turi2 edition #9: Frank Elstner über sein Leben im Rampenlicht.


Worte der Weisheit: Frank Elstner, 77, ist eine lebende TV-Legende. Der Erfinder von “Wetten, dass..?”, ehemalige Moderator von “Verstehen Sie Spaß?” und einfühlsame Interviewer der Stars und Nobelpreisträger arbeitet seit fast 70 Jahren im Show-Business und biegt langsam in die Zielgerade seines Lebens ein. Im Gespräch mit Peter Turi für die turi2 edition9 zieht Elstner schonungslos Bilanz. (Fotos: Gaby Gerster)

Das komplette Gespräch können Sie auch im turi2 podcast bei iTunes hören, bei Spotify, Deezer und Audio Now.

Ich finde Ihr Leben faszinierend – würde es verfilmt, wäre für mich die Einstiegsszene die Nacht, in der Frank Elstner “Wetten, dass..?” erfand. Wie war die?
Auf jeden Fall nahezu schlaflos. Und vielleicht die wichtigste meines Lebens. Das Entscheidende war, dass ich mir eine Frage gestellt habe: Warum wird im deutschen Fernsehen nicht gewettet?

Warum nicht?
Vermutlich, weil Wetten, vor allem um Geld, ein schlechtes Image haben. Ich hatte aber zuvor bei einem Hunderennen in England mit zwei Freunden 20.000 Pfund gewonnen – und wusste, welche Freude eine gewonnene Wette auslösen kann. Und in dieser Nacht, Ende 1980 war es, ist mir in einer
Art Tagtraum, in einem Zustand zwischen wach und schlafend, die Idee zu “Wetten, dass..?” gekommen. Ich bin in die Küche gerannt, habe eine Flasche Rotwein aufgemacht und das Konzept von “Wetten, dass..?” runtergeschrieben. Es war alles schon drin: die Saalwette, die Außenwette, die TED-Abstimmung.

Das Interview mit Frank Elstner finden Sie auch in unserem kostenlosen Blätter-PDF zur turi2 edition #9 auf den Seiten 64-72.

Waren Drogen im Spiel? In Ihrer Autobiografie schreiben Sie von einem “rauschhaften Zustand”.
Nein, auf Drogen war ich nie. Es sei denn, Sie zählen einen guten Rotwein zu den Drogen. Der meiste Rotwein ist aber geflossen, nachdem ich die Idee hatte. Auf den sieben Seiten Konzeptpapier aus jener Nacht, das ich heute noch habe, sieht man deutlich, wie meine Schrift gegen Morgen immer größer wird.

Ahnten Sie damals, dass “Wetten, dass..?” die erfolgreichste TV-Show Europas werden könnte?
Ich habe sofort gewusst: Mir ist hier etwas Großes eingefallen. Ich hatte ja die Zusage vom späteren Intendanten des ZDF, Dieter Stolte, und seinem Unterhaltungschef Wolfgang Penk: “Wenn Sie eine gute Idee haben, kriegen Sie eine Samstagabend-Show im ZDF.” Ich war einfach im richtigen Moment mit der richtigen Idee am richtigen Ort.

Sie haben gegenüber dem ZDF selbstbewusst verhandelt und die größtmögliche Ausstattung verlangt. Woher das Selbstbewusstsein?
Ich glaube, wenn man etwas Großes vorhat und nicht vom Selbstbewusstsein begleitet wird, dann braucht man gar nicht erst anzufangen. Wenn ich mich auf drei Kameras, ein kleines Studio und weniger prominente Kandidaten hätte beschränken lassen, wäre das Ding in die Hose gegangen.

Es gibt große Ideen – und Schnapsideen. Können Sie die beiden vonein- ander unterscheiden?
Nicht immer auf Anhieb. Für die erste Sendung von “Wetten, dass..?” habe ich Stühle bauen lassen, die hydraulisch nach oben gefahren sind, wenn der Wettpate viel Zuspruch bekam. Bei der zweiten Wette habe ich den Weltstar Curd Jürgens in zwei Metern Höhe baumeln sehen und wusste: Das ist Mist. Ich habe die Stühle in der zweiten Sendung weggelassen – obwohl sie sehr teuer waren.

Was ist wichtiger: Talent oder Fleiß?
Beides. Talent ohne Fleiß endet oft im Alkohol. Ich habe im Laufe meines Lebens viele talentierte Menschen kennengelernt, deren Alkoholprobleme ich niemandem wünsche.

