Yücel-Anwälte beantragen Freilassung beim türkischen Verfassungsgericht.

Deniz Yücel: Die Anwälte des inhaftierten "Welt"-Korrespondenten haben beim türkischen Verfassungsgericht einen Antrag auf Freilassung von Yücel aus der Untersuchungshaft eingereicht. Die Inhaftierung verletze u.a. "sein Recht auf körperliche Unversehrtheit und seine persönliche Freiheit" sowie das Recht "auf ein faires Verfahren", argumentieren die Anwälte. Yücel ist seit vier Wochen in Einzelhaft, deutschen Botschaftsvertretern bleibt der Zugang zu Yücel verwehrt.
welt.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Basta: Darum schickte der NDR ’ne Texterstaffel hinterher – Recep-Witze sind nicht schwer.

Extra 3, Satiremagazin des NDR, zeigt heute eine neue Hommage an den türkischen Präsidenten. Ein Jahr nach "Erdowie, Erdowo, Erdogan" muss nun die Nena-Vorlage "99 Luftballons" herhalten. Der NDR hält das Lied zurück - der deutsche Botschafter in Ankara soll es wohl live im NDR sehen können, bevor er einbestellt wird.
shz.de, wuv.deKommentieren ...

Türkische Zeitung wirft Deutscher Welle "Terror-Propaganda" vor.

Deutsche Welle 150Deutsche Welle wehrt sich gegen den Vorwurf aus der Türkei, "Terror-Propaganda" zu betreiben. Die Zeitung "Günes" erhebt den Vorwurf, weil die türkische Redaktion der DW von einer kurdischen Kundgebung in Frankfurt per Facebook Live berichtete. Intendant Peter Limbourg verteidigt die Übertragung als einen Weg, Meinungsvielfalt anzubieten. Von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung macht auch der türkische Präsident Erdogan Gebrauch: Er wirft Bundeskanzlerin Merkel persönlich Nazi-Methoden vor und nennt den inhaftierten Deniz Yücel einen "terroristischen Agenten".
dw.com, spiegel.de (Erdogan)Kommentieren ...

Zitat: Gabriel zweifelt im Fall Yücel an Rechtsstaatlichkeit der Türkei.

"Wenn die Türkei wirklich ein Rechtsstaat ist, wie Herr Erdogan behauptet, dann frage ich mich, wie er schon vor Beginn eines Gerichtsverfahrens wissen kann und sagen darf, dass Deniz Yücel ein Terrorist und Spion sei."

Außenminister Sigmar Gabriel berichtet im "Spiegel" von vergeblichen Versuchen deutscher Diplomaten, zum inhaftierten "Welt"-Journalisten Deniz Yücel Kontakt aufzunehmen.
"Spiegel", 12/2017, S. 12Kommentieren ...

Basta: Türkei schiebt niederländische Kühe ab.

Das geht auf keine Kuhhaut: Die diplomatische Krise zwischen der Türkei und den Niederlanden spitzt sich zu. Ein türkischer Züchterverband hat genug und schickt eine Gruppe niederländischer Kühe nun zurück in ihre Heimat. Die Türkei wolle auf niederländische Tierprodukte verzichten und künftig eigene Kühe züchten. Bisher wachsen am Bosporus offenbar nur Hornochsen auf.
stern.de1 Kommentar

Türkisches Gericht lehnt Haft-Entlassung von Deniz Yücel ab.

Deniz Yücel muss in türkischer Haft bleiben. Das Amtsgericht Istanbul hat die Entlassung des "Welt"-Korrespondenten aus der Untersuchungshaft abgelehnt. Seine Anwälte hatten argumentiert, die ihm zur Last gelegten Artikel seien von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt, die Mehrzahl der Deniz Yücel vorgeworfenen Taten sei nach türkischem Recht verjährt. Gegen die Entscheidung können Yücels Verteidiger Widerspruch beim türkischen Verfassungsgericht einlegen.
welt.deKommentieren ...

