Matussek-Party: Jan Fleischhauer kontert Kritik von Jan Böhmermann.

Matussek-Party: Jan Fleischhauer (Foto) reagiert in seiner "Spiegel"-Kolumne auf die Kritik seines Besuches der privaten Geburtstagsfeier von Matthias Matussek. Dieser sei ein "Wirrkopf", den er politisch nie ernst genommen habe. Jan Böhmermann, der die Teilnahme von Journalisten an der Party mit teils rechtsextremer Gästeliste kritisiert hatte, treffe "garantiert nur auf Personen, die so ähnlich denken wie er", stichelt Fleischhauer.
spiegel.de, turi2.de (Background), zdf.de (Böhmermann-Video ab Min 8:10)

5G: Bundesnachrichtendienst warnte Bundesregierung vor Huawei.

Huawei: Der Bundesnachrichtendienst warnte die Bundesregierung vor einer Beteiligung von Huawei am Aufbau des deutschen 5G-Mobilfunknetzes, schreibt der "Spiegel". Die Sicherheitsexperten begründeten die Warnung mit einer "Gesamtwürdigung" der Strategie Chinas. Der chinesische Geheimdienst dürfe laut Gesetz "betroffenen Organen, Organisationen und Bürgern die erforderliche Unterstützung, Hilfe und Zusammenarbeit verlangen".
per E-Mail, turi2.de (Background)

Renner: Relotius-Förderer Ullrich Fichtner hat "inhaltlich zusammengezogen".

Spiegel: Reporter Ullrich Fichtner soll Zitate verschiedener Personen zu den Aussagen einer einzigen Figur verschmolzen haben, berichtet Kai-Hinrich Renner. Das sage Fichtner selbst laut einer Aufnahme vom Reporter-Workshop 2016 des Vereins Reporterforum. Fichtner äußert sich gegenüber Renner per Mail, will aber nicht zitiert werden.

"Spiegel"-Journalist Fichtner war Leiter des Gesellschaftsressorts und betreute dort Claas Relotius. Seine Beförderung in die Chefredaktion, geplant für Januar, liegt deshalb auf Eis. Fichtner habe Zuhörern des damaligen Workshops auch empfohlen, sich bei Reportagen an Techniken des Kinos zu orientieren. Bei der Enthüllung des Falls Relotius zweienhalb Jahre später mahnt Fichtner hingegen, Journalisten dürften "nur Dokumentarfilme" zeigen.
morgenpost.de, turi2.de (Background)

In einer früheren Fassung dieses Beitrags lautete die Überschrift "Relotius-Förderer Ullrich Fichtner gab eigene Schummelei zu". Das ist so nicht richtig formuliert: Er hat eingeräumt, mehrere Figuren zu einer verschmolzen zu haben.

Meinung: Türkei-Akkreditierung zeigt Erdogans Willkür.

Pressefreiheit: Die Pressekarten-Vergabe der türkischen Regierung zeigt, wie Präsident Erdogan mit Willkür regiert, sagt Maximilian Popp, Türkei-Korrespondent des "Spiegel", im Meedia-Interview. Es sei frustrierend, wie Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei missachtet werden. Ankara provoziere ohne Grund eine neue Krise. Die Wahl Ende März könnte eine Rolle spielen.
meedia.de

Journalismus muss aus Fall Relotius lernen, fordert taz-Chefredakteur Georg Löwisch.

Fall Relotius muss dem Journalismus zu mehr Sorgfalt verhelfen, fordert "taz"-Chefredakteur Georg Löwisch und stellt einen 6-Punkte-Plan vor. Quellen und Rekonstruktionen sollten den Lesern transparenter gemacht werden. Anonymisierte Protagonisten müssten die Ausnahme bleiben, da es die Nachvollziehbarkeit einschränke.
journalist-magazin.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Chefredakteur Georg Löwisch zeigt die "taz" (Archiv 09/2017).

"Spiegel" reagiert knapp auf Kritik an Matussek-Freunden.

