Türkei boykottiert den Eurovision Song Contest u.a. wegen Conchita Wurst.

Türkei nimmt auf unbestimmte Zeit nicht mehr am Eurovision Song Contest teil, erklärt Ibrahim Eren, Präsident des staatlichen Senders TRT. Als Grund gibt er den Sieg von Conchita Wurst für Österreich 2014 an. Man könne keine Sendung ausstrahlen, in der ein Kandidat "zugleich Bart und Rock trägt und zugleich Mann und Frau sein will", sagt Eren gegenüber "Hürriyet". Die Türkei ist seit 2013 nicht mehr beim ESC angetreten – bisher offiziell wegen der Regel, dass die fünf größten Länder automatisch ins Finale einziehen.
dwdl.de

Zitat: Erdem Gül findet Streit in der Redaktion normal.

"Wenn da eine Lüge ist, sollten wir beim Schreiben der Wahrheit nicht den Fehler machen, in blinde Opposition gegen die Regierung zu verfallen."

Cumhuriyet-Journalist Erdem Gül erklärt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" den Grundsatz seiner Arbeit – Streitigkeiten in der Redaktion seien zum Erreichen dieses Ziels ganz normal.
sueddeutsche.de

Türkisches Gericht spricht "Cumhuriyet"-Journalisten frei.

Türkei Flagge 150Türkei: Das Strafgericht in Istanbul hat den regierungskritischen Journalisten Erdem Gül vom Vorwurf des Geheimnisverrats freigesprochen. Der Bürochef der Zeitung Cumhuriyet in Ankara war 2016 wegen eines Berichts über verdeckte Waffenlieferungen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Im März hatte ein Berufungsgericht das Urteil aufgehoben.
faz.net, derstandard.at

Britisches Unternehmen verklagt türkische Regierung auf 5 Mrd US-Dollar.

Türkei Flagge 150Türkei: Die britische Investmentfirma Ipek Investment verklagt die türkische Regierung. Sie fordert vor dem Schiedsgericht der Weltbank 5 Mrd US-Dollar für die Schließung regierungskritischer Medien. Die Firma hält Anteile an der Ipek-Mediengruppe. Anleger können Staaten bei bilateralen Investitionsabkommen vor Schiedsgerichten verklagen.
derstandard.at

Türkisches Gericht verhängt Freiheitsstrafen gegen sechs Journalisten.

Türkei: Ein Gericht in Istanbul verurteilt den "Zaman"-Kolumnisten Şahin Alpay und fünf weitere Journalisten der geschlossenen Zeitung "Zaman" zu langjährigen Freiheitsstrafen. Sie sollen laut Gericht Verbindungen zum Putschversuch vom Juli 2016 und zur Gülen-Bewegung gehabt haben. Fünf andere Angeklagte werden freigesprochen.
spiegel.de, nzz.ch, turi2.de (Background)

dpa gründet Regionalbüro für die Arabische Welt und Israel mit Jan Kuhlmann als Leiter.

dpa splittet die Region Nahost auf und macht Jan Kuhlmann zum Regionalbüroleiter für die Arabische Welt und Israel. Jan Kuhlmann war bisher Vize-Büroleiter Nahost in Istanbul. Seine neue Funktion wird er zunächst ebenfalls aus Istanbul ausüben, 2019 wechselt er voraussichtlich nach Beirut. Christine Röhrs wird als künftige Regionalbüroleiterin in Istanbul die Berichterstattung aus der Türkei, dem Iran, Pakistan und Afghanistan koordinieren.
presseportal.de, turi2.de (Background)

Bild des Tages: Gedenken an Solinger Brandanschlag vor 25 Jahren.


Deutsch-türkisches Gedenken: Der deutsche Außenminister Heiko Maas und sein türkischer Kollege Mevlut Cavusoglu stehen vor einem mit Blumenkränzen geschmückten Mahnmal und gedenken dem Brandanschlag in Solingen vor 25 Jahren. Bei dem rechtsextrem motivierten Anschlag sind fünf türkische Frauen und Kinder ums Leben gekommen. (Foto: Michael Probst / AP / Picture Alliance)

Frankreich: Präsident Macron verteidigt Nachrichtenmagazin-Titelseite.

Frankreich Präsident Emmanuel Macron verteidigt ein Cover des Nachrichtenmagazins "Le Point", das unter der Überschrift "Der Diktator" den türkischen Präsidenten Erdogan zeigt. Erdogan-Anhänger hatten einen Kiosk genötigt, Plakate des Covers zu entfernen. Das sei ein Skandal, schreibt Macron bei Twitter, und: Pressefreiheit sei unbezahlbar.
spiegel.de, twitter.com (Macron)

Böhmermann-Schmähgedicht über Erdogan bleibt größtenteils verboten.

