"Cumhuriyet" leidet unter internem Streit, beobachtet Ozan Demircan.

Cumhuriyet, wichtigste regierungskritische Zeitung der Türkei, schwächt mit internen Streitigkeiten die Kraft der Opposition, beobachtet Ozan Demircan. Unter den Journalisten der Zeitung sei ein Machtkampf und Streit über die Ausrichtung entbrannt. Kritiker von Ex-Chefredakteur Can Dündar werfen ihm vor, er habe "Cumhuriyet" in der Vergangenheit heruntergewirtschaftet und "zu sehr mit Gülen gekuschelt". Kritiker des neuen Verlagschefs Alev Coskun sagen, er sei ein Denunziant.
handelsblatt.com

"Wiwo": Ankara hat Ströer aus der Türkei verdrängt.

Ströer hat das Geschäft in der Türkei aufgegeben, weil die Stadtregierung in Ankara den Außenwerber zugunsten des Erdogan-Vertrauten Murat Ilbak "systematisch verdrängt" habe, schreibt die "Wirtschaftswoche". Ankara habe den Vertrag einseitig gekündigt, Ströer dagegen geklagt und zunächst recht bekommen. Ankara zog mit drei weiteren Klagen nach, weshalb Ströer nach vergeblichen Vermittlungsversuchen an Kentvizyon verkauft habe. Firmenbesitzer Ilbak steht in der Kritik, bei Wahlkämpfen nahezu ausschließlich die AKP auf seine Plakatflächen zu lassen. Ströer und die Ilbak-Holding äußern sich nicht.
"Wirtschaftswoche" 43/2018, S. 6 (Paid), turi2.de (Background)

Jamal Khashoggi beklagt in seiner letzten Kolumne die Unfreiheit in arabischen Staaten.

Lese-Tipp: Die "Washington Post" veröffentlicht die letzte Kolumne von Jamal Khashoggi, dem im saudischen Konsulat in Istanbul verschwundenen und mutmaßlich getöteten Journalisten. Er thematisiert darin den Mangel an Freiheitsrechten in den arabischen Staaten - außer in Tunesien. Mangelnde Medien- und Pressefreiheit halte die Bevölkerungen uninformiert und lasse Missmanagement blühen.
washingtonpost.com

Türkei will Journalist Can Dündar von Interpol suchen lassen.

Türkei: Ein Gericht in Istanbul fordert vom türkischen Justizministerium, den ehemalige Chefredakteur der "Cumhuriyet", Can Dündar, auf die internationale Fahndungsliste von Interpol zu setzen. Dündar lebt im deutschen Exil. Auch nach dem im Ausland lebenden "Cumhuriyet"-Journalisten Ilhan Tanir solle international gesucht werden. Unterdessen hebt ein Ausreisesperre gegen Suat Corlu, den Ehemann der deutschen Journalistin Mesale Tolu, auf. Der Prozess wegen Terrorvorwürfen gegen das Ehepaar geht am 10. Januar weiter.
faz.net (Dündar), tagesschau.de (Tolu)

Video soll Mord an saudischem Journalisten Jamal Khashoggi beweisen.

Verschwundener Journalist: Die türkische Regierung besitzt offenbar ein Video, das den Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi beweisen soll, berichtet die Washington Post. Auf dem Video sei zu hören, wie Arabisch sprechende Männer Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul befragen, ihn foltern und später töten. Zuvor hatte er den Kronprinzen Mohammed bin Salman kritisiert. Das Video ist auch heikel, weil es zeigen würde, dass die Türkei Einrichtungen anderer Staten ausspioniert.
washingtonpost.com via sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Türkei erhöht im Fall Khashoggi den Druck auf Saudi-Arabien.

Türkei beantragt im Fall des verschwundenen regimekritischen, saudischen Journalisten Jamal Khashoggi die Durchsuchung des saudischen Konsulats in Istanbul. Zudem muss der saudi-arabische Botschafter erneut zum Rapport kommen. Khashoggi hatte das Konsulat letzte Woche betreten, ohne wieder herauszukommen. Die Türkei vermutet, dass er ermordet wurde.
stern.de, turi2.de (Background)

Bild des Tages: Security wirft Erdogan-Kritiker bei Pressekonferenz im Kanzleramt raus.