Spiegel äußert sich spät und spärlich zur Kritik an seinen Journalisten, die Matthias Matusseks Geburtstag gemeinsam mit extrem rechten Gästen feierten. Die Einladung sei "privater Natur und der Chefredaktion deshalb nicht bekannt". Und selbstverständliche distanziere sich "Der Spiegel" und "alle seine MitarbeiterInnen ausdrücklich von rechtsextremen Gesinnungen".
twitter.com, turi2.de (Background)

Matthias Matussek feiert mit Identitären und Journalisten 65. Geburtstag.


Wie politisch ist das Private? Der umstrittene Autor und Polemiker Matthias Matussek hat am Samstagabend seinen 65. Geburtstag gefeiert – die prominente Gästeliste mit Wegbegleitern vom bürgerlichen bis ins extrem rechte Spektrum verursacht tags darauf Aufregung in den sozialen Medien. Fotos bei Facebook und Twitter zeigen etwa Identitäre wie Mario Müller, den rechten Journalisten Dieter Stein und die AfD-nahe Stiftungschefin Erika Steinbach. Außerdem sind die "Spiegel"-Redakteure Martin Müller und Alexander Smoltczyk sowie "Spiegel"-Kolumnist Jan Fleischhauer Gäste der privaten Party. ARD-Moderator und Musiker Reinhold Beckmann singt Matussek ein nachdenkliches Geburtstags-Ständchen, distanziert sich via Facebook allerdings später von der Zusammenkunft: "Ich muss zugeben, ich habe mich da verlaufen, ich hätte dort nicht hingehen sollen."

Bei Twitter stellt sich ZDF-Entertainer Jan Böhmermann an die Spitze der Kritiker und nimmt vor allem den "Spiegel" ins Visier: Er fragt u.a., ob die Chefredaktion von der Feier und der Teilnahme der Redaktions-Mitglieder vorab wusste und wie sich die Leitung des Nachrichten-Magazins dazu verhält. Eine Stellungnahme des "Spiegel" dazu gibt es bis zum Abend nicht.
twitter.com (Böhmermann), facebook.com (Matussek über Beckmann), facebook.com (Beckmann über Matussek), twitter.com (Sammlung Party-Bilder)

Update 11.3., 5.30 Uhr: Laut "Bild" haben auch Franz-Josef Wagner, "Bild", Ulrich Greiner, Zeit Online, Stephan Sattler, "Focus" und "stern"-Journalist Jochen Siemens mitgefeiert. Das Boulevard-Blatt nennt die Feier "eine der seltsamsten Geburtstagspartys des Jahres".
bild.de

Renner: Zwischenbericht im Fall Relotius liegt der "Spiegel"-Chefredaktion vor.


Zwischenbilanz: Die dreiköpfige Prüfkommission im Fall Relotius hat der "Spiegel"-Chefredaktion nach drei Monaten interner Recherche einen Zwischenbericht vorgelegt, schreibt Kai-Hinrich Renner. Der Bericht beziehe sich in erster Linie auf das Gesellschaftsressort, in dem die Texte von Ex-Redakteur Claas Relotius erschienen sind. Für Matthias Geyer, Ressortleiter Gesellschaft und designierter Blattmacher beim Spiegel, könne der Zwischenbericht "dem Vernehmen nach schlecht ausgehen".

Geyer, der seine neue Position als Blattmacher im Januar vorerst nicht angetreten ist, war direkter Vorgesetzter von Relotius und habe die Aufklärung durch Juan Moreno "anfangs massiv behindert". Chefredakteur Steffen Klusmann wolle in der zweiten März-Hälfte bekanntgeben, ob Geyer sowie auch der designierte Co-Chefredakteur Ullrich Fichtner ihre neuen Posten nun antreten dürfen.

Die Kommission beim "Spiegel" besteht aus Brigitte Fehrle, 64, Ex-Chefredakteurin der "Berliner Zeitung", Stefan Weigel, 54, seit Januar Nachrichten-Chef der integrierten "Spiegel"-Redaktion, und Clemens Hoeges, 57, ehemaliger Vize-Chefredakteur des "Spiegels".
turi2.de (Background)
abendblatt.de

Horizont.net: Die neue Mitarbeiter-KG-Spitze des "Spiegels" steht.

