte gewachsen. Profiteur könnte Spotify werden. Die Schweden investieren kräftig in Podcasts und könnten bis zu einem Viertel der Umsätze abgreifen.
businessinsider.de

Berufe mit Zukunft: N wie New-Work-Experte – Michael Trautmann.


On the Way to New Work: Michael Trautmann, Unternehmer, Agenturmann und Marketingberater, ist mitschuldig am Trendthema Neues Arbeiten. Für die turi2 edition #8 trifft Peter Turi den Wellen-Reiter Trautmann und porträtiert ihn in unserem Berufe-Alphabet als virtuosen Vermarkter und Vordenker. Lesen Sie das ganze Porträt über New-Work-Experte Michael Trautmann hier als Online-Text oder hier im kostenlosen PDF des Buchs und hören Sie hier den Podcast.

Werbungtreibende können auf Spotify gezielt Podcast-Hörer ansprechen.


Worth the hype: Spotify nutzt den anhaltenden Podcast-Trend, um Werbe-Euros rollen zu lassen – Werbungtreibende in zehn Ländern, u.a. den USA, Frankreich, Deutschland und Australien, können die Podcast-Hörer unter den Gratis-Nutzern künftig gezielter adressieren. Spotify zählt monatlich inzwischen 123 Mio Nutzer seines Gratis-Angebots.

Der Streamingdienst will die Podcast-Werbeformate weiter ausbauen. Die passgenaue Vermarktung hat das Unternehmen im Pilotprojekt mit Samsung und 3M getestet. Podcast-Targeting gilt als lukrativer als Musik-Targeting: Aus den Podcast-Themen können Werbungtreibende die Interessen der Nutzer besser ableiten lassen als anhand des Musikgeschmacks.
theverge.com

Hör-Tipp: "Bild"-Chef Julian Reichelt berauscht sich am Reporter-Leben.

Hör-Tipp: "Bild"-Chef Julian Reichelt spricht im Podcast Floskel Alarm mit Felix Hanke und Kurt Woischytzky u.a. darüber, wie gute Schlagzeilen manchmal an einem Wort hängen, warum er vom Reporter-Beruf berauscht ist und wie sich der 11. September 2001 durch sein Leben zieht. Der SPD wünscht Reichelt mal wieder einen Wahlerfolg, hat aber wenig Hoffnung.
floskel-alarm.de (77-Min-Audio)

Hör-Tipp: Goldmedia-Chef gibt Einblick in Streaming-Marktforschung.

Hör-Tipp: Serienjunkies-Redakteurin Hanna Huge spricht mit Florian Kerkau (Foto) über Streamingdienste. Der Goldmedia-Chef hat deren Nutzerverhalten untersucht. Die US-Konzerne veröffentlichen kaum Abonnentenzahlen. Mit Start von Netflix und Amazon Prime verlieren die deutschen Anbieter Marktanteile, beobachtet Kerkau.
serienjunkies.de (87-Min-Audio)

Deezer startet düsteren Hörspiel-Podcast "Der Ausnahmezustand".

Deezer startet "Der Ausnahmezustand", seine erste eigenproduzierte Hörspiel-Serie in Deutschland. Der Krimi spielt in Kopenhagen und handelt – ganz im Zeitgeist – von Klimakrise, Jugendprotesten und korrupten Regierungen. Deezer inszeniert Der Ausnahmezustand als Hörspiel-Podcast mit acht Folgen, gesprochen von Schauspielern. Der Audio-Streamingdienst meldet für den Zeitraum von 2017 bis heute eine Vervierfachung der durchschnittliche Hörzeit von Podcasts.
per Mail, dzr.fm (Audio-Teaser)

Aus dem Archiv von turi2.tv: Deezer – wie aus Daten ein Musik-Programm wird.

Hör-Tipp: Rocketbeans-Mitgründer Etienne Gardé ermutigt zum Hinterfragen von Regeln.