Hacker verbreiten über gehackte Twitter-Profile Propaganda.

Erdogan: Vermutliche Erdogan-Anhänger haben Tausende Twitter-Profile gehackt und türkischsprachige Propaganda verbreitet. Von dem internationalen Angriff waren auch Medien betroffen - u.a. BBC Nordamerika, die "Welt" und ProSieben. Auch die Accounts von Borussia Dortmund und Amnesty International wurden gekapert. Die Hacker twittern die Begriffe #Nazihollanda und #Nazialmanya. Der türkische Präsident Erdogan hatte der deutschen Politik Nazi-Methoden vorgeworfen. Laut türkischen Medien hat sich die Hackergruppe "Cyber Warrior" zu dem Angriff bekannt. Es gibt Vermutungen, dass die Hacker die App Twittercounter als Einfallstor nutzen.
faz.net, bild.de, futurezone.at
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"Bild" erklärt Erdogan zur unerwünschten Person.


Persona non grata: "Bild" verfällt in Aktionismus und lässt den türkischen Präsidenten Erdogan ohne Rücksicht auf Diplomatie wissen, was das Springer-Blatt von Erdogans Eskapaden hält: Nichts. "Sie sind kein Demokrat! Sie schaden Ihrem Land! Sie sind hier unerwünscht!", titelt "Bild" auf der Mittwochsausgabe. Chefredakteurin Tanit Koch kommentiert: "Was wir nicht zulassen dürfen: dass Erdogan seine Krise zu unserer macht."

Wer "ganze Völker mit Schmähungen" überziehe und Türken gegen Europa aufhetze, "hat in Deutschland nichts zu suchen", schreibt Koch. Auf Seite 2 zeichnen Peter Tiede und Hans-Jörg Vehlewald süffisant den Aufstieg des "kleinen Mannes vom Bosporus" nach, dem Auftrittsverbote in Europa nur Recht kämen, um die "Treue seiner stolzen Anhänger" zu vergrößern.
bild.de (Tanit Koch), bild.de (Aufstieg)2 Kommentare

"Blick" fordert Türken auf, gegen die Verfassungsänderung zu stimmen.

Blick geht unter die Politiker und fordert die türkischen Staatsbürger in der Schweiz dazu auf, gegen die Verfassungsänderung der Türkei zu stimmen. "Stimmt Nein zu Erdogans Dikatur!", titelt das Schweizer Boulevardblatt am Montag auf Türkisch und veröffentlicht weitere Artikel auf Türkisch. Wer in der demokratischen Schweiz leben wolle, müsse für die Werte, von denen er profitiert, einstehen, verlangt Blick. Präsident Erdogan will durch die Verfassungsänderung mehr Macht erhalten.
persoenlich.comKommentieren ...

Jan Böhmermann wehrt sich gegen Schmähgedicht-Verbot.

Jan Böhmermann geht gegen das Teil-Verbot seines Schmähgedichts in Berufung. Sein Medienanwalt Christian Schertz argumentiert, ein Kunstwerk lasse sich nicht in Einzelteile sezieren. Das Landgericht Hamburg hatte Böhmermann 18 von 24 Versen seines Gedichts über den türkischen Präsidenten Erdogan verboten. Die Berufung wird wohl erst in einigen Monaten verhandelt, weil das Gericht zu viel zu tun hat.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

"Zeit"-Reporter bei türkischer Wahlkampfveranstaltung angegriffen.

Zeit-Reporter Sebastian Kempkens ist bei einer Veranstaltung mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Hamburg nach eigenen Angaben angegriffen worden. Er hatte ein Schild mit der Aufschrift FreeDeniz hochgehalten. Daraufhin sei er von Teilnehmern mit Türkei-Flaggen geschlagen und vom Gelände geschoben worden, er habe einen Schlag ins Gesicht bekommen, wobei er seine Brille verlor. Im Nachhinein sieht Kempkens seine Spontan-Aktion als Fehler.
zeit.de, handelsblatt.comKommentieren ...