Spiegel hat die Stimmen ausgezählt und die neue Mitarbeiter-KG-Spitze festgelegt: Laut Horizont.net sind es seitens der Redaktion Alexander Neubacher (Foto), leitender Redakteur Spiegel Plus, und Michael Fröhlingsdorf, Redakteur im Ressort Deutschland und derzeit Betriebsratsvorsitzender, von Verlagsseite wie bisher Vize-Personalchef Carsten Türke und Produktmanager Johannes Varvakis sowie Anika Zeller von den Dokumentaren. Im März sollen sich die fünf KG-Chefs zur konstituierenden Sitzung treffen und ihren Sprecher wählen.

Die Mitarbeiter-KG besteht aus den stimmberechtigten "Spiegel"-Mitarbeitern, Onliner und Mitarbeiter von Spiegel TV ausgenommen. Sie ist Mehrheitsgesellschafter. Roland Pimpl prognostiziert der neuen Führungsspitze "schwierige Jahre".
horizont.net, turi2.de (Background)

"Journalist": Keine Redaktion kann Claas Relotius entlasten.

Claas Relotius: 13 Redaktionen haben neben dem "Spiegel" Texte des Fälscher-Reporters veröffentlicht, acht davon haben Hinweise auf Manipulationen gefunden, erfährt der "Journalist" auf Nachfrage. Allerdings haben auch die fünf Redaktionen, die Relotius keine Fälschung nachweisen können, Zweifel an seinen Texten. Entlasten könne Relotius keine Redaktion.
journalist-magazin.de

"Zeit" findet Fehler in Texten des umstrittenen Autoren.

Zeit findet Fehler in etwa einem Drittel von rund 50 Texten, die jener Journalist geliefert hat, der mit einer Fälschung beim "SZ Magazin" aufflog. Die Fehler seien keine erfundenen Personen oder Orte, sagt Chefreporter Stefan Willeke. Derzeit bewerte die "Zeit", ob die gefundenen Fehler System haben oder entschuldbar sind. Dem "SZ Magazin" war in einem Text des Reporters eine erfundene Protagonistin aufgefallen, noch bevor er erschienen ist.
"Süddeutsche Zeitung", S. 23, turi2.de (Background)

Gebhard Henke zieht Klage nach neuen Belästigungsvorwürfen zurück.

Gebhard Henke: Der geschasste WDR-Filmchef zieht seine Klage gegen den "Spiegel" und Charlotte Roche zurück. Sie hatten Henke sexuelle Belästigung vorgeworfen bzw. darüber berichtet – Henke tat dies als Lügen ab. Der Rückzieher Henkes kommt, nachdem sich sieben weitere Frauen gemeldet haben: Sie werfen Henke anzügliche Bemerkungen, Po-Grapscher und ungewollte Küsse vor.
spiegel.de

"SZ Magazin" trennt sich wegen erfundener Protagonistin von Autor.

Relotius reloaded? Das "SZ Magazin" trennt sich von einem freien Autor und Kolumnisten, der eine Protagonistin erfunden habe, schreibt Meedia.de. Den Namen des Journalisten nennt der Mediendienst nicht. Der entsprechende Artikel wurde nicht veröffentlicht, weil Redaktion und Dokumentation Zweifel hegten. Der Journalist hat viele weitere Artikel über diverse Themen aus Sport und Gesellschaft für das "SZ Magazin" und die "Süddeutsche Zeitung" geschrieben. Laut Verlag verstoßen sie aber nicht gegen journalistische Standards. "Spiegel" und "Zeit" prüfen die Artikel, die der Autor für sie verfasst hat. Der Journalist hat den Henri-Nannen-Preis und den Reporterpreis gewonnen.
meedia.de

Meinung: Steffen Klusmann rät Journalisten, geerdet zu bleiben.

Journalisten müssen aufpassen, "den Draht zu den anderen Menschen nicht zu verlieren", sagt "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann im Verhör von "Bild"-Chef Julian Reichelt beim Content-Gipfel von GroupM. Für Trump, den Brexit und die AfD hätten "nicht nur Vollpfosten gestimmt". Vor der Einführung neuer Regeln für Reportagen sollten Journalisten "erst einmal die Regeln einhalten, die es gibt. Und vor einer Haltung zunächst mal recherchieren".
horizont.net

"NZZ"-Interview: Mathias Döpfner liest Journalisten die Leviten.