Hör-Tipp: Rocketbeans-Mitgründer Etienne Gardé spricht im Podcast mit Tijen Onaran über Kreativität und gelungene Unterhaltung. Kreativ sein, heißt auch immer ein Stück weit mutig sein, sagt Gardé. Kreative sollten gängige Regeln hinterfragen, beispielsweise die Sinnhaftigkeit von vorab pauschal definierten Beitragslängen bei TV-Drehs.
open.spotify.com (34-Min-Audio)

Wir graturilieren: Christian Bollert wird 37.


Wir graturilieren: Christian Bollert, Chef des Onlineradios Detektor.fm, feiert heute seinen 37. Geburtstag mit alten Freunden auf seinem Lieblingsfestival, dem Immergut. Das Beste am abgelaufenen Jahr war für ihn beruflich das Echo auf die 2019 erstmals von Detektor.fm veranstalteten Medientage Mitteldeutschland.

Für das nächste Lebensjahr wünscht sich Bollert "dass wir weiterhin einen so guten Riecher für die Audioentwicklung haben, unsere bestehenden Partnerschaften ausbauen" – und eine große Torte, denn Detektor.fm wird im Herbst 10 Jahre alt. Glückwünsche erreichen ihn über Twitter, Xing, LinkedIn, E-Mail oder auch per Fax.

Spotify ist ein Medienunternehmen, doch das Radio erkennt es nicht, meint Christian Jakubetz.

Spotify ist kein Streamingdienst, sondern längst ein Medienunternehmen, das den Audiomarkt dominieren will, meint Christian Jakubetz. Spotify bündele immer mehr Inhalte und biete Machern jetzt auch Software. Die alte Radiowelt unterschätze den Konkurrenten und verteidige lieber eine Totgeburt wie den Übertragungsstandard DAB+.
lead-digital.de, turi2.de (Spotify-Software)

Steingart verzichtet auf Co-Moderator Udo van Kampen wegen PR-Tätigkeit.

Udo van Kampen erhält eine Absage von Gabor Steingart: Der ZDF-Pensionär wird doch nicht regelmäßiger Co-Gastgeber des Morning Briefing Podcasts, weil er parallel PR macht, berichtet Daniel Neuen im "PR Report". Van Kampens Arbeit für die Agentur Kekst CNC führte prompt zu Verquickungen: Im Podcast ging es um die Probleme bei Bayer, für die Kekst CNC rund um die Übernahme von Monsanto gearbeitet habe.
prreport.de, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv: Das lange Interview mit Gabor Steingart, der ein Medienimperium mit 30 neuen Leuten baut. (April 2019)

Meinung: Gabor Steingarts Jubel-Zahlen machen Podcastern das Leben schwer.

Podcasts fehlt eine einheitliche Währung zur Reichweiten-Messung, berichtet Annika Schneider. Gabor Steingart meldet für seinen Podcast mehr als 400.000 Downloads pro Woche. Audio-Experte Marc Krüger kritisiert, mit einer solchen "Maximalzahl" mache Steingart den Markt für Podcaster, die genauer hinschauen, schwieriger.
deutschlandfunk.de

Aus dem Archiv: Das lange Interview mit Gabor Steingart, der ein Medienimperium mit 30 neuen Leuten baut. (April 2019)

Hör-Tipp: Neuer Bertelsmann-Podcast startet mit Personalvorstand Immanuel Hermreck.

Hör-Tipp: Bertelsmann holt im neuen Podcast "Kreativität und Unternehmertum" seine Führungskräfte vors Mikro. In der ersten Folge spricht n-tv-Moderatorin Isabelle Körner mit Bertelsmann-Personalvorstand Immanuel Hermreck u.a. über seinen Grundsatz, jeden mit Respekt zu behandeln, und die Verantwortung des Konzerns für seine Mitarbeiter. In den kommenden Folgen sind Markus Dohle, Chef von Penguin Random House, und G+J-Chefin Julia Jäkel zu hören.
audionow.de/bertelsmann, art19.com (49-Min-Podcast Hermreck)

Hör-Tipp: Neue Online-Regeln der öffentlich-rechtlichen Sender stärken US-Plattformen.

