
Springer-Chef Mathias Döpfner warnt mit Blick auf den geplanten Ausstieg von KKR vor falschen Erwartungen: "Wer denkt, jetzt würden paradiesische Zeiten anbrechen, weil es ohne KKR nicht mehr so aufs Geldverdienen ankommt, liegt falsch", sagt er im "Cicero"-Interview". Es komme nun im Gegenteil "ganz besonders darauf an, kaufmännisch diszipliniert zu sein". Nur so könne Springer mit der Vision erfolgreich sein, "die Zukunft von Journalismus in der freien Welt" zu gestalten. Für Döpfner beginne gerade "potenziell die spannendste Zeit meines Berufslebens", er sei "im ganz persönlichen Start-Modus".
Döpfner plädiert für mehr Unternehmer in der Politik. Es brauche "fundamentale Disruption" aus dem "Zentrum des politischen Spektrums", keine "aggressive Disruption, die etwas mutwillig zerstören will oder die sich in der Verachtung für Demokratie und Rechtsstaat ergeht", sondern eine "lustvoll kreative Disruption, um besser zu werden". Für Döpfner persönlich komme ein politisches Amt momentan aber nicht infrage, weil es "verantwortungslos dem Unternehmen gegenüber" wäre, sagt er.
Das Gespräch, geführt von "Cicero"-Chef Alexander Marguier, dreht sich über weite Strecken auch um Elon Musk und den umstrittenen "Welt"-Gastbeitrag des Milliardärs. Dabei verteidigt Döpfner die Veröffentlichung in bekannter Weise und stellt die Frage, warum Musk seine politische Meinung geändert hat. Schließlich habe er früher eher linke Positionen vertreten. Der Springer-Chef sieht auch den Wegfall von Faktenchecks bei Meta nicht als "Dystopie". Vielleicht würden die neuen "Community Notes" "sogar freiheitlicher, ausgewogener und pluraler ausfallen als Faktenchecks nach NGO-Manier". Vertrauen würden Journalisten nicht durch "Erziehungsjournalismus, sondern durch Neugier auf die Wirklichkeit" zurückgewinnen.
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(Foto: IMAGO / Eventpress)