"Spiegel" holt Clemens Höges in die Chefredaktion.


Blattmacher wird Boss: "Spiegel" beruft Clemens Höges in die Chefredaktion – neben Steffen Klusmann und Barbara Hans. Sein Amt als Blattmacher wird Höges behalten. Er scheidet jedoch aus der Kommission aus, die die internen Verfehlungen rund um den Relotius-Skandal untersucht. Der Verlag betont, dass sich die Fertigstellung des Abschlussberichts dadurch nicht verzögere. Der Bericht werde "in Kürze" an Klusmann und Geschäftsführer Thomas Hass übergeben.

Mit Höges' Berufung endet ein Vakuum an der Spitze des Magazins, ausgelöst durch den Fall Relotius. Ullrich Fichtner und Matthias Geyer ließen ihre Ämter als Co-Chefredakteur bzw. Blattmacher zunächst ruhen – und wurden dann auf Posten mit "besonderen Aufgaben" weggelobt. Fichtner und Geyer waren als Förderer und Ressortchef von Relotius für die Chefredaktion verbrannt. Die Lücke füllte Höges zunächst übergangsweise als Blattmacher, ab sofort offiziell als Teil der Chefredaktion. Höges ist seit 1990 beim "Spiegel", leitete früher Deutschland- und Auslandsressort. Unter Wolfgang Büchner wurde er 2014 schon einmal stellvertretender Chefredakteur. (Foto: Fotoraum Reinhold / Der Spiegel, Montage_ turi2)
spiegelgruppe.de

Aktuell bei turi2.tv: Clemens Höges spricht am vergangenen Freitag über die Relotius-Aufklärung.

"Spiegel"-Aufklärer Clemens Höges: Relotius-Kommission möchte keinen Zeitdruck.


Wortkarge Aufklärer: Knapp vier Monate nach der Relotius-Affäre treffen sich hunderte Journalisten beim Reporterforum im "Spiegel"-Haus – und sind teils verwundert über die wenigen Antworten. "Spiegel"-Blattmacher Clemens Höges bittet um Geduld und sagt: "Die Kommission möchte sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen". "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann sagt seine Teilnahme am Workshop der Reporter kurzfristig ab – wegen einer Management-Tagung.

Die dreiköpfige Kommission habe viele Gespräche mit Beteiligten geführt und interne Abläufe hinterfragt, erzählt Höges. Ihr Bericht gehe zunächst an Chefredaktion und Geschäftsführung. Auf ungeduldige Fragen von Anwesenden, wann Ergebnisse vorliegen werden, antwortet Höges lediglich: "bald". "Es ist für uns eine große Aufgabe, denn wir stellen absolute Transparenz her", sagt Höges bei der Eröffnung der Veranstaltung (siehe Video). In Zeiten von Fake News gehe es darum, wieder das Vertrauen der Leser zu gewinnen: "Das gilt für den 'Spiegel', aber nicht nur für den 'Spiegel' – obwohl der 'Spiegel' gewissermaßen Ground Zero war." (Foto: Jens Twiehaus)
turi2.tv (2-Min-Video mit Höges)

Clemens Höges zur Relotius-Aufklärung im Video:

Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer schreibt jetzt für die "Zeit".

Zeit angelt sich Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer als Autor. Er soll vor allem für die Ressorts Politik, Feuilleton, Dossier und für das "Zeit Magazin" schreiben. Zunächst berichtet er aus den USA, wo er derzeit lebt. Im August 2018 musste Brinkbäumer beim "Spiegel" gehen, sein Vertrag lief zum zum 31. März 2019.
zeit-verlagsgruppe.de

"Spiegel" gewinnt gegen Ronaldos Anwälte.

Spiegel gewinnt einen Rechtsstreit mit den Anwälten von Fußballer Cristiano Ronaldo. Die spanische Kanzlei Senn Ferrero wollte Berichte über Ronaldos Strategien zur Steuervermeidung verbieten und auch Online-Texte löschen lassen. Die Begründung: Dokumente der Football Leaks stammten aus einem Hack auf die Kanzlei. Am Landgericht Hamburg erwirkte sie 2017 eine Einstweilige Verfügung. Vor dem Oberlandesgericht Hamburg hat die Anwaltskanzlei Schertz Bergmann, die für Senn Ferrero agiert, den Antrag auf Unterlassung nun zurückgezogen, um keine Niederlage zu kassieren.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Lese-Tipp: Wie ein chinesischer Medizin-Investor "Bild" für umstrittenen PR-Coup nutzt.