Jan Böhmermann: Das Schmähgedicht des Satirikers über den türkischen Präsidenten Erdogan bleibt größtenteils verboten. Das Oberlandesgericht Hamburg bestätigte das Urteil der Vorinstanz und lehnt damit sowohl die Berufung Böhmermanns als auch die Erdogans ab. Böhmermann hatte mit seiner Berufung das Verbot einzelner Passagen anfechten wollen, Erdogan hingegen wollte ein vollständiges Verbot des Gedichts erwirken.
welt.de, turi2.de (Background)

Böhmermann-Schmähgedicht bleibt wohl teilweise verboten.

Jan Böhmermann: Das Oberlandesgericht Hamburg will heute sein Urteil im Rechtsstreit um Böhmermanns Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan verkünden. Das Landgericht hatte im Februar 2017 entschieden, dass Jan Böhmermann weite Teile des Gedichts nicht wiederholen darf. Das OLG hat bereits erkennen lassen, dass es dieser Entscheidung folgen wird. Böhmermann will ein Verbot einzelner Passagen nicht hinnehmen, Erdogan dagegen dringt auf ein vollständiges Verbot des Gedichts.
tagesspiegel.de

Springer verkauft seine Anteile an Dogan TV eher.

Springer zieht sich schneller als geplant aus der Türkei zurück und verkauft seinen Anteil an Dogan TV von rund 7 % für 160 Mio Euro, sagt Konzernchef Mathias Döpfner. Der Ausstieg sei wirtschaftlich erfreulich, der Auslöser eher weniger: Die Dogan Holding verkauft alle Medien, u.a. "Hürriyet" und "CNN Türk") an die regierungsnahe Mediengruppe Demirören. Döpfner sagt, Springer sei "schon in den letzten Jahren von der Entwicklung sehr enttäuscht" gewesen.
handelsblatt.com

Springer verkündet Umsatz-Wachstum und schnellen Türkei-Ausstieg.


Springer wächst, geht und bleibt: Springer wächst im 1. Quartal um 6,9 % und setzt 773,5 Mio Euro um. Die Anzahl der Mitarbeiter steigt um 525 bzw. 3,4 % auf 16.123. 70,1 % der Konzernerlöse stammen aus dem Digitalgeschäft. Es liefert 80,3 % des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die digitale Stärke sei erfreulich, auch die journalistischen Angebote entwickeln sich positiv, sagt Konzernchef Mathias Döpfner bei der Telefonpressekonferenz des Verlags.

Er gibt außerdem bekannt, dass Springer sich schneller als geplant aus der Türkei zurückzieht und seinen Anteil an Dogan TV von rund 7 % für 160 Mio Euro verkauft. Der Ausstieg sei wirtschaftlich erfreulich, der Auslöser eher weniger: Die Dogan Holding verkauft alle Medien, u.a. "Hürriyet" und "CNN Türk", an die regierungsnahe Mediengruppe Demirören. Döpfner sagt, Springer sei "schon in den letzten Jahren von der Entwicklung sehr enttäuscht" gewesen.

Auch die Entwicklung bei Verimi findet er bedauerlich – Donata Hopfen hat kurz nach dem offiziellen Start die Geschäftsführung abgegeben, weil sie die Geschicke der Log-In-Allianz nicht alleine bestimmen durfte. Die "Mehrheit der Gesellschafter" habe aber entschieden, die Geschäftsführung der Daten-Allianz gleichberechtigt zu führen, so Döpfner. Springer hält trotz Hopfens Rückzug an seinem Anteil fest.
axelspringer.de (Quartalsergebnisse), handelsblatt.com (Türkei), meedia.de (Verimi)

Zitat: Deniz Yücel kritisiert Stille deutscher Unternehmer angesichts türkischer Politik.

"Das sind zwar Islamisten und Nationalisten und so, aber das sind sie alles hobbymäßig. Hauptberuflich sind sie Gangster."

Deniz Yücel hätte sich Protest gegen seine Haft auch von der deutschen Wirtschaft gewünscht, die in der Türkei gut Geschäfte macht, sagt er bei "Maybrit Illner". Diese Sprache hätten Erdogan und Co zweifellos verstanden.
spiegel.de, zdf.de (61-Min-Video)

Bild des Tages: Mesale Tolu darf die Türkei weiter nicht verlassen.


