Ampel, Jamaika, GroKo? Die Pressestimmen zur Bundestagswahl.


Vorhang zu und alle Fragen offen? Deutschland hat gewählt und gibt die Macht über die K-Frage in die Hände der beiden kleinen möglichen Koalitions-Partner: die der Grünen und der FDP. Die SPD holt zwar die meisten Stimmen, liegt aber nur knapp vor der Union. Da es außer bei einer Neuauflage der GroKo für kein zweier-Bündnis reichen würde, entscheiden Annalena Baerbock und Christian Lindner, mit wem sie partnern wollen. In der Berliner Runde der Spitzenkandidatinnen bitten Olaf Scholz und Armin Laschet schon mal zum Balztanz. turi2 sammelt die wichtigsten Pressestimmen und Kommentare zur Wahl.

"Die Deutschen haben ein Machtvakuum gewählt", urteilt "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann. Er hält ein Dreier-Bündnis unter SPD-Führung für wahrscheinlicher. Claus Strunz, TV-Chef von "Bild", hält es für möglich, dass vier weitere Jahre GroKo kommen – für eine Dreier-Koalition sieht er zu viele Ausschlusskriterien. Für "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt ist die CDU "im Eimer" und die SPD jetzt die Partei "von Olaf Scholz und der Zentristen". Den Grünen sei "der eigene Hochmut zum Verhängnis" geworden. "Monitor"-Chef Georg Restle wundert sich zu später Stunde via Twitter, dass noch ernsthaft über Jamaika diskutiert wird, denn "kaum jemand in Deutschland will Laschet als Kanzler. Schon gar nicht unter Grünen-Anhänger*innen".

"Olaf Scholz hat nicht gesiegt, aber gewonnen", urteilt Gabor Steingart. Die CDU sieht er "ohne Fremdeinwirkung" noch "vor der Ziellinie wie ein erkaltendes Soufflee in sich zusammengesackt". In der "FAZ" prognostiziert Herausgeber Berthold Kohler, dass uns "Monate mit Koalitionsverhandlungen" ins Haus stehen, "wie es sie noch nicht gegeben hat". Die Union müsse sich jetzt "geschlossen" hinter Laschet stellen – "sogar die CSU" habe das erkannt. In der "Süddeutschen" glaubt Detlef Esslinger, dass die neue SPD-Fraktion in Scholz noch eine Zeitlang "ihren Helden" sehen wird. Gegen den willen der einfachen Parteimitglieder, die einem Koalitionsvertrag zustimmen müssen, könne er aber keine Ampel durchsetzen. (Fotos: dpa)
ardmediathek.de (60-Min-Video), spiegel.de (Klusmann, Paid), bild.de (Strunz), welt.de (Poschardt, Paid), twitter.com (Restle), thepioneer.de (Steingart), faz.net (Kohler), sueddeutsche.de (Esslinger, Paid)