"NZZ"-Interview: Mathias Döpfner liest Journalisten die Leviten.


Wahrheit statt Meinung: Mathias Döpfner holt im großen Interview mit der "NZZ" zum Rundumschlag gegen den Gesinnungs-Journalismus aus. Er wirft vielen Journalisten vor, sich "zutiefst unjournalistisch" zu verhalten und sieht die Causa Relotius als systemisches Problem des "Spiegels" und "ein Indiz dafür, was in der Branche schiefläuft". Viele Journalisten wollen bei den Kollegen gut ankommen, statt "nonkonformistisch die andere Seite der Medaille zu beleuchten", sagt Döpfner. Wer als Journalist etwa antrete, um die AfD zu verhindern, werde sie damit stärken.

Döpfner spricht mit den "NZZ"-Journalisten Benedict Neff und René Scheu auch über sein Aktienpaket am Springer-Konzern, das derzeit 150 Mio Euro wert ist. Obwohl er eine "Stresserfahrung" gemacht habe, als der Springer-Kurs während der Finanzkrise einknickte, nennt er die Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen ein "Modell nicht nur für die Medienbranche". Das schärfe die "Bindekraft" und verhindere "eitelkeitsgetriebene Entscheidungen".
nzz.ch

Video-Tipp: #FootballLeaks-Journalisten geben Einblicke in ihre Recherchearbeit.

Video-Tipp: Rafael Buschmann und Michael Wulzinger, Enthüller der #FootballLeaks, sprechen bei "Zapp" über ihre Recherchearbeit. Sie verteidigen die Zusammenarbeit mit Whistleblowern, die möglicherweise als Hacker an brisante Informationen gekommen sind. Die Hürde für Journalisten sei lediglich, "dass das Material von hohem öffentlichen Interesse" sowie authentisch sei. Der Quellenschutz habe oberste Priorität, sodass Buschmann sogar gegenüber seiner Ehefrau Stillschweigen behielt.
ndr.de (63-Min-Video)

Zitat: Alexa-Managerin Marie Kilg findet pathetische Schreiber wie Claas Relotius "lächerlich".

"Wenn jemand sich selbst zu sehr an seiner wunderschönen Formulierung ergötzt hat, war mir das suspekt."

Marie Kilg, Programm-Managerin bei Amazons Alexa, parodiert Claas Relotius mit fiktiven Reportage-Ideen mittels Roboter. Der Bot zeige, dass auch Ungewöhnliches gewöhnlich werden könne.
"FAZ", S. 13 (Paid), twitter.com/rob0tius

Horizont.net: Ullrich Fichtner arbeitet operativ als Teil der "Spiegel"-Chefredaktion.


Fichtner in Führung: "Spiegel"-Journalist Ullrich Fichtner ist offenbar doch als Co-Chefredakteur im Amt - zumindest operativ, berichtet Roland Pimpl bei Horizont.net. Ende Dezember hatte der "Spiegel" beschlossen, die Verträge von Fichtner und Matthias Geyer, designierter Blattmacher, ruhen zu lassen, während eine Kommission den Fall Relotius aufklärt.

Fichtner habe Mitte Januar dennoch ein "Impulspapier" im Namen der Chefredaktion an die Ressorts verschickt. Mit diesen Schreiben wolle man künftig regelmäßig aufzeigen, "was die Chefredaktion inhaltlich so beschäftigt", heißt es in der Mail. Das Ruhen des Vertrages sei eher "formaljuristisch" und "disziplinarisch" und beziehe sich auf das Gehalt, hört Pimpl aus Führungskreisen. Eine Sprecherin des Verlags habe die Vorkommnisse nicht kommentieren wollen.
horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

"FAS" kann Texte von Claas Relotius nur bedingt prüfen.

Claas Relotius hat auch bei Texten in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gefälscht, ergibt eine Untersuchung der "FAS". Ein Interview mit dem ehemaligen Gefängniswärter von Nelson Mandela enthalte Fälschungen. Der Protagonist können sich zwar nicht an das Gespräch erinnern, einige Passagen enthielten jedoch nicht seine Worte. Zwei weitere Texte konnten nicht ausreichend überprüft werden, Relotius lässt über seinen Anwalt mitteilen, er könne die Fragen dazu "bedauerlicherweise" nicht beantworten.
"FAS", S. 34 (Paid)

Spiegel TV schafft Chefredakteur ab – Steffen Haug soll aber bleiben.