Unerwünschter Protest: Sicherheitskräfte führen bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt den Erdogan-kritischen Journalisten Ertugrul Yigit ab. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Pressefreiheit für Journalisten in der Türkei" auf Türkisch und Deutsch. Andere Fotografen halten die Szenerie fest. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsident Erdogan verfolgen den Vorfall begrenzt amüsiert im Hintergrund. Yigit betreibt die kleine, türkischsprachige Online-Zeitung "Avrupa Postasi" schreibt als Freier u.a. für die "taz" und die "Zeit". (Foto: Michael Sohn / AP Photo / Picture Alliance)
twitter.com/herrkloeckner (11-Sek-Video), bz-berlin.de


Journalist Dündar verzichtet auf Erdogan-Pressekonferenz.

Pressefreiheit: Can Dündar, Ex-Chefredakteur der oppositionellen türkischen Zeitung "Cumhuriyet", verzichtet auf die Pressekonferenz von Kanzlerin Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Zuvor hat die Türkei laut "Bild" gedroht, die Pressekonferenz abzusagen, falls der Journalist teilnimmt. Die türkische Regierung fordert Dündars Auslieferung.
bild.de, spiegel.de, ozguruz.org, twitter.com (Dündar-Statement)

Türkische Polizei nimmt österreichischen Journalisten fest.

Türkei: Die Polizei hat in Ankara den österreichischen Journalisten Max Zirngast festgenommen. Die Festnahme erfolgte im Rahmen einer Razzia gegen die linksgerichtete türkische Splitterpartei TÖPG. Der 29-Jährige Student schreibt u.a. für die Junge Welt sowie die linken Onlinemagazine Revolt aus der Schweiz und Jacobin aus den USA.
derstandard.at, jungewelt.de

Rund 20 "Cumhuriyet"-Autoren wurden gekündigt oder gehen freiwillig.

Türkei Flagge 150Cumhuriyet verliert ihre liberale Ausrichtung, beobachtet Christiane Schlötzer: Nationalisten sind ins Stiftungsgremium eingezogen, die Abschiedskolumne des bisherigen Chefredakteurs Murat Sabuncu haben die neuen Lenker von der Website der Zeitung gelöscht. Rund 20 Autoren und Redakteure sind gekündigt worden oder nehmen freiwillig den Hut.
sueddeutsche.de

Deniz Yücel verklagt die Türkei auf Schadenersatz.

Türkei: "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel verklagt den türkischen Staat auf Entschädigung für seine "unrechtmäßige Inhaftierung". Er fordert 1 Mio türkische Lira Schadenersatz, derzeit rund 132.000 Euro. Das Verfahren soll am 25. September vor einem Gericht in Istanbul beginnen, schreibt die türkische Sektion von Reporter ohne Grenzen bei Twitter.
welt.de, tagesschau.de

Mesale Tolu ist wieder in Deutschland, will sich aber nicht freuen.

Unvollendet zurück: Mesale Tolu ist am Sonntagnachmittag in Stuttgart gelandet. Nach ihrer Rückkehr aus der Türkei sagte die Journalistin auf einer Pressekonferenz, dass sie ihre Rückkehr nur bedingt genieße, weil andere Journalisten weiter in Haft seien: "Es ist nicht so, dass ich mich wirklich über die Ausreise freue, weil ich weiß, dass sich in dem Land, in dem ich eingesperrt war, nichts verändert hat." Mesale Tolu saß in der Türkei sieben Monate im Gefängnis und durfte anschließend über ein halbes Jahr lang nicht ausreisen.
tagesschau.de, turi2.de (Background)

Angeklagte Journalistin Mesale Tolu kehrt aus der Türkei nach Deutschland zurück.


Rückkehr: Die in der Türkei angeklagte deutsche Journalistin Mesale Tolu kehrt heute nach Deutschland zurück. Sie landet in Stuttgart und gibt dort am Nachmittag eine Pressekonferenz. Vor einer Woche hatte ein Gericht in Istanbul ihre Ausreisesperre aufgehoben. Die Türkei wirft ihr vor, die linksradikale Partei MLKP zu unterstützen.
stern.de, turi2.de (Background)

Deutsche Journalistin Mesale Tolu darf die Türkei verlassen.