Lese-Tipp: "Bild" bringt im Februar einen unausgereiften Brustkrebs-Bluttest auf die Titelseite und verhilft einem Uni-Startup an der Uni Heidelberg zu einem umstrittenen PR-Coup, schreibt "Spiegel". Wissenschaftler bemängeln fehlende Langzeituntersuchungen, doch der Aktienkurs des chinesischen Investors NKY Medical Holdings steigt um mehr als 35 %. Zu den Investoren gehöre auch der prominent vernetzte Jürgen Harder, Lebensgefährte von Franziska van Almsick.
"Spiegel" 14/2019, S. 102 (Paid)

Ulrike Simon stellt ihre Medienkolumne ein und wird "Spiegel"-Autorin.

Medienexpertin Ulrike Simon macht nach dreieinhalb Jahren Schluss mit ihrer wöchentlichen Medienkolumne. Künftig schreibt Simon Texte zu Medienthemen für den "Spiegel". Simon startete ihre Kolumne beim Redaktionsnetzwerk Deutschland, seit dem Start von Spiegel Daily veröffentlicht sie ihre Texte beim Paid-Content-Angebot des "Spiegel".
spiegel.de (Paid)

Mathieu von Rohr wird Ressortleiter Ausland beim "Spiegel".

Spiegel: Mathieu von Rohr, 41, löst Britta Sandberg, 56, als Ressortleiter Ausland ab. Sandberg wechselt "auf eigenen Wunsch" als Korrespondentin nach Paris, wo sie auf Julia Amalia Heyer, 38, folgt, die als Redakteurin ins Berliner Hauptstadtbüro wechselt. Mathieu von Rohr war bisher Vize-Ressortleiter. Auf diese Position rückt nun der Istanbul-Korrespondent Maximilian Popp, 33, auf.
spiegelgruppe.de

Hans Hoff sorgt sich um die physische Konsistenz von Harald Schmidt.

Kolumnisten-Kritik: TV-Kritiker Hans Hoff, selbst ausschließlich bekannt für konstant kreative Kolumnen, lässt kein gutes Haar am Kolumnisten-Kollegen Harald Schmidt. Der Altmeister der Late-Night wirke in seiner Videokolumne bei Spiegel+ wie ein Greis, der die Zuschauer an seiner "publizistischen Verwesung teilhaben lässt", ätzt Hoff.
dwdl.de

Mitarbeit: Markus Trantow

Zitat: Nikolaus Blome würde kein zweites Mal zum "Spiegel" gehen.

"Ich würde jederzeit wieder ein erstes Mal zum 'Spiegel' gehen, in dieser Funktion, die ich da hatte, aber ich würde es kein zweites Mal tun."

"Bild"-Politikchef Nikolaus Blome ist nach seinem Wechsel von "Bild" zum "Spiegel" und wieder zurück glücklich dort, wo er ist, sagt er im "Clap"-Interview.
"Clap" 68, S. 6-11 (Teaser)

Weitere Zitate:

"Es gibt aus meiner Sicht nur zwei wirklich bedeutende Medienmarken: 'Bild' und 'Spiegel' - wobei letztere im Vergleich zu meiner Zeit heute in sehr schwerem Wasser ist."

"Es gibt sicher stets Frage, die von uns Journalisten nicht früh, laut oder präzise genug gestellt worden sind oder werden."

"Zweifel an Berichterstattung sind erlaubt und willkommen. Wer aber seine Zweifel an bestimmten Zusammenhängen derart absolut setzt, wie es beispielsweise der infame Begriff 'Lügenpresse' dokumentiert, der tritt eigentlich seine eigene Intelligenz mit Füßen."

Aus dem Archiv von turi2.tv: Ohne Blut und Blech: Ist "Bild Politik" die schlauere "Bild", Nikolaus Blome? (2/2019)

"Spiegel": Ullrich Fichtner und Matthias Geyer werden nicht Co-Chefredakteur und Blattmacher.