Tschüss, Chef: Spiegel TV schafft die Position des Chefredakteurs ab und beruft Steffen Haug, 51, ab. Im Rahmen der laufenden Neuausrichtung sollen die Redaktionen künftig von Produzenten geführt werden, die direkt an die Geschäftsführer Goetz Hoefer, 48, und Kay Siering, 42, berichten. Wer die Produzenten-Posten übernehmen soll, sei noch nicht entschieden. Der Verlag verspricht sich schlankere Strukturen, mit denen er besser auf dem TV-Markt agieren kann.

Mit Steffen Haug, der seit über 20 Jahren in verschiedenen Funktionen bei Spiegel TV aktiv ist, fänden derzeit Gespräche über eine neue Position statt. "Wir würden uns sehr freuen, wenn wir ihn in neuer Funktion auch weiterhin für Spiegel TV verpflichten könnten", lässt sich Kay Siering in einer Pressemitteilung zitieren.
spiegelgruppe.de

Spiegel Online analysiert Relotius-Texte auf ihren Wahrheitsgehalt.

Fall Relotius: Spiegel Online veröffentlicht eine Liste, die zu 28 Texten von Claas Relotius Fehler und Fälschungen offenlegt. Wie bekannt ist, hat Relotius Fakten und Zitate erfunden, vielfach habe er aber auch Fehler anderer Medien ungeprüft übernommen.

Drei der 28 Texte seien im Kern korrekt, drei Kurz­interviews über Migranten in Deutschland sowie Zulieferungen zu einem Beitrag über die Stadt München ebenfalls unverfälscht. In zwei Fällen habe Relotius nur Recherchen anderer Reporter oder Quellen unmanipuliert zusammengefasst. Ein märchenhaft erscheinendes Detail in einem sonst weitgehend erfundenen Text sei sogar wahr.
spiegel.de

Springer-Chef Mathias Döpfner predigt Social-Media-Enthaltsamkeit.


Keine Perlen für Twitter: Springer-Chef Mathias Döpfner schießt im großen dpa-Interview scharf gegen Social-Media-Lautsprecher. Twitternde Journalisten nennt Döpfner "zunehmend problematisch". Es werde "viel zu schnell geschrieben, was am Ende der Marke abträglich ist", sagt Döpfner. Angesprochen fühlen dürften sich da auch Julian Reichelt und Ulf Poschardt – die Chefs von "Bild" und "Welt" stürzen sich selbst bereitwillig in jedes Twitter-Gefecht. Nun empfiehlt ihr Konzernchef "allergrößte Zurückhaltung" und sagt, dass Twitter-Salven "allenfalls der Person, sehr selten dem von ihr vertretenen Medium" dienen.

Dass Döpfner selbst das Instrument der Zuspitzung beherrscht, zeigt er zur Causa Relotius, die er "wesentlich schlimmer als die Hitler-Tagebücher" findet. Das Magazin habe ein Klima geschaffen, in dem Weltanschauung wichtiger sei als Anschauung. Einstweilen sei aus dem "Sturmgeschütz der Demokratie" ein "Luftgewehr der Fantasie" geworden. Die Aufklärung des Betrugs findet er "erstaunlich zurückhaltend" und vermutet "Beißhemmungen" bei den Kollegen, weil Relotius in vielen Medien Lügen verbreiten konnte. Der "Spiegel" habe das Glück, dass mit Steffen Klusmann seit Januar ein Chefredakteur im Amt ist, der mit dieser Sache nichts zu tun habe und völlig unbelastet agieren könne. "Wenn er das konsequent macht, kann auch der 'Spiegel' sich davon erholen", glaubt Döpfner.
nordkurier.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Springer-Chef Mathias Döpfner über Musik, Strategie und die Zukunft (9/2018).

"Spiegel" macht Clemens Höges und Armin Mahler zu Interims-Blattmachern.

Spiegel beruft als Interims-Chefs Armin Mahler und Clemens Höges als Blattmacher des Nachrichtenmagazins, schreibt Meedia. Mahler (Foto) leitete über 25 Jahre das Wirtschaftsressort und war auch zeitweise Geschäftsführer der Spiegel Mitarbeiter KG. Höges war bereits stellvertreter Chefredakteur an der Seite von Wolfgang Büchner und ist Mitglied der dreiköpfigen Aufklärungskommission im Fall Relotius. Die Verträge mit Ullrich Fichtner und Matthias Geyer wurden zuvor ausgesetzt.
meedia.de, turi2.de (Background)

Renner: Relotius-Dokumentar verlässt den "Spiegel".

