
Publikaturist und Gary-Glotz-Kreativchef Peter "Bulo" Böhling ist zwar bekennender Printfan, aber auch ein Gern-Fern-Seher. Ein angekündigtes Dummen-Format hat ihn diese Woche besonders geärgert, als er für turi2 wie jeden Mittwoch Dolles und Doofes aus Mediendorf festhielt – jeweils mit spitzem Bleistift sowie ebenso spitzer Feder und stets bewusst kontrovers.
von Bulo
Gerade erst hat schon wieder die KI eines Forschungsinstituts versucht, sich vor der Deaktivierung zu retten, indem sie ihren eigenen Code umgeschrieben und somit durch Reinforcement Learning gezeigt hat: Könnte eines Tages ungemütlich werden für uns Zweibeiner. Und was machen die Programm-Prolos von ProSieben? Kündigen für den Herbst eine Show an, in der „Deutschlands Dümmster Promi“ gesucht wird – so der wenigversprechende Name des Formats, das nichts Intelligentes erahnen lässt. Und nein, liebe Prosiebengescheite, dass es in Norwegen und Schweden ein Erfolg ist, macht es nicht wertvoller.
Gratulation! – Ganz toll! – Ja, sowas brauchen wir: Sendungen, die schon im Trottel-Titel erkennen lassen, dass sie ihr Versprechen halten werden und ohne Rücksicht auf Verluste Fernsehen von Dummen mit Dummen für Dumme über den Äther jagen. Hurra, wir haben sie, die Bankrotterklärung der menschlichen Aufklärung, die Antimaterie verstandestechnischer Transzendenz! Gut, nun muss nicht jede Sendung gleich die ganze Welt retten. Aber den ausstrahlenden Sender, das wär doch schon mal was, oder? Ich wage den Spoiler: Wird nicht funktionieren. Wenn das eure Wunderwaffe gegen frustrierte Zuschauer ist, solltet ihr sie lieber im Halfter lassen, um nicht noch abgehalfterter zu wirken.
Mit dabei sind Söders Stammbaumstolz Sophie sowie dem Laschet Armin sein Abkömmling, also sein Joe, dessen Sohnemann eben. Und als ob es nicht schon dämlich genug wäre, wenn der Bayerische Ministerpräsident auf Instagram seine Kauleiste ständig appetitverderbend in irgendwelche Bratwürste, Grillhendl oder Döner rammt und der Warwohlnixmitkanzler Lusch…, Verzeihung, Laschet grottendoof auf Unwetter-Pressekonferenzen rumgackert. Nein, jetzt muss auch noch der Nachwuchs ran, in der Schlacht ums Fremdschämen. Und demonstrieren: Es kann gar nicht beschränkt genug zugehen, wenn’s dem Hinterherjagen der davoneilenden Einschalter dient.
Warum zum TV-Teufel macht man als „Prominenter“ bei sowas mit?! Wegen Kohle hoffentlich nicht. Oder haben die Papis das Taschengeld wegen zu belangloser Social-Media-Posts gekürzt? … Bekanntheit? Braucht’s eigentlich auch nicht mehr … Dann kann es doch nur der Wunsch sein, zu beweisen, dass man klüger ist als die in Aussicht gestellten Naivitätsgaranten Basler, Buster oder Bator. Ach nee, man muss ja dümmer sein als die, oder? Herrje, Sie sehen: Ich habe so meine Verständnisprobleme mit dem vermeintlich gripshaltigen Quotenquark. Das Kokettieren mit dem Kaputten, das Salonfähigmachen des Suboptimalen halte ich für eine bedenkliche Entwicklung.
Hallo, Unterföhring, oder sollte ich sagen Unterbieting?! Ist das wirklich der Unweisheit letzter Schluss? Es immer noch weiter sinken zu lassen im Niveau? Immer noch banaler, noch deppenhafter? Die heutige Zeit verlangt nach einem Übersichhinauswachsen, nach einem Potenzieren von Kreativitäten und Inspirationen. Nicht nach dem Versuch, sich im Blödsein zu besiegen. Ich wünsche uns allen darum eine möglichst undumme Restwoche mit dem Ansinnen, soziale und andere Intelligenzen zu fördern – am besten natürliche!
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