Türkischer Wirtschaftsminister will juristisch gegen "Bild" vorgehen.

Türkischer Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci droht mit juristischen Schritten gegen die "Bild". In einer Mitteilung kritisiert der Politiker einen "empörenden Angriff" und spricht von "niveaulosen Beleidigungen", die gegen die ganze Türkei gerichtet seien. Laut "Bild" bezieht sich Zeybekci auf einen Beitrag, in dem die Zeitung darüber berichtet, dass er Erdogan-Kritiker und Putschisten als "Ka­nal­rat­ten" bezeichnet.
tagesschau.de, bild.deKommentieren ...

Zitat: Kai Diekmann hält Werbung für Türkei-Tourismus wichtig.

"Die Menschen in der Türkei, die ich dort im Urlaub treffe, sind genau die, die von Erdogan schon seit Jahren unter Druck gesetzt werden. Ihren Lebensstil zu verteidigen, muss doch auch unser Anliegen sein."

Kai Diekmann wirbt in einer Anzeigen-Beilage der "FAZ" für Urlaub in der Türkei und findet das Heft "zum jetzigen Zeitpunkt genau richtig platziert".
meedia.deKommentieren ...

Anwälte von Deniz Yücel legen Widerspruch gegen Untersuchungshaft ein.

Deniz Yücel: Die Anwälte des in der Türkei in Untersuchungshaft sitzenden "Welt"-Journalisten legen wie erwartet Widerspruch gegen die Haftentscheidung ein. Die Anwälte begründen unter anderem, dass die als Beweis verwendeten Artikel des Journalisten älter als vier Monate und damit nicht anwendbar seien. Zudem lägen nur unzureichende Übersetzungen der Beiträge vor.
welt.deKommentieren ...

Joachim Gauck lobt und kritisiert im "Spiegel" den deutschen Journalismus.

Joachim Gauck fordert im Interview mit "Spiegel"-Chef Klaus Brinkbäumer und Redakteur Marc Hujer einen Journalismus, der "auch mal das Gelingen in den Mittelpunkt" stellt. Es müsse zwar "eine Instanz geben, die benennt, was nicht funktioniert", Gauck sieht die Politik aber so dargestellt, "als sei das, was nicht klappt in diesem Land, die Regel". Gleichzeitig lobt der scheidende Bundespräsident den deutschen Journalismus als unglaublich vielfältig. Scharfe Kritik übt Gauck am Umgang der Türkei mit den Medien. Die Inhaftierung von Journalisten - u.a. des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel - nennt er "inakzeptabel" und eine Gefahr für die Demokratie. Außerdem lasse sich fragen, so Gauck, ob die Türkei noch den Anspruch habe, "eine Demokratie und ein Rechtsstaat zu sein".
"Spiegel", 10/2017, S. 32-35 (Paid)
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Erdogan wirft "Welt"-Journalist Deniz Yücel Spionage vor.

testDie Türkei und der ausländische Agent: Der türkische Präsident Erdogan beschuldigt den "Welt"-Journalisten Deniz Yücel der Spionage. Yücel sei ein kurdischer Aktivist und "deutscher Agent", sagte er bei einer Rede in Istanbul. "Als ein Vertreter der PKK, als ein deutscher Agent hat sich diese Person einen Monat lang im deutschen Konsulat versteckt", sagte Erdogan laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Das Staatsoberhaupt wirft den deutschen Behörden vor, "Terrorismus" in der Türkei zu unterstützen. "Sie müssen wegen Unterstützung und Beherbergung von Terrorismus vor Gericht gestellt werden." Das Auswärtige Amt weist die Vorwürfe als "abwegig" zurück.

