AGF misst künftig auch die Reichweiten von Prime Video.


Weltweite Prime-iere: Die AGF, in Deutschland verantwortlich für die Erhebung der TV-Quoten, integriert Streaming-Riese Amazon Prime Video in ihre standardisierte und aktive Messung. Der Schritt gilt als Meilenstein, da erstmals ein Joint Industry Committee einen globalen Streaming-Anbieter über eine Server-to-Server-Schnittstelle anbindet. Bisher hat die AGF die Streamingdaten nur hoch aggregiert über den Traffic ihrer Messrouter erfassen können. Künftig werden die Reichweiten des werbefinanzierten Video-on-Demand-Angebots neutral und vergleichbar ausgewiesen. Die neue serverbasierte Messung ermöglicht auch die Ausweisung inhaltsspezifischer Daten auf Titel- und Formatebene.

Branchenvertreter sind voll des Lobes: Klaus-Peter Schulz, Geschäftsführer des Vereins Die Mediaagenturen, sieht die Zusammenarbeit als "entscheidenden Schritt in Richtung des seit Jahren geforderten Crossmedia-Standards". Kristina Bulle, CMO von Procter & Gamble und OWM-Vorständin sagt: "Nur mit unabhängig erhobenen, vergleichbaren Messgrößen können wir die Effektivität von Kampagnen über alle Kanäle hinweg übergreifend bewerten und unser Marketing effizient steuern. Dass internationale Anbieter diesen Weg mitgehen, stärkt den gesamten Werbemarkt." AGF-Chefin Kerstin Niederauer-Kopf freut sich über den "Meilenstein" und sagt: "Die Zusammenarbeit zeigt, dass auch große globale Player die lokalen Marktbedingungen respektieren und bereit sind, sich in ein gemeinsames Messsystem einzubringen."

"Horizont"-Journalistin Katrin Ansorge sieht nun vor allem YouTube unter "Zugzwang": "Wenn selbst ein globaler Player wie Amazon bereit ist, sich in das gemeinsame System einzubringen, wird es für Googles Videoplattform allmählich schwer, sich weiterhin auf eigene Metriken zu berufen". YouTube-Deutschlandchef Andreas Briese hatte erst gestern via "DWDL" gegen die Quotenmessung der AGF gekantet.
horizont.net (€), meedia.de, presseportal.de, turi2.de (Biese)