Spiegel und der für Claas Relotius zuständige Mitarbeiter in der Dokumentation trennen sich, berichtet Kai-Hinrich Renner. Der Mitarbeiter habe ein Angebot zum Vorruhestand angenommen. Der Verlag will zu "einzelnen Vertragsverhältnissen" nichts sagen. Laut Renner waren sich der Dokumentar und Relotius' früheres Ressort Gesellschaft näher als üblich – der Dokumentar habe auf demselben Flur gesessen. Ressortleiter Matthias Geyer habe sich ungern reinreden lassen. Chefredakteur Steffen Klusmann wolle ihn aber als Ressortleiter behalten.
abendblatt.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Wir müssen uns relativ nackig machen" – "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal.

Susanne Amann tritt nicht mehr für die Spitze der "Spiegel"-Mitarbeiter-KG an.

Spiegel: Susanne Amann, seit Jahresbeginn eine der beiden Managing Editors, tritt nicht wieder als Sprecherin der Geschäftsführung der Mitarbeiter-KG an, berichtet Roland Pimpl. Unter den Mitarbeitern hatte ihre Personalie für Unruhe gesorgt - eine Gesellschafter-Vertreterin könne nicht gleichzeitig auf der zweiten Managementebene arbeiten, so die Kritik. Ein Geschmäckle hinterlasse auch, dass sie erst als Sprecherin der mächtigen KG an der Brinkbäumer-Ablösung beteiligt war und nun von dessen Nachfolger befördert wurde.
horizont.net

Media-Tenor-Ranking: "Bild" ist Deutschlands meistzitiertes Medium 2018.

Mehr Maaßen macht meistzitiertes Medium aus: "Bild" ist 2018 das meistzitierte Medium in Deutschland, zählt Media Tenor in seinem Zitate-Ranking. Mit insgesamt 1.203 Exklusiv-Meldungen ist der Boulevardtitel vor dem "Spiegel", der mit 1.098 Nennungen knapp dahinter liegt. Es folgen "New York Times" mit 907 Zitaten sowie "Bild am Sonntag" mit 895 Zitaten. "Süddeutsche Zeitung" und "Handelsblatt" belegen die Plätze 5 und 6.

Besonders häufig wird "Bild" mit Aussagen von Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen zitiert als dieser die Echtheit der Chemnitz-Videos anzweifelt. Auch Themen wie die Organspende oder die diskutierte Digitalsteuer verhelfen "Bild" 2018 zu Nennungen in anderen Medien.
"Bild", S. 1 (Paid)

Meinung: Relotius bedient Rollenbilder, die Leser hören wollen, schreibt James Kirchick.

Spiegel zerbricht am Fall Relotius und befeuert "reflexhaften Antiamerikanismus", kommentiert der US-Journalist James Kirchick. Die Schuld liege nicht allein bei Relotius oder fahrlässigen Faktenprüfern, sondern in der Mentalität der Redakteure und Leser: Relotius erzähle ihnen, was sie erwarteten und hören wollten – ein Paradebeispiel für motiviertes Denken.
faz.net, turi2.de (Background)

Meinung: Medien sind bei Relotius "sich selbst korrigierende Systeme", schreibt Giovanni di Lorenzo.

Fall Relotius schreckt auf, aber manche Tonlage ist verlogen, schreibt Giovanni di Lorenzo. Die betrügerische Energie von Relotius sei so enorm, dass auch andere Medien hätten reinfallen können. Auch bei einem "Zeit"-Interview habe Relotius Passagen hinzugedichtet. Hoffnung mache, dass Medien "sich selbst korrigierende Systeme" seien.
"Zeit" 2/2019, S. 1 (Paid)

Meinung: Journalismus sollte nach Relotius-Fall hinterfragt werden, schreibt Joachim Bauer.

Relotius-Fälschungen geben Anlass, grundsätzlich über Wirkungsweise und Macht des Journalismus nachzudenken, schreibt "Welt"-Gastautor und Psychiater Joachim Bauer. Relotius habe womöglich auf die Spitze getrieben, was der Arbeitsweise seines Umfeldes entspreche. Selbst ein "meinungsstarker Journalismus" müsse Nachricht und Meinung trennen.
welt.de

Diakonie bestätigt den Empfang der Spendengelder von Claas Relotius.

Relotius: Die Diakonie Katastrophenhilfe bestätigt den Eingang der Spende von Skandalreporter Claas Relotius. Im Oktober 2016 seien 9.000 Euro für ein Projekt für Flüchtlingskinder eingegangen. Relotius hatte die Spendengelder auf seinem Privatkonto gesammelt, der "Spiegel" hatte vermutet, Relotius habe "womöglich auch Spendengelder veruntreut".
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

"Bild": Ullrich Fichtner und Matthias Geyer lassen ihre neuen Verträge beim "Spiegel" vorerst ruhen.