Wie kreativ ist eigentlich der Zuschauer?
Wenn der Zuschauer ein Problem lösen soll, ist er verhältnismäßig unkreativ. Wir haben bei Radio Luxemburg mal ein neues Wort für Polizisten in Nordrhein-Westfalen gesucht. Was Nettes, wie zum Beispiel Bobby bei den Engländern. Wir hatten einen Wettbewerb mit 30.000 Zuschriften. Und am Ende kam das blöde Wort “Polli” raus. Aber wenn man den Menschen sagt, hier kannst du was von dir zeigen, dann ist die Fantasie der Zuschauer unendlich. Wir hatten für jede “Wetten, dass..?”- Sendung 100.000 Wettvorschläge, brauchten aber nur sechs. Ich habe zu Hause heute noch eine Kiste spannender Wetten und könnte jederzeit wieder anfangen.

Gibt es eine Altersgrenze für Kreativität?
Nein. Ich glaube, dass der ältere Kreative eher mehr Ideen hat – weil ja die Erfahrung dazukommt. Höchstwahrscheinlich hat er mehr vernünftige Ideen und produziert weniger Makulatur.


Gold im Regal: Frank Elstner hat Goldene Löwen, Kameras und Bambis auf dem Bücherbord wie andere Blumenvasen

Ich würde gern ein paar Themen im Schnelldurchlauf abfragen. Wir beginnen mit Frank Elstner und Erfolg.
Dazu fällt mir ein, dass ich viel Glück gehabt habe in meinem Leben – und dass ich mich nicht beklagen sollte über meine Misserfolge, sondern dankbar sein für meine Erfolge.

Frank Elstner und Geld.
Das ist ein schwieriges Kapitel. Ich habe gut verdient, aber auch furchtbar viel Geld in Projekte investiert, die nichts geworden sind. Am Ende ist weniger hängen geblieben, als es möglich gewesen wäre. Aber niemand muss sich Sorgen machen um mich und meine Familie.

Frank Elstner und Ruhm.
Mach‘ ich mir nichts draus. Ich hatte Kollegen, die sind durch die Innenstädte gefahren, haben das Autofenster runter gekurbelt und Autogramme auf die Straße geworfen. Ich brauche weder Aufmerksamkeit noch eine Vorzugsbehandlung. Toll war die Nähe, die wir zu den Hörern hatten, als ich noch für Radio Luxemburg gearbeitet habe. Für die Hörer war ich der Frank, ein guter Freund – das war meine schönste Zeit.

Frank Elstner und das Internet.
Ist kein Neuland mehr für mich, denn ich interviewe ja Stars wie Jan Böhmermann, Herbert Grönemeyer und Helene Fischer für meine YouTube-Reihe “Wetten, dass war’s..?”. Und es freut mich, dass junge Leute sagen: “Guck mal der alte Kerl, der hat ja noch ganz gute Ideen.” Kürzlich hat ein Kollege gesagt: “Du bist nominiert für den Nachwuchspreis im Internet” – mit 77, das fand ich schon witzig!

Frank Elstner und die Eitelkeit.
Ich habe ein Glasauge – da lernt man früh, nicht so eitel zu sein. In der Zwischenzeit habe ich auch ein Hörgerät. Morgens stelle ich mir den Anspruch, fünf Dinge nicht zu vergessen: Auge, Ohr, Handy, Portemonnaie und Autoschlüssel.

Frank Elstner und das Alter.
Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, sehe ich immer noch so aus wie vor 20 Jahren – aber nur, weil ich so kurzsichtig bin. Im Ernst: Mit dem Alter komme ich nicht klar. Dass ich jetzt schon so alt bin und rundum immer mehr Freunde wegsterben, ist etwas, das macht keinen Spaß. Wenn ich etwas erfinden könnte, wie man 100 Jahre alt wird – das wäre noch besser als “Wetten, dass..?”.


Schulterblick im Frühherbst: Frank Elstner, 77, schaut vom Regiestuhl aus auf ein Leben voller Triumphe und Niederlagen

Frank Elstner und der Tod.
Na ja, da müssen Sie halt überlegen, wie Sie horizontal abreisen, ohne zu viel Schrecken zu hinterlassen. Das heißt: Natürlich habe ich ein Testament gemacht, damit meine Kinder keinen Grund zum Streit haben. Sonst denke ich wenig über den Tod nach. Aber die Begegnung kommt jeden Tag, wenn ich die Zeitung aufschlage mit den Todesanzeigen. Jetzt müssen Sie fragen: Was kommt für Frank Elstner nach dem Tod?