"Besondere Aufgaben": Der "Spiegel" zieht personelle Konsequenzen aus dem Fall Relotius und macht Ullrich Fichtner (Bild, links) nicht wie angedacht zum Co-Chefredakteur und Matthias Geyer (Bild, rechts) nicht zum Blattmacher. Geyer gibt zudem die Leitung des Gesellschaft-Ressorts ab. Gleichzeitig schreibt der Verlag, die interne Untersuchung habe ergeben, "dass Ullrich Fichtner und Matthias Geyer keine persönliche Schuld an den Betrugsfällen trifft". Fichtner und Geyer bleiben beim "Spiegel". Fichtner wird "Reporter mit besonderen Aufgaben" und soll Titelgeschichten konzipieren und verfassen sowie Großprojekte betreuen. Geyer soll mit dem Titel "Redakteur für besondere Aufgaben" die Textqualität betreuen – im Auftrag der Blattmacher statt als Blattmacher.

Beide sollten ihre Positionen eigentlich zum Jahreswechsel antreten, ließen die Posten jedoch zunächst ruhen. Wer an ihrer Stelle nun die vakanten Posten übernehmen soll, will der "Spiegel" in den kommenden Wochen entscheiden. Das Gesellschaftsressort wird bis auf Weiteres von der bisherigen Vize Özlem Gezer geführt.
spiegelgruppe.de, turi2.de (Background)

Matussek-Party: Jan Fleischhauer kontert Kritik von Jan Böhmermann.

Matussek-Party: Jan Fleischhauer (Foto) reagiert in seiner "Spiegel"-Kolumne auf die Kritik seines Besuches der privaten Geburtstagsfeier von Matthias Matussek. Dieser sei ein "Wirrkopf", den er politisch nie ernst genommen habe. Jan Böhmermann, der die Teilnahme von Journalisten an der Party mit teils rechtsextremer Gästeliste kritisiert hatte, treffe "garantiert nur auf Personen, die so ähnlich denken wie er", stichelt Fleischhauer.
spiegel.de, turi2.de (Background), zdf.de (Böhmermann-Video ab Min 8:10)

5G: Bundesnachrichtendienst warnte Bundesregierung vor Huawei.

Huawei: Der Bundesnachrichtendienst warnte die Bundesregierung vor einer Beteiligung von Huawei am Aufbau des deutschen 5G-Mobilfunknetzes, schreibt der "Spiegel". Die Sicherheitsexperten begründeten die Warnung mit einer "Gesamtwürdigung" der Strategie Chinas. Der chinesische Geheimdienst dürfe laut Gesetz "betroffenen Organen, Organisationen und Bürgern die erforderliche Unterstützung, Hilfe und Zusammenarbeit verlangen".
per E-Mail, turi2.de (Background)

Renner: Relotius-Förderer Ullrich Fichtner hat "inhaltlich zusammengezogen".

Spiegel: Reporter Ullrich Fichtner soll Zitate verschiedener Personen zu den Aussagen einer einzigen Figur verschmolzen haben, berichtet Kai-Hinrich Renner. Das sage Fichtner selbst laut einer Aufnahme vom Reporter-Workshop 2016 des Vereins Reporterforum. Fichtner äußert sich gegenüber Renner per Mail, will aber nicht zitiert werden.

"Spiegel"-Journalist Fichtner war Leiter des Gesellschaftsressorts und betreute dort Claas Relotius. Seine Beförderung in die Chefredaktion, geplant für Januar, liegt deshalb auf Eis. Fichtner habe Zuhörern des damaligen Workshops auch empfohlen, sich bei Reportagen an Techniken des Kinos zu orientieren. Bei der Enthüllung des Falls Relotius zweienhalb Jahre später mahnt Fichtner hingegen, Journalisten dürften "nur Dokumentarfilme" zeigen.
morgenpost.de, turi2.de (Background)

In einer früheren Fassung dieses Beitrags lautete die Überschrift "Relotius-Förderer Ullrich Fichtner gab eigene Schummelei zu". Das ist so nicht richtig formuliert: Er hat eingeräumt, mehrere Figuren zu einer verschmolzen zu haben.

Meinung: Türkei-Akkreditierung zeigt Erdogans Willkür.

Pressefreiheit: Die Pressekarten-Vergabe der türkischen Regierung zeigt, wie Präsident Erdogan mit Willkür regiert, sagt Maximilian Popp, Türkei-Korrespondent des "Spiegel", im Meedia-Interview. Es sei frustrierend, wie Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei missachtet werden. Ankara provoziere ohne Grund eine neue Krise. Die Wahl Ende März könnte eine Rolle spielen.
meedia.de

Journalismus muss aus Fall Relotius lernen, fordert taz-Chefredakteur Georg Löwisch.