Erdogan ärgert sich über die Absage mehrerer Redeauftritte seiner Minister in Deutschland. Sie dürften dort nicht sprechen, während Vertreter der verbotenen Kurdenorganisation öffentlich das Wort ergreifen dürften, sagt Erdogan, der sich zum ersten Mal seit der Verhaftung Yücels zu dem Fall äußert. Der deutsch-türkische Korrespondent der "Welt" sitzt im Gefängnis in Silivri, westlich von Istanbul. Die Türkei hält ihm Terrorpropaganda und Volksverhetzung vor. Nach Auskunft seines Anwalts drohen ihm bis zu zehneinhalb Jahre Haft.
tagesspiegel.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

"Welt" veröffentlicht Artikel, wegen der Deniz Yücel angeklagt ist.

Welt widmet ihrem inhaftierten Türkei-Korrespondenten Deniz Yücel die ersten fünf Seiten der Mittwochsausgabe. Dort druckt die "Welt" u.a. Artikel und Interviews, wegen der Yücel Volksverhetzung und Propaganda für die PKK vorgeworfen wird. Der türkische Journalist Can Dündar äußert im Interview die Hoffnung auf eine Besserung der Lage in der Türkei, sollte Präsident Erdogan sein Verfassungsreferendum im April verlieren. "Bild" veröffentlicht eine Liste aller rund 150 in der Türkei inhaftierten Journalisten.
"Welt", S. 1-5 (Paid), "Bild", S. 2/3 (Paid)Kommentieren ...

"Spiegel" und Springer solidarisieren sich für Deniz Yücel.

Deniz Yücel 150#FreeDeniz: "Spiegel" und Spiegel Online machen sich mit einer Protestnote für die Freilassung von Deniz Yücel stark. Sie fordern auch, die 150 anderen unfreien Journalisten in der Türkei gehen zu lassen. Die Redaktionen schließen sich einer Zeitungsanzeige von mehr als 300 Medienleuten an. Auch Chefredakteure der ARD protestieren per Stellungnahme. Springer-Chef Mathias Döpfner kritisiert die U-Haft für seinen Mitarbeiter Yücel als gezielte Methode gegen die Gedankenfreiheit. Am Berliner Springer-Hochhaus prangt der Schriftzug #FreeDeniz.
spiegel.de, presseportal.de (ARD), welt.de (Döpfner), turi2.de (Anzeige)


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Türkei: Deniz Yücel kommt in Untersuchungshaft.

Deniz Yücel
Unfree Deniz: Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent der "Welt", muss in türkische Untersuchungshaft. Nach einem Haftantrag der Staatsanwaltschaft hat Haftrichter Mustafa Cakar am Montagabend in beiden Anklagepunkten Untersuchungshaft verhängt. Yücel wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung vorgeworfen. Er befindet sich seit knapp zwei Wochen in der Türkei in Polizeigewahrsam. Yücels Anwälte wollen Einspruch gegen die Entscheidung des Haftrichters einlegen. Untersuchungshaft kann in der Türkei bis zu fünf Jahre dauern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet die Entscheidung als "bitter und enttäuschend" und hält die Untersuchungshaft für "unverhältnismäßig". Deutlicher wird Außenminister Sigmar Gabriel: "Das ist eine viel zu harte und deshalb auch unangemessene Entscheidung."

Unterdessen setzen sich einige hundert Journalisten und Medienmacher mit einer ganzseitigen, zweisprachigen Anzeige in der "Süddeutschen Zeitung" für die Freilassung von Deniz Yücel ein. Verantwortlich im Sinne des Presserechtes zeichnen für die Anzeige Spiegel-Online-Autorin Margarete Stokowski, Schriftstellerin Sibylle Berg und Moderator Jan Böhmermann.
welt.de, welt de (Merkel/Gabriel), turi2.de (Anzeige) 3 Kommentare

Margarete Stokowski, Sibylle Berg und Jan Böhmermann schalten Unterstützer-Anzeige für Deniz Yücel.

