Barbara Junge und Andreas Marggraf geben Einblick in den Print-Abschied bei der “taz”.

Digitaloptimismus: "taz"-Chefredakteurin Barbara Junge und Geschäftsführer Andreas Marggraf wollen im Interview mit Steffen Grimberg vom "KNA Mediendienst" anlässlich des Wegfalls der Werktags-Print-Ausgabe Ende der Woche positive Signale in Sachen Transformation senden. So habe das Blatt bisher 57 % der Abo-Kundschaft ins Digitale überführt, Ziel seien 70 %, erzählt Marggraf. Bei anderen Titeln mit einer vergleichbaren Umstellung liege der Wert bei 40 %. Man habe auch den "Worst Case" durchgerechnet und könne Rücklagen nach den zurückliegenden "guten Jahren" gegebenenfalls für eine Überbrückung nutzen. Weder redaktionell noch im Verlag würden durch die Umstellung Stellen wegfallen, geben beide zu Protokoll. Durch einen Fokus auf Videoinhalte habe die "taz" auf Instagram die Follower um 183 % und die tägliche Reichweite um 123 % gesteigert, berichtet Junge. Einen "KI-Knick" bei den Seitenaufrufen habe ihr Medium anders als viele Konkurrenten nicht zu verzeichnen. Einen Plan B zum jetzigen Digitalkurs habe das Medium nicht.

Die letzte Print-"taz" am Freitag bietet 10 Exklusiv-Beiträge zum Motto Solidarität und Aufbruch von bekannten Namen wie T.C. Boyle, Francesca Melandri, Fatma Aydemir oder Sibylle Berg, teilt das Medium im Rahmen einer heutigen Pressekonferenz mit. Zudem werde die "taz" darin ihre Transformation als "autofiktionalen Agententhriller" neu erfinden. Die Gestaltung der Ausgabe übernimmt der Künstler Christian Jankowski, der "die Macher*innen der Zeitung in Szene setzt – vom Verlag bis zur Druckerei". Die erste reine Digitalausgabe am Montag gestaltet dann Künstlerin Kerstin Brätsch.
kress.de, kna.de (€)
(Foto: Pedro Becerra / Oberauer)