Fall Relotius muss dem Journalismus zu mehr Sorgfalt verhelfen, fordert "taz"-Chefredakteur Georg Löwisch und stellt einen 6-Punkte-Plan vor. Quellen und Rekonstruktionen sollten den Lesern transparenter gemacht werden. Anonymisierte Protagonisten müssten die Ausnahme bleiben, da es die Nachvollziehbarkeit einschränke.
journalist-magazin.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Chefredakteur Georg Löwisch zeigt die "taz" (Archiv 09/2017).

"Spiegel" reagiert knapp auf Kritik an Matussek-Freunden.

Spiegel äußert sich spät und spärlich zur Kritik an seinen Journalisten, die Matthias Matusseks Geburtstag gemeinsam mit extrem rechten Gästen feierten. Die Einladung sei "privater Natur und der Chefredaktion deshalb nicht bekannt". Und selbstverständliche distanziere sich "Der Spiegel" und "alle seine MitarbeiterInnen ausdrücklich von rechtsextremen Gesinnungen".
twitter.com, turi2.de (Background)

Matthias Matussek feiert mit Identitären und Journalisten 65. Geburtstag.


Wie politisch ist das Private? Der umstrittene Autor und Polemiker Matthias Matussek hat am Samstagabend seinen 65. Geburtstag gefeiert – die prominente Gästeliste mit Wegbegleitern vom bürgerlichen bis ins extrem rechte Spektrum verursacht tags darauf Aufregung in den sozialen Medien. Fotos bei Facebook und Twitter zeigen etwa Identitäre wie Mario Müller, den rechten Journalisten Dieter Stein und die AfD-nahe Stiftungschefin Erika Steinbach. Außerdem sind die "Spiegel"-Redakteure Martin Müller und Alexander Smoltczyk sowie "Spiegel"-Kolumnist Jan Fleischhauer Gäste der privaten Party. ARD-Moderator und Musiker Reinhold Beckmann singt Matussek ein nachdenkliches Geburtstags-Ständchen, distanziert sich via Facebook allerdings später von der Zusammenkunft: "Ich muss zugeben, ich habe mich da verlaufen, ich hätte dort nicht hingehen sollen."

Bei Twitter stellt sich ZDF-Entertainer Jan Böhmermann an die Spitze der Kritiker und nimmt vor allem den "Spiegel" ins Visier: Er fragt u.a., ob die Chefredaktion von der Feier und der Teilnahme der Redaktions-Mitglieder vorab wusste und wie sich die Leitung des Nachrichten-Magazins dazu verhält. Eine Stellungnahme des "Spiegel" dazu gibt es bis zum Abend nicht.
twitter.com (Böhmermann), facebook.com (Matussek über Beckmann), facebook.com (Beckmann über Matussek), twitter.com (Sammlung Party-Bilder)

Update 11.3., 5.30 Uhr: Laut "Bild" haben auch Franz-Josef Wagner, "Bild", Ulrich Greiner, Zeit Online, Stephan Sattler, "Focus" und "stern"-Journalist Jochen Siemens mitgefeiert. Das Boulevard-Blatt nennt die Feier "eine der seltsamsten Geburtstagspartys des Jahres".
bild.de

Renner: Zwischenbericht im Fall Relotius liegt der "Spiegel"-Chefredaktion vor.


Zwischenbilanz: Die dreiköpfige Prüfkommission im Fall Relotius hat der "Spiegel"-Chefredaktion nach drei Monaten interner Recherche einen Zwischenbericht vorgelegt, schreibt Kai-Hinrich Renner. Der Bericht beziehe sich in erster Linie auf das Gesellschaftsressort, in dem die Texte von Ex-Redakteur Claas Relotius erschienen sind. Für Matthias Geyer, Ressortleiter Gesellschaft und designierter Blattmacher beim Spiegel, könne der Zwischenbericht "dem Vernehmen nach schlecht ausgehen".

Geyer, der seine neue Position als Blattmacher im Januar vorerst nicht angetreten ist, war direkter Vorgesetzter von Relotius und habe die Aufklärung durch Juan Moreno "anfangs massiv behindert". Chefredakteur Steffen Klusmann wolle in der zweiten März-Hälfte bekanntgeben, ob Geyer sowie auch der designierte Co-Chefredakteur Ullrich Fichtner ihre neuen Posten nun antreten dürfen.