Wahrheit statt Meinung: Mathias Döpfner holt im großen Interview mit der "NZZ" zum Rundumschlag gegen den Gesinnungs-Journalismus aus. Er wirft vielen Journalisten vor, sich "zutiefst unjournalistisch" zu verhalten und sieht die Causa Relotius als systemisches Problem des "Spiegels" und "ein Indiz dafür, was in der Branche schiefläuft". Viele Journalisten wollen bei den Kollegen gut ankommen, statt "nonkonformistisch die andere Seite der Medaille zu beleuchten", sagt Döpfner. Wer als Journalist etwa antrete, um die AfD zu verhindern, werde sie damit stärken.

Döpfner spricht mit den "NZZ"-Journalisten Benedict Neff und René Scheu auch über sein Aktienpaket am Springer-Konzern, das derzeit 150 Mio Euro wert ist. Obwohl er eine "Stresserfahrung" gemacht habe, als der Springer-Kurs während der Finanzkrise einknickte, nennt er die Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen ein "Modell nicht nur für die Medienbranche". Das schärfe die "Bindekraft" und verhindere "eitelkeitsgetriebene Entscheidungen".
nzz.ch

Video-Tipp: #FootballLeaks-Journalisten geben Einblicke in ihre Recherchearbeit.

Video-Tipp: Rafael Buschmann und Michael Wulzinger, Enthüller der #FootballLeaks, sprechen bei "Zapp" über ihre Recherchearbeit. Sie verteidigen die Zusammenarbeit mit Whistleblowern, die möglicherweise als Hacker an brisante Informationen gekommen sind. Die Hürde für Journalisten sei lediglich, "dass das Material von hohem öffentlichen Interesse" sowie authentisch sei. Der Quellenschutz habe oberste Priorität, sodass Buschmann sogar gegenüber seiner Ehefrau Stillschweigen behielt.
ndr.de (63-Min-Video)

Zitat: Alexa-Managerin Marie Kilg findet pathetische Schreiber wie Claas Relotius "lächerlich".

"Wenn jemand sich selbst zu sehr an seiner wunderschönen Formulierung ergötzt hat, war mir das suspekt."

Marie Kilg, Programm-Managerin bei Amazons Alexa, parodiert Claas Relotius mit fiktiven Reportage-Ideen mittels Roboter. Der Bot zeige, dass auch Ungewöhnliches gewöhnlich werden könne.
"FAZ", S. 13 (Paid), twitter.com/rob0tius

Horizont.net: Ullrich Fichtner arbeitet operativ als Teil der "Spiegel"-Chefredaktion.


Fichtner in Führung: "Spiegel"-Journalist Ullrich Fichtner ist offenbar doch als Co-Chefredakteur im Amt - zumindest operativ, berichtet Roland Pimpl bei Horizont.net. Ende Dezember hatte der "Spiegel" beschlossen, die Verträge von Fichtner und Matthias Geyer, designierter Blattmacher, ruhen zu lassen, während eine Kommission den Fall Relotius aufklärt.

Fichtner habe Mitte Januar dennoch ein "Impulspapier" im Namen der Chefredaktion an die Ressorts verschickt. Mit diesen Schreiben wolle man künftig regelmäßig aufzeigen, "was die Chefredaktion inhaltlich so beschäftigt", heißt es in der Mail. Das Ruhen des Vertrages sei eher "formaljuristisch" und "disziplinarisch" und beziehe sich auf das Gehalt, hört Pimpl aus Führungskreisen. Eine Sprecherin des Verlags habe die Vorkommnisse nicht kommentieren wollen.
horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

"FAS" kann Texte von Claas Relotius nur bedingt prüfen.