Weiter unfrei: Die Journalistin Mesale Tolu posiert mit ihrem Mann Suat Corlu, ebenfalls angeklagt, und ihrem Vater Ali Riza Tolu nachdenklich für ein Foto – sie stehen vor dem Gerichtsgebäude im Istanbuler Stadtteil Caglayan. Tolus Prozess geht im Oktober weiter, sie darf die Türkei weiterhin nicht verlassen. (Foto: Linda Say/dpa/picture alliance)

Türkei verurteilt "Cumhuriyet"-Journalisten zu mehrjährigen Haftstrafen.

Cumhuriyet-Prozess: Ein Gericht in der Türkei hat 13 der Angeklagten wegen angeblicher Terror-Unterstützung verurteilt. Herausgeber Akin Atalay wurde zu über acht Jahren Haft verurteilt, Chefredakteur Murat Sabuncu sowie Investigativ-Journalist Ahmet Sik zu jeweils siebeneinhalb. Buchhalter Emre Iper wurde wegen Terrorpropaganda verurteilt, drei weitere Angestellte hat das Gericht freigesprochen.
derstandard.at, tagesschau.de

Deutscher Adil Demirci sitzt in türkischer U-Haft.

Türkei Flagge 150Türkei: Der deutsche Adil Demirci kommt nach seiner Festnahme von Freitag in Untersuchungshaft. Demirci berichtete für die linke Nachrichtenagentur Etha, arbeitet aber eigentlich als Sozialarbeiter in Remscheid (NRW). Für Etha hat auch die zuvor inhaftierte Mesale Tolu gearbeitet. Demirci war zum Urlaub in der Türkei, als er wegen des "Verdachts auf Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und Terrorpropaganda" verhaftet wurde.
spiegel.de, welt.de

Deniz Yücel gibt der ARD sein erstes TV-Interview.

Deniz Yücel hat einen Monat nach seiner Entlassung aus dem türkischen Gefängnis sein erstes TV-Interview in der ARD gegeben. In seiner Verhaftung sieht er einen positiven Nebeneffekt: den Stellenwert einer freien, unabhängigen Presse zu verdeutlichen. Yücel bereue weder seine Berufswahl als Journalist, noch seine Zeit als Korrespondent in der Türkei – mit seiner Arbeit sei er den richtigen Leuten auf den Zeiger gegangen.
daserste.de

Springer plant Komplett-Rückzug bei türkischer Dogan TV Holding.

Springer will sich aus seinem Investment bei der türkischen Dogan TV Holding verabschieden. Es gebe "die klare Absicht" sowie entsprechende Vereinbarungen, "dass wir uns komplett zurückziehen", sagt ein Sprecher. Springer ist seit 2007 Investor bei Dogan und hält derzeit noch 7 %. Die Dogan-Zeitung "Hürriyet" sowie der TV-Sender CNN Türk stehen vor dem Kauf durch die Erdogan-nahe Demirören-Gruppe. Ex-"Bild"-Chef Kai Diekmann ist noch Mitglied im "Hürriyet"-Aufsichtsrat - nach eigener Angabe ein "privates Engagement".
turi2 - eigene Infos, sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Reuters: Dogan Holding verkauft "Hürriyet" und CNN Türk an Erdogan-nahe Gruppe.


Er-Dogan: Die türkische Dogan Holding verkauft ihre Mediensparte mit der Tageszeitung Hürriyet sowie dem Nachrichtensender CNN Türk an die Erdogan-nahe Demirören-Gruppe, berichtet Reuters unter Berufung auf einen Demirören-Vertreter. Erdogan hat der Dogan Holding mehrfach vorgeworfen, der regierenden Partei AKP kritisch gegenüberzustehen.

2009 musste die Konzernsparte Dogan Media eine Strafe von 2,5 Mrd Dollar wegen ungezahlter Steuern zahlen. Erdogan-Gegner werteten dies als Versuch, die kritischen Medien des Konzerns unter Druck zu setzen. Im Zuge dessen musste die Dogan Holding im Jahr 2011 bereits die Zeitungen "Milliyet" und "Vatan" an die Demirören-Gruppe verkaufen.

Springer hält an der Dogan TV Holding, zu der u.a. CNN Türk gehört, eine Beteiligung von 7 %. Laut einem Springer-Sprecher gibt es jedoch die klare Absicht und entsprechende Vereinbarungen, sich aus dem Investment komplett zurückzuziehen.
reuters.com, handelsblatt.com

Bild des Tages: Deniz Yücel ist zurück in der "Welt"-Redaktion.