Hör-Tipp: Daniel Bouhs und Deutschlandfunk-Moderator Tim Wiese sprechen über die Änderungen im Rundfunkstaatsvertrag, der ARD, ZDF und Deutschlandradio bei Facebook oder YouTube mehr Online-Inhalte einräumt - wovon die US-Plattformen profitierten. Da Personal für die Bespielung der Drittplattformen fehle, sparten die öffentlich-rechtlichen Sender bei Texten.
deutschlandfunkkultur.de (8-Min-Audio)

"Richtig in die Fresse gekriegt" – Michael Trautmann über die Höhen und Tiefen seines Werber-Lebens.



Werber mit Wirkung: Michael Trautmann ist On the Way to New Work – in seinem gleichnamigen Podcast und in seinem Leben. Im Video- und Podcast-Interview mit Peter Turi spricht der erfolgreiche Werber über seinen persönlichen wie beruflichen Wandel - aber auch über seine Misserfolge und was er daraus gelernt hat (turi2.de/misserfolg). Trautmann sagt, dass persönlich vorgetragene Werbung im Podcast besser funktioniert als ein Spot und dass er kein Problem damit hat, sich zum Testimonial für ein Produkt zu machen, hinter dem er steht. Weiteres Thema ist seine Agenturgründung mit André Kemper 2004 – und die "schmerzhafte Trennung". Inzwischen heißt die Agentur Thjnk und Trautmann, das T im Agenturnamen, plant selbst den geordneten Rückzug.

Ab Mitte des Jahres firmiert er noch als Senior Advisor der Agentur, kümmert sich aber vor allem um neue, eigene Projekte: Der Gesprächs-Podcast "On the Way to New Work", den er gemeinsam mit Christoph Magnussen produziert und der zwei Mal pro Woche erscheint, und die Agentur Upsolut Sports. Trautmann und Kollegen wollen die Fitness-Sportart Hyrox populär machen.

Über seinen persönlichen Wandel sagt Trautmann, dass er heute weniger schnell beleidigt ist als früher und Kritik besser annehmen kann. Dem Nachwuchs rät er, früh damit anzufangen, sich selbstkritisch zu hinterfragen.

Das ganze 47-Minuten-Gespräch von Michael Trautmann und Peter Turi ist als turi2.tv-Video bei YouTube abrufbar und steht als Audio unter turi2.de/podcast sowie bei iTunes, Spotify, Deezer und AudioNow bereit.



Kapitelmarken bei YouTube:

Michael Trautmann ...

1:19 ... über seinen größten Misserfolg, sein Scheitern bei der Internationalisierung von Springer & Jacoby – und was er daraus gelernt hat.

3:21 … sagt, was er aus seinem Misserfolg gelernt hat und was er heute anders machen würde.

5:56 … über seine Werbekarriere und das Zusammenspiel mit André Kemper.

7:37 … über sein Verhältnis zu André Kemper heute.

9:05 … über die Anfänge von Kemper-Trautmann, heute Thjink.

9:32 … über coole und uncoole Werbung.

10:55 … über Diversität in der Werbebranche.

11:53 … über seinen Weg in den Hintergrund bei Thjnk und alternde Werber.

13:32 … über seinen Rückzug von Thjnk – und wie er der Agentur verbunden bleiben will.

14:45 … überlegt noch, was künftig auf seiner Visitenkarte steht und seine Firma Upsolut Sports.

16:59 … über sein Werbevermächtnis.

20:10 … über seinen größten Werbe-Fehler.

21:09 … über seinen Versuch, Klavier spielen zu lernen.

23:46 … über die Perspektiven für die Werbung.