Türkei: Die deutsche Journalistin Mesale Tolu darf offenbar das Land verlassen, teilen ihre Unterstützer in der Nacht mit. Ein Istanbuler Gericht habe überraschend ihre Ausreisesperre aufgehoben, der Prozess gegen sie werde aber fortgeführt. Die türkische Justiz wirft Tolu Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Tolus Mann, Suat Çorlu, der im selben Verfahren angeklagt ist, muss vorerst in der Türkei bleiben.
welt.de, tagesschau.de

Türkei boykottiert den Eurovision Song Contest u.a. wegen Conchita Wurst.

Türkei nimmt auf unbestimmte Zeit nicht mehr am Eurovision Song Contest teil, erklärt Ibrahim Eren, Präsident des staatlichen Senders TRT. Als Grund gibt er den Sieg von Conchita Wurst für Österreich 2014 an. Man könne keine Sendung ausstrahlen, in der ein Kandidat "zugleich Bart und Rock trägt und zugleich Mann und Frau sein will", sagt Eren gegenüber "Hürriyet". Die Türkei ist seit 2013 nicht mehr beim ESC angetreten – bisher offiziell wegen der Regel, dass die fünf größten Länder automatisch ins Finale einziehen.
dwdl.de

Zitat: Erdem Gül findet Streit in der Redaktion normal.

"Wenn da eine Lüge ist, sollten wir beim Schreiben der Wahrheit nicht den Fehler machen, in blinde Opposition gegen die Regierung zu verfallen."

Cumhuriyet-Journalist Erdem Gül erklärt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" den Grundsatz seiner Arbeit – Streitigkeiten in der Redaktion seien zum Erreichen dieses Ziels ganz normal.
sueddeutsche.de

Türkisches Gericht spricht "Cumhuriyet"-Journalisten frei.

Türkei Flagge 150Türkei: Das Strafgericht in Istanbul hat den regierungskritischen Journalisten Erdem Gül vom Vorwurf des Geheimnisverrats freigesprochen. Der Bürochef der Zeitung Cumhuriyet in Ankara war 2016 wegen eines Berichts über verdeckte Waffenlieferungen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Im März hatte ein Berufungsgericht das Urteil aufgehoben.
faz.net, derstandard.at

Britisches Unternehmen verklagt türkische Regierung auf 5 Mrd US-Dollar.

Türkei Flagge 150Türkei: Die britische Investmentfirma Ipek Investment verklagt die türkische Regierung. Sie fordert vor dem Schiedsgericht der Weltbank 5 Mrd US-Dollar für die Schließung regierungskritischer Medien. Die Firma hält Anteile an der Ipek-Mediengruppe. Anleger können Staaten bei bilateralen Investitionsabkommen vor Schiedsgerichten verklagen.
derstandard.at

Türkisches Gericht verhängt Freiheitsstrafen gegen sechs Journalisten.

Türkei: Ein Gericht in Istanbul verurteilt den "Zaman"-Kolumnisten Şahin Alpay und fünf weitere Journalisten der geschlossenen Zeitung "Zaman" zu langjährigen Freiheitsstrafen. Sie sollen laut Gericht Verbindungen zum Putschversuch vom Juli 2016 und zur Gülen-Bewegung gehabt haben. Fünf andere Angeklagte werden freigesprochen.
spiegel.de, nzz.ch, turi2.de (Background)

dpa gründet Regionalbüro für die Arabische Welt und Israel mit Jan Kuhlmann als Leiter.

dpa splittet die Region Nahost auf und macht Jan Kuhlmann zum Regionalbüroleiter für die Arabische Welt und Israel. Jan Kuhlmann war bisher Vize-Büroleiter Nahost in Istanbul. Seine neue Funktion wird er zunächst ebenfalls aus Istanbul ausüben, 2019 wechselt er voraussichtlich nach Beirut. Christine Röhrs wird als künftige Regionalbüroleiterin in Istanbul die Berichterstattung aus der Türkei, dem Iran, Pakistan und Afghanistan koordinieren.
presseportal.de, turi2.de (Background)

Bild des Tages: Gedenken an Solinger Brandanschlag vor 25 Jahren.


Deutsch-türkisches Gedenken: Der deutsche Außenminister Heiko Maas und sein türkischer Kollege Mevlut Cavusoglu stehen vor einem mit Blumenkränzen geschmückten Mahnmal und gedenken dem Brandanschlag in Solingen vor 25 Jahren. Bei dem rechtsextrem motivierten Anschlag sind fünf türkische Frauen und Kinder ums Leben gekommen. (Foto: Michael Probst / AP / Picture Alliance)

Frankreich: Präsident Macron verteidigt Nachrichtenmagazin-Titelseite.