Schönster Montag, wo gibt: "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel ist seit seiner Freilassung am 16. Februar zum ersten Mal wieder in der Redaktion der "Welt". Chefredakteur Ulf Poschardt (links) und die Redaktion begrüßen ihn in der 10-Uhr-Konferenz im Newsroom mit Schaumwein und einem langen Applaus. Anschließend hält Yücel eine emotionale Ansprache und sagt, er sei "stolz, für diese Zeitung zu arbeiten". (Foto: Martin Lengemann/"Welt")
twitter.com (1-Min-Video Applaus), twitter.com, turi2.de (Background)

Zitat: Deniz Yücel bedankt sich in einer emotionalen Rede bei seiner Redaktion.

"Und ich war stolz, für diese Zeitung zu arbeiten."

"Welt"-Korrespondent Deniz Yücel bedankt sich in einer emotionalen Ansprache im Newsroom bei seiner Redaktion.
twitter.com (1-Min-Video)

Weiteres Zitat aus der Rede:
"Alles, was ihr gemacht habt, war goldrichtig. Weil es mir die Kraft gegeben hat, diese nicht immer ganz leichte Zeit zu überstehen."

Lese-Tipp: Deniz und Dilek Yücel sprechen über die Haft und die Folgen.

Lese-Tipp: "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel spricht zusammen mit seiner Frau Dilek erstmals ausführlich über seine Freilassung. Die Unterstützung von Kollegen und Bürgern während der Haft habe ihm sehr geholfen. Die Bundesregierung hat ihm versichert, dass es keinen Deal mit der Türkei gab. "Ich glaube, mehr als der Bundesregierung diese Erklärung abzuverlangen, konnte ich im Knast nicht tun", sagt Yücel.

Yücel sagt, bis zu seiner Verhaftung sei die deutsche Regierung diejenige in der EU gewesen, die am freundlichsten gegenüber der Türkei war. Die Regierung von Angela Merkel habe die progressiven und demokratischen Kräfte in der Türkei zwei Mal verraten - zuletzt, als Merkel Präsident Erdogan 2015 kurz vor einer wichtigen Wahl besuchte. Dilek berichtet, wie sie etwas bessere Haftbedingungen für ihren Mann durchsetzte und sagt, sie träume noch heute jede Nacht davon, wie Deniz im Gefängnis ist und freigelassen wird.
welt.de

Gericht ordnet die Freilassung von zwei "Cumhuriyet"-Journalisten an.

Cumhuriyet-Prozess: Ein türkisches Gericht ordnet die Freilassung von "Cumhuriyet"-Chefredakteur Murat Sabuncu und Investigativ-Journalist Ahmet Sik aus der Untersuchungshaft an. Herausgeber Akin Atalay soll in Untersuchungshaft bleiben, der Prozess wird am 16. März fortgesetzt. Die Türkei wirft 18 Mitarbeitern der Zeitung – wie so oft – Unterstützung von Terrororganisationen vor.
shz.de

Zitat: Jan Böhmermann freut sich über barrierefreie Kommunikation.

"Ich kann per Twitter den Kanzleramtsminister anschreiben. Und das kann ich nicht nur machen, wenn ich prominent bin, das könnte ich auch, wenn ich nur 25.000 Follower hätte."

Satiriker Jan Böhmermann sieht im Interview mit taz Futurzwei durch soziale Medien die Chance einer "einigermaßen barrierefreien Kommunikation" zwischen allen Teilen der Gesellschaft.
"taz Futurzwei" 04/2018, S. 28-37

Weiteres Zitat über Kritik an seinem Erdogan-Gedicht:
"Dabei ist völlig das Verständnis verloren gegangen, dass das ein Job ist und dass es eine gesellschaftliche Funktion erfüllt, so eine Arbeit zu machen, die nicht journalistisch, sondern künstlerisch motiviert ist. Und Grenzen auslotet."

"Spiegel" rekonstruiert die Verhandlungen zur Freilassung von Deniz Yücel.

Deniz Yücel: Der Spiegel" rekonstruiert, wie bereits die "SZ", die Verhandlungen zur Freilassung von Deniz Yücel. Was konkret den Ausschlag zur Freilassung gab, kann das Magazin aber nicht aufklären. Außenminister Sigmar Gabriel habe die Kanzlerin erst zwei Tage vor Yücels Freilassung über den Durchbruch informiert. "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt habe im Januar ein Interview Yücels mit dpa verhindern wollen und dafür sogar dpa-Chefredakteur Sven Gösmann angerufen. Doch weder dpa noch der "Welt"-Korrespondent ließen sich beirren. Yücel hatte gesagt, er wolle auf keinen Fall mithilfe "schmutziger Deals" freikommen.
"Spiegel" 09/2018, S. 24-29 (Paid), turi2.de (Background)

"Welt" stellt am ersten Tag der Rubrik "Free them all" Ahmet Altan vor.