Freiheit für Deniz 150Freiheit für Deniz fordert eine ganzseitige Anzeige auf Türkisch und Deutsch, die u.a. in der "Süddeutschen Zeitung" und der "Welt" erscheint. Verantwortlich im Sinne des Presserechtes zeichnen Spiegel-Online-Autorin Margarete Stokowski, Schriftstellerin Sibylle Berg und Moderator Jan Böhmermann. Einige hundert Journalisten und Medienmacher unterstützen die Aktion und setzen sich für die Freilassung von "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel ein, darunter "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, "Zeit"-Chef Giovanni di Lorenzo, "Bild"-Chefreporter Paul Ronzheimer, ZDF-Moderatorin Dunja Hayali und Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios.
"Süddeutsche Zeitung", S. 11 / "Welt", S. 7 (Großansicht), freedeniz.de5 Kommentare

Deniz Yücel berichtet über seine Anwälte über seine Erfahrungen im Gefängnis.

Talkshow maybrit illnerDiktat aus Istanbul: Die "Welt am Sonntag" veröffentlicht einen Bericht des in Polizeigewahrsam befindlichen Deniz Yücel, den dieser seinen Verteidigern diktiert hat. Darin beschreibt der Türkei-Korrespondent der "Welt" seine Situation, die er als "Polizeihaft" bezeichnet. Diese werde oft als Bestrafungsinstrument eingesetzt und die in Gewahrsam genommenen Personen würden nach bis zu 14 Tagen laufen gelassen. Sein Zustand sei "ganz gut". Allerdings habe er Magen-Darm-Probleme. Kontakt zur Außenwelt habe Yücel lediglich über seine Anwälte, die jedoch so häufig kommen könnten, wie sie wollen.

Seine Zelle, er sich meist mit ein bis zwei weiteren Personen teile, sei 2,10 Meter mal 3,5 Meter groß. Auf den vier Toiletten für bis zu 70 Gefangene gebe es kein Klopapier. Duschen können habe Yücel in neun Tagen zweimal. Beim Arzt habe er sich ein Vitaminpräparat erkämpft. Die Mitgefangenen benehmen sich ihm gegenüber respektvoll, lässt Yücel wissen. Die Beamten seien "manchmal etwas grob im Ton, aber nicht ausfallend oder beleidigend" und zudem im Rahmen der Vorschriften hilfsbereit.

Auch Dank lässt Yücel übermitteln: "Ich danke von ganzem Herzen allen, die sich wo und wie auch immer für mich und meine inhaftierten Kollegen einsetzen." Ausdrücklich dankt der Journalist seiner Zeitung, der "Welt", seiner früheren Zeitung, der "taz" sowie der Bundesregierung.
"Welt am Sonntag", S. 8 (Paid), turi2.de (Background)2 Kommentare

Yücel-Anwalt beklagt Geheimhaltung.

Deniz Yücel 150Deniz Yücel hätte längst freigelassen werden müssen, sagt sein Anwalt Veysel Ok der "taz". Ihm zufolge sei der "Welt"-Journalist noch immer nicht von einem Staatsanwalt vorgeladen worden. Seine Akte und damit verbunden die nötigen Beweise für den Polizeigewahrsam seien geheim. Auch aus den Fragen der Polizei gehe wenig über die Ermittlungen hervor.
taz.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

Correctiv wird von türkischen Nationalisten bedroht.

David Schraven 600Recherchieren unter Polizeischutz: Türkische Nationalisten bedrohen Mitarbeiter des Recherchebüros Correctiv, berichtet Correctiv-Chef David Schraven in der "Zeit". Die Anfeindungen richteten sich vor allem gegen die türkischen Journalisten der Website Özgürüz. Fünf Redakteure hätten bereits gekündigt, weil ihnen die Arbeit zu gefährlich wurde. Das türkische Staatsfernsehen hatte zuvor über die Exil-Redaktion berichtet.

Die Correctiv-Redaktion in Berlin steht seit zwei Wochen unter Objektschutz. Für eigene Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa eine Tür mit Sicherheitsschleuse, fehle der Redaktion das Geld. Schraven empfindet die Bedrohung durch türkische Nationalisten gefährlicher als die Aktivisten der neurechten Identitären Bewegung oder Putin-Freunde, die 2016 die Berliner Redaktion stürmten. "Dass man sich als Journalist in Deutschland fürchten muss - das kann doch nicht sein", sagt Schraven.
"Zeit", S. 9 (Paid), turi2.de (Background)

Aus dem Archiv von turi2.tv: David Schraven spricht über Gemeinnützigkeit im Journalismus.
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Türkei verlängert Polizeigewahrsam für Deniz Yücel.