Claas Relotius hat auch bei Texten in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gefälscht, ergibt eine Untersuchung der "FAS". Ein Interview mit dem ehemaligen Gefängniswärter von Nelson Mandela enthalte Fälschungen. Der Protagonist können sich zwar nicht an das Gespräch erinnern, einige Passagen enthielten jedoch nicht seine Worte. Zwei weitere Texte konnten nicht ausreichend überprüft werden, Relotius lässt über seinen Anwalt mitteilen, er könne die Fragen dazu "bedauerlicherweise" nicht beantworten.
"FAS", S. 34 (Paid)

Spiegel TV schafft Chefredakteur ab – Steffen Haug soll aber bleiben.


Tschüss, Chef: Spiegel TV schafft die Position des Chefredakteurs ab und beruft Steffen Haug, 51, ab. Im Rahmen der laufenden Neuausrichtung sollen die Redaktionen künftig von Produzenten geführt werden, die direkt an die Geschäftsführer Goetz Hoefer, 48, und Kay Siering, 42, berichten. Wer die Produzenten-Posten übernehmen soll, sei noch nicht entschieden. Der Verlag verspricht sich schlankere Strukturen, mit denen er besser auf dem TV-Markt agieren kann.

Mit Steffen Haug, der seit über 20 Jahren in verschiedenen Funktionen bei Spiegel TV aktiv ist, fänden derzeit Gespräche über eine neue Position statt. "Wir würden uns sehr freuen, wenn wir ihn in neuer Funktion auch weiterhin für Spiegel TV verpflichten könnten", lässt sich Kay Siering in einer Pressemitteilung zitieren.
spiegelgruppe.de

Spiegel Online analysiert Relotius-Texte auf ihren Wahrheitsgehalt.

Fall Relotius: Spiegel Online veröffentlicht eine Liste, die zu 28 Texten von Claas Relotius Fehler und Fälschungen offenlegt. Wie bekannt ist, hat Relotius Fakten und Zitate erfunden, vielfach habe er aber auch Fehler anderer Medien ungeprüft übernommen.

Drei der 28 Texte seien im Kern korrekt, drei Kurz­interviews über Migranten in Deutschland sowie Zulieferungen zu einem Beitrag über die Stadt München ebenfalls unverfälscht. In zwei Fällen habe Relotius nur Recherchen anderer Reporter oder Quellen unmanipuliert zusammengefasst. Ein märchenhaft erscheinendes Detail in einem sonst weitgehend erfundenen Text sei sogar wahr.
spiegel.de

Springer-Chef Mathias Döpfner predigt Social-Media-Enthaltsamkeit.


Keine Perlen für Twitter: Springer-Chef Mathias Döpfner schießt im großen dpa-Interview scharf gegen Social-Media-Lautsprecher. Twitternde Journalisten nennt Döpfner "zunehmend problematisch". Es werde "viel zu schnell geschrieben, was am Ende der Marke abträglich ist", sagt Döpfner. Angesprochen fühlen dürften sich da auch Julian Reichelt und Ulf Poschardt – die Chefs von "Bild" und "Welt" stürzen sich selbst bereitwillig in jedes Twitter-Gefecht. Nun empfiehlt ihr Konzernchef "allergrößte Zurückhaltung" und sagt, dass Twitter-Salven "allenfalls der Person, sehr selten dem von ihr vertretenen Medium" dienen.

Dass Döpfner selbst das Instrument der Zuspitzung beherrscht, zeigt er zur Causa Relotius, die er "wesentlich schlimmer als die Hitler-Tagebücher" findet. Das Magazin habe ein Klima geschaffen, in dem Weltanschauung wichtiger sei als Anschauung. Einstweilen sei aus dem "Sturmgeschütz der Demokratie" ein "Luftgewehr der Fantasie" geworden. Die Aufklärung des Betrugs findet er "erstaunlich zurückhaltend" und vermutet "Beißhemmungen" bei den Kollegen, weil Relotius in vielen Medien Lügen verbreiten konnte. Der "Spiegel" habe das Glück, dass mit Steffen Klusmann seit Januar ein Chefredakteur im Amt ist, der mit dieser Sache nichts zu tun habe und völlig unbelastet agieren könne. "Wenn er das konsequent macht, kann auch der 'Spiegel' sich davon erholen", glaubt Döpfner.
nordkurier.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Springer-Chef Mathias Döpfner über Musik, Strategie und die Zukunft (9/2018).