26:42 … über den Podcast-Gastgeber als überschwänglichen Werbe-Presenter.

33:51 … über die Perspektive für Podcasts.

35:40 … über die Gäste-Akquise für den New-Work-Podcast.

37:33 … über journalistische Podcasts vs. Influencer-Podcasts.

39:31 … über den Podcast als Einnahmequelle.

40:30 … über die Messbarkeit des Podcast-Erfolgs.

41:55 … über Hörerbindung und neue Podcast-Ideen.

43:16 … über die Vorbilder Martin Winterkorn und Rupert Stadler.

46:49 … rät dem Nachwuchs, sich früh regelmäßig zu reflektieren.

Debatte: Frank Dopheide will seinen Ex-Chef Steingart "mit Argusaugen beobachten".


Frank Dopheide, Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group, zollt seinem früheren Weggefährten Respekt: Der habe "wahre Fans" und "kreativen Geist". Und tue gut daran, nicht auf Werbung setzen.

"Wenn Gabor Steingart 'Ideenreichtum' zur Grundlage für neuen Journalismus und ein neues Geschäftsmodell macht, klingt das stimmig für einen kreativen Geist und ist allemal eine gute Geschichte, die schon vom Start weg für Interesse und Diskussionsstoff sorgt, mehr als es ein ambitionierter Businessplan je könnte. Das hat sich schon mal ausgezahlt.

Die großen Unternehmenslenker lieben es, ihre Botschaften über die Leitmedien zu verbreiten und shiften gleichzeitig ihr Werbebudget in die Billigkanäle. Jeder Mediengründer ist gut beraten, seine Zukunft nicht darauf zu bauen. Das hilft auch bei der Fokussierung.

Die tägliche Relevanz und die Nähe zum Leser/Hörer/Teilnehmer sind die Punkte, an denen sich Businessplan und Zukunft entscheiden. Gabor Steingart hat nicht nur Leser, sondern wahre Fans. Es könnte klappen. Wir werden es mit Argusaugen beobachten."

Debatte: Patrick Kammerer will Papier und Werbung noch nicht einmotten.


Patrick Kammerer, Coca Colas Kommunikator im deutschen Markt, reagiert auf die Worte des vom Werbeglauben abgefallenen Gabor Steingart.

"Etwas zu verliebt in die eigene Formulierkunst, der Herr Steingart. Dabei lieben wir ihn doch schon genug.

Nicht zuletzt klingen seine Thesen - legitimerweise – angetrieben von den eigenen Geschäftsinteressen.

Denn selbstverständlich erlaubt Papier den Dialog. Schon mal (Leser-) Briefe geschrieben? Es ist auch nicht 'prähistorisch', sondern allenfalls historisch. Wie etwa das Grundgesetz oder der Pressekodex, die beide alt und nach wie vor aktuell sind.

Wenn Werbung 'ein Übers-Ohr-Hauen von Leserinnen und Lesern' wäre, gälte das ebenso für jedes meinungsstarke Stück, das als journalistischer Bericht daherkommt. Gute Medien, gedruckt oder online, bestehen jeden Test zur Trennung von Redaktion und Anzeigen. Wie auch von Meinung und Bericht."

Debatte: Thomas Wilde: Steingart ist vielleicht naiv und größenwahnsinnig – aber er verdient Respekt!


Ist Gabor Steingart naiv? Größenwahnsinng? Kann er ein Geschäftsmodell ohne Abo und Werbung etablieren? Thomas Wilde, Gründer der PR-Agentur Wilde & Partner, traut es ihm durchaus zu: Er "verdient Respekt", denn "den Mutigen gehört die Welt". (Foto: Wilde & Partner / Michael Englert für turi2.de/edition2)

"Die Frage wird sich so mancher gestellt haben, der am Morning Briefing von Gabor Steingart Gefallen gefunden hat und den Podcast so schätzt, dass er morgens regelrecht darauf wartet: Welches Geschäftsmodell steckt eigentlich hinter dem (bislang) kostenlosen und werbefreien Informationsangebot?