Spiegelbild: Der Fall Relotius hat für den "Spiegel" weitere personelle Konsequenzen: Ullrich Fichtner, künftiger Co-Chefredakteur, und Matthias Geyer, designierter Blattmacher, treten ihre neuen Jobs zu Jahresbeginn vorerst nicht an. Der künftige Chefredakteur Steffen Klusmann habe dies in einem Schreiben an die Mitarbeiter mitgeteilt. Die Verträge würden ausgesetzt, bis der Fall Relotius "abschließend untersucht" ist.

Fichtner und Geyer hätten Klusmann angeboten "ihre Posten zur Verfügung zu stellen" – Klusmann müsse jedoch sicherstellen, dass der "Spiegel" arbeitsfähig bleibe. Es sei zwar jeder austauschbar, "nur mancher eben schwerer". Intern hatte es beim "Spiegel" im Fall Relotius deutliche Kritik an Ullrich Fichtner und Matthias Geyer gegeben. Fichtner, damals Leiter des Gesellschaftsressorts, hat Relotius 2014 zum "Spiegel" geholt und gefördert.
bild.de, turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Wir müssen uns relativ nackig machen" – "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal.

"Spiegel": Claas Relotius dementiert, Spenden veruntreut zu haben.

Claas Relotius dementiert die Vorwürfe des "Spiegels", Spenden für zwei syrische Waisenkinder in der Türkei veruntreut zu haben, teilt er über seine Anwälte mit. Er habe die auf seinem Privatkonto eingegangenen Spenden in Höhe von 7.000 Euro auf 9.000 Euro erhöht und im Oktober 2016 an die Katastrophenhilfe der Diakonie überwiesen. Er habe "zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, Spenden selbst zu vereinnahmen".
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)

"Horizont": "Spiegel" streitet über künftige Führungskräfte.


Spiegelverzerrt: Beim "Spiegel" gibt es intern deutliche Kritik an Teilen der künftigen Führungsmannschaft, schreibt Roland Pimpl bei horizont.net. Allen voran sehen viele Mitarbeiter die künftige Doppelfunktion von Susanne Amann kritisch. Amann soll Managing Editor und somit eine Art Vize-Chefredakteurin werden. Gleichzeitig ist sie Sprecherin der Geschäftsführung der Mitarbeiter KG. Jurist Thomas Darnstädt, bis 2007 selbst Sprecher der Mitarbeiter KG, schreibt in einem Papier, beide Positionen seien nicht miteinander vereinbar. Amann selbst habe zusammen mit den beiden Verlagsvertretern der KG nun ein Gegengutachten in Auftrag gegeben.

Auch an anderen Köpfen der künftigen Führung gebe es Kritik, zuletzt insbesondere am künftigen Co-Chefredakteur Ullrich Fichtner und an Blattmacher Matthias Geyer. Beide hatten Claas Relotius betreut und dessen Fälschungen nicht bemerkt. Fichtner hat als damaliger Leiter des Gesellschaftsressorts Relotius 2014 zum "Spiegel" geholt.
horizont.net, turi2.de (Vize-Positionen), turi2.de (Rolle Fichtner und Geyer)

Zitat: Franziska Augstein wünscht sich weniger Gefühle im "Spiegel".

"Wenn diese Affäre den Effekt hat, dass jeder sich wirklich zweimal überlegt, ob er etwas hinschreibt, was er in der Wirklichkeit nicht erlebt hat, dann wäre das ja eine gute Lehre für alle."

"Spiegel"-Erbin und "Süddeutsche"-Journalistin Franziska Augstein wünscht sich im Interview mit dem Deutschlandfunk im "Spiegel" mehr Texte "mit wirklichen Daten" und weniger mit Gefühlen à la Relotius.
deutschlandfunk.de (mit 8-Min-Interview)

Lese-Tipp: Christoph Scheuermann ist auf der Suche nach dem echten Fergus Falls.

Lese-Tipp: Christoph Scheuermann , "Spiegel"-Korrespondent in den USA, begibt sich im Fall Relotius in Fergus Falls auf die Suche nach der Wahrheit. Drei Tage verbringt er in der Kleinstadt in Minnesota, wobei es seltsam sei, "mit den falschen Bildern im Kopf durch die Wirklichkeit zu laufen und Vergleiche zu ziehen". Die Zeit in Fergus Falls sei für Scheuermann eine Lektion in Demut gewesen, bei der er sich im Namen des "Spiegels" entschuldigen musste – "auch das gehört jetzt zu meinem Job".
spiegel.de

Zitat: Jakob Augstein kritisiert das Interview mit Giovanni di Lorenzo im "Spiegel".