Frankreich Präsident Emmanuel Macron verteidigt ein Cover des Nachrichtenmagazins "Le Point", das unter der Überschrift "Der Diktator" den türkischen Präsidenten Erdogan zeigt. Erdogan-Anhänger hatten einen Kiosk genötigt, Plakate des Covers zu entfernen. Das sei ein Skandal, schreibt Macron bei Twitter, und: Pressefreiheit sei unbezahlbar.
spiegel.de, twitter.com (Macron)

Böhmermann-Schmähgedicht über Erdogan bleibt größtenteils verboten.

Jan Böhmermann: Das Schmähgedicht des Satirikers über den türkischen Präsidenten Erdogan bleibt größtenteils verboten. Das Oberlandesgericht Hamburg bestätigte das Urteil der Vorinstanz und lehnt damit sowohl die Berufung Böhmermanns als auch die Erdogans ab. Böhmermann hatte mit seiner Berufung das Verbot einzelner Passagen anfechten wollen, Erdogan hingegen wollte ein vollständiges Verbot des Gedichts erwirken.
welt.de, turi2.de (Background)

Böhmermann-Schmähgedicht bleibt wohl teilweise verboten.

Jan Böhmermann: Das Oberlandesgericht Hamburg will heute sein Urteil im Rechtsstreit um Böhmermanns Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan verkünden. Das Landgericht hatte im Februar 2017 entschieden, dass Jan Böhmermann weite Teile des Gedichts nicht wiederholen darf. Das OLG hat bereits erkennen lassen, dass es dieser Entscheidung folgen wird. Böhmermann will ein Verbot einzelner Passagen nicht hinnehmen, Erdogan dagegen dringt auf ein vollständiges Verbot des Gedichts.
tagesspiegel.de

Springer verkauft seine Anteile an Dogan TV eher.

Springer zieht sich schneller als geplant aus der Türkei zurück und verkauft seinen Anteil an Dogan TV von rund 7 % für 160 Mio Euro, sagt Konzernchef Mathias Döpfner. Der Ausstieg sei wirtschaftlich erfreulich, der Auslöser eher weniger: Die Dogan Holding verkauft alle Medien, u.a. "Hürriyet" und "CNN Türk") an die regierungsnahe Mediengruppe Demirören. Döpfner sagt, Springer sei "schon in den letzten Jahren von der Entwicklung sehr enttäuscht" gewesen.
handelsblatt.com

Springer verkündet Umsatz-Wachstum und schnellen Türkei-Ausstieg.


Springer wächst, geht und bleibt: Springer wächst im 1. Quartal um 6,9 % und setzt 773,5 Mio Euro um. Die Anzahl der Mitarbeiter steigt um 525 bzw. 3,4 % auf 16.123. 70,1 % der Konzernerlöse stammen aus dem Digitalgeschäft. Es liefert 80,3 % des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die digitale Stärke sei erfreulich, auch die journalistischen Angebote entwickeln sich positiv, sagt Konzernchef Mathias Döpfner bei der Telefonpressekonferenz des Verlags.

Er gibt außerdem bekannt, dass Springer sich schneller als geplant aus der Türkei zurückzieht und seinen Anteil an Dogan TV von rund 7 % für 160 Mio Euro verkauft. Der Ausstieg sei wirtschaftlich erfreulich, der Auslöser eher weniger: Die Dogan Holding verkauft alle Medien, u.a. "Hürriyet" und "CNN Türk", an die regierungsnahe Mediengruppe Demirören. Döpfner sagt, Springer sei "schon in den letzten Jahren von der Entwicklung sehr enttäuscht" gewesen.

Auch die Entwicklung bei Verimi findet er bedauerlich – Donata Hopfen hat kurz nach dem offiziellen Start die Geschäftsführung abgegeben, weil sie die Geschicke der Log-In-Allianz nicht alleine bestimmen durfte. Die "Mehrheit der Gesellschafter" habe aber entschieden, die Geschäftsführung der Daten-Allianz gleichberechtigt zu führen, so Döpfner. Springer hält trotz Hopfens Rückzug an seinem Anteil fest.
axelspringer.de (Quartalsergebnisse), handelsblatt.com (Türkei), meedia.de (Verimi)