Gern. Was kommt für Sie nach dem Tod?
Das weiß ich nicht. Aber es wird ein großes Abenteuer sein, auf das ich mich fast ein bisschen freue. Denn ich weiß nicht, was da passiert. Das hat der liebe Gott ja fantastisch inszeniert, dass wir unser letztes Stündchen nicht vorhersagen können. Ich könnte mir vorstellen, dass mein letzter Satz heißt: “Nun bin ich aber gespannt.”

Ich finde ja den Grabspruch “Er starb neugierig” schön.
Auf jeden Fall besser als “Hier starb einer, der Vorfahrt hatte.” Im Ernst: Ich glaube, dass die Nähe zum Tod eine unglaubliche Chance für uns Menschen bietet, darüber nachzudenken, was man sich selbst vorzuwerfen hat.

Frank Elstner und Loslassen: Können Sie loslassen oder klammern Sie?
Ich glaube, ich kann sehr gut loslassen. Ich habe viele meiner Sendungen in gute Hände übergeben. Thomas Gottschalk ist mir heute noch dankbar, dass ich ihn einmal in einem Hotel in München fragte: “Möchtest du ‚Wetten, dass..?‘ übernehmen?”

Haben Sie es jemals bereut, dass Sie “Wetten, dass..?” relativ früh, nach 39 Sendungen zwischen 1981 und 1987, abgegeben haben?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe die genau richtige Entscheidung getroffen, den angesagten Moderator Thomas Gottschalk in den Mittelpunkt der Sendung zu stellen. Ich habe nur den Fehler gemacht, die Rechte nicht zu behalten. Das war wirtschaftlich gesehen idiotisch.

Thomas Gottschalk war immer schlagfertiger als Sie, glamouröser. Er war der Showstar, Sie mehr der Show-Arbeiter. Haben Sie ihn darum jemals beneidet?
Nein, um Gottes willen! Ich habe ihn bewundert, sonst hätte ich ihn ja gar
nicht erst gefragt, ob er “Wetten, dass..?” machen möchte. Er hatte ja vorher schon Erfolg und die jungen Leute liebten ihn, wie sie heute Joko und Klaas lieben. Thomas war einfach cool – obwohl man damals noch nicht “cool” gesagt hat. Aber er war es.

Frank Elstner im TV-Fragebogen

In Ihrer Autobiografie rügen Sie Gottschalks “Oberflächlichkeit” gegenüber den Gästen der Show. Sie schreiben: “Hin und wieder hätte es nicht geschadet, wenn er eine vernünftige Frage gestellt hätte.”
Thomas und ich haben ein wirklich erstklassiges Verhältnis. Aber er ist für mich nie der große Journalist gewesen. Thomas ist ein wunderbarer Verkäufer. Ich habe ihn immer bewundert für seine Leichtigkeit, für seinen Wortwitz, für seine Schlagfertigkeit, für seinen Mut, Klamotten zu tragen, von denen ich nicht einmal wüsste, wo man sie kaufen kann. Ich bin ein Moderator, der seine Gäste in den Mittelpunkt stellt. Thomas ist der Mittelpunkt.

Sie haben in Ihrer Zeit als Programmdirektor der fröhlichen Wellen von RTL in Luxemburg manch lohnenden Deal eingefädelt. Die Staumeldungen haben Sie quasi an Ford verkauft.
Jens Feddersen, damals Chefredakteur der “Neuen Ruhr Zeitung” in Essen, und ich dürften Erfinder der sogenannten Zusammenarbeit mit Dritten sein. Ich habe damals in Luxemburg einen ganz geringen Etat gehabt und konnte mit Mühe und Not 20 Discjockeys bezahlen und Platten auflegen. Ich habe immer überlegt: Wie kommst du an Kohle ran und machst ein gutes Programm?