Welt stellt am ersten Tag ihrer neuen Rubrik "Free them all" Ahmet Altan vor. Der türkische Journalist ist seit 2016 wegen seiner Arbeit in der Türkei im Gefängnis und am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die neue Rubrik erscheint auf der Titelseite an der Stelle, an der die "Welt" bislang an Deniz Yücel erinnert hat.
"Welt", S. 1 (Paid), turi2.de (Background)

Außenministerium hat "Welt" zugesichert, dass es keinen Deal zur Yücel-Freilassung gibt.


Ohne Gegenleistung: Das Auswärtige Amt hat der "Welt" eine "Zusicherung" gegeben, dass es keinen Deal zur Freilassung von Deniz Yücel gibt, sagt "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt bei "Anne Will". Poschardt glaube dem Versprechen. Auf die Frage, was Yücel von einer Gegenleistung für seine Freilassung halten würde, antwortet Poschardt: "Er würde nicht kommen wollen, wenn es einen Deal gäbe."

Poschardt lobt u.a. den Einsatz von Sigmar Gabriel, Gerhard Schröder und Peter Altmaier für die Freilassung Yücels. Er habe in den vergangenen Monaten einen großen Respekt vor den Schwierigkeiten der Realpolitik bekommen.

Die Linke-Politikerin Sevim Dağdelen bezweifelt in der Sendung, dass Erdogan den "Welt"-Korrespondenten ohne Gegenleistung freigelassen habe. Auf die Nachfrage von Poschardt, ob sie meine, dass Außenminister Gabriel lüge, will Dağdelen diesen Vorwurf aber nicht erheben.
mediathek.daserste.de (63-Min-Video), spiegel.de, turi2.de (Background)

TV-Tipp: Anne Will talkt über die Folgen der Freilassung von Deniz Yücel.

TV-Tipp: Um 21.45 Uhr spricht Anne Will im Ersten mit ihren Gästen über die Folgen der Freilassung von Deniz Yücel für die deutsch-türkischen Beziehungen. Gäste sind Yücels Chefredakteur Ulf Poschardt, CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, Europa-Staatsminister Michael Roth, der Menschenrechtler Peter Steudtner und Linke-Politikerin Sevim Dağdelen.
presseportal.de, turi2.de (Background)

"SZ": Gabriel und Schröder haben Yücels Freilassung vorangetrieben.


Auf die Sprünge geholfen: Die "Süddeutsche Zeitung", der NDR und der WDR haben monatelang recherchiert, wie deutsche Geheimdiplomatie funktioniert – am Fall Deniz Yücel. Georg Mascolo und Christiane Schlötzer beschreiben in der "SZ am Wochenende" ausführlich, wie Sigmar Gabriel mithilfe von Gerhard Schröder im Geheimen die Fäden gesponnen hat, um Yücel freizubekommen.

Schröder sei "der einzige Deutsche, dem er noch vertraue", soll Erdogan einmal gesagt haben, deshalb wurde der Altkanzler ins Boot geholt. Die Journalisten haben eingewilligt, erst nach der Freilassung zu berichten, um sie nicht zu gefährden. Gabriel und Schröder haben sich jeweils mehrere Male mit Erdogan getroffen, u.a. in Rom und in Istanbul, um die Bedingungen der Freilassung auszuhandeln.

Sie stand zwischenzeitlich auf wackeligen Füßen, weil die Türken durch die GroKo-Verhandlungen und die innerparteilichen Probleme der SPD unsicher waren, ob Gabriel noch der richtige Verhandlungspartner sei. Einen Deal habe es nicht gegeben, sagt Gabriel gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".
"SZ am Wochenende", S. 3 (Paid), turi2.de (Background)

Bild des Tages: Deniz Yücel atmet die Luft der Freiheit.


Endlich in Freiheit: Deniz Yücel und seine Frau Dilek liegen sich in den Armen. Nach mehr als einem Jahr darf der "Welt"-Korrespondent die türkische Untersuchungshaft verlassen. Die Gefängnismauern und Stacheldrahtzäune kann Yücel endlich hinter sich lassen. In der Hand hält er einen Strauß Petersilie, den ihm seine Frau mitgebracht hat. Die Pflanze erinnerte ihn im Gefängnis an seine Dilek, nachdem sie in einem gemeinsamen Urlaub Petersilie zur "Blume unserer Liebe" erklärt hatten. (Foto: Veysel Ok bei Twitter)