"Aber Selbstkritik darf nicht zu Selbstbeschädigung werden."

Jakob Augstein befürwortet im "Bild"-Interview die Relotius-Aufarbeitung beim "Spiegel". Es sei jedoch unnötig gewesen, "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Gelegenheit zu geben, im eigenen Heft den "Spiegel" anzugreifen.
bild.de, turi2.de (Background)

Zitat: Jörg Thadeusz glaubt nicht, dass man Betrug in Print-Interviews aufspüren kann.

"Einen entschlossenen Betrüger am Betrug zu hindern, scheint mir ausgeschlossen."

RBB-Moderator Jörg Thadeusz denkt nicht, dass einem verfälschten Print-Interview beizukommen sei. Jedoch würden eine seiner besten Freundinnen sowie sein Bruder, beide beim "Spiegel", "sich eher die Finger abschneiden, als Geschichten zu verfälschen".
tagesspiegel.de

"Zeit": Spiegel-TV-Team stieß schon im Frühjahr 2017 auf Relotius-Widersprüche.

Spiegel hätte die Fälschungen von Claas Relotius bereits im ersten Halbjahr 2017 aufdecken können, schreibt Holger Stark in der "Zeit". Der frühere "Spiegel"-Investigative berichtet, ein Team von Spiegel TV sei beim Versuch, eine Geschichte des damals noch freien Mitarbeiters Relotius aus Kurdistan zu verfilmen, auf Widersprüche gestoßen. Spiegel TV habe das "bei Relotius' Vorgesetzten" thematisiert - ohne Folgen. Das Spiegel-TV-Stück habe "die Fehler in der Heftgeschichte" umgangen.
zeit.de

Causa Relotius: Nun soll er auch noch Spenden veruntreut haben.

Spiegel bezichtigt seinen Skandalreporter Claas Relotius einer weiteren Untat: Er habe "womöglich auch Spendengelder veruntreut". Er habe Spenden für zwei syrische Waisenkinder in der Türkei, ein Bruder und eine Schwester, von Lesern angenommen, auf sein Privatkonto und natürlich "war der Redaktion nichts bekannt". Der Fotograf der Story gebe an, dass er von einer Schwester nichts wisse, der Junge habe eine höchst lebendige Mutter und sei demzufolge nicht Waise. Der "Spiegel" will die "gesammelten Informationen der Staatsanwaltschaft im Rahmen einer Strafanzeige zur Verfügung stellen".
spiegel.de

Klusmann: "Wir als Haus haben auch in einem erheblichen Ausmaß versagt".


Claasklar eingeseift: Steffen Klusmann, designierter Chefredakteur des "Spiegel", profiliert sich in einem offenen Brief an die Leser als Aufräumer. Nach ein paar Tagen Bestandaufnahme im Fälschungs-Fall Relotius räumt er ein, "wir als Macher des 'Spiegel'" haben "in einem erheblichen Ausmaß versagt". Er kündigt auch Konsequenzen an: "Wer Verantwortung zu tragen hat, wird sie tragen".

"Signale und Hinweise" auf den Betrug seien "nie an einer Stelle gebündelt" gewesen - "unser Haus ist groß". Klusmann räumt ein, der Marke dürfe "darf ein solches Versagen nicht passieren" - "egal wie genialisch Relotius das alles eingefädelt haben mag". Er kündigt an, den Fall nun zunächst nichtöffentlich und intern "im Ganzen aufarbeiten und das dann dokumentieren" zu wollen, ohne "mit jedem Fitzelchen neuen Erkenntnisgewinns jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen".
spiegel.de

Meinung: Relotius' Auftraggeber kommen bisher zu unhinterfragt weg.

Spiegel: Die bisherige Aufarbeitung des Relotius-Skandals beim "Spiegel" blendet die Rolle von Ullrich Fichtner, dem Print-Chef und künftigem Vize-Chefredakteur, sowie die von Gesellschafts-Ressortleiter Matthias Geyer weitgehend aus, tadelt Ralf Heimann im MDR-Medienblog Altpapier. Relotius mag gelogen und betrogen haben - dafür, dass ein Text erscheint, obwohl ein eigener Reporter erhebliche Zweifel anmeldet, sei er aber nicht verantwortlich.
mdr.de