Da scharrt ein allseits hochgeschätzter Journalist und Autor mit nachweislich kaufmännischem Background und entsprechenden Ambitionen aus "der Mitte der Gesellschaft" eine Gruppe von Medienschaffenden um sich und startet ein Mediengeschäft – wie er selbst sagt – "ohne Plan, aber mit Business-Plan", will nichts von klassischen Abos wissen, erteilt der herkömmlichen Werbung und dem Produkt Print eine deutliche Absage, sieht sich aber auch nicht als Experimentier-Labor für einen möglichen Investor aus dem Kreis der Großverlage.

Und kündigt gegenüber Peter Turi in einem unterhaltsamen Interview über eine Dreiviertelstunde so nebenbei an, seine Mannschaft in Berlin von derzeit rund 20 auf 50 Mitarbeiter ausbauen und einen zweiten Standort in der Hauptstadt errichten zu wollen.

Naiv? Größenwahnsinnig? Mein erster Gedanke nach dem Interview: Warum denn nicht – warum sollte es nicht funktionieren? Und danach: In unserem Land fehlt es an mutigen Medienschaffenden, die abseits der bekannten Formeln auf die Suche nach neuen Formen des Dialogs mit dem Leser gehen und bereit sind, für ein durchaus nicht auszuschließendes Scheitern auch eigenes Geld in den Sand zu setzen. Das verdient Respekt – den Mutigen gehört die Welt. Die Debatte ist eröffnet.

Dank an Peter Turi für das aufschlussreiche Gespräch. So etwas ist Inspiration pur – nicht nur für den Moment an einem Sonntagvormittag."

Debatte: Christoph Schwennicke gibt Gabor Steingart recht – aber nur in Teilen.


Gabor Steingart will den Journalismus der Zukunft ohne Papier und Werbung realisieren (Text, Video und Podcast hier). Christoph Schwennicke, Verleger von "Cicero" und "Monopol" widerspricht in Teilen und warnt: "Wer Geld gibt, will Einfluss nehmen" - auch bei Steingarts Medienprojekt.

"Was Gabor Steingart sagt, ist immer interessant und immer schön markant. Seine Aussagen zum Papier teile ich gleichwohl nicht. Es wird weiter einen Markt für inhaltlich, optisch und haptisch reizvolle Magazine geben. Nicht mehr den Massenmarkt. Aber jenen, den sich Vinyl gerade von der CD zurückerobert. Wie bei der Musik wird es Vinyl geben und Streamingdienste, aber keine CD mehr. Heißt: Es wird weiter Feinkost-Magazine geben, aber keine Papier-Massenware mehr - und es wird die digitalen Kanäle geben, wie Gabor Steingart gerade einen auf- und ausbaut.

Dass wir besser mit unserer originären Dienstleistung (Inhalte) als über den Umweg Werbung unser Geschäft finanzieren, teile ich uneingeschränkt. Deshalb sind wir auch so froh mit dem Aufwuchs von Cicero Plus und unseren digitalen Abos. Da hat sich was verändert in der Bereitschaft der Nutzer, für guten Stoff auch im Netz zu bezahlen. Spotify und Netflix wirken hier.

Die Frage ist nur: Reicht das mittelfristig fürs Geschäftsmodell? Und wie verhält es sich mit den anderen Geldgebern, von denen er spricht: Ich wünsche Gabor Steingart wirklich, dass er Partner und Investoren findet, die Geld geben, ohne sich inhaltlich einzumischen. Unsere Erfahrung ist bei Sondierungen immer eine andere: Wer Geld gibt, will Einfluss nehmen. So einfach ist das. Und so verständlich irgendwo auch. Deshalb sind wir froh und dankbar, dass sich in den drei Jahren unserer Selbständigkeit der Res-Publica-Verlag ohne fremde Hilfe trägt."