Die Kommission beim "Spiegel" besteht aus Brigitte Fehrle, 64, Ex-Chefredakteurin der "Berliner Zeitung", Stefan Weigel, 54, seit Januar Nachrichten-Chef der integrierten "Spiegel"-Redaktion, und Clemens Hoeges, 57, ehemaliger Vize-Chefredakteur des "Spiegels".
turi2.de (Background)
abendblatt.de

Horizont.net: Die neue Mitarbeiter-KG-Spitze des "Spiegels" steht.

Spiegel hat die Stimmen ausgezählt und die neue Mitarbeiter-KG-Spitze festgelegt: Laut Horizont.net sind es seitens der Redaktion Alexander Neubacher (Foto), leitender Redakteur Spiegel Plus, und Michael Fröhlingsdorf, Redakteur im Ressort Deutschland und derzeit Betriebsratsvorsitzender, von Verlagsseite wie bisher Vize-Personalchef Carsten Türke und Produktmanager Johannes Varvakis sowie Anika Zeller von den Dokumentaren. Im März sollen sich die fünf KG-Chefs zur konstituierenden Sitzung treffen und ihren Sprecher wählen.

Die Mitarbeiter-KG besteht aus den stimmberechtigten "Spiegel"-Mitarbeitern, Onliner und Mitarbeiter von Spiegel TV ausgenommen. Sie ist Mehrheitsgesellschafter. Roland Pimpl prognostiziert der neuen Führungsspitze "schwierige Jahre".
horizont.net, turi2.de (Background)

"Journalist": Keine Redaktion kann Claas Relotius entlasten.

Claas Relotius: 13 Redaktionen haben neben dem "Spiegel" Texte des Fälscher-Reporters veröffentlicht, acht davon haben Hinweise auf Manipulationen gefunden, erfährt der "Journalist" auf Nachfrage. Allerdings haben auch die fünf Redaktionen, die Relotius keine Fälschung nachweisen können, Zweifel an seinen Texten. Entlasten könne Relotius keine Redaktion.
journalist-magazin.de

"Zeit" findet Fehler in Texten des umstrittenen Autoren.

Zeit findet Fehler in etwa einem Drittel von rund 50 Texten, die jener Journalist geliefert hat, der mit einer Fälschung beim "SZ Magazin" aufflog. Die Fehler seien keine erfundenen Personen oder Orte, sagt Chefreporter Stefan Willeke. Derzeit bewerte die "Zeit", ob die gefundenen Fehler System haben oder entschuldbar sind. Dem "SZ Magazin" war in einem Text des Reporters eine erfundene Protagonistin aufgefallen, noch bevor er erschienen ist.
"Süddeutsche Zeitung", S. 23, turi2.de (Background)

Gebhard Henke zieht Klage nach neuen Belästigungsvorwürfen zurück.

Gebhard Henke: Der geschasste WDR-Filmchef zieht seine Klage gegen den "Spiegel" und Charlotte Roche zurück. Sie hatten Henke sexuelle Belästigung vorgeworfen bzw. darüber berichtet – Henke tat dies als Lügen ab. Der Rückzieher Henkes kommt, nachdem sich sieben weitere Frauen gemeldet haben: Sie werfen Henke anzügliche Bemerkungen, Po-Grapscher und ungewollte Küsse vor.
spiegel.de

"SZ Magazin" trennt sich wegen erfundener Protagonistin von Autor.

Relotius reloaded? Das "SZ Magazin" trennt sich von einem freien Autor und Kolumnisten, der eine Protagonistin erfunden habe, schreibt Meedia.de. Den Namen des Journalisten nennt der Mediendienst nicht. Der entsprechende Artikel wurde nicht veröffentlicht, weil Redaktion und Dokumentation Zweifel hegten. Der Journalist hat viele weitere Artikel über diverse Themen aus Sport und Gesellschaft für das "SZ Magazin" und die "Süddeutsche Zeitung" geschrieben. Laut Verlag verstoßen sie aber nicht gegen journalistische Standards. "Spiegel" und "Zeit" prüfen die Artikel, die der Autor für sie verfasst hat. Der Journalist hat den Henri-Nannen-Preis und den Reporterpreis gewonnen.
meedia.de

Meinung: Steffen Klusmann rät Journalisten, geerdet zu bleiben.

Journalisten müssen aufpassen, "den Draht zu den anderen Menschen nicht zu verlieren", sagt "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann im Verhör von "Bild"-Chef Julian Reichelt beim Content-Gipfel von GroupM. Für Trump, den Brexit und die AfD hätten "nicht nur Vollpfosten gestimmt". Vor der Einführung neuer Regeln für Reportagen sollten Journalisten "erst einmal die Regeln einhalten, die es gibt. Und vor einer Haltung zunächst mal recherchieren".
horizont.net

"NZZ"-Interview: Mathias Döpfner liest Journalisten die Leviten.