Sie schreiben in Ihrer Biografie, dass viele Radio-Kollegen sich von der Musikindustrie schmieren ließen. Damals hat die das große Geld ja mit Schallplatten gemacht – und für deren Verkauf war es extrem wichtig, im Radio gespielt zu werden.
Wie lief die Bestechung? Jedes Schallplatten-Label hatte seine eigenen Sender-Betreuer. Junge PR-Menschen, die von Sender zu Sender gereist sind und Platten verteilt haben: “Hier habe ich wieder etwas ganz besonders Schönes von Vicky Leandros.” Sie haben die Discjockeys zum Essen eingeladen, ihnen neue Schallplattenspieler geschenkt oder den Urlaub finanziert.

Alle haben mitgemacht?
Wie in jeder Branche, in der bestochen wird: Der eine macht mit, der andere nicht. Wir hatten in Luxemburg vergleichsweise saubere Verhältnisse. Vor allem, weil der Generaldirektor mitverdienen wollte. Es gab dann Platten mit einem roten Punkt: Auf deren B-Seite ist der Musikverlag von Radio Luxemburg als Verleger aufgetaucht und hat so mitkassiert. Das hat mir nie gefallen.

Sie hatten einen lukrativen Nebenjob – als Disco-Eröffner.
Ich glaube, ich habe 1964, 65 und 66 mindestens 200 Diskotheken eröffnet. Tanzsäle auf den Dörfern, wo man zwei Plattenspieler reingestellt hat und sagte: Jetzt macht der Discjockey bei uns die Musik. Die Live-Musik, die früher da gespielt wurde, haben wir verdrängt – aber wir haben die Beatles und die Stones in die Dörfer gebracht.

Digital erlebt das gute alte Radio als Audio gerade eine Renaissance durch Podcasts. Freut Sie das?
Das gute alte Radio ist tot. Das ist schon vor vielen Jahren gestorben, als die Amerikaner mit ihrem schrecklichen Formatradio kamen. Die Computerprogramme haben den Discjockey gekillt, der eine Persönlichkeit war und die Musikstücke selbst ausgesucht hat. Heute machen alle dasselbe
Programm und dieselben Witze. Irgendwann wird einer die Podcasts formatieren – und dann ist das auch vorbei.

Was viele nicht wissen: Sie waren eine Art Kinderstar in den Radiozeiten der 50er Jahre beim SWF. Der kleine Timmi sprach nicht nur Hörspiele, sondern machte auch Werbung.
Ja, das stimmt. Ich war die Stimme für Kaba und habe jahrelang gesungen “Kaba, Kaba – hält dich gesund”. Für 30 Mark, was damals viel Geld war. Für das Bambi, das ich in einem Hörspiel gesprochen habe, bekam ich sogar 40 Mark – die haben aber meine Eltern eingezogen.

Was trieb Sie früher an? Im Interview mit der “Zeit” haben Sie gesagt: “Es gibt doch immer den Motor Gefallsucht.”
Ja, klar. Mich hat angetrieben, dass die Leute geklatscht haben, wenn ich etwas Komisches gemacht habe. Ich war eigentlich immer eine Art Klassenclown und habe als junger Mensch schon Musicals inszeniert und fand das immer ganz toll, wenn die Leute mich beklatscht haben. Wenn ich ein Gedicht aufgesagt oder das Rumpelstilzchen gespielt habe in einem Kinderheim in Baden-Baden und mich zum Schluss dann zerrissen habe. Und die Leute grölten und applaudierten – das war mein Honorar.

In Ihrer Autobiografie warnen Sie davor, dass TV-Leute sehr gefährdet sind, in die Falle der Eitelkeit zu tappen.
Klar. Aber das gilt nicht nur für TV-Leute, sondern auch für Digital-Stars und die Influencer. Erfolg kann süchtig machen – und auch ganz schön verderben. Man sollte geerdet sein und immer wissen, wo man herkommt.

Ich habe gelesen, dass Sie im Februar 1981 die erste “Wetten, dass..?”- Sendung mit sechs Zentimeter hohen Plateau- sohlen moderiert haben. War das Eitelkeit?
Mit Sicherheit. Ich bin 1,73 und kam mir immer zu klein vor. Ich habe mir deshalb vor der ersten Sendung hohe Absätze an die Schuhe machen lassen. Aber als ich mich hinterher gesehen habe, wie ich über die Bühne stolziere, habe ich mir gesagt: Ne, das muss nicht sein. Seitdem stehe ich zu meinen 1,73. Inzwischen bin ich sicher um zwei Zentimeter geschrumpft.

