Embedding-Konflikt: Markus Breitenecker und Christine Strobl streiten auf MTM-Podium.


Beim Medientage Special "Future Video" sind Markus Breitenecker von ProSiebenSat.1 und Christine Strobl, Programmchefin der ARD, sowie Florian Kumb, Direktor Audience des ZDF, erstmals seit dem Streit um die unabgesprochene Einbettung von Mediathek-Inhalten bei Joyn öffentlich aufeinander getroffen. Vor allem zwischen Strobl und Breitenecker kochen die Emotionen dabei immer wieder hoch. Am Ende steht zwar keine Einigung, wohl aber eine leichte Annäherung.

Zunächst analysiert Breitenecker die aktuelle Situation des dualen Mediensystems in Deutschland und erklärt, dass es aus seiner Sicht durch die Konkurrenz von Big Tech aus dem Gleichgewicht geraten sei. "Unsere Finanzierungsgrundlage hat sich halbiert", sagt der Manager mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre. Er gehöre nicht zu denen, die den ÖRR schwächen wollen, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Daher setze er auf Kooperation, etwa durch das getestete Embedding. Außerdem entschuldigt er sich für die Embedding-Aktion im Laufe des Gesprächs mehrfach, weist aber darauf hin, dass der Gesetzgeber das Embedding im neuen Staatsvertrag ausdrücklich erlaube. Dennoch wünsche er sich Einvernehmlichkeit. Als Referenz nennt er die Einbettung des ORF in Österreich, der die Verbreitung seiner Inhalte über Joyn seit Jahren dulde und davon sogar profitiere.

Strobl kritisiert fehlendes Einvernehmen und unterstreicht, dass durch die unabgesprochene Aktion im Februar unnötig Porzellan zerschlagen und Vertrauen zerstört worden sei. Sie weist "Nachhilfe" von Breitenecker zur Erklärung des dualen Systems und der Konkurrenz-Situation mit Big Tech ausdrücklich zurück. Die Mediatheken von ARD und ZDF sollen selbst eine "digitale Heimat" im Sinne des ÖRR-Auftrags sein. Sie wehre sich dagegen, dass einzelne Programme via Embedding aus dem Angebot herausgerissen würden. Darüber, wie das Gebot der Zusammenarbeit und der Einbettung im Staatsvertrag gemeint sei, gebe es unterschiedliche Auffassungen. Strobl ergänzt, dass etwa RTL in der Frage komplett anderer Meinung sei.

Auch ZDF-Vertreter Kumb unterstreicht, dass ARD und ZDF nicht schuld seien am Druck, unter dem P7S1 stehe. Er äußerte zudem Bedenken, dass die Inhalte von ARD und ZDF durch das Embedding wie in einem Kaufhaus "auf dem Wühltisch" oder in einer Nische landen könnten. Er wünsche sich eher eine Shopping-Mall, bei der die Absender der Inhalte klar erkennbar seien. Inwieweit ÖRR und Private von einer Einbettung gleichermaßen profitieren, könne nur gemeinsam ausgelotet werden.

BLM-Chef Thorsten Schmiege, der den Blick der Regulierer liefert, begrüßt, dass sich ARD und ZDF nicht grundsätzlich gegen das Embedding wehren würden. Das habe zu Beginn des Streits noch anders geklungen. Insofern betrachte er das Gespräch als Fortschritt. Er mahnt aber auch, dass die ÖRR-Sender nicht nur auf einem "Link out", also dem einfachen Verlinken ihrer Inhalte, bestehen dürften.

Auf dem Podium, das von Medienjournalist Jörn Krieger moderiert wurde, war als juristischer Experte und Gutachter zudem Mark Cole zu Gast. Er liefert eine ausführliche Einschätzung, warum die Einbettung aus urheberrechtlicher Sicht unproblematisch ist. Wer das Einbetten seiner Inhalte verhindern wolle, könne das technisch unterbinden.
turi2 – eigene Beobachtung

(Foto: ARD//Laurence Chaperon / ProSiebenSat.1)