Wahrheit statt Meinung: Mathias Döpfner holt im großen Interview mit der "NZZ" zum Rundumschlag gegen den Gesinnungs-Journalismus aus. Er wirft vielen Journalisten vor, sich "zutiefst unjournalistisch" zu verhalten und sieht die Causa Relotius als systemisches Problem des "Spiegels" und "ein Indiz dafür, was in der Branche schiefläuft". Viele Journalisten wollen bei den Kollegen gut ankommen, statt "nonkonformistisch die andere Seite der Medaille zu beleuchten", sagt Döpfner. Wer als Journalist etwa antrete, um die AfD zu verhindern, werde sie damit stärken.

Döpfner spricht mit den "NZZ"-Journalisten Benedict Neff und René Scheu auch über sein Aktienpaket am Springer-Konzern, das derzeit 150 Mio Euro wert ist. Obwohl er eine "Stresserfahrung" gemacht habe, als der Springer-Kurs während der Finanzkrise einknickte, nennt er die Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen ein "Modell nicht nur für die Medienbranche". Das schärfe die "Bindekraft" und verhindere "eitelkeitsgetriebene Entscheidungen".
nzz.ch

Video-Tipp: #FootballLeaks-Journalisten geben Einblicke in ihre Recherchearbeit.

Video-Tipp: Rafael Buschmann und Michael Wulzinger, Enthüller der #FootballLeaks, sprechen bei "Zapp" über ihre Recherchearbeit. Sie verteidigen die Zusammenarbeit mit Whistleblowern, die möglicherweise als Hacker an brisante Informationen gekommen sind. Die Hürde für Journalisten sei lediglich, "dass das Material von hohem öffentlichen Interesse" sowie authentisch sei. Der Quellenschutz habe oberste Priorität, sodass Buschmann sogar gegenüber seiner Ehefrau Stillschweigen behielt.
ndr.de (63-Min-Video)

Zitat: Alexa-Managerin Marie Kilg findet pathetische Schreiber wie Claas Relotius "lächerlich".

"Wenn jemand sich selbst zu sehr an seiner wunderschönen Formulierung ergötzt hat, war mir das suspekt."

Marie Kilg, Programm-Managerin bei Amazons Alexa, parodiert Claas Relotius mit fiktiven Reportage-Ideen mittels Roboter. Der Bot zeige, dass auch Ungewöhnliches gewöhnlich werden könne.
"FAZ", S. 13 (Paid), twitter.com/rob0tius

Horizont.net: Ullrich Fichtner arbeitet operativ als Teil der "Spiegel"-Chefredaktion.


Fichtner in Führung: "Spiegel"-Journalist Ullrich Fichtner ist offenbar doch als Co-Chefredakteur im Amt - zumindest operativ, berichtet Roland Pimpl bei Horizont.net. Ende Dezember hatte der "Spiegel" beschlossen, die Verträge von Fichtner und Matthias Geyer, designierter Blattmacher, ruhen zu lassen, während eine Kommission den Fall Relotius aufklärt.

Fichtner habe Mitte Januar dennoch ein "Impulspapier" im Namen der Chefredaktion an die Ressorts verschickt. Mit diesen Schreiben wolle man künftig regelmäßig aufzeigen, "was die Chefredaktion inhaltlich so beschäftigt", heißt es in der Mail. Das Ruhen des Vertrages sei eher "formaljuristisch" und "disziplinarisch" und beziehe sich auf das Gehalt, hört Pimpl aus Führungskreisen. Eine Sprecherin des Verlags habe die Vorkommnisse nicht kommentieren wollen.
horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

"FAS" kann Texte von Claas Relotius nur bedingt prüfen.

Claas Relotius hat auch bei Texten in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gefälscht, ergibt eine Untersuchung der "FAS". Ein Interview mit dem ehemaligen Gefängniswärter von Nelson Mandela enthalte Fälschungen. Der Protagonist können sich zwar nicht an das Gespräch erinnern, einige Passagen enthielten jedoch nicht seine Worte. Zwei weitere Texte konnten nicht ausreichend überprüft werden, Relotius lässt über seinen Anwalt mitteilen, er könne die Fragen dazu "bedauerlicherweise" nicht beantworten.
"FAS", S. 34 (Paid)