"Spiegel" macht Clemens Höges und Armin Mahler zu Interims-Blattmachern.

Spiegel beruft als Interims-Chefs Armin Mahler und Clemens Höges als Blattmacher des Nachrichtenmagazins, schreibt Meedia. Mahler (Foto) leitete über 25 Jahre das Wirtschaftsressort und war auch zeitweise Geschäftsführer der Spiegel Mitarbeiter KG. Höges war bereits stellvertreter Chefredakteur an der Seite von Wolfgang Büchner und ist Mitglied der dreiköpfigen Aufklärungskommission im Fall Relotius. Die Verträge mit Ullrich Fichtner und Matthias Geyer wurden zuvor ausgesetzt.
meedia.de, turi2.de (Background)

Renner: Relotius-Dokumentar verlässt den "Spiegel".

Spiegel und der für Claas Relotius zuständige Mitarbeiter in der Dokumentation trennen sich, berichtet Kai-Hinrich Renner. Der Mitarbeiter habe ein Angebot zum Vorruhestand angenommen. Der Verlag will zu "einzelnen Vertragsverhältnissen" nichts sagen. Laut Renner waren sich der Dokumentar und Relotius' früheres Ressort Gesellschaft näher als üblich – der Dokumentar habe auf demselben Flur gesessen. Ressortleiter Matthias Geyer habe sich ungern reinreden lassen. Chefredakteur Steffen Klusmann wolle ihn aber als Ressortleiter behalten.
abendblatt.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Wir müssen uns relativ nackig machen" – "Spiegel"-Chef Steffen Klusmann über den Relotius-Skandal.

Susanne Amann tritt nicht mehr für die Spitze der "Spiegel"-Mitarbeiter-KG an.

Spiegel: Susanne Amann, seit Jahresbeginn eine der beiden Managing Editors, tritt nicht wieder als Sprecherin der Geschäftsführung der Mitarbeiter-KG an, berichtet Roland Pimpl. Unter den Mitarbeitern hatte ihre Personalie für Unruhe gesorgt - eine Gesellschafter-Vertreterin könne nicht gleichzeitig auf der zweiten Managementebene arbeiten, so die Kritik. Ein Geschmäckle hinterlasse auch, dass sie erst als Sprecherin der mächtigen KG an der Brinkbäumer-Ablösung beteiligt war und nun von dessen Nachfolger befördert wurde.
horizont.net

Media-Tenor-Ranking: "Bild" ist Deutschlands meistzitiertes Medium 2018.

Mehr Maaßen macht meistzitiertes Medium aus: "Bild" ist 2018 das meistzitierte Medium in Deutschland, zählt Media Tenor in seinem Zitate-Ranking. Mit insgesamt 1.203 Exklusiv-Meldungen ist der Boulevardtitel vor dem "Spiegel", der mit 1.098 Nennungen knapp dahinter liegt. Es folgen "New York Times" mit 907 Zitaten sowie "Bild am Sonntag" mit 895 Zitaten. "Süddeutsche Zeitung" und "Handelsblatt" belegen die Plätze 5 und 6.

Besonders häufig wird "Bild" mit Aussagen von Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen zitiert als dieser die Echtheit der Chemnitz-Videos anzweifelt. Auch Themen wie die Organspende oder die diskutierte Digitalsteuer verhelfen "Bild" 2018 zu Nennungen in anderen Medien.
"Bild", S. 1 (Paid)

Meinung: Relotius bedient Rollenbilder, die Leser hören wollen, schreibt James Kirchick.

Spiegel zerbricht am Fall Relotius und befeuert "reflexhaften Antiamerikanismus", kommentiert der US-Journalist James Kirchick. Die Schuld liege nicht allein bei Relotius oder fahrlässigen Faktenprüfern, sondern in der Mentalität der Redakteure und Leser: Relotius erzähle ihnen, was sie erwarteten und hören wollten – ein Paradebeispiel für motiviertes Denken.
faz.net, turi2.de (Background)