Eine Weile haben Sie sich fürs Fernsehen die ergrauten Haare gefärbt – aus Eitelkeit?
Nein, das war, weil RTL-Chef Dr. Helmut Thoma zu mir sagte: “Frong, feab dia di Hoa, da schaugst jinger aus.” Ich habe dann 800 Mal “Jeopardy” mit gefärbten Haaren moderiert. Danach habe ich sie nie wieder gefärbt, seitdem bin ich Häuptling Silberlocke.

Sie sind mit 13 sitzen geblieben. Später sind Sie durchs Abitur gerasselt. Wollten Sie danach der Welt zeigen, dass der kleine Timmi doch ein Großer wird?
Klar. Wenn Sie als einziger an einem bedeutenden Gymnasium durchs Abitur fallen, ist das ein Arschtritt, wie er schlimmer nicht sein kann. Ich habe
jahrelang davon geträumt, bin schweißgebadet aufgewacht und habe nachts diesen Moment erlebt, als die Klassenlehrerin sagt “Komm mal her”. Da wusste ich schon, jetzt ist es passiert. Ich habe mir damals vorgenommen, nie wieder in eine Situation zu kommen, in der andere Leute mir sagen, wo es langgeht. Und glücklicherweise ist mir das gelungen.

Sie galten anfangs als ungeeignet fürs Fernsehen. Sie haben ein verkümmertes rechtes Auge, waren schüchtern. Erst beim Kinderfunk wurden Sie richtig selbstbewusst.
Ich war ein begabtes Kind, habe beim Kinderfunk wunderbare Erfahrungen gemacht. Ich habe mit berühmten Schauspielern zusammengearbeitet, wie Sonja Ziemann, Horst Frank und Theo Lingen. Die waren alle mit mir im Studio um dieses Mikrofon versammelt – und haben viel mehr Fehler gemacht als ich. Da bekam ich ein unglaubliches Selbstbewusstsein im Sinne von: Na, was die können, kann ich schon lange.

Mit welcher inneren Haltung sind Sie durchs Leben gegangen?
Ich habe es meiner Frau gegenüber mal ganz einfach ausgedrückt: “Ich möchte so leben, dass ich in den Himmel komme.” Ob das ein buddhistischer Himmel ist oder ein katholischer oder ein jüdischer Himmel, kann ich Ihnen nicht sagen.

Was haben Sie verpasst im Leben?
Ich habe blöderweise das digitale Zeitalter verschlafen und mir viel zu spät einen Computer gekauft. Ich bin heute sehr anstrengend und nerve meine Familie, weil man mir alles zeigen muss. Da bin ich froh, dass mir mein Sohn Thomas mit seiner Agentur Zooagency in Berlin bei unserem YouTube-Talk alles Technische abnimmt. Die Mitarbeiter wissen schon: Alle dummen Fragen kommen von mir.

Warum machen Sie immer weiter, wie ein Marathon-Mann?
Ich möchte interessante Menschen kennenlernen, neugierig bleiben. Für mich ist das ein Geschenk.


Der Mann, dem die Ideen nie ausgehen: Frank Elstner hat noch viele Konzepte in der Schublade im Büro seiner Firma Elstnertainment in der Lichtenthaler Allee in Baden-Baden

Wenn Sie Ihr Leben noch einmal leben könnten – was würden Sie anders machen?
Vielleicht manchmal mehr an mich denken. Ich habe mir eigentlich wenig eigenen Spaß erlaubt. Es war zum Beispiel immer mein Traum, ein eigenes kleines Theater zu haben. Das habe ich mal in einem Gespräch mit Beckmann gesagt und bekam am nächsten Tag 27 Theater angeboten. Ich habe lange überlegt: Machst du jetzt ein Theater, wo du nur das spielst und spielen lässt, was dir Spaß macht? Aber dann hatte ich Angst vor der eigenen Courage und habe es nicht gemacht. Ich bin wohl manchmal zu ängstlich.

Nochmal zur Idee, das Leben von Frank Elstner zu verfilmen: Was wäre das für ein Film? Lehrfilm, Komödie, Tragödie?
Mit Sicherheit eine Komödie! Ich bin Unterhalter, ich möchte, dass die Menschen lachen. Ich möchte sie ablenken von dem Schweren in ihrem Leben.

Der Film hätte also ein Happy End?
Auf jeden Fall. Bei mir muss zum Schluss geküsst und gefeiert werden. Es sollen Tränen des Glücks fließen.

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