“Ich werde mich hüten, ihm reinzureden” – Wie die “Zeit”-Spitze künftig zusammenarbeiten will.


Zum Führungswechsel an der Spitze der Zeit-Verlagsgruppe treten der scheidende CEO Rainer Esser und sein Nachfolger Nils von der Kall zum Doppel-Interview bei "Horizont" an. Medienredakteur Roland Pimpl interessiert sich vor allem für die künftige Zusammenarbeit zwischen Esser und von der Kall. Esser geht etwa davon aus, dass von der Kall im Führungstrio mit Christian Röpke und Iris Ostermaier als "Primus inter Pares" agieren werde. Von der Kall ergänzt, dass sich die "Zeit"-Verleger für eine bewährte Führungskonstellation entschieden hätten. Esser werde in Abstimmung mit dem Trio "bei der weiteren digitalen Transformation und Innovation beraten und begleiten". Reinreden werde er dem neuen "Zeit"-Chef nicht, sagt Esser. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Rainer mir jemals gesagt hätte, ich solle im Leser- oder im Werbemarkt dieses oder jenes anders machen. Wir hatten immer einen strategischen Austausch – mit Betonung auf Austausch", beschreibt von der Kall die bisherige Zusammenarbeit.

"Es gab kein Jahr, in dem wir nicht Produkte, Projekte oder Strukturelles angestoßen, ausgebaut, modifiziert oder hinterfragt haben", sagt von der Kall zu der Frage, ob er eher Kurshalten oder Veränderungen anstoßen wolle. Ausbauen will er etwa die Podcast-Aktivitäten der "Zeit" und generell das journalistische Angebot des Verlags erweitern "wie bereits in den letzten Jahren".

In Branchendebatten, in denen Esser immer wieder mitdiskutiert hat, will sich von der Kall wohl erstmal zurückhalten: "Ab 1. Februar wird mein Fokus erst einmal auf der Zeit-Verlagsgruppe und ihrer weiteren Entwicklung liegen." Das Sendungsbewusstsein, das Esser bisweilen zeigte, "kommt vielleicht noch". Esser selbst wolle sich weiter "als Privatmann, Bürger oder Medienkonsument" an Debatten beteiligen. Bei Branchen-Themen werde er sich künftig "mit Nils abstimmen".
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(Foto: Zeit-Verlag / Caren Detje)