Deniz Yücel 150Deniz Yücel muss länger in türkischem Polizeigewahrsam bleiben. Die türkische Polizei hat den Anwälten des "Welt"-Korrespondenten mitgeteilt, dass der Staatsanwalt eine Verlängerung des Gewahrsams um weitere sieben Tage verfügt hat. Ursprünglich hätte Yücel morgen Nachmittag freigelassen werden müssen. Die türkischen Behörden werfen ihm die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Propaganda für Terrororganisationen vor.
welt.de, turi2.de (Background)Kommentieren ...

AKP verweigert "taz" und weiteren Medien Zutritt zu Veranstaltung.

Yildirim in Oberhausen
Du kommst hier nicht rein: Die türkische Regierungspartei AKP hat am Samstag mehrere deutsche Journalisten von ihrer Veranstaltung mit dem türkischen Ministerpräsidenten Yilderim in Oberhausen ausgeschlossen. Die "taz" beklagt, dass ihrem Reporter trotz Akkreditierung der Zutritt verweigert worden sei. Der von der AKP angeheuerte Sicherheitsdienst habe sich auf "Sicherheitserwägungen" berufen und behauptet, der Ausschluss sei mit der Polizei abgesprochen. Die Beamten wollen von so einer Absprache allerdings nichts wissen.

Auch das Recherchebüro Corretiv meldet, dass zwei seiner Reporter, die für die kürzlich gestartete deutsch-türkische Website Özgürüz tätig sind, nicht in die Halle gelassen wurden. Marina Kormbaki vom Redaktionsnetzwerk Deutschland twitterte zudem, dass ihr Übersetzer nicht in die Veranstaltungsstätte gelassen wurde. Sie selbst konnte jedoch von der Rede Yilderims berichten. (Bild: dpa)
spiegel.de, correctiv.org, twitter.com2 Kommentare

Türkische Polizei nimmt "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel fest.

Talkshow maybrit illner
Deutscher Pass schreckt nicht ab: Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent der "Welt", befindet sich in Gewahrsam im Polizeipräsidium von Istanbul, berichtet die Zeitung. Ihm werde die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Propaganda für Terrororganisationen vorgeworfen. Deniz Yücel ist in Flörsheim am Main geboren und besitzt die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft.

Yücel hat als einer von vielen Journalisten über den Inhalt des gehackten E-Mail-Accounts von Berat Albayrak berichtet, Energieminister und Schwiegersohn des autoritären türkischen Präsidenten Erdogan. In den Enthüllungen geht es u.a. um Einflussnahmen der Regierung auf Medien, das Vorgehen gegen die kurdische Minderheit, Ölgeschäfte und den türkischen Einfluss auf den syrischen Bürgerkrieg.
welt.de, welt.de (Background)Kommentieren ...

Zitat: Heribert Prantl mahnt eine klare Entscheidung im Fall Schmähgedicht an.

Heribert-Prantl-150"Man kann so einen Text, der sich Gedicht nennt, nur entweder ganz verbieten oder gar nicht - aber nicht die Hälfte, drei Viertel oder einzelne Passagen. "

Heribert Prantl empfindet das Böhmermann-Schmähgedicht durch das teilweise Verbot entstellt, die nächste Instanz solle es entweder komplett erlauben oder komplett verbieten.
sueddeutsche.deKommentieren ...

Schlappe für Böhmermann: Schmähgedicht bleibt zu großen Teilen verboten.

Erdogan_Böhmermann 600
Keine Pointe: Jan Böhmermann unterliegt vor dem Landgericht Hamburg dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Böhmermanns Schmähgedicht bleibt zu großen Teilen verboten. Das Gericht bestätigt damit eine einstweilige Verfügung aus dem vergangenen Jahr und entscheidet gegen Satire- und Kunstfreiheit.

Laut der Pressekammer sind nur wenige Zeilen des Werks von diesen Rechten gedeckt. Erdogan wollte mit seiner Klage das Gedicht in vollem Umfang verbieten lassen. Bereits im Vorfeld der Entscheidung hatte Böhmermann-Anwalt Christian Schertz angekündigt, in die nächste Instanz zu ziehen, sollte das Gericht gegen seinen Mandanten urteilen.
meedia.de, spiegel.de, turi2.de (Background)1 Kommentar

Lese-Tipp: "Zeit Magazin" erlebt den Alltag bei "Cumhuriyet".

Cumhuriyet-150Lese-Tipp: Die türkische Zeitung Cumhuriyet erscheint trotz Repressionen durch die Erdogan-Regierung und der Verhaftung der Führungsspitze weiterhin jeden Tag. "Zeit Magazin"-Autorin Özlem Topçu war für eine Woche Gast in der Redaktion, die einer der letzten Orte für kritischen Journalismus in der Türkei ist. Sie hat erfahren, wie die Journalisten versuchen, ganz normal ihrer Arbeit nachzugehen und weitermachen, ohne viel Rücksicht auf sich selbst.
"Zeit Magazin" 6/2017, S. 26-34 (Paid)Kommentieren ...

Türkei verbietet Medien Aufnahmen von Terror-Anschlägen.

Türkei Flagge 150Türkei schränkt die Berichterstattung nach Terror-Anschlägen drastisch ein. Die Rundfunkbehörde RTÜK verbietet Bilder vom Tatort, die die Tat zeigen oder nach dem Anschlag aufgenommen wurden. Auch Aufnahmen von Einsatzfahrzeugen sind verboten, ebenso Zeugenaussagen vor laufender Kamera. Zudem sei untersagt, "ständig" die übliche Berichterstattung "zu unterbrechen", um über einen Terroranschlag zu berichten.
derstandard.atKommentieren ...

Can Dündar gründet Exil-Redaktion Özgürüz.

özgürüz
Nachrichten aus dem Exil: Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der türkischen Tageszeitung "Cumhuriyet", stellt sein angekündigtes Exil-Magazin vor. Auf der Website Özgürüz, auf Deutsch "Wir sind frei", will eine Exil-Redaktion in Berlin Texte und Videos zur Türkei auf Deutsch und Türkisch veröffentlichen. Neben eigenen Nachrichten und Kommentaren plant die Redaktion auch, Beiträge aus deutschen und türkischen Medien in die jeweils andere Sprache zu übersetzen. Zielgruppe sind Menschen in der Türkei und Leser in Deutschland mit türkischen und kurdischen Wurzeln.

Unterstützt wird Özgürüz durch das Recherchebüro Correctiv. Außerdem erhält die Redaktion Hilfe durch Hochschulprofessoren, die die Türkei verlassen haben, schreibt Can Dündar. Zum Betrieb wirbt Özgürüz um Spenden und Soli-Abos. Der Zugang zur Seite ist kostenlos. Zum Start wird das Projekt unter anderem von
der Rudolf-Augstein-Stiftung als Initialförderin unterstützt.
ozguruz.org, zdf.de (2:30-min-Video), derstandard.at, turi2.de (Background)Kommentieren ...

PR-Agentur unterstützt Lobbyarbeit der türkischen AKP.

Türkei Flagge 150PR-Agentur Faktenkontor des Hamburger CDU-Chefs Roland Heintze hat im Herbst 2016 eine Journalistenreise in die Türkei organisiert, bei der die Teilnehmer u.a. "Hasstiraden auf den Westen" zu hören bekamen, schreibt der "Spiegel". Heintze sagt, für das Programm vor Ort war die türkische Agentur Ispat zuständig, die direkt dem Premierminister untersteht.
"Spiegel" 4/2017, S